VR und KI im Einsatz für Menschen mit Demenz

Wir haben uns hier schon mehrfach mit Demenz beschäftigt. Heute berichten wir über zwei innovative „Spezialbrillen“ und wie sie Menschen, die an Demenz erkrankt sind, mittels VR und KI helfen können.

Zu Beginn der Erkrankung lässt vor allem das Kurzzeitgedächtnis auffallend nach. Je mehr das Kurzzeitgedächtnis schwindet umso wichtiger wird es für Menschen mit Demenz, sich mit vertrauten altbekannten Dingen zu umgeben und in Erinnerungen zu schwelgen. Aus diesem Grund hat sich im Rahmen der sogenannten Erinnerungsarbeit auch der Einsatz alter Fotoalben, Musik aus der Jugendzeit und historischer Filme bewährt. Das Erinnern gibt Sicherheit, schafft Vertrauen und kann vor allem zu Beginn der Erkrankung manchmal noch eine Brücke zur Gegenwart schlagen.

Erinnerungspflege mit VR

In einem gemeinsamen Projekt haben Mediziner und Spieleentwickler ganz besondere VR-Brillen entwickelt. Damit können sich Demenz-Patienten auf eine Zeitreise in die Welt der 50er und 60er Jahre begeben.

VR-Visualisierung einer historischen Straße in Krefeld hilft an Demenz Erkrankten sich zu erinnern.
© Weltenweber

Die Bürger der Stadt Krefeld haben das Projekt großartig unterstützt. Sie haben nämlich zahlreiche historische Fotos beigesteuert. Daraus konnte eine virtuelle 360-Grad-Version einer bekannten Straßenkreuzung in Krefeld entwickelt werden. So entstand eine virtuelle Welt wie sie in den Wirtschaftswunder-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgesehen hat. Mit der Virtual-Reality-Brille können sich die Patienten dort umsehen und sich in der vertrauten Umgebung auch bewegen.

Reise in die Vergangenheit weckt die Aufmerksamkeit der Demenz Patienten

„Die Patienten sind durch die Anwendung sehr neugierig, aufmerksam und teils gesprächig geworden.“, berichtet mir Beate Sucrow, Co-Founderin des Virtual Reality Studios Weltenweber aus Krefeld. Sie ist Game Designerin und arbeitet mit ihrem Team bevorzugt im Bereich Medizin/Therapie.  Die Motivation für diese spezielle Lösung war allerdings eine sehr persönliche, nämlich die Demenzerkrankung ihres Vaters. Dann erfahre ich noch: „Mein Vater hat die Anwendung auch schon getestet. Er hat die Kulisse wiedererkannt und auch die Zeit konnte er richtig einordnen. Das hat uns natürlich sehr gefreut.“

Sicherlich ist eine digitale 3D-Brille nicht für jeden Patienten geeignet. Manch einen mag der Wechsel zwischen den Welten vielleicht auch verwirren oder ängstigen. Aber die ersten Erfahrungen des Helios-Cäcilien-Hospitals Hüls in Krefeld zeigen, dass diese innovative Technologie eine wertvolle Unterstützung bei der Erinnerungsarbeit sein kann.

Menschen mit Demenz  erkennen ihre Angehörige wieder mittels KI

Im Verlauf einer Demenz kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Erkrankten ihre eigenen Kinder oder den langjährigen Partner nicht mehr erkennen. Das stellt vor allem für das Umfeld der Patienten eine enorme psychische Belastung dar.

AI-unterstützte Gesichts- und Stimmerkennung in einer AR-Brille macht es möglich, nahestehende Personen und sogar Haustiere (wieder) zu erkennen.

Wie das funktioniert zeigt dieses Video „Know you again“ von Baidu.

Ob es diese Brille bereits gibt, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Der Spot wurde jedenfalls der Jury des internationalen Kreativawards „One Show“ in New York gezeigt.

Ganz ähnlich funktioniert übrigens die MyEye von OrCam, eine Brille, die für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen entwickelt wurde.

Fazit

Die Beispiele zeigen, dass innovative Technologien nicht nur in „nerdigen Gadgtes“ Verwendung finden. Sie können auch einen echten Mehrwert für Patienten liefern. Wäre toll, wenn Lösungen wie die VR-Brille schon bald Eingang in den Therapiealltag finden würden. Im Rahmen des Aufmerksamkeitstrainings kann ich mir das als sehr sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Methoden vorstellen.

Der Beitrag VR und KI im Einsatz für Menschen mit Demenz erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

ANDERS VR bringt die Natur ans Krankenbett

Kommt der Patient nicht zum Berg, kommt der Berg eben zum Patienten. So oder so ähnlich könnten die Gründer von ANDERS VR gedacht haben als sie ihr Produkt entwickelt haben. Denn mit dieser Lösung wird bettlägerigen Menschen ein virtueller Ausflug in die Natur ermöglicht.

Der Hintergrund

Jeder, der schon mal längere Zeit als Patient in einem Krankenhaus verbringen musste, weiß wie belastend das sein kann. Nirgends findet man wirklich Ruhe und die Zeit zwischen den Untersuchungen und Visiten zieht sich wie Kaugummi. Ablenkung bietet allenfalls der Fernseher am Krankenbett, wenn man dieses nicht verlassen kann.

Abhilfe bietet eine innovative Lösung von ANDERS VR, die herkömmliche Betreuungsangebote nachhaltig ergänzt, um die psychologischen und physiologischen Folgen langer Krankenhausaufenthalte aufzufangen.

ANDERS VR ermöglicht virtuelle Ausflüge

ANDERS VR ist ein Spin-off der Stuttgarter Universität Hohenheim, das zusammen mit Psychologen und Physiotherapeuten spezielle VR-Inhalte entwickelt. Dazu zählen exklusiv produzierte Entspannungs-, Bewegungs- und Atemübungen, Naturerlebnisse sowie individualisierte Erlebnisreisen. So können Patienten ihr Krankenzimmer für eine kurze Zeit virtuell verlassen und einen kleinen Ausflug in die Natur unternehmen.

Ärztin erklärt Patientin im Krankenbett die Benutzung der VR-Brille
© ANDERS VR 2018 www.anders.life

„Mit unserer VR-Brille bringen wir Wälder, Seen und Berge zum Menschen, erzählen ihnen kurze Geschichten oder lassen die Geräusche der Natur auf ihn wirken, um das Krankenzimmer für eine gewisse Zeit zu vergessen.“, so Manuel Döbele, Geschäftsführer von Anders VR.

Aber ANDERS VR ist weit mehr als eine reine Entertainment-Lösung. Von den Atemübungen erhofft man sich auch einen präventiven Nutzen bei der Vermeidung nosokomialer Pneumonien und die Entspannungsinhalte können zur Schmerzlinderung beitragen.

„Wir nehmen den Patienten an die Hand, versetzen ihn mithilfe von virtueller Realität in eine angenehme und beruhigende Umgebung. Dort begleiten wir ihn bei der Entspannung, der richtigen Atmung und bei leichten Bewegungsübungen – und zwar dann, wann der Patient es wünscht und benötigt.“, so Dr. Andreas Haas, Gründer und Geschäftsführer von Anders VR.

Was erwartet den Nutzer bei ANDERS VR?

Bei der Entwicklung der Inhalte wirken Physiotherapeuten, Psychologen und andere Experten beratend mit, damit das Angebot auch wirklich auf die Situation der Patienten zugeschnitten ist.

Verwendet werden ca. 7-minütige 360-Grad-Filme von realen Umgebungen. Da gibt es zum Beispiel eine Fahrt auf dem Bodensee oder einen Coach, der Bewegungsübungen auf einer grünen Wiese vorführt. Bei der Perspektive der Filme wird auch berücksichtigt, ob ein Patient im Krankenbett nur flach liegen oder auch aufrecht sitzen kann. Das sorgt für sofortige Vertrautheit beim User und verhindert die „motion sickness“, die beim Eintauchen in eine computergenerierte Umgebung mit einer VR-Brille auftreten kann.

Die Anwendung ist ohne Internet- oder Mobilfunkverbindung, also vollkommen offline möglich. Somit kann das Produkt grundsätzlich zu jeder Zeit und an jedem Ort, sogar im OP-Saal zur Beruhigung des Patienten eingesetzt werden.

Für jeden Patienten kann der zuständige Therapeut das individuell optimale Programm – derzeit existieren schon an die 80 – zusammenstellen.

Einen ersten Eindruck vermittelt diese Video:

 

Was kostet der virtuelle Ausflug mit ANDERS VR?

ANDERS VR hat drei verschiedene Preismodelle. Dazu kommt eine einmalige Schulungsgebühr in Höhe von 400,00 €. In der Schulung erfährt man alles über die korrekte Anwendung und bekommt Empfehlungen zum hygienischen Umgang mit der Brille.

Wer sich vor dem Kauf erst einen Eindruck verschaffen möchte, kann eine Demo des Produkts buchen.

Fazit

VR im medizinisch-therapeutischen Umfeld ist aus unserer Sicht ein Mega-Thema. Und die Möglichkeiten sind noch längst nicht ausgeschöpft. Wir sind gespannt, was da noch alles kommt.

Der Einsatz der Lösung von ANDERS VR beschränkt sich natürlich nicht auf Krankenhäuser. Auch für Menschen, die in Alten- oder Pflegeheimen leben und in ihrer Mobilität eingeschränkt oder bettlägerig sind, kann sie eine sehr wertvolle Ergänzung zum klassischen Angebot sein.

Alter Mensch in Alternheim freut sich mit VR-Brille
© ANDERS VR 2018 www.anders.life

An anderer Stelle haben wir bereits über den Einsatz von VR bei Angststörungen berichtet:

VR-Brille gegen soziale Phobie

Phobien mit VR kurieren

Der Beitrag ANDERS VR bringt die Natur ans Krankenbett erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.