Sleepio – ein digitales Schlafhelferlein

Ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir, sagt man so landläufig. Wohl dem, der immer gut in den Schlaf findet, gut durchschläft und dann morgens bestens erholt aus den Federn springt. Leider ist ein guter und erholsamer Schlaf längst nicht jedem vergönnt. Die Online-Schlafhilfe Sleepio verspricht Abhilfe.

Die Prävalenz von Schlafstörungen in der deutschen Erwachsenenbevölkerung wird mit knapp 6% als hoch und als gesundheitspolitisch bedeutsam angesehen.[1] Schlafstörungen sind mit einem erhöhten Risiko für eine Vielzahl psychischer und somatischer Gesundheitsstörungen verbunden. So haben Insomnie-Patienten eine deutlich erhöhte Mortalität gegenüber „Normal“-Schläfern. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass zu wenig Schlaf offenbar eine altersunabhängige Dosis-Wirkungs-Beziehung zu Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck sowie zum metabolischen Syndrom aufweist.[2]

Als nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten haben sich unter anderem psychoedukative Maßnahmen wie die Vermittlung „schlafhygienischer“ Regeln und die Umbewertung dysfunktionaler schlafbezogener Gedanken die Konfrontation mit den auslösenden schlafbehindernden Situationen sowie das Erlernen von Entspannungstechniken bewährt.

Eine neue Option stellt Sleepio, eine voll automatisierte und algorithmenbasierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Insomnie-Behandlung dar.

So funktioniert Sleepio

Zuerst wird mittels eines Online-Tests der persönliche Schlaf-Score ermittelt.

Dann werden Patienten von einem Avatar, „The Prof“ genannt, durch sechs virtuelle Sitzungen mit einer Dauer von rund 20 Minuten geleitet. Anhand von mehreren Fragen reagiert das KVT-basierte Programm individuell auf die Bedürfnisse und Probleme der Patienten und kann ihnen so Wege aus der Schlaflosigkeit weisen.

Die Patienten sollen ein Schlaftagebuch führen und ihre Fortschritte darin dokumentieren. Unterstützung bekommen sie auf Wunsch von anderen, bereits fortgeschrittenen Teilnehmern.

Wie gut wirkt Sleepio?

Sleepio wurde inzwischen in mehreren klinischen Studien getestet.

In einer ersten placebokontrollierten Studie erwies sich die Online-KVT als signifikant wirksamer: 76% der Studienteilnehmer erreichten damit einen gesunden Schlaf.[3]

In einer aktuellen Studie wurde nun an 1711 Teilnehmern untersucht, ob das Programm auch Auswirkungen auf die funktionelle Gesundheit, das psychische Wohlbefinden und die schlafbezogene Lebensqualität hat.[4]

Die Teilnehmer wurden dafür von einem webbasierten Tool randomisiert auf zwei Gruppen verteilt:

  • Die einen durften sich eine Broschüre zur richtigen Schlafhygiene herunterladen (Kontrollgruppe). Ihnen wurde nach einem halben Jahr Sleepio angeboten.
  • Die anderen bekamen von Anfang an einen Onlinezugang für Sleepio, den sie zwölf Wochen lang nutzen konnten.

Das Ergebnis der Studie:

Der globale Gesundheitszustand hatte sich nach Angaben der Patienten nicht wesentlich verändert.

Verbessert hat sich das psychische Wohlbefinden: Der WEMWBS-Wert stieg mit der Online-KVT von 43,1 auf 48,6 Punkte, mit der Broschüre nur auf 45,3 Punkte. Die Effektstärke war mit 0,38 aber doch eher gering.

Erhebliche Unterschiede zeigten sich bei den Insomnie-bedingten Beeinträchtigungen. So sank der GSII-Wert in der KVT-Gruppe innerhalb eines halben Jahres von 88 auf 43 Punkte, mit der Broschüre nur auf 63 Punkte.

Depressionen, Ängste, Müdigkeit und kognitive Probleme waren nach einem halben Jahr mit der Online-KVT geringfügig schwächer ausgeprägt als mit der Broschüre. Die Fatigue reduzierte sich deutlich stärker.

Mein Fazit

Grundsätzlich können Online-Verhaltenstherapien sicher eine ganz gute Option für Menschen sein, die die sich sonst keiner zeitintensiven persönlichen Psychotherapie unterziehen würden.

Sleepio hat in der jüngsten Studie gezeigt, dass das Programm den Schlaf deutlich verbessern kann. Der Effekt darüber hinaus auf das psychische und körperliche Wohlbefinden hingegen hält sich allerdings in Grenzen. Ob sich die Teilnahme an Sleepio nun am Ende rechnet, muss jeder Teilnehmer für sich selbst entscheiden.

 

[1] Schlack R et al. Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) Bundesgesundheitsbl 2013;56:740–748

[2] Grandner M et al. Problems associated with short sleep: bridging the gap between laboratory and epidemiological studies. Sleep Med Rev 2010;14:239–247.

[3] Espie et al. (2012) SLEEP;35(6).

[4] Colin A. et al. Effect of Digital Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia on Health, Psychological Well-being, and Sleep-Related Quality of Life JAMA Psychiatry. Published online September 25

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MindDoc – Psychotherapie ohne Wartezimmer und Wartezeit?

Depressionen, Burnout und Essstörungen per Videochat behandeln? Eine Psychotherapie komplett im Online-Modus? Von zuhause oder unterwegs. Die private Schön Klinik aus Prien am Chiemsee ist mit Ihrem Angebot MindDoc vor fast einem Jahr an den Start gegangen.

Es kann jeden treffen

Zeitnot, Stress, Entfremdung, Zukunftsängste: Zahlreiche Ursachen bringen die Seele aus dem Gleichgewicht. Nach Angaben der DGPPN* ist mehr als jeder Vierte in Deutschland im Laufe eines Jahres betroffen. Unterm Strich: 45 Milliarden Euro direkte Gesundheitskosten und 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr.

Die Studie zur Gesundheit Erwachsenerdes Robert-Koch-Institut nennt als die drei häufigsten Störungsbilder Angststörungen, Depression und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum. Nahezu die Hälfte aller Betroffenen weist mehr als eine Erkrankung auf.

Psychische Erkrankungen haben Auswirkungen auf praktisch alle Lebensbereiche der Betroffenen und ihres Umfeldes. Sie sind stärker von Krankheiten, Sucht, Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit sowie Ausgrenzung und Selbstgefährdung betroffen.

Steigender Bedarf

Die Inanspruchnahme psychiatrischer und psychotherapeutischer Leistungen nimmt stetig zu. Laut DGPPN werden mehr als 90% der Betroffenen ambulant behandelt. Die Angebotsstruktur der ambulanten Versorgung konnte jedoch dem steigenden Bedarf bisher nicht ausreichend gerecht werden. Wartezeiten bis zu sechs Monate sind keine Seltenheit. Dabei gibt es große regionale Unterschiede in der Versorgungsdichte. Ein Konzept wie das der Schön Klinik hat also durchaus seine Berechtigung.

Online-Therapie MindDoc
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©Schön Klinik, Prien

Nach eigenen Angaben kann die Schön Klinik auf 30 Jahre psychotherapeutische Erfahrung zurückblicken. Diese wird nun seit nahezu einem Jahr mit dem Online-Angebot kombiniert. Die Vorteile: kurze Wartezeiten, bequeme Durchführung von Zuhause, psychotherapeutische Begleitung und zusätzliche, therapieunterstützende Online-Inhalte.

Mit der Anwendung können sich Patienten mit Depressionen, Essstörungen oder Burnout per Videochat und Textnachrichten von zu Hause aus behandeln lassen. Begleitend dazu bekommen sie verhaltenstherapeutische Übungen gestellt. Eine Sitzung dauert – wie beim niedergelassenen Therapeuten – 50 Minuten.

Nach Aussage der DGPPN ist das Risiko einer Fehleinschätzung vergleichbar mit dem bei einer Therapie von Angesicht zu Angesicht. Wichtig ist als Grundlage eine sorgfältige erste Diagnostik vor Ort.1

Kosten und Evaluation

Die Kosten entsprechen denen einer klassischen ambulanten Therapie. Die Online-Therapie ist allerdings noch keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Innovative Krankenkassen, die den Mehrwert erkannt haben, gibt es aber durchaus in Deutschland.

Wissenschaftlich evaluiert wird die MindDoc-Therapie durch die Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg sowie die Ludwig-Maximilians-Universität München. Wissenschaftliche Publikationen können auf der Webseite von MindDoc abgerufen werden.

Mein Fazit

Online-Therapien boomen seit Jahren. Dabei ist Online-Therapie sicher nicht für jeden geeignet. Bei dem ein oder anderen besteht durchaus die Notwendigkeit, einen ambulanten Therapeuten aufzusuchen oder sich in eine stationäre Behandlung zu begeben. Aus diesem Grund finde ich es gut, dass die Schön Klinik vor Therapiebeginn auf ein einmaliges persönliches Kennenlernen in einem ihrer bundesweiten Diagnostik-Standorte (Psychotherapeutische Praxen) besteht.

Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) sieht Angebote wie MindDoc oder Selfapy kritisch.1 Und sicher ist es Aufgabe der Politik, das Problem der Wartezeit zu lösen. Sie tut es aber nicht – oder vielleicht doch, aber einfach zu schwerfällig. Menschen schnell und unbürokratisch aus der Krise zu helfen, darum geht es am Ende. Und dafür sind Plattformen wie MindDoc auf jeden Fall besser als nichts zu haben.

P.S. Als Quelle habe ich u.a. das Dossier Psychische Erkrankungen in Deutschland: Schwerpunkt Versorgung der DGPPN genutzt. Eine sehr interessante Publikation die ich jedem tiefer interessierten Leser empfehle.

*Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
1 Quelle: Ärztezeitung Online

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HERAX, der Roboter-Handtherapeut

Das Start-Up Unternehmen LIME Medical entwickelte die HERAX Fingerschiene, die sich bequem in den Rehabilitationsalltag integrieren lässt und mit der sich gleichzeitig die Hand- und Fingerbewegungen nach einem Unfall oder Schlaganfall wiederherstellen lassen.

Die Hände gehören wohl zu den wichtigsten Werkzeugen des Menschen. Täglich und unermüdlich sind Hände und Finger für den Menschen im Einsatz. Ob bei der Zubereitung von Speisen, dem Tragen von Einkaufstaschen, beim Autofahren oder dem Tippen auf der Tastatur im Büro – eigentlich immer und überall benötigen wir unsere Hände. Doch was ist, wenn unsere Hände plötzlich nicht mehr so wollen wie wir? Ein Unfall oder ein Schlaganfall können das Leben von einem auf den anderen Tag komplett auf den Kopf stellen und die Handfunktion einschränken oder gar völlig auslöschen. Wie gut, dass heutzutage die Medizin viele Möglichkeiten der Behandlung bietet. Zu einer erfolgreichen Therapie ist aber auch eine auf den Patienten individuell angepasste Rehabilitation unerlässlich. Hier setzt das 2016 gegründete Start-Up LIME Medical mit der HERAX Fingerschiene an, einer innovativen Rehabilitationsrobotik zur Nachbehandlung der Hände und Finger nach einem Unfall oder Schlaganfall.

HERAX entlastet Physiotherapeuten

In enger Zusammenarbeit mit der Handchirurgie der Universitätsklinik Mainz entwickelten die Gründer Pascal Lindemann und Dominic Libanio die Fingerschiene HERAX, ein Roboter als Handtherapeut. Die Fingerschiene lässt sich schnell und einfach wie ein Handschuh anziehen und bewegt dann die Finger. Eine komplexe Mechanik sorgt dafür, dass die Finger sehr natürlich und vorsichtig bewegt werden. So kann die HERAX Fingerschiene den Physiotherapeuten wunderbar im Alltag entlasten. Dabei lässt sich das Gerät individuell auf die jeweilige Handgröße des Patienten einstellen. Dreimal täglich für je 30 Minuten ist die Fingerschiene im Einsatz, um das intensive Bewegungstraining an jedem einzelnen Finger durchzuführen. Ziel der Gründer war es, ein Fingertherapiegerät zu entwickeln, mit dem die Handfunktionen des Patienten möglichst schnell wiederhergestellt werden und der Patient im besten Falle wieder seiner Arbeit nachgehen kann.

Eine Fingerschiene für Zuhause

In der Entwicklung der Prototypen arbeiten die Gründer stets eng mit Medizinern und Experten zusammen, um sich immer wieder Feedback für Verbesserungen einzuholen. Zunächst möchten die Gründer die Fingerschiene an Krankenhäuser verkaufen. Langfristig soll der Patient aber auch Zuhause mit der Fingerschiene trainieren können.

Mein Fazit

Ein tolles, innovatives Start-Up, welches ein Problem erkannt und dafür eine Lösung geschaffen hat. Denn: betrachtet man die geringe Anzahl an Physiotherapeuten auf dem Markt und gleichzeitig das hohe Patientenaufkommen in der Hand- und Fingertherapie, ist die HERAX Fingerschiene vielleicht genau der richtige Ansatz.  So können einerseits die wenigen Therapeuten im Alltag entlastet werden und andererseits wurde eine Lösung geschaffen, die den Patienten schneller wieder gesund werden lässt und im Idealfall an den Arbeitsplatz zurückbringt.

Einen weiteren interessanten Artikel  kannst du hier nachlesen.

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Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

Das Forscherteam rund um Prof. Dr. Klaus Kümmerer, Experte für nachhaltige Chemie und Ressourcen der Leuphana Universität Lüneburg, entwickelte auf der Basis von Ciprofloxacin einen Wirkstoff, der nach seiner medizinischen Verwendung zerfällt, um so der Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen entgegenzuwirken. 

Seit rund fünf Jahren arbeiten die Forscher nun an einem neuen Wirkstoff – mit Erfolg. Das Forscherteam konnte einen Wirkstoff entwickeln, der durch natürliche Zerfallsprozesse nach der medizinischen Anwendung und Ausscheidung unwirksam ist. Damit der Wirkstoff zerfällt, mussten laut Angaben der Forscher chemische Bindungen so destabilisiert werden, dass sie beim Durchwandern des Körpers im Blut ausreichend stabil sind, um noch zu wirken, danach aber in der Umwelt zerfallen. Keine leichte Aufgabe. Die Forscher mussten zunächst Voruntersuchungen zur Abbaubarkeit vornehmen und die bestehende Wirksubstanz analysieren. Mit Hilfe von Rechenmodellen konnten verschiedene Varianten auf verbesserte biologische Abbaubarkeit und gleichzeitig auf die Abwesenheit unerwünschter toxikologischer Effekte sowie weiterer wichtiger Eigenschaften geprüft werden. Die Moleküle wurden beispielsweise an der aktiven Grundstruktur aber auch an den Seitenketten verändert. Die aussichtsreichsten Varianten wurden im Labor chemisch-synthetisch hergestellt und im Reagenzglas getestet. Nach Angaben der Wissenschaftler funktioniert der daraus entstandene Wirkstoff im Reagenzglas und ist besonders für Arzneimittelhersteller eine Chance, daraus ein Medikament zu entwickeln und so die Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen vorzubeugen.

Immer wieder ist der Einsatz von Antibiotika scharf in der Kritik. Dabei wird besonders die Häufigkeit des Einsatzes von Antibiotika in Frage gestellt und die daraus resultierende Entwicklung resistenter Keime. Ciprofloxacin ist solch ein Antibiotikum, welches häufig bei bakteriellen Infektionen wie beispielsweise einer Blasenentzündung verschrieben wird. Laut Angaben des Forscherteams werden von Ciprofloxacin beachtliche 33 Tonnen pro Jahr allein in Deutschland in der Human- und Tiermedizin eingesetzt. Hat das Antibiotikum seine Wirkung erfüllt, wird es ausgeschieden und gelangt weitgehend unverändert in die Umwelt.

Die Folgen sind fatal. So haben bereits kleine Konzentrationen einen erheblichen Einfluss auf das Ökosystem und können zur Selektion resistenter Bakterien beitragen. Glänzt Ciprofloxacin einerseits durch eine breite Wirkung, ist es andererseits besonders schwer abbaubar. So gelangt es beispielsweise in das Abwasser von Krankenhäusern sowie durch die Einnahme Zuhause auch in das häusliche Abwasser. Über die Landwirtschaft dringt es in die Böden ein und kann von dort in das Oberflächen- und Grundwasser geraten. Für das Forscherteam Grund genug einen entscheidenden Schritt in Richtung grüne Pharmazie zu gehen, denn der Bedarf an abbaubaren Arzneimittelwirkstoffen ist laut Angaben der Wissenschaftler groß. So entstand das Konzept „benign by design“, was so viel heißt wie: „gutartig per design“.

Das Forschungsprojekt wurde seit 2014 mit rund einer halben Millionen Euro durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Mein Fazit

Das Forscherteam hat einen mutigen und richtigen Schritt gewagt – dafür vorneweg ein großes Kompliment. Der Einsatz von Antibiotikum ist manchmal unerlässlich und kann Leben retten, dass steht außer Frage. Ob und wann der Einsatz von Antibiotikum gerechtfertigt ist, können nur Experten richtig beurteilen. Und trotzdem hat Antibiotikum in der Häufigkeit seiner Anwendung auch einen erheblichen und leider negativen Einfluss auf unsere Umwelt. Deshalb finde ich es gut und gerechtfertigt, dass sich das Forscherteam diesem herausfordernden Thema gestellt und gleichzeitig gezeigt hat, dass es grundsätzlich möglich ist, einen Wirkstoff herzustellen, welcher nach seiner Anwendung im menschlichen Organismus zerfällt und somit auch keinen weiteren Einfluss auf die Umwelt hat. Ob und wie sich dieser Wirkstoff auf dem großen Arzneimittelmarkt in Zukunft behaupten kann und ob noch weitere Wirkstoffe dieser Art hinzukommen lässt sich heute schwer abschätzen. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist aber getan.

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Gangtraining mit Gehroboter nach Schlaganfall

Robotergesteuerte Unterstützungssysteme für die Rehabilitation – darüber haben wir auf HealthcareHeidi schon mehrfach berichtet. Eine kleine deutsche Studie belegt nun erneut die Wirksamkeit der Systeme. In diesem Fall ein Gehroboter der für den physiotherapeutischen Einsatz bei Apoplexie-Patienten mit Pusher-Symptomatik eingesetzt wurde.

Die Studie

Durchgeführt wurde die Studie am Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum der LMU München. Ausgewählt wurden 30 Patienten mit Hemiparese (Halbseitenlähmung) und Pusher-Symptomatik. Die Hälfte der Patienten wurde mit einem Gehroboter behandelt, die Übrigen mit konventioneller Physiotherapie. Die Therapiedauer betrug eine Stunde bei insgesamt 8-10 Sitzungen innerhalb von zwei Wochen.

Das Ergebnis

Als primären Endpunkt verwendeten die Ärzte eine definierte Punkte-Skala zur Messung der Lateropulsion (unwillkürliche Seitwärtsbewegung). Auf einer Skala von 0 (geringe Lateropulsion) bis 6 (schwere Lateropulsion) konnte die Gruppe mit roboterunterstützter Therapie ihren Ausgangswert von 4,25 Punkten nach zwei Wochen Therapie um 1,75 Punkte reduzieren. Nach weiteren zwei Wochen lag der Wert um 2,25 Punkte unter dem Ausgangswert. Die Gruppe mit konventioneller Physiotherapie konnte ihren Ausgangswert von 3,0 Punkten nicht verbessern.

Sechs Patienten, die ein robotergestütztes Gangtraining erhalten haben, zeigten nach dem zweiwöchigen Training keine Pusher-Symptomatik mehr. In der Gruppe unter konventioneller Physiotherapie war dies nur bei einem Patienten der Fall.

Darüber hinaus konnten zwei Wochen nach Therapieende neun der Patienten mit Roboter-Gangtraining wieder gerade gehen und sitzen. In der Gruppe mit konventioneller Therapie fünf.

Mein Fazit

Das Ergebnis einer Therapie mit robotergesteuertem Gangtrainer ist signifikant. Während des Trainings aktivieren Patienten ihre Rumpfmuskulatur und ihren Gleichgewichtssinn. Entscheidende Aspekte für das Wiedererlernen des selbstständigen Gehens. Meines Erachtens eine absolute Bereicherung für jeden betroffenen Patienten.

Lesen Sie hierzu auch Exosuit verbessert das Gangbild von Schlaganfallpatienten mit Hemiparese und Robotergestützte Therapie des Oberkörpers nach Schlaganfall.


Erläuterungen

Apoplexie: Ein Apoplex im Allgemeinen bezeichnet die plötzliche Durchblutungsstörung eines Organs, die eine Sauerstoffunterversorgung mit anschließendem Gewebsuntergang zur Folge hat. Medizinzisch steht der Begriff heute i.d.R. als Synonym für Schlaganfall (Apoplexia cerebri), auch als Hirninfarkt, Hirnschlag oder zerebraler Insult bezeichnet.

Pusher-Symptomatik: Die Pusher-Symptomatik ist gekennzeichnet durch die Angst des Patienten, im Sitzen oder Stehen zur nichtgelähmten Seite zu fallen. Diesem Gefühl begegnet der Betroffene unbewusst durch ein aktives Drücken („Pushen“) mit dem nichtgelähmten Körperteil zur gelähmten Seite. In der Folge neigt sich der Körper übermäßig stark zur gelähmten Seite, bis hin zum Kippen und damit Fallen. Etwa 10 % aller Schlaganfallpatienten leiden an einer Pusher-Symptomatik.

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Kaltes Plasma für chronische Wunden?

Kaltes Plasma ist ein Bakterienkiller. Die keimtötende Wirkung hat sich bereits bei der Hygiene-Behandlung von Verpackungsoberflächen etabliert. Jetzt geht es aus der NASA-Forschung auch in die Medizin.

Wunderwaffe Kaltes Plasma?

Kurz zur Physik – Was ist Plasma überhaupt? Plasma gilt als der vierte, nicht klassische, Aggregatzustand. Neben fest, flüssig und gasförmig kann jedes Gas durch Energiezufuhr in Plasma umgewandelt werden. Charakteristisch für Plasma ist sein Leuchten, welches durch Strahlungsemission angeregter Atome entsteht.

In klinischen Studien hat sich der Nutzen der Plasmatherapie bereits erwiesen. In der Anwendung bei Erregerbedingten Hauterkrankungen und chronischen Wunden sank die Zahl krank machender Keime in mit Kaltem Plasma behandelten Wunden deutlich. Kaltes Plasma tötet dabei bestehende Keime ab, ohne gesundes Gewebe anzugreifen. Es soll selbst Bakterien zerstören, die gegen Antibiotika Resistenzen bilden.

Ein weiterer positiver Effekt: Neben der antibakteriellen Wirkung regt die Plasmatherapie auch die Gewebeneubildung an, da durch die Stimulation die Mikrozirkulation nachweislich gesteigert wird. Die Therapie ist schmerzfrei; Nebenwirkungen konnten bisher keine festgestellt werden.

Kaltes Plasma-Chronische Wunden-Healthcare Heidi-01
©Cinogy GmbH
Nicht-heilende Wunden

Die Zahl der Patienten mit chronisch infizierten Wunden steigt ständig. Allein in Deutschland leiden mehr als fünf Millionen Menschen unter chronischen, nicht heilenden Wunden. Die derzeitige Therapie ist oft mit langen Krankenhausaufenthalten verbunden. Die jährlichen Kosten sind immens. Alternative Therapien – wie z. B. die Behandlung mit speziell gezüchteten Maden – ist nicht Jedermanns und -fraus Sache.

Beispiele für chronische Wunden sind der diabetische Fuß, Gangräne, Dekubitus oder postoperative Wunden nach chirurgischen Eingriffen. In einer Wunde, in der die Heilung zum Stillstand gekommen ist, eine Reaktivierung zu erreichen, erfordert oft komplexe Behandlungsschritte. Hier hat sich die Wundbehandlung mit Kaltem Plasma eindeutig als Vorteil erwiesen.

Wie sieht die Behandlung aus?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. ColdPlasmaTech, eine Ausgründung der Universität Greifswald, entwickelte z. B. ein Hightech-Pflaster aus Silikon, das die Wunde durch Kaltes Plasma schneller schließen soll. Die Wirkkomponenten sind Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, UV-Strahlung und elektrische Felder. Sie sollen die Durchblutung im Wundgebiet verbessern, neue Blutgefäße entstehen lassen, die Körperzellen stabilisieren, die Regeneration des geschädigten Gewebes ankurbeln und Bakterien und Pilze abtöten.

Eine Wundauflage, die für mehrere Tage auf der Wunde bleibt ist auch das PlasmaDerm® Dress. Auch mit dieser Wundauflage können die Keime mehrmals täglich bekämpft und die Durchblutung regelmäßig angeregt werden. Was den Heilungsprozess sicher signifikant verbessert.

Eine weitere Möglichkeit ist der sogenannte Plasma-Pen. Entwickelt haben ihn Wissenschaftler des Greifswalder Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie (INP) zusammen mit Kollegen an der Charité Berlin und dem Universitätsklinikum Greifswald.

Das Fraunhofer Institut für Schicht- und Oberflächentechnik Göttingen hat ein Gerät entwickelt, welches am Kopfende aus einem weißen Schwamm besteht, der auf die Wunde des Patienten gehalten wird. Winzige Noppen auf der Unterseite verhindern, dass der Schwamm direkt auf der Haut aufliegt. Frei bleibt ein Luft gefüllter Spalt in welchem das Kalte Plasma entsteht. Dreimal pro Woche wurden die chronischen Wunden beim Verbandwechsel behandelt.

Professor Emmert, Dermatologe am Uniklinikum Göttingen, hat Patienten mit schwer heilenden, chronischen Wunden behandelt und konnte zeigen, dass gerade in den ersten Wochen der Behandlung eine schnellere Wundheilung eingetreten ist, als mit der Standard-Therapie. Auch der Schmerz der Wunde ist deutlich geringer, wenn man zusätzlich mit Plasma behandelt.

Mein Fazit

Kaltes Plasma = Medizin der Zukunft? Klares Ja! Forscher arbeiten bereits daran, Kaltes Plasma auch in der Krebstherapie und der Behandlung von Neurodermitis einsetzbar zu machen. Ein Plasmastick für die Hausapotheke zur Behandlung kleinerer, verletzter Hautareale ist die Vision.

Die Anwendung von Kaltem Plasma fällt noch nicht unter die Routineversorgung und ist damit noch nicht abrechnungsfähig. Auch wenn erste Kassen bereits in Einzelfällen die Behandlungskosten übernehmen, muss der Patient in den überwiegenden Fällen die Kosten (noch) selbst tragen. Damit haben wir nun leider wieder die Zwei-Klassen-Medizin in einer richtig guten Sache. Deshalb, liebe Krankenkassen, lasst euch nicht lange bitten und macht die Therapie abrechnungsfähig.


Ein weiterer Beitrag zum Thema Chronische Wunden smart versorgen gibt es hier.

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moodgym ist Fitness für die Stimmung

Um ihre Muskeln zu trainieren gehen viele Menschen ins Gym. moodgym ist sozusagen ein virtuelles Fitnessstudio, in dem man seine Psyche aufbauen und trainieren kann.

Was ist moodgym und für wen ist es geeignet?

moodgym zählt zu den internetbasierten Selbstmanagementprogrammen. Es ist ein interaktives Trainingsprogramm, das eine ergänzende Hilfe zur Selbsthilfe bietet.

moodgym ist für Menschen mit leichter depressiver Symptomatik geeignet. Aber Menschen, die einer depressiven Erkrankung vorbeugen möchten, können ebenfalls davon profitieren.

Das Programm behandelt Themen wie den Zusammenhang von Gedanken und Gefühlen, Beziehungsprobleme, Stressbewältigung und vermittelt Entspannungstechniken. Zudem gibt zahlreiche Übungen und Selbsttests für das individuelle Training.

Für wen ist moodgym nicht geeignet?

moodgym bietet keinen Ansprechpartner auf persönlicher Ebene, wie es mit einem Therapeuten möglich ist. moodgym ist nicht zur Diagnostik von Depressionen geeignet, weist den Nutzer aber ab einer bestimmten Symptomschwere darauf hin, dass fachärztliche oder psychotherapeutische Beratung und Behandlung notwendig sein können.

Das Online-Programm ist explizit nicht zur Behandlung von klinischen Depressionen oder Angststörungen konzipiert und ersetzt keinen Arztbesuch. Die Behandlung der Krankheit Depression gehört immer in die Hände von Experten. moodgym kann aber ergänzend zu einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung eingesetzt werden.

So funktioniert moodgym

moodgym beruht auf grundlegenden Methoden und Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, einem anerkannten Verfahren für Depressionen. Dadurch erhalten Nutzer Hilfe zur Selbsthilfe sowie nützliche Tipps und Anregungen für einen besseren Umgang mit psychischen Belastungen.

Das Programm besteht aus 5 interaktiven Übungsblöcken, in denen die Wahrnehmung trainiert wird und ein neues Verhalten erlernt werden kann.

  1. Gefühle
  2. Gedanken
  3. Alternative Gedanken entwickeln
  4. Weg mit dem Stress
  5. Beziehungen

Besonders praktisch: Die Ergebnisse und Antworten in den interaktiven Fragebögen und zu den Wissensfragen kann man in einem persönlichen Arbeitsbuch speichern.

Ziel des Programms ist es, durch die Übungen negative Gedankenmuster zu erkennen und durch neue positive zu ersetzen, indem man sich selbständig durch das Programm arbeitet. Man kann die einzelnen Bausteine so lange und intensiv bearbeiten wie man möchte. Wichtig ist, dass man die Erkenntnisse und Übungen im Alltag auch ausprobiert und regelmäßig trainiert. Denn wie in der Muckibude ist es auch bei diesem Training: Nur das regelmäßige Training kann zum gewünschten Erfolg führen. Und: Veränderung braucht eben ihre Zeit!

Hintergrund zu moodgym

Das Programm wurde ursprünglich von australischen Wissenschaftlern entwickelt. moodgym ist gewissermaßen ein Fitnesstraining für die Stimmung. Inzwischen nutzen das Angebot mehr als 1 Mio. Nutzer weltweit! Von der Uni Leipzig wurde moodgym gemeinsam mit der AOK für den deutschen Raum angepasst.

Ist moodgym wissenschaftlich evaluiert?

Im Bereich der internetbasierten Selbstmanagementprogramme gehört moodgym international zu den bekanntesten und am meisten evaluierten Programmen.

Aktuell wurden auch die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie, an der 647 Patienten aus 112 deutschen Hausarztpraxen in Mitteldeutschland teilnahmen, im Journal of Affective Disorders veröffentlicht: Patienten, die moodgym zusätzlich zur üblichen hausärztlichen Behandlung nutzen, hatten nach sechs Wochen sowie nach sechs Monaten einen stärkeren Rückgang depressiver Symptome gezeigt als Patienten der Kontrollgruppe ohne das Selbsthilfe-Tool.

Wie sicher ist das Programm was kostet es?

Das Programm unterliegt den strengen Datenschutzregelungen der EU. Die Nutzung ist anonym. Zur Registrierung ist lediglich ein selbstgewählter Nickname und ein Passwort notwendig. Klarnamen oder E-Mail-Adressen werden nicht benötigt.

moodgym steht kostenfrei zur Verfügung und ist zeitlich unbegrenzt nutzbar. Die AOK ermöglicht durch finazielle Unterstützung die deutsche Version. Den australischen Wissenschaftlern, das Tool ursprünglich entwickelt haben, liegt es besonders am Herzen, dass jeder Mensch das Programm für sich frei verwenden kann.

Mein Fazit

moodgym ist aus meiner Sicht ein sehr interessantes niedrigschwelliges Angebot, weil es einfach und jederzeit einsetzbar ist. Das Programm ist dadurch in der haus- wie fachärztlichen Versorgung eine hilfreiche Ergänzung.

moodgym kann aber auch dabei helfen, die nach wie vor sehr langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken. Denn laut einem Flyer der AOK ist moodgym auch sicher, weil das Programm die Nutzer ab einer bestimmten Symptomschwere auffordert, eine fachärztliche oder psychotherapeutische Beratung aufzusuchen. Zudem weist moodgym auf weitere Experten für seelische Gesundheit im deutschen Versorgungssystem sowie auf akute Hilfsangebote bei Suizidalität hin.

Ebefalls interessant mein Beitrag über Selfapy, ein anderes von Psychologen begleitetes Online-Selbsthilfeprogramm.

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Robotergestützte Therapie nach Schlaganfall – das Exoskelett

Roboterhand, Exosuit, Smarter Handschuh Rapael. Darüber haben wir in diesem Blog bereits berichtet. Die Links zu den Artikeln gibt es am Ende des Beitrags. Jetzt also wieder etwas Neues: ein mobiles Exoskelett, das speziell der robotergestützten Therapie des Oberkörpers nach Schlaganfall dienen soll. Schauen wir es uns einmal an.

Wer hat´s erfunden?

Wissenschaftler des Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das DFKI entwickelt mobile Robotersysteme, die komplexe Aufgaben lösen können. Nicht nur für die Rehabilitation. Aber eben auch. Das Design der Systeme orientiert sich an Vorbildern aus der Natur. Die Projekte sind öffentlich gefördert oder im konkreten Auftrag der Industrie. Wie dieses Exoskelett. Das wurde in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen rehaworks entwickelt. Und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp drei Millionen Euro gefördert.

Zum Exoskelett

Das hier vorgestellte Exoskelett dient der äußeren Unterstützung des menschlichen Bewegungsapparates. Der Patient oder eine dritte Person können zwischen drei verschiedenen Steuerungsmodi wählen.

  1. Durch die Bewegung des einen Armes bewegt sich der andere mit, d.h. er führt die exakt gleiche Bewegung aus wie der „gesunde“ Arm
  2. Ein Therapeut trainiert eine Bewegung durch Führung ein, das System führt sie danach selbstständig aus.
  3. Der Patient steuert das Exoskelett durch Rest-Muskelaktivität. Das Gerät misst dazu Elektromyograie-Signale. Daraus leitet es die Bewegungsabsicht ab und unterstützt den Patienten in seiner Bewegung intuitiv.

Ein Bild – in diesem Fall ein  Video – sagt mehr als tausend Worte. Deshalb fasse ich mich kurz und empfehle das nachfolgende Video:

Presseinformation des DFKI

Mein Fazit

Robotergesteuerte Unterstützungssysteme gewinnen in der Rehabilitation – wie man auch an den zahlreichen Berichten hier auf HealthcareHeidi sieht – immer mehr an Bedeutung. Im März habe ich an der Stelle auch über die Aufnahme eines solchen Exoskeletts in das Hilfsmittelverzeichnis berichtet (s. unten). Ich bin ganz ehrlich: ich finde es wichtig und richtig, dass es robotergestützte Systeme in der Therapie und Rehabilitation von Schlaganfall, inkompletter und kompletter Querschnittlähmung gibt. Und ich glaube auch daran, dass sie mittel- bis langfristig Erfolg bringen. Ob man seinen Alltag mit einem solchen System „gestaltet“ kann nur ein Betroffener wirklich beurteilen.


Exosuit verbessert Gangbild           Smarter Handschuh Rapael             Roboterhand für Gelähmte

Exoskelett in Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen

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Ungestört Schlafen bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA)

Das Schlaftherapiesystem iNAP One soll Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe mit innovativer Technik bei einem ungestörten Schlaf unterstützen.

Zunächst: Was ist eine obstruktive Schlafapnoe?

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der es während des Schlafes wiederholt zu einem Kollaps des Rachenraumes kommt. Dies kann bis zu 100 Mal pro Nacht geschehen. Durch die Blockade der oberen Atemwege kommt es zu Atemaussetzern und einer Sauerstoffunterversorgung lebenswichtiger Organe. Die Folge: Das Atemzentrum im Gehirn löst einen – lebensrettenden – Weckreiz aus. Betroffene wachen kurz auf, meist ohne es zu merken.

Risiko und Folgen

Das Problem: Der Schlafrhythmus ist unterbrochen, das Herz beginnt schneller zu schlagen, der Blutdruck steigt. Tritt dies in einer Nacht wiederholt auf, verhindert es, in den Tiefschlaf zu fallen, der die Nachtruhe erst

Obstruktive Schlafapnoe (OSA)-HealthcareHeidi-02

erholsam macht. Dies wiederum führt zu Schläfrigkeit und Abgeschlagenheit am Tag, Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall bis hin zu Vergesslichkeit und Depression. Außerdem ist die obstruktive Schlafapnoe ein erheblicher kardiovaskulärer Risikofaktor. Das Herzinfarkt-Risiko steigt auf das 3-Fache, das Schlaganfall-Risiko auf das 4-Fache. Bei einer unbehandelten obstruktiven Schlafapnoe verkürzt sich die Lebenserwartung geschätzt um etwa 10 Jahre.

Etwa 2 bis 4% der Erwachsenen leiden unter einer obstruktiven Schlafapnoe. Was bedeutet, dass sie u.a. mit Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes zu den häufigsten Volkskrankheiten zählt.

Preisgekrönter Schlafhelfer
Obstruktive Schlafapnoe (OSA)-HealthcareHeidi-03
©Sominc Inc

Auf der diesjährigen Medicare Taiwan stellte das Unternehmen Somnics nun sein Schlaftherapiesystem iNAP One vor. Für dieses haben die Taiwanesen bereits 2016 beim Kongress der European Respiratory Society (ERS) den „Product of Outstanding Interest Award“ erhalten. Das Gerät erzeugt im Mundraum ein leichtes Vakuum. Auf diese Weise stabilisiert es die Zunge und legt die Atemwege frei. Und führt so zu einem ungestörten und damit erholsamen Schlaf.

Der Vorteil

Das iNAP Schlaftherapiesystem kommt ohne Gesichtsmaske aus und ist mit einem kleinen, elastischen Mundstück sowie einer Konsole im Taschenformat ausgestattet. Es ist diskret und leise, batteriebetrieben und auch Reise tauglich. Und es erlaubt Betroffenen, natürlich durch die Nase zu atmen.

Mein Fazit

Klingt so einfach. Im Netz selbst findet man allerdings wenig aussagekräftiges über das iNAP One. Leider lande ich bei meinen Recherchen immer wieder bei Somincs Inc. selbst. Eine von eben diesem Unternehmen in Auftrag gegebene Studie wurde im März dieses Jahres mangels ausreichender Ergebnisse beendet.

Eine weitere Seite schreibt zum Thema Orale Drucktherapie: „… Die Ergebnisse der ersten Machbarkeitsstudie (Redwood City, USA) an OSA-Patienten zeigen eine Reduktion des AHI (Zahl der Atmungsstörungen pro Stunde Schlaf) auf < 10/h bei 38% der Patienten. Die Analyse der Einzelverläufe ergab aber, dass nicht bei jedem der Patienten ein Therapieeffekt erzielt werden konnte. Es gab auch Patienten, bei denen es zu einer Zunahme des AHI unter Therapie kam. Die Schlafanalyse zeigte ebenso ein uneinheitliches Bild. Zwar wurde unter Therapie die Anzahl der Weckreaktionen signifikant … gesenkt, es kam aber zu einer Zunahme der Wachphasen nach Schlafbeginn, sowie zu einer Abnahme der Gesamtschlafzeit. … Ob diese Behandlungsmethode für einen Teil der OSA Patienten eine Behandlungsalternative darstellt, muss erst anhand der Langzeitergebnisse beurteilt werden. … Abzuwarten bleibt, ob das Verfahren als weniger störend empfunden wird als die CPAP-Behandlung. …“.

Wenn ich mir das Anwendungsvideo anschaue frage ich mich, wie man sicherstellt, dass der Mund zu bleibt?

Angeblich soll das iNAP One Ende des Jahres in Europa auf den Markt kommen. Im Auge behalten ist meine aktuelle Empfehlung.


Pilot Study of Negative Pressure Sleep Therapy System to Treat Obstructive Sleep Apnea

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Kalmeda – erste komplette Tinnitus Therapie als mobile App

Es sind ja bereits Tinnitus-Apps auf dem Markt, die allerdings nicht unumstritten sind. Daher waren wir neugierig, was das Start-up mynoise GmbH bei der Entwicklung von Kalmeda anders gemacht hat.

Über Tinnitus

Geräusche im Ohr sind das Hauptsymtom bei Tinnitus. Das Spektrum der Ohrgeräusche reicht dabei von einem einzelnen Ton bis hin zu Mischgeräuschen wie Rauschen, Surren, Brummen oder Knacken. Die Ohrgeräusche können sich in der Lautstärke verändern und sind auch nicht bei jedem ununterbrochen vorhanden. Manchmal kann es auch richtig still im Ohr werden.

Wie Menschen „ihren“ Tinnitus wahrnehmen, ist individuell sehr unterschiedlich: Die einen tolerieren ihn als ein harmloses, nicht weiter lästiges Ohrgeräusch. Für manche Menschen stellt die ungewollte Beschallung eine erhebliche Belastung dar. Dann sind auch weitere Beschwerden wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Verspannungen und depressive Verstimmungen als Folge möglich.

Es handelt sich also um ein vielschichtiges Krankheitsbild. Daher ist auch die Behandlung des Tinnitus komplex. Es gibt auch nicht die eine Behandlung, weil auch die Bedürfnisse der Patienten im Umgang mit der Erkrankung sehr unterschiedlich sind. Daher ist die Therapie idealerweise immer eine ganz individuelle und fußt auch auf mehreren Säulen. Und genau da setzt die App Kalmeda an.

Was ist das Besondere an Kalmeda?

Im Gegensatz zu anderen Tinnitus-Apps bietet Kalmeda erstmals eine komplette, individuelle Tinnitus-Therapie entsprechend der wissenschafltichen Leitlinien mit dem Schwerpunkt auf einer strukturierten, kognitiven Verhaltenstherapie nach dem Zürcher Ressourcenmodell und der Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Diese wird kombiniert mit einer seriösen medizinischen Wissensvermittlung, Naturgeräuschen zur Ablenkung und Entspannungsanleitungen.

Screenshot der Benutzeroberfläche der Kalmeda-App zur Tinnitus Therapie
© mynoise GmbH

Die Idee zu Kalmeda stammt von Dr. Uso Walter, HNO-Arzt in Duisburg, der die App gemeinsam mit Psychologen in den letzten 3 Jahren entwickelt hat.

Foto vom Kalmeda-Team
Das Kalmeda Team rund um mynoise Geschäftsführer Dr. Uso Walter © mynoise GmbH

Kalmeda ist auch schon als Medizinprodukt zugelassen und befindet sich aktuell in der Zertifizierung durch die Stiftung Gesundheit. Zudem erfüllt die App auch die höchsten Ansprüche an den Datenschutz.

Portrait von Dr. Uso Walter, HNO-Arzt in Duisburg
Portrait von Dr. Uso Walter, HNO-Arzt in Duisburg © mynoise GmbH

Patienten mit chronischem Tinnitus sind in Deutschland immer noch schlecht oder gar nicht versorgt. Die Kalmeda Tinnitus-App schließt diese Versorgungslücke, weshalb sich mit der BIGdirekt auch eine gesetzliche Krankenkasse an der Entwicklung beteiligt hat. Kalmeda ersetzt dabei nicht den Arzt, sondern ergänzt dessen Behandlung und fängt da an, wo dessen Behandlung endet.“, so Dr. Uso Walter.

Wie ist die Kalmeda Tinnitus App aufgebaut und was bietet sie?

Im kostenlosen Einführungsteil „Kalmeda Start“ erhalten die Patienten Informationen zur Tinnitus-Therapie, es wird eine Anamnese erhoben und man erhält Tipps für die Behandlung von Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen, Hyperakusis (eine krankhafte akustische Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen), Kiefergelenksprobleme und Hörminderung.

Der kostenpflichtige Hauptteil „Kalmeda Go“ besteht dann aus einem strukturierten, mehrmonatigen Übungsprogramm, das sich in 5 Level mit je 9 Etappen gliedert. Die Schwerpunkte der Etappen sind:

Level1: Tinnitusbewältigung

Level2: Entspannung

Level3: Achtsamkeit

Level4: Akzeptanz

Level 5: Selbstwirksamkeit

Am Anfang erstellt die App anhand der Angaben des Nutzers einen persönlichen Therapieplan.

Im Laufe der Zeit lernen Patienten, mehr Entspannung in ihren Alltag zu integrierten. Und sie üben sich in Achtsamkeit, um Schritt für Schritt negative und schädliche Einstellungen gegenüber dem Tinnitus zu erkennen und durch förderliche zu ersetzen. So kann man sich Hilfen, ja ein ganzes Helfernetzwerk aufbauen, das zur Erreichung der selbstgesetzten Ziele benötigt wird.

 

Was kostet die Therapie mit Kalmeda?

Im ersten Jahr kostet die Behandlung 38,99 Euro monatlich mit monatlicher Kündigungsfrist.

Nach einem Jahr und dem Durchlaufen des Übungsprogramms kann man die App als „Kalmeda Plus“ für 9,99 Euro vollumfänglich weiternutzen und jederzeit auf die Hilfen und Helfer zurückgreifen sowie die Entspannungsübungen und Meditationen, die Hintergrund-Sounds und die Wissensbibliothek nutzen.

Mein Fazit

Die App kombiniert erstmals vier therapeutische Ansätze zur Tinnitus-Behandlung: Wissensvermittlung, akustische Maßnahmen, Entspannungsmaßnahmen und Verhaltenstherapie. Da Patienten oft eine halbe Ewigkeit auf einen Termin beim Facharzt und vor allem auch auf einen Psychotherapieplatz warten müssen, kann die App die Kombination dieser Bausteine direkt und ohne Wartezeiten an den Patienten bringen. Wie effektiv die Therapie mittels der Kalmeda App wirklich ist, wird ihr Einsatz in der Praxis zeigen.

Wer sich weiter mit dem Thema Tinnitus befassen möchte, bekommt bei der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) zahlreiche Informationen. Die DTL ist eine gemeinnützige Selbsthilfeorganisation gegen Tinnitus, Hörsturz und Morbus Menière. Auf der Website ist auch der Artikel „Smartphone-Apps und Tinnitus-Behandlung“ zu finden, der auf therapiebezogene Tinnitus-Apps eingeht. Kalmeda wurde darin aber noch nicht berücksichtigt, da die App ja erst diese Woche als Androidversion im Playstore von Google und in ca. 3 Wochen im Appstore von Apple erscheinen wird.

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