Gangtraining mit Gehroboter nach Schlaganfall

Robotergesteuerte Unterstützungssysteme für die Rehabilitation – darüber haben wir auf HealthcareHeidi schon mehrfach berichtet. Eine kleine deutsche Studie belegt nun erneut die Wirksamkeit der Systeme. In diesem Fall ein Gehroboter der für den physiotherapeutischen Einsatz bei Apoplexie-Patienten mit Pusher-Symptomatik eingesetzt wurde.

Die Studie

Durchgeführt wurde die Studie am Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum der LMU München. Ausgewählt wurden 30 Patienten mit Hemiparese (Halbseitenlähmung) und Pusher-Symptomatik. Die Hälfte der Patienten wurde mit einem Gehroboter behandelt, die Übrigen mit konventioneller Physiotherapie. Die Therapiedauer betrug eine Stunde bei insgesamt 8-10 Sitzungen innerhalb von zwei Wochen.

Das Ergebnis

Als primären Endpunkt verwendeten die Ärzte eine definierte Punkte-Skala zur Messung der Lateropulsion (unwillkürliche Seitwärtsbewegung). Auf einer Skala von 0 (geringe Lateropulsion) bis 6 (schwere Lateropulsion) konnte die Gruppe mit roboterunterstützter Therapie ihren Ausgangswert von 4,25 Punkten nach zwei Wochen Therapie um 1,75 Punkte reduzieren. Nach weiteren zwei Wochen lag der Wert um 2,25 Punkte unter dem Ausgangswert. Die Gruppe mit konventioneller Physiotherapie konnte ihren Ausgangswert von 3,0 Punkten nicht verbessern.

Sechs Patienten, die ein robotergestütztes Gangtraining erhalten haben, zeigten nach dem zweiwöchigen Training keine Pusher-Symptomatik mehr. In der Gruppe unter konventioneller Physiotherapie war dies nur bei einem Patienten der Fall.

Darüber hinaus konnten zwei Wochen nach Therapieende neun der Patienten mit Roboter-Gangtraining wieder gerade gehen und sitzen. In der Gruppe mit konventioneller Therapie fünf.

Mein Fazit

Das Ergebnis einer Therapie mit robotergesteuertem Gangtrainer ist signifikant. Während des Trainings aktivieren Patienten ihre Rumpfmuskulatur und ihren Gleichgewichtssinn. Entscheidende Aspekte für das Wiedererlernen des selbstständigen Gehens. Meines Erachtens eine absolute Bereicherung für jeden betroffenen Patienten.

Lesen Sie hierzu auch Exosuit verbessert das Gangbild von Schlaganfallpatienten mit Hemiparese und Robotergestützte Therapie des Oberkörpers nach Schlaganfall.


Erläuterungen

Apoplexie: Ein Apoplex im Allgemeinen bezeichnet die plötzliche Durchblutungsstörung eines Organs, die eine Sauerstoffunterversorgung mit anschließendem Gewebsuntergang zur Folge hat. Medizinzisch steht der Begriff heute i.d.R. als Synonym für Schlaganfall (Apoplexia cerebri), auch als Hirninfarkt, Hirnschlag oder zerebraler Insult bezeichnet.

Pusher-Symptomatik: Die Pusher-Symptomatik ist gekennzeichnet durch die Angst des Patienten, im Sitzen oder Stehen zur nichtgelähmten Seite zu fallen. Diesem Gefühl begegnet der Betroffene unbewusst durch ein aktives Drücken („Pushen“) mit dem nichtgelähmten Körperteil zur gelähmten Seite. In der Folge neigt sich der Körper übermäßig stark zur gelähmten Seite, bis hin zum Kippen und damit Fallen. Etwa 10 % aller Schlaganfallpatienten leiden an einer Pusher-Symptomatik.

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Robotergestützte Therapie nach Schlaganfall – das Exoskelett

Roboterhand, Exosuit, Smarter Handschuh Rapael. Darüber haben wir in diesem Blog bereits berichtet. Die Links zu den Artikeln gibt es am Ende des Beitrags. Jetzt also wieder etwas Neues: ein mobiles Exoskelett, das speziell der robotergestützten Therapie des Oberkörpers nach Schlaganfall dienen soll. Schauen wir es uns einmal an.

Wer hat´s erfunden?

Wissenschaftler des Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das DFKI entwickelt mobile Robotersysteme, die komplexe Aufgaben lösen können. Nicht nur für die Rehabilitation. Aber eben auch. Das Design der Systeme orientiert sich an Vorbildern aus der Natur. Die Projekte sind öffentlich gefördert oder im konkreten Auftrag der Industrie. Wie dieses Exoskelett. Das wurde in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen rehaworks entwickelt. Und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp drei Millionen Euro gefördert.

Zum Exoskelett

Das hier vorgestellte Exoskelett dient der äußeren Unterstützung des menschlichen Bewegungsapparates. Der Patient oder eine dritte Person können zwischen drei verschiedenen Steuerungsmodi wählen.

  1. Durch die Bewegung des einen Armes bewegt sich der andere mit, d.h. er führt die exakt gleiche Bewegung aus wie der „gesunde“ Arm
  2. Ein Therapeut trainiert eine Bewegung durch Führung ein, das System führt sie danach selbstständig aus.
  3. Der Patient steuert das Exoskelett durch Rest-Muskelaktivität. Das Gerät misst dazu Elektromyograie-Signale. Daraus leitet es die Bewegungsabsicht ab und unterstützt den Patienten in seiner Bewegung intuitiv.

Ein Bild – in diesem Fall ein  Video – sagt mehr als tausend Worte. Deshalb fasse ich mich kurz und empfehle das nachfolgende Video:

Presseinformation des DFKI

Mein Fazit

Robotergesteuerte Unterstützungssysteme gewinnen in der Rehabilitation – wie man auch an den zahlreichen Berichten hier auf HealthcareHeidi sieht – immer mehr an Bedeutung. Im März habe ich an der Stelle auch über die Aufnahme eines solchen Exoskeletts in das Hilfsmittelverzeichnis berichtet (s. unten). Ich bin ganz ehrlich: ich finde es wichtig und richtig, dass es robotergestützte Systeme in der Therapie und Rehabilitation von Schlaganfall, inkompletter und kompletter Querschnittlähmung gibt. Und ich glaube auch daran, dass sie mittel- bis langfristig Erfolg bringen. Ob man seinen Alltag mit einem solchen System „gestaltet“ kann nur ein Betroffener wirklich beurteilen.


Exosuit verbessert Gangbild           Smarter Handschuh Rapael             Roboterhand für Gelähmte

Exoskelett in Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen

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