Ausbildung zum Geronto-Clown

Klinik-Clowns haben sich in der Pädiatrie schon seit Jahren bewährt. Der Geronto-Clown will nun auch Menschen mit Demenz den Krankenhausaufenthalt erleichtern.

Für die meisten Menschen stellt ein Krankenhausaufenthalt schon ein außergewöhnliches Ereignis dar, das mit Aufregung, Ängsten und Stress verbunden ist. Aber was bedeutet das erst für Menschen mit Demenz? Wie sollen sie sich in der fremden Umgebung zurechtfinden, wo sie sich zudem völlig fremden Menschen anvertrauen müssen?

Modellprojekt Geronto-Clown

In einem Modellprojekt aus Rheinland-Pfalz sollen nun die positiven Erfahrungen mit den Klinik-Clowns in der Kinderkrankenpflege auf die Geriatrie übertragen werden. Die Idee ist dabei im Grunde dieselbe: Mit Humor und menschlicher Zuwendung Zugang und Vertrauen schaffen, ablenken und den Aufenthalt in der fremden Umgebung so erträglich wie möglich gestalten.

Seniorin sitz auf Terasse und lacht
Geronto-Clowns – humorvolles Engagement für Menschen mit Demenz © Pixabay
Wer kann sich wo zum Geronto-Clown ausbilden lassen?

Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG) bietet die Ausbildung zum Geronto-Clown an.

Eine spezielle Vorbildung ist, wie man auf der Website der LZG erfährt, nicht erforderlich. Eine Altersbegrenzung nach oben gibt es ebenfalls nicht. Aber die Aufgabe erfordert Sensibilität, um zu erkennen, was die Patientin oder der Patient gerade braucht. Geronto-Clowns sind keine Auftrittskünstler, sie müssen sich vielmehr in ihr Gegenüber immer neu einfühlen und darauf spielerisch und humorvoll eingehen.

Die Ausbildung ist kostenfrei und wird von einer Hospitation in einem Krankenhaus begleitet. Neben allgemeiner Clownerie sind insbesondere Validation, eine Methode zum Umgang mit Menschen mit Demenz, und klientenzentrierte Kommunikation wichtige Ausbildungsinhalte.

Mit der Anmeldung verpflichten sich die zukünftigen Clowns, möglichst zwei Jahre für den Besuchsdienst bei Menschen mit Demenz zur Verfügung zu stehen.

Der SWR-Beitrag zeigt sehr schön, was Geronto-Clowns bewegen können.

Mein Fazit

Ein tolles Projekt! Aktuell gibt es zwar bei der LZG in Rheinland-Pfalz keine Ausbildungsplätze mehr, weil der Run auf das Angebot enorm war. Aber wenn das Projekt Schule macht, wovon ich ausgehe, dann werden die Kurse hoffentlich auch bald in anderen Bundesländern angeboten.

Weitere Beiträge zum Thema Demenz: MARIO für die Pflege Demenzkranker

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Demenz: Bauernhof statt Pflegeheim?

Bauernhöfe als Orte für Menschen mit Demenz? Als ich den Artikel in der Ärztezeitung gelesen habe dachte ich: „Klingt spannend, aber wie kann das funktionieren?“. Denken Sie vielleicht jetzt auch, deshalb will ich Ihnen hier gerne mehr dazu berichten.

Kooperationsprojekt Bauernhof

Die Landwirtschaftskammer und die Alzheimergesellschaft Schleswig-Holstein haben dieses besondere Pflegeprojekt ins Leben gerufen, in welchem Bauernhöfe spezielle Angebote für Demenz-Kranke bieten. Dabei steht es den Höfen frei, was sie anbieten möchten.

Auf dem Hof Petersburg z. B., wird gemütliches Kaffeetrinken im Kaminzimmer oder der Stube angeboten. Außerdem Spaziergänge über den Hof, Füttern der Tiere, Suchen von Eiern im Hühnerstall, Ernten von Früchten, Gemüse und Blumen oder einfach nur Ausruhen im Bauerngarten. Geschulte Ehrenamtliche und qualifizierte Fachkräfte begleiten die Menschen mit Demenz.

Auf dem Alpakaerlebnis Bauernhof von Sandra Hümpel kann man Spaziergänge mit den Alpakas unternehmen, mit Materialien vom Hof, wie Stroh, Wolle und Federn, basteln, das geerntete Obst weiterverarbeiten oder auch im traditionellen Butterfass Butter herstellen.

Sechs Höfe haben sich dem Projekt bereits angeschlossen. Bei allen werden die an Demenz erkrankten Menschen durch geschulte Ehrenamtliche und qualifizierte Fachkräfte begleitet. Angehörige wissen ihr Familienmitglied so in guten Händen. Sie können die Zeit für sich nutzen und erfahren Entlastung im Alltag.

Interessierte Landwirte, die sich dem Projekt anschließen möchten, sind jederzeit willkommen. Denkbar ist vieles. Tagesbetreuung, Wohngemeinschaft, Kurzzeitpflege. Das Kompetenzzentrum Demenz hilft, passende Konzepte zu entwickeln und unterstützt bei der Umsetzung vor Ort.

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Der Bauernhof als Ort der Erinnerung

Bauernhöfe sind ideal, um Menschen mit Demenz emotional zu berühren. Viele von ihnen, gerade in ländlichen Regionen, sind auf einem Bauernhof aufgewachsen oder haben auf einem Hof gearbeitet. Tiere sind tolle, geduldige Partner. Das Beobachten, Streicheln und Füttern knüpft an Bekanntes an, schafft Nähe. Gemeinsame Spaziergänge, Blumen pflücken oder einfach nur die Natur beobachten weckt Erinnerungen.

Auf der Berliner Pflegekonferenz im November 2017 wurde das Projekt nun auch, wie ich finde zu recht, mit dem Marie Simon Pflegepreis ausgezeichnet.

Die Angebote der am Projekt angeschlossenen Höfe finden Interessierte auf der Homepage des Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein

Mein Fazit

Da immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen, nimmt zwangsläufig auch die Zahl der Betroffenen zu. Medikamente können im frühen Stadium das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Heilung gibt es nicht. Alles richtet sich an den Bedürfnissen der Betroffenen aus, die Erkrankung steht im Mittelpunkt. Pflegende Angehörige kommen im Laufe der Erkrankung sehr schnell an ihre physischen und psychischen Grenzen.

Das Kooperationsprojekt in Schleswig-Holstein ist eine tolle Sache und bietet Entlastung für alle. Auch, wenn es noch in den Kinderschuhen steckt und aktuell auf wenige Höfe in Schleswig-Holstein beschränkt ist. Aber es ist ein Anfang und, wie ich finde, ein hervorragender dazu. Für die Betroffenen, denen so ein Stückchen Erinnerung und Lebensfreude gegeben wird, wie auch die pflegenden Angehörigen, die ein paar Stunden durchatmen können.

 

P. S. Auch für pflegende Angehörige und Pflegekräfte gibt es spezielle Unterstützung. Die Marte Meo Methode. Über dieses Projekt habe ich auf HealthcareHeidi vor kurzem berichtet. Es tut sich was, in der würdigen Versorgung Demenzkranker. Das finde ich phantastisch.

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AniTa – neue Onlineplattform als Angehörigen-Tauschbörse

Wenn die eigenen Eltern alt und unterstützungsbedürftig werden, stellt das entfernt lebende erwachsene Kinder vor eine schier unlösbare Aufgabe. Und genau hier setzt die neue Onlineplattform „AniTa“ mit einer Angehörigen-Tauschbörse an.

AniTa steht für „Angehörige im Tausch“. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften, das von der Gesundheitsökonomin Professor Susanne Busch und dem Informatiker Professor Boris Tolg geleitet wird.

Die Idee der Angehörigen-Tauschbörse

Illustration, wie der Angehörigen-Tausch zwischen zwei familien funktioniert
© AniTa

Die Idee der Angehörigen-Tauschbörse ist die, dass sich ein Teilnehmer um den in seiner Nähe wohnenden, betagten Angehörigen eines anderen, weiter entfernt lebenden Teilnehmers kümmert – und umgekehrt. Idealerweise soll der Tausch direkt zwischen zwei Familien stattfinden. Möglich ist aber auch ein Ringtausch.

 

 

 

 

 

 

Was machen die Tausch-Paten?

Illustration über die Möglichkeiten von AniTa
© AniTa

Was die Angehörigen-Stellvertreter, die so genannten „Tausch-Paten“, bei ihren Besuchen jeweils für Aufgaben übernehmen, verhandeln die Beteiligten – entsprechend dem individuelle Bedarf der Angehörigen – untereinander. Denkbar sind gemeinsame Unternehmungen wie der Besuch kultureller Veranstaltungen, Spaziergänge, ein Nachmittag im Café oder auch einfach nur das Vorlesen aus der Tageszeitung. Auch eine Begleitung bei Arztbesuchen oder Ämtergängen sowie die Begleitung anlässlich einer Pflegegrad-Begutachtung durch den Medizinischen Dienst können von den Stellvertretern vor Ort übernommen werden. Nur pflegerische Aufgaben, Geldgeschäfte oder Tätigkeiten zur Haushaltsführung sind ausgeschlossen.

„Durch die Vernetzung entfernt lebender Angehöriger können unkomplizierte, aber tragfähige „Patenschaften“ für unterstützungsbedürftige Ältere entstehen. Um das zu erreichen, sammeln wir Namen und Adressen aller Interessierten in einer Datenbank mit dem Ziel, für jeden Teilnehmenden einen passenden Tauschpartner zu finden.“, erklärt mir Frau Professor Busch.

Und so einfach kommt man zu einem Tausch-Paten

Wer eine Tauschbeziehung eingehen möchte, kann sich direkt über die Plattform anmelden. Zunächst registriert man sich mithilfe seines Vor- und Zunamens, Anschrift, Telefonnummer und einer gültigen E-Mail-Adresse. Nach der Registrierung bekommt man das Anmeldeformular per Mail zugeschickt. In diesem Formular kann man nähere Informationen über den individuellen Unterstützungsbedarf sowie Wünsche zu Art und Umfang der Tauschpatenschaft angeben. Das ausgefüllte Formular schickt man wieder zurück an AniTa und die Suche nach geeigneten Tausch-Paten beginnt.

Wie wird die die Angehörigen-Tauschbörse finanziert?

Für die Dauer einer Erprobungsphase wird das Projekt vom GKV-Spitzenverband finanziell gefördert. Weitere Projektpartner sind die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, der MDK Bayern und die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.

Das Projekt AniTa ist ein wissenschaftliches Forschungsvorhaben, das selbstverständlich evaluiert, d. h. fachgerecht begleitet und bewertet wird. Dafür werden die Teilnehmenden in regelmäßigen Abständen eingeladen, durch kurze Befragungen an diesem Bewertungsprozess mitzuwirken.

Mein Fazit

Eine großartige Idee und ein in meinen Augen längst überfälliges Projekt!

Die klassische Großfamilie, in der es früher selbstverständlich war, dass die Jungen sich um die Alten kümmern, ist eine Rarität geworden. Berufsbedingt leben viele ja überhaupt nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern. Oder sie sind so eingespannt, dass sie die Fürsorge, die sie ihren Eltern zu Teil werden lassen möchten, gar nicht leisten können. Hier verspricht die Tauschbörse eine große Entlastung für alle Beteiligten. Wie die Menschen ihre jeweiligen Tauschpaten annehmen wird sich zeigen.

Wir sind gespannt und wünschen dem Projekt viel Erfolg!

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