MindDoc – Psychotherapie ohne Wartezimmer und Wartezeit?

Depressionen, Burnout und Essstörungen per Videochat behandeln? Eine Psychotherapie komplett im Online-Modus? Von zuhause oder unterwegs. Die private Schön Klinik aus Prien am Chiemsee ist mit Ihrem Angebot MindDoc vor fast einem Jahr an den Start gegangen.

Es kann jeden treffen

Zeitnot, Stress, Entfremdung, Zukunftsängste: Zahlreiche Ursachen bringen die Seele aus dem Gleichgewicht. Nach Angaben der DGPPN* ist mehr als jeder Vierte in Deutschland im Laufe eines Jahres betroffen. Unterm Strich: 45 Milliarden Euro direkte Gesundheitskosten und 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr.

Die Studie zur Gesundheit Erwachsenerdes Robert-Koch-Institut nennt als die drei häufigsten Störungsbilder Angststörungen, Depression und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum. Nahezu die Hälfte aller Betroffenen weist mehr als eine Erkrankung auf.

Psychische Erkrankungen haben Auswirkungen auf praktisch alle Lebensbereiche der Betroffenen und ihres Umfeldes. Sie sind stärker von Krankheiten, Sucht, Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit sowie Ausgrenzung und Selbstgefährdung betroffen.

Steigender Bedarf

Die Inanspruchnahme psychiatrischer und psychotherapeutischer Leistungen nimmt stetig zu. Laut DGPPN werden mehr als 90% der Betroffenen ambulant behandelt. Die Angebotsstruktur der ambulanten Versorgung konnte jedoch dem steigenden Bedarf bisher nicht ausreichend gerecht werden. Wartezeiten bis zu sechs Monate sind keine Seltenheit. Dabei gibt es große regionale Unterschiede in der Versorgungsdichte. Ein Konzept wie das der Schön Klinik hat also durchaus seine Berechtigung.

Online-Therapie MindDoc
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©Schön Klinik, Prien

Nach eigenen Angaben kann die Schön Klinik auf 30 Jahre psychotherapeutische Erfahrung zurückblicken. Diese wird nun seit nahezu einem Jahr mit dem Online-Angebot kombiniert. Die Vorteile: kurze Wartezeiten, bequeme Durchführung von Zuhause, psychotherapeutische Begleitung und zusätzliche, therapieunterstützende Online-Inhalte.

Mit der Anwendung können sich Patienten mit Depressionen, Essstörungen oder Burnout per Videochat und Textnachrichten von zu Hause aus behandeln lassen. Begleitend dazu bekommen sie verhaltenstherapeutische Übungen gestellt. Eine Sitzung dauert – wie beim niedergelassenen Therapeuten – 50 Minuten.

Nach Aussage der DGPPN ist das Risiko einer Fehleinschätzung vergleichbar mit dem bei einer Therapie von Angesicht zu Angesicht. Wichtig ist als Grundlage eine sorgfältige erste Diagnostik vor Ort.1

Kosten und Evaluation

Die Kosten entsprechen denen einer klassischen ambulanten Therapie. Die Online-Therapie ist allerdings noch keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Innovative Krankenkassen, die den Mehrwert erkannt haben, gibt es aber durchaus in Deutschland.

Wissenschaftlich evaluiert wird die MindDoc-Therapie durch die Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg sowie die Ludwig-Maximilians-Universität München. Wissenschaftliche Publikationen können auf der Webseite von MindDoc abgerufen werden.

Mein Fazit

Online-Therapien boomen seit Jahren. Dabei ist Online-Therapie sicher nicht für jeden geeignet. Bei dem ein oder anderen besteht durchaus die Notwendigkeit, einen ambulanten Therapeuten aufzusuchen oder sich in eine stationäre Behandlung zu begeben. Aus diesem Grund finde ich es gut, dass die Schön Klinik vor Therapiebeginn auf ein einmaliges persönliches Kennenlernen in einem ihrer bundesweiten Diagnostik-Standorte (Psychotherapeutische Praxen) besteht.

Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) sieht Angebote wie MindDoc oder Selfapy kritisch.1 Und sicher ist es Aufgabe der Politik, das Problem der Wartezeit zu lösen. Sie tut es aber nicht – oder vielleicht doch, aber einfach zu schwerfällig. Menschen schnell und unbürokratisch aus der Krise zu helfen, darum geht es am Ende. Und dafür sind Plattformen wie MindDoc auf jeden Fall besser als nichts zu haben.

P.S. Als Quelle habe ich u.a. das Dossier Psychische Erkrankungen in Deutschland: Schwerpunkt Versorgung der DGPPN genutzt. Eine sehr interessante Publikation die ich jedem tiefer interessierten Leser empfehle.

*Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
1 Quelle: Ärztezeitung Online

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moodgym ist Fitness für die Stimmung

Um ihre Muskeln zu trainieren gehen viele Menschen ins Gym. moodgym ist sozusagen ein virtuelles Fitnessstudio, in dem man seine Psyche aufbauen und trainieren kann.

Was ist moodgym und für wen ist es geeignet?

moodgym zählt zu den internetbasierten Selbstmanagementprogrammen. Es ist ein interaktives Trainingsprogramm, das eine ergänzende Hilfe zur Selbsthilfe bietet.

moodgym ist für Menschen mit leichter depressiver Symptomatik geeignet. Aber Menschen, die einer depressiven Erkrankung vorbeugen möchten, können ebenfalls davon profitieren.

Das Programm behandelt Themen wie den Zusammenhang von Gedanken und Gefühlen, Beziehungsprobleme, Stressbewältigung und vermittelt Entspannungstechniken. Zudem gibt zahlreiche Übungen und Selbsttests für das individuelle Training.

Für wen ist moodgym nicht geeignet?

moodgym bietet keinen Ansprechpartner auf persönlicher Ebene, wie es mit einem Therapeuten möglich ist. moodgym ist nicht zur Diagnostik von Depressionen geeignet, weist den Nutzer aber ab einer bestimmten Symptomschwere darauf hin, dass fachärztliche oder psychotherapeutische Beratung und Behandlung notwendig sein können.

Das Online-Programm ist explizit nicht zur Behandlung von klinischen Depressionen oder Angststörungen konzipiert und ersetzt keinen Arztbesuch. Die Behandlung der Krankheit Depression gehört immer in die Hände von Experten. moodgym kann aber ergänzend zu einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung eingesetzt werden.

So funktioniert moodgym

moodgym beruht auf grundlegenden Methoden und Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, einem anerkannten Verfahren für Depressionen. Dadurch erhalten Nutzer Hilfe zur Selbsthilfe sowie nützliche Tipps und Anregungen für einen besseren Umgang mit psychischen Belastungen.

Das Programm besteht aus 5 interaktiven Übungsblöcken, in denen die Wahrnehmung trainiert wird und ein neues Verhalten erlernt werden kann.

  1. Gefühle
  2. Gedanken
  3. Alternative Gedanken entwickeln
  4. Weg mit dem Stress
  5. Beziehungen

Besonders praktisch: Die Ergebnisse und Antworten in den interaktiven Fragebögen und zu den Wissensfragen kann man in einem persönlichen Arbeitsbuch speichern.

Ziel des Programms ist es, durch die Übungen negative Gedankenmuster zu erkennen und durch neue positive zu ersetzen, indem man sich selbständig durch das Programm arbeitet. Man kann die einzelnen Bausteine so lange und intensiv bearbeiten wie man möchte. Wichtig ist, dass man die Erkenntnisse und Übungen im Alltag auch ausprobiert und regelmäßig trainiert. Denn wie in der Muckibude ist es auch bei diesem Training: Nur das regelmäßige Training kann zum gewünschten Erfolg führen. Und: Veränderung braucht eben ihre Zeit!

Hintergrund zu moodgym

Das Programm wurde ursprünglich von australischen Wissenschaftlern entwickelt. moodgym ist gewissermaßen ein Fitnesstraining für die Stimmung. Inzwischen nutzen das Angebot mehr als 1 Mio. Nutzer weltweit! Von der Uni Leipzig wurde moodgym gemeinsam mit der AOK für den deutschen Raum angepasst.

Ist moodgym wissenschaftlich evaluiert?

Im Bereich der internetbasierten Selbstmanagementprogramme gehört moodgym international zu den bekanntesten und am meisten evaluierten Programmen.

Aktuell wurden auch die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie, an der 647 Patienten aus 112 deutschen Hausarztpraxen in Mitteldeutschland teilnahmen, im Journal of Affective Disorders veröffentlicht: Patienten, die moodgym zusätzlich zur üblichen hausärztlichen Behandlung nutzen, hatten nach sechs Wochen sowie nach sechs Monaten einen stärkeren Rückgang depressiver Symptome gezeigt als Patienten der Kontrollgruppe ohne das Selbsthilfe-Tool.

Wie sicher ist das Programm was kostet es?

Das Programm unterliegt den strengen Datenschutzregelungen der EU. Die Nutzung ist anonym. Zur Registrierung ist lediglich ein selbstgewählter Nickname und ein Passwort notwendig. Klarnamen oder E-Mail-Adressen werden nicht benötigt.

moodgym steht kostenfrei zur Verfügung und ist zeitlich unbegrenzt nutzbar. Die AOK ermöglicht durch finazielle Unterstützung die deutsche Version. Den australischen Wissenschaftlern, das Tool ursprünglich entwickelt haben, liegt es besonders am Herzen, dass jeder Mensch das Programm für sich frei verwenden kann.

Mein Fazit

moodgym ist aus meiner Sicht ein sehr interessantes niedrigschwelliges Angebot, weil es einfach und jederzeit einsetzbar ist. Das Programm ist dadurch in der haus- wie fachärztlichen Versorgung eine hilfreiche Ergänzung.

moodgym kann aber auch dabei helfen, die nach wie vor sehr langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken. Denn laut einem Flyer der AOK ist moodgym auch sicher, weil das Programm die Nutzer ab einer bestimmten Symptomschwere auffordert, eine fachärztliche oder psychotherapeutische Beratung aufzusuchen. Zudem weist moodgym auf weitere Experten für seelische Gesundheit im deutschen Versorgungssystem sowie auf akute Hilfsangebote bei Suizidalität hin.

Ebefalls interessant mein Beitrag über Selfapy, ein anderes von Psychologen begleitetes Online-Selbsthilfeprogramm.

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Stimmanalyse: Der Klang der Seele?

Worte können Lügen. Unsere Stimme ist jedoch verräterisch. Sie spiegelt unsere Gefühlslage wieder, lässt Launen und Charakterzüge erkennen. Wir können Sie nicht auf Dauer verstellen. Und… mit Hilfe der Stimmanalyse gibt sie sogar Hinweise auf Krankheiten.

Die Basis

Die Technik beruht auf quantitativen Verfahren, die ihren Ursprung in der Musikwissenschaft haben. Kontinuierliche, aperiodische Signale werden in ein kontinuierliches Spektrum zerlegt und in den Bereichen Lautstärke, Artikulation, Tempo, Rhythmus, Melodie und Klangfarbe auf Basis von musikalischen Größen analysiert. Die Algorithmen werden dann zu Software Applikationen verarbeitet.

Quantitative Stimmanalyse macht es möglich

Mit der quantitativen Stimmanalyse können psychische und neurologische Erkrankungen, wie z. B. Depressionen, festgestellt werden. Das Berliner Unternehmen PeakProfiling hat z. B. in Zusammenarbeit mit der Charité Universitätsklinik Berlin Applikationen entwickelt, die ADHS anhand der Stimme erkennen. Damit können Fehldiagnosen reduziert und Prävention besser betrieben werden. Denn ADHS kann sich in vielen verschiedenen Symptomen äußern. Nicht alle Betroffenen sind hyperaktiv und impulsiv. Die richtige Diagnose zu stellen, ist also schwer. Bestimmte Muster in der Stimme sind jedoch typisch.

Ein Beispiel: Kinder mit ADHS reden oft viel und klingen sehr lebendig. Heruntergebrochen auf Millisekunden zeigt sich jedoch, dass die Stimme regelrecht monoton ist. Im Gegensatz zu Kindern, die nicht an ADHS leiden, sondern einfach nur lebhaft sind.

Auch Parkinson soll sich schon deutlich vor den körperlichen Anzeichen in der Stimme niederschlagen.

Weitere Ansatzmöglichkeiten

Neben dem Einsatz als Diagnose- und Analyse-Tool für Ärzte lässt sich das Instrument vielfältig einsetzen. Z. B. in der Seelsorge-Hotline. Hier ließe sich feststellen, ob Anrufer suizidgefährdet sind, auch wenn sie selbst im Gespräch die Absicht abstreiten.

Umgang mit sensiblen Daten Stimmanalyse-HealthcareHeidi-02

Schwieriges Thema. Liegen die Stimmdaten erst einmal digital vor, könnten dritte darauf zugreifen. Dazu kommt, dass die Analysesoftware noch weit mehr Informationen aus einer Stimme herausholen kann. Geschlecht, Alter, regionale Herkunft. Auch auf die Persönlichkeit kann man mit hoher Trefferquote Rückschlüsse ziehen. Die Hauptdimensionen einer Persönlichkeit, die Big Five – emotionale Labilität, Extraversion, Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit – sind für Analysealgorithmen eine Kleinigkeit.

Mein Fazit

Nicht die Augen sind der Spiegel der Seele, sondern die Stimme? Ich finde es faszinierend, betrachte es aber auch kritisch. Denn der unbemerkte mobile Einsatz wäre durchaus möglich. Die Technik passt vermutlich heute schon in ein Smartphone.

Und ganz ehrlich: Wie wäre es, wenn Sie Ihre Urlaubsreise nach Amerika nicht antreten dürften, weil der Boarding-Computer auf Basis der Stimmanalyse sagt: „Sie haben Grippe. Um die anderen Fluggäste nicht anzustecken ist Ihr Flugticket leider ungültig. Wir wünschen Ihnen eine baldige Genesung.“

Einfach mal so gedacht. Und nein, ich bin kein Pessimist. Ich möchte nur meine Urlaubsreise nach Amerika antreten können. In der Medizin finde ich den Ansatz und Einsatz top. In meinem Privatleben habe ich einfach keine Lust auf den gläsernen Menschen.


Zum Thema Depression bei Kindern und Jugendlichen gibt es übrigens auch noch ein ganz interessantes digitales Frühwarnsystem in Form einer App. Mehr dazu Hier

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