Kinderschutz-App Hans & Gretel

Leider dürfen nicht alle Kinder sorgen- und vor allem gewaltfrei aufwachsen. Ein Anstieg von kindlichen Gewaltopfern ist in Deutschland seit 2014 zu verzeichnen. Die Anzahl körperlicher Misshandlungen ist gleichbleibend hoch. Eine neue, deutschlandweit einmalige Kinderschutz-App namens Hans & Gretel soll Ärzten dabei helfen, Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen.

Hintergrund zur Kinderschutz-App

Einer Pressemitteilung der Deutsche Kinderhilfe e.V. stellte erst kürzlich die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 zu kindlichen Gewaltopfern vor. Demnach wurden im vergangenen Jahr 143 Kinder getötet. Fast 78 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. In 77 Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch. Die Zahlen zu Misshandlungen an Kindern stagnieren seit Jahren auf einem hohen Niveau. 4.208 Kinder waren hiervon betroffen, 43 Prozent von ihnen haben das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Die Kinderschutz-App Hans & Gretel

Der Schutz der Kinder vor Gewalt und Missbrauch ist seit vielen Jahren schon ein zentrales Anliegen der Sächsischen Landesärztekammer. Daher hat die Kam­mer nun in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) die deutschlandweit einmalige Kinderschutz-App Hans & Gretel entwickeln lassen. Hans & Gretel ist eine für Ärzte entwickelte digitale Anwendung zur Prävention, Diagnose und Dokumentation von häuslicher Gewalt und Gewalt in der Familie.

Die App liefert dem Arzt Antworten auf die Fragen „Wie kann ich bei einem Verdacht auf Kindesmisshandlung vorgehen?“, „Wie dokumentiere ich alles korrekt?“ und „Wohin wende ich mich am besten?“

Screenshot der Kinderschutz-App Has & Gretel
Screenshot der Kinderschutz-App Hans & Gretel

Hans & Gretel ist nicht nur auf dem Smartphone oder Tablet verfügbar. Die Web-App kann man auch vom PC zu Hause, im Krankenhaus oder in der Praxis öffnen.

Auf der zugehörigen Website findet man auch noch die wichtigsten Gesetze, die für Ärzte in diesem Zusammenhang relevant sind. Eine Frage, die dabei immer wieder auftaucht ist die nach der Schweigepflicht, der ein Arzt ja prinzipiell immer unterliegt (§ 203 StGB)! Aber: Bei begründetem Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung kann der Arzt seine Schweigepflicht brechen (§ 34 StGB). am Ende bleibt aber die Fallverantwortung natürlich doch immer beim Nutzer dieser App.

Mein Fazit

Das Thema Kinderschutz liegt mir als Vater von drei Kindern natürlich ganz besonders am Herzen, daher finde ich die Idee zu dieser App großartig! Leider konnte unsere Ärztin die App noch nicht testen, da sie derzeit nur für Mitglieder der Sächsischen Landesärztekammer angeboten wird. Die Ärzte müssen sich zur Authentifizierung mit ihrem Fortbildungscode der Sächsischen Landesärztekammer registrieren. Es bleibt aber zu hoffen, dass die App bald allen Ärzten in Deutschland zur Verfügung steht.

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Kalmeda – erste komplette Tinnitus Therapie als mobile App

Es sind ja bereits Tinnitus-Apps auf dem Markt, die allerdings nicht unumstritten sind. Daher waren wir neugierig, was das Start-up mynoise GmbH bei der Entwicklung von Kalmeda anders gemacht hat.

Über Tinnitus

Geräusche im Ohr sind das Hauptsymtom bei Tinnitus. Das Spektrum der Ohrgeräusche reicht dabei von einem einzelnen Ton bis hin zu Mischgeräuschen wie Rauschen, Surren, Brummen oder Knacken. Die Ohrgeräusche können sich in der Lautstärke verändern und sind auch nicht bei jedem ununterbrochen vorhanden. Manchmal kann es auch richtig still im Ohr werden.

Wie Menschen „ihren“ Tinnitus wahrnehmen, ist individuell sehr unterschiedlich: Die einen tolerieren ihn als ein harmloses, nicht weiter lästiges Ohrgeräusch. Für manche Menschen stellt die ungewollte Beschallung eine erhebliche Belastung dar. Dann sind auch weitere Beschwerden wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Verspannungen und depressive Verstimmungen als Folge möglich.

Es handelt sich also um ein vielschichtiges Krankheitsbild. Daher ist auch die Behandlung des Tinnitus komplex. Es gibt auch nicht die eine Behandlung, weil auch die Bedürfnisse der Patienten im Umgang mit der Erkrankung sehr unterschiedlich sind. Daher ist die Therapie idealerweise immer eine ganz individuelle und fußt auch auf mehreren Säulen. Und genau da setzt die App Kalmeda an.

Was ist das Besondere an Kalmeda?

Im Gegensatz zu anderen Tinnitus-Apps bietet Kalmeda erstmals eine komplette, individuelle Tinnitus-Therapie entsprechend der wissenschafltichen Leitlinien mit dem Schwerpunkt auf einer strukturierten, kognitiven Verhaltenstherapie nach dem Zürcher Ressourcenmodell und der Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Diese wird kombiniert mit einer seriösen medizinischen Wissensvermittlung, Naturgeräuschen zur Ablenkung und Entspannungsanleitungen.

Screenshot der Benutzeroberfläche der Kalmeda-App zur Tinnitus Therapie
© mynoise GmbH

Die Idee zu Kalmeda stammt von Dr. Uso Walter, HNO-Arzt in Duisburg, der die App gemeinsam mit Psychologen in den letzten 3 Jahren entwickelt hat.

Foto vom Kalmeda-Team
Das Kalmeda Team rund um mynoise Geschäftsführer Dr. Uso Walter © mynoise GmbH

Kalmeda ist auch schon als Medizinprodukt zugelassen und befindet sich aktuell in der Zertifizierung durch die Stiftung Gesundheit. Zudem erfüllt die App auch die höchsten Ansprüche an den Datenschutz.

Portrait von Dr. Uso Walter, HNO-Arzt in Duisburg
Portrait von Dr. Uso Walter, HNO-Arzt in Duisburg © mynoise GmbH

Patienten mit chronischem Tinnitus sind in Deutschland immer noch schlecht oder gar nicht versorgt. Die Kalmeda Tinnitus-App schließt diese Versorgungslücke, weshalb sich mit der BIGdirekt auch eine gesetzliche Krankenkasse an der Entwicklung beteiligt hat. Kalmeda ersetzt dabei nicht den Arzt, sondern ergänzt dessen Behandlung und fängt da an, wo dessen Behandlung endet.“, so Dr. Uso Walter.

Wie ist die Kalmeda Tinnitus App aufgebaut und was bietet sie?

Im kostenlosen Einführungsteil „Kalmeda Start“ erhalten die Patienten Informationen zur Tinnitus-Therapie, es wird eine Anamnese erhoben und man erhält Tipps für die Behandlung von Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen, Hyperakusis (eine krankhafte akustische Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen), Kiefergelenksprobleme und Hörminderung.

Der kostenpflichtige Hauptteil „Kalmeda Go“ besteht dann aus einem strukturierten, mehrmonatigen Übungsprogramm, das sich in 5 Level mit je 9 Etappen gliedert. Die Schwerpunkte der Etappen sind:

Level1: Tinnitusbewältigung

Level2: Entspannung

Level3: Achtsamkeit

Level4: Akzeptanz

Level 5: Selbstwirksamkeit

Am Anfang erstellt die App anhand der Angaben des Nutzers einen persönlichen Therapieplan.

Im Laufe der Zeit lernen Patienten, mehr Entspannung in ihren Alltag zu integrierten. Und sie üben sich in Achtsamkeit, um Schritt für Schritt negative und schädliche Einstellungen gegenüber dem Tinnitus zu erkennen und durch förderliche zu ersetzen. So kann man sich Hilfen, ja ein ganzes Helfernetzwerk aufbauen, das zur Erreichung der selbstgesetzten Ziele benötigt wird.

 

Was kostet die Therapie mit Kalmeda?

Im ersten Jahr kostet die Behandlung 38,99 Euro monatlich mit monatlicher Kündigungsfrist.

Nach einem Jahr und dem Durchlaufen des Übungsprogramms kann man die App als „Kalmeda Plus“ für 9,99 Euro vollumfänglich weiternutzen und jederzeit auf die Hilfen und Helfer zurückgreifen sowie die Entspannungsübungen und Meditationen, die Hintergrund-Sounds und die Wissensbibliothek nutzen.

Mein Fazit

Die App kombiniert erstmals vier therapeutische Ansätze zur Tinnitus-Behandlung: Wissensvermittlung, akustische Maßnahmen, Entspannungsmaßnahmen und Verhaltenstherapie. Da Patienten oft eine halbe Ewigkeit auf einen Termin beim Facharzt und vor allem auch auf einen Psychotherapieplatz warten müssen, kann die App die Kombination dieser Bausteine direkt und ohne Wartezeiten an den Patienten bringen. Wie effektiv die Therapie mittels der Kalmeda App wirklich ist, wird ihr Einsatz in der Praxis zeigen.

Wer sich weiter mit dem Thema Tinnitus befassen möchte, bekommt bei der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) zahlreiche Informationen. Die DTL ist eine gemeinnützige Selbsthilfeorganisation gegen Tinnitus, Hörsturz und Morbus Menière. Auf der Website ist auch der Artikel „Smartphone-Apps und Tinnitus-Behandlung“ zu finden, der auf therapiebezogene Tinnitus-Apps eingeht. Kalmeda wurde darin aber noch nicht berücksichtigt, da die App ja erst diese Woche als Androidversion im Playstore von Google und in ca. 3 Wochen im Appstore von Apple erscheinen wird.

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Tschakka! Kata bringt Bewegung in den Markt der Gesundheits-Apps

Mit der App Kata befindet sich eine völlig neuartige Gesundheits-App für Patienten mit pneumologischen Krankheiten in der Entwicklung. Mit ihr soll die Therapie von chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD effektiver und die Adhärenz gesteigert werden. Dabei sticht die App in ihrer Programmierung technologisch absolut aus dem Wust an Gesundheits-Apps heraus.

Das Münchener Start-up VisionHealth entwickelt mit Kata eine Gesundheits-App, die den Anspruch hat, die Behandlung von Patienten mit einer chronischen Krankheit um ein Vielfaches effektiver zu machen und die Therapietreue zu steigern. So weit so gut, das wollen ja im Grunde viele Gesundheits-Apps. Aber Kata ist eine echte Innovation!

Hintergrund für den Bedarf der Gesundheits-App Kata

  1. In den letzten Jahren haben fast alle Lungenerkrankungen weiter zugenommen. Die Entwicklung ist bei der COPD (eine Kranheit mit chronisch engen Atemwegen, auch chronische Bronchitis genannt) dabei besonders dramatisch. Experten gehen davon aus, dass von den über 40-Jährigen in Deutschland etwa zehn bis zwölf Prozent von COPD betroffen sind. Tendenz steigend! Man schätzt, dass die Erkrankung bis zum Jahr 2020 weltweit den dritten Platz unter den häufigsten zum Tode führenden Krankheiten einnehmen wird.
  2. Bei der medikamentösen Behandlung von COPD ist es entscheidend, dass die Wirkstoffe auch genau da ankommen, wo sie gebraucht werden, nämlich in den verengten Atemwegen. Daher werden in der Therapie dieser Erkrankung die Wirkstoffe bevorzugt mit Hilfe von Inhalatoren eingeatmet. Doch was so einfach klingt, erweist sich in der Praxis als eklatantes Problem. Es gibt nämlich viele verschiedene Geräte zum Inhalieren, die sich in ihrer Handhabung teils erheblich unterscheiden. Patienten müssen für jedes Gerät individuell und aufwändig geschult werden. Aber auch dann ist die korrekte Anwendung durch den Patienten nicht immer gewährleistet. Im Alltag treten einer Studie zufolge Anwendungsfehler bei bis zu 50 Prozent der Patienten auf – und das unabhängig vom Inhalationssystem. Und genau dafür bietet Kata künftig eine absolut innovative Lösung.
Leger gekleidete Frau mit Inhaltionsgerät vor weißem Hintergrund
© VisionHealth GmbH

Was ist das Besondere an Kata?

Kata ist die erste Lösung, die Menschen mit einer chronischen Lungenerkrankung wie COPD oder auch Asthma ein kontinuierliches App-basierten Inhalationstraining bietet. Die App leitet den Nutzer an, misst die aufgenommene Menge des Wirkstoffs, erinnert an Anwendungen, analysiert den Gebrauch und gibt Rückmeldung, um Inhalationstechnik und Adhärenz zu verbessern.

© VisionHealth GmbH
© VisionHealth GmbH

Das Besondere an Kata ist, dass diese App in technologischer Hinsicht etwas ermöglicht, das derzeit keine andere Gesundheits-App bietet.

Mithilfe von Augmented Reality (AR), einer visuell erweiterten Realität, soll dem Nutzer ein Feedback zur korrekten Handhabung beim Inhalieren gegeben werden, indem das eigene Kamerabild durch virtuelle Elemente ergänzt wird. Sie werden in die tatsächliche Welt des Anwenders projiziert, was es der App ermöglicht, konkrete und auf den Nutzer angepasste Hinweise zur Optimierung des Inhalationsvorgangs zu geben.

Dank künstlicher Intelligenz (KI bzw. AI für Artrifical Intelligence) kann das Verhalten der App-Nutzer interpretiert werden, ohne dass ein medizinischer Experte dabei vor Ort oder per Ferndiagnose unterstützen muss.

Neben der Technik des Maschinenlernen (Machine Learning), wodurch die App mit Hilfe von Algorithmen Muster im Inhalationsverhalten der App-Nutzer erkennen und interpretieren kann, beherrscht Kata auch maschinelles Sehen (Computer Vision). Dies ermöglicht Objekterkennung (z. B. für Inhalatoren) sowie Wahrnehmung und Interpretation von Bewegungen (z. B. für das Schütteln des Inhalators). Dies und viele weitere Parameter werden von Kata erfasst und fließen in verschiedene Funktionen der App ein.

Inhalationstraining und Adhärenz-Management

Als erstes wird der Inhalationstrainier für sogenannte Dosieraerosole entwickelt. Über die Zeit werden dann immer mehr Trainings für weitere Geräte in der App verfügbar sein.

Zusätzlich steht neben einer ganzen Sammlung an Informationen rund ums Thema Inhalationstherapie und einem Schulungsvorgang zur korrekten Inhalation auch ein Inhalations-Tagebuch zur Verfügung. Darin werden durch aktuelle Werte und Statistiken über mehrere Tage bzw. Wochen wertvolle Verlaufsinformationen festgehalten. Wenn gewünscht, können die eigenen Werte mit Angehörigen geteilt werden.  Oder man nutzt die Erinnerungsfunktion, damit zum Beispiel auf dem Weg in den Urlaub das Notfallspray nicht vergessen wird.

Langfristig wird Kata sogar in der Lage sein, die Anzeichen von Exazerbationen zu erkennen. Das ist klinisch höchst relevant, da eine Exazerbation (eine akute massive Verschlechterung) häufig eine stationäre Behandlung erforderlich macht, für den weiteren Krankheitsverlauf sehr ungünstig und u. U. sogar lebensbedrohlich ist. Durch eine frühzeitige Intervention kann das Risiko für Exazerbationen reduziert werden.

Wann wird es Kata im App-Store geben?

Ende Juli wird in Zusammenarbeit mit einer Patientenorganisation dazu der aktuelle Prototyp durch bis zu 10 Patienten getestet. Danach wird die App weiter optimiert. Die VisionHealth GmbH plant, Kata noch in diesem Jahr zu veröffentlichen.

Kleiner Exkurs – was bedeutet Kata eigentlich?

Kata bezeichnet in der Programmierung eine kleine, abgeschlossene Übung. Der Name rührt aus den japanischen Kampfkünsten und betont die Bedeutung von Praxis und häufiger Wiederholung für das Lernen. Eine Kata hat nicht nur eine Lösung des gestellten Problems, sondern soll auf verschiedene Arten und mit unterschiedlichen Techniken implementiert werden. Somit vereinheitlicht die App Kata das Thema Programmierung mit Therapie und Schulung als App-Lösung mit integrativen Lösungsansätzen, sie wird also eine persönliche Therapie-Assistentin für Patienten sein.

Mein Fazit

Diese App ist für mich ein absoluter Vorreiter in Sachen Gesundheits-Apps. Durch die Kombination der beschriebenen technologischen Funktionen, trifft Kata nicht nur zu 100 Prozent den Zeitgeist des Gesundheitsmarktes sondern auch den der App-Entwicklung generell.

Aber was für Ärzte und Patienten das Wichtigste ist:

Kata hat das Potenzial, die Effektivität der Behandlung chronischer Krankheiten wie Asthma und COPD zu steigern. Denn auch der beste Wirkstoff kann nicht wirken, wenn das Inhalationsgerät nicht richtig angewendet wird. Wenn Kata dann auch noch eine Art „Frühwarnsystem“ für Exazerbationen, die lebensbedrohlich sein können und den weiteren Verlauf der Erkrankung maßgeblich mitbestimmen, beinhaltet, wäre das ein echter Gewinn für alle Beteiligten.

Mehr über Kata.

Kata ist übrigens nicht zu verwechseln mit Kaia, eine App die zwar auch KI beeinhaltet aber gegen Rückenschmerzen eingesetzt wird, und über die wir auch schon berichtet haben.

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Sturzprävention per App

Rund 17 Mio. Menschen in Deutschland sind älter als 65. Über 30 Prozent davon stürzen mindestens ein Mal im Jahr, bei den über 80-Jährigen sogar jeder zweite. In 11.702 Fällen enden die Stürze zudem tödlich. Dagegen will das Berliner Startup Lindera mit der SturzApp etwas unternehmen.

Ein folgenschwerer Sturz, wenn er im häuslichen Umfeld passiert, ist in erster Linie für die Betroffenen und deren Angehörige ein dramatisches Ereignis. Sturzprävention ist aber auch für Fachkräfte in Kliniken und Pflegeeinrichtungen ein höchst relevantes Thema. Und nicht zuletzt haben natürlich auch Krankenkassen an der Prävention von Stürzen ein sehr hohes Interesse, da Stürze jährlich Behandlungskosten in Höhe von rund 2 Mrd. Euro verursachen. Da aufgrund der demografischen Entwicklung Deutschland mehr und mehr zu einem „Land der Alten“ wird, ist davon auszugehen, dass sowohl die Zahl der Stürze als auch die Behandlungskosten künftig weiter steigen werden.

Diesem Trend möchte ein junges Start-Up aus Berlin entgegenwirken. Lindera hat in Zusammenarbeit mit der Berliner Charité eine App zur Sturzprävention entwickelt.

Icon Sturzanalyse
© Lindera GmbH

Die SturzApp ist ein Mobilitätstest, der wie folgt funktioniert: Mithilfe einer weiteren Person muss zunächst ein kurzes Video aufgenommen werden, das den Nutzer beim Aufstehen von einem Stuhl sowie beim Laufen zeigt. Im Anschluss muss noch ein Fragebogen zur Wohnsituation, der aktuellen Medikation, zur Persönlichkeit und Wahrnehmung ausgefüllt werden. Anhand dieser Daten errechnet ein Algorithmus das jeweilige Sturzrisiko. Und die App schlägt dem Nutzer individuell auf sein Risikoprofil angepasste Maßnahmen zur Sturzprävention vor. Das können zum Beispiel das Anbringen von Haltegriffen und bewegungsgesteuerter Beleuchtung in der Wohnung sein, genauso wie Übungen, die helfen sollen, Stürze besser auffangen zu können. Außerdem ist es möglich, das Ergebnis des Mobilitätstests direkt mit dem Arzt oder der Pflegkraft zu teilen.

 

Wie einfach der Mobilitätstest durchzuführen ist, zeigt dieses Video:

Die SturzApp war bereits bei der AOK Nordost im Einsatz, wo sie erfolgreich im (Pflege-)Alltag erprobt und weiterentwickelt wurde. Auch für weitere Pilotprojekte sei man offen, so Lindera Gründerin und CEO Diana Heinrichs. Man wolle sich schließlich in Deutschland auf dem Healthcaremarkt etablieren. Ihr Motto dabei:

Prävention heißt vom Stuhl aufstehen und loslaufen – so wie es die Geriatrie seit Jahrzehnten erprobt hat.“, so Diana Heinrichs, Gründerin und CEO von Lindera.

Mein Fazit:

Zwar steht die SturzApp noch am Anfang, dennoch verspricht sie schon jetzt zahlreiche Vorteile sowohl für Patienten, Ärzte und Pfleger als auch für die Krankenkassen. Im besten Fall senkt sie nicht nur das Sturzrisiko, sondern auch den Pflegeaufwand und folgend auch die Behandlungskosten. Wie wirksam die App tatsächlich ist, wird sich in Studien zeigen. Falls sie hält, was sie verspricht, ist dem Lindera Team der Erfolg sicher. Wir drücken auf alle Fälle die Daumen.

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