ANDERS VR bringt die Natur ans Krankenbett

Kommt der Patient nicht zum Berg, kommt der Berg eben zum Patienten. So oder so ähnlich könnten die Gründer von ANDERS VR gedacht haben als sie ihr Produkt entwickelt haben. Denn mit dieser Lösung wird bettlägerigen Menschen ein virtueller Ausflug in die Natur ermöglicht.

Der Hintergrund

Jeder, der schon mal längere Zeit als Patient in einem Krankenhaus verbringen musste, weiß wie belastend das sein kann. Nirgends findet man wirklich Ruhe und die Zeit zwischen den Untersuchungen und Visiten zieht sich wie Kaugummi. Ablenkung bietet allenfalls der Fernseher am Krankenbett, wenn man dieses nicht verlassen kann.

Abhilfe bietet eine innovative Lösung von ANDERS VR, die herkömmliche Betreuungsangebote nachhaltig ergänzt, um die psychologischen und physiologischen Folgen langer Krankenhausaufenthalte aufzufangen.

ANDERS VR ermöglicht virtuelle Ausflüge

ANDERS VR ist ein Spin-off der Stuttgarter Universität Hohenheim, das zusammen mit Psychologen und Physiotherapeuten spezielle VR-Inhalte entwickelt. Dazu zählen exklusiv produzierte Entspannungs-, Bewegungs- und Atemübungen, Naturerlebnisse sowie individualisierte Erlebnisreisen. So können Patienten ihr Krankenzimmer für eine kurze Zeit virtuell verlassen und einen kleinen Ausflug in die Natur unternehmen.

Ärztin erklärt Patientin im Krankenbett die Benutzung der VR-Brille
© ANDERS VR 2018 www.anders.life

„Mit unserer VR-Brille bringen wir Wälder, Seen und Berge zum Menschen, erzählen ihnen kurze Geschichten oder lassen die Geräusche der Natur auf ihn wirken, um das Krankenzimmer für eine gewisse Zeit zu vergessen.“, so Manuel Döbele, Geschäftsführer von Anders VR.

Aber ANDERS VR ist weit mehr als eine reine Entertainment-Lösung. Von den Atemübungen erhofft man sich auch einen präventiven Nutzen bei der Vermeidung nosokomialer Pneumonien und die Entspannungsinhalte können zur Schmerzlinderung beitragen.

„Wir nehmen den Patienten an die Hand, versetzen ihn mithilfe von virtueller Realität in eine angenehme und beruhigende Umgebung. Dort begleiten wir ihn bei der Entspannung, der richtigen Atmung und bei leichten Bewegungsübungen – und zwar dann, wann der Patient es wünscht und benötigt.“, so Dr. Andreas Haas, Gründer und Geschäftsführer von Anders VR.

Was erwartet den Nutzer bei ANDERS VR?

Bei der Entwicklung der Inhalte wirken Physiotherapeuten, Psychologen und andere Experten beratend mit, damit das Angebot auch wirklich auf die Situation der Patienten zugeschnitten ist.

Verwendet werden ca. 7-minütige 360-Grad-Filme von realen Umgebungen. Da gibt es zum Beispiel eine Fahrt auf dem Bodensee oder einen Coach, der Bewegungsübungen auf einer grünen Wiese vorführt. Bei der Perspektive der Filme wird auch berücksichtigt, ob ein Patient im Krankenbett nur flach liegen oder auch aufrecht sitzen kann. Das sorgt für sofortige Vertrautheit beim User und verhindert die „motion sickness“, die beim Eintauchen in eine computergenerierte Umgebung mit einer VR-Brille auftreten kann.

Die Anwendung ist ohne Internet- oder Mobilfunkverbindung, also vollkommen offline möglich. Somit kann das Produkt grundsätzlich zu jeder Zeit und an jedem Ort, sogar im OP-Saal zur Beruhigung des Patienten eingesetzt werden.

Für jeden Patienten kann der zuständige Therapeut das individuell optimale Programm – derzeit existieren schon an die 80 – zusammenstellen.

Einen ersten Eindruck vermittelt diese Video:

 

Was kostet der virtuelle Ausflug mit ANDERS VR?

ANDERS VR hat drei verschiedene Preismodelle. Dazu kommt eine einmalige Schulungsgebühr in Höhe von 400,00 €. In der Schulung erfährt man alles über die korrekte Anwendung und bekommt Empfehlungen zum hygienischen Umgang mit der Brille.

Wer sich vor dem Kauf erst einen Eindruck verschaffen möchte, kann eine Demo des Produkts buchen.

Fazit

VR im medizinisch-therapeutischen Umfeld ist aus unserer Sicht ein Mega-Thema. Und die Möglichkeiten sind noch längst nicht ausgeschöpft. Wir sind gespannt, was da noch alles kommt.

Der Einsatz der Lösung von ANDERS VR beschränkt sich natürlich nicht auf Krankenhäuser. Auch für Menschen, die in Alten- oder Pflegeheimen leben und in ihrer Mobilität eingeschränkt oder bettlägerig sind, kann sie eine sehr wertvolle Ergänzung zum klassischen Angebot sein.

Alter Mensch in Alternheim freut sich mit VR-Brille
© ANDERS VR 2018 www.anders.life

An anderer Stelle haben wir bereits über den Einsatz von VR bei Angststörungen berichtet:

VR-Brille gegen soziale Phobie

Phobien mit VR kurieren

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Bungee-Jumps für die Hirnforschung

Ob es querschnittgelähmten Menschen eines Tages möglich sein wird, allein mit Hilfe ihrer Willenskraft etwas bewegen zu können, beschäftigt die Hirnforschung schon lange. Bereits 1964 wurde von Wissenschaftlern das sogenannte „Bereitschaftspotential“ unter Laborbedingungen beschrieben. Bislang galt es allerdings als unmöglich, es in Alltagssituation zu messen. Wissenschaftler der Uni Tübingen ist dies nun sogar unter Extrembedingungen gelungen.

Was versteht man denn in der Hirnforschung unter dem Bereitschaftspotential ?

Das Bereitschaftspotential ist eine charakteristische elektrische Spannungsverschiebung im Gehirn, die eine bevorstehende willentliche Handlung anzeigt. Diese Spannungsverschiebung entsteht bereits, bevor sich der Handelnde überhaupt darüber bewusst wird, dass er gleich eine Bewegung ausführen wird. Bisher galten Messungen des Bereitschaftspotenzials nur im Labor als möglich, da die Spannungsverschiebung im Bereich von wenigen Millionstel-Volt liegt, wie es in der Mitteilung heißt.

Was war das Anliegen der Wissenschaftler? 

Vor allen Dingen wollten sie herausfinden, ob das Bereitschaftspotential auch in Alltagsumgebungen messbar ist. Das ist nämlich relevant für die Weiterentwicklung alltagstauglicher Gehirn-Maschine Schnittstellen, denn das wäre eine wichtige Grundlage dafür, dass Querschnittsgelähmte und Schlaganfallpatienten Maschinen mit ihren Hirnsignalen steuern können.

Ferner interessierte die Wissenschaftler, ob die für eine Handlung nötige Willenskraft Einfluss auf die Ausprägung des Bereitschaftspotentials hat.

®Pixabay 30 Mal stürzten sich die Probanden für die Hirnforschung in die Tiefe.

Nicht (nur) zum Vergnügen sondern für die Forschung erklärten sich zwei Klippenspringer bereit, ihre Hirnströme vor Bungee-Sprüngen von der 192-Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck aufzeichnen zu lassen.
Für die Messung hat man die Probanden mit drahtlosen EEG-Messgeräten ausgestattet. Die Daten der Hirnaktivität wurden damit vor und während des Sprungs aufgezeichnet.

Das spannende Ergebnis dieses Experiments:
Nach nur wenigen Sprüngen gelang es den Forschern, das Bereitschaftspotential zweifelsfrei nachzuweisen.

Damit ist es Forschern erstmals gelungen, das sogenannte Bereitschaftspotential nicht nur außerhalb des Labors sondern sogar unter Extrembedingungen zu messen.

Die Ergebnisse der Studie werden im Frühjahr 2018 in einem internationalen Fachjournal veröffentlicht. Ein Abstract ist bereits online verfügbar.

Fazit

Im Bereich der Neurotechnologie tut sich enorm viel. Erst kürzlich haben wir hier über ein weiteres Projekt, das ebenfalls an der Uniklinik Tübingen durchgeführt wurde berichtet.
Bleibt nur zu hoffen, dass von der Neurotechnik schon bald Menschen mit Lähmungen profitieren können.

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