DoctorChat – neuer Service verbindet künstliche Intelligenz mit menschlicher Beratung

Jeder hat doch hin und wieder mal ein gesundheitliches Problemchen, das er gern medizinisch abklären lassen möchte. Aber sich deswegen gleich stundenlang in ein überfülltes Wartezimmer setzen? „Nee, das ist viel zu zeitaufwändig“, denken sich die einen. Dr. Google fragen? „Nee, zu unpersönlich“, denken sich die anderen. In der Schweiz gibt es nun einen neuen Service namens DoctorChat, der eine medizinische Erstabklärung vom Wohnzimmer aus ermöglicht.

Was ist DoctorChat?

DoctorChat ist eine neue Dienstleistung für die medizinische Erstabklärung, das die Schweizer Krankenkasse KPT zusammen mit dem Telemedizin-Spezialisten.

Das Besondere: Der innovative Service verbindet künstliche Intelligenz mit menschlicher Beratung.

Wie funktioniert DoctorChat?

DoctorChat ist so einfach wie das Schreiben einer Nachricht über einen Messaging-Kanal.

Zunächst registriert man sich und gibt dabei seinen bevorzugten Kommunikationskanal an.

Aus 5 verschiedenen Messengerdiensten kann man sich seinen bevorzugten Dienst aussuchen.

„Der innovative Service DoctorChat ermöglicht schnelle medizinische Hilfe – und zwar ganz bequem über die gängigsten Messaging-Kanäle.“, so Catherine Loeffel, Geschäftsleitungsmitglied von der KPT.

Nutzer haben die Wahl zwischen den gängigsten Messaging-Kanälen und entscheiden, über welchen Dienst Sie mit einem Arzt kommunizieren möchten.

Dann geht’s auch schon los: Man tippt einfach seine Gesundheitsfrage ein. Diese wird dann unter Anwendung von künstlicher Intelligenz einem echten Arzt zugeteilt. Die ärztliche Fachperson aus dem Medi24-Netzwerk beantwortet die Frage professionell und in kürzester Zeit auf dem gewählten Kanal.

Via Chat erhalten die Nutzer von kompetenten Ärzten eine schnelle medizinische Ersteinschätzung.

So sieht ein Chatverlauf mit dem DoctorChat aus.

Wo sind die Grenzen von DoctorChat?

DoctorChat ist Ersatz für die telemedizinische Beratung und geht weniger in die Tiefe als ein telefonischer Service. Aber die Dienstleistung ist eine sinnvolle Ergänzung zur Telemedizin, und sie ist defintiv eine bessere Alternative zu Internetsuchdiensten mit teils sehr fragwürdigen Ergebnissen.

Der Datenschutz gegenüber der KPT ist selbstverständlich gewährleistet. Die Krankenkasse erhält keinen Einblick in die Nutzer- und Gesundheitsdaten.

Wie kommt DoctorChat bei den Nutzern an?

Im Moment handelt es sich bei DoctorChat noch um ein Pilotprojekt, das ab Mitte Februar bis Ende Juni 2020 läuft. Es gibt erste Erfahrungswerte aus dem Ausland. Diese zeigen schon, dass sich dank des innovativen Services unnötige Arztkonsultationen verhindern lassen. Bis zu 70 Prozent der Anfragen können in einer Chat-Session abgeschlossen werden. Umfragen zeugen zudem von einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung. 96 Prozent der bisherigen Nutzer würden den innovativen digitalen Service ihren Freunden weiterempfehlen.

Mein Fazit

DoctorChat ist eine innovative Lösung, die einen schnellen Zugang zu verlässlichen, ärztlich abgestützten medizinischen Informationen ermöglicht. Unseres Wissens ist das neu und ein derartiger Service in Deutschland noch nicht verfügbar.

Wir sind ziemlich sicher, dass dieser Service vor allem bei berufstätigen Versicherten gut ankommt, weil diese immer weniger bereit sind, ihre kostbare Zeit mit stundenlangem Warten in Arztpraxen zu verbringen. Denn am Ende hat man ja dann doch nur einen 5-minütigen persönlichen Kontakt mit dem Arzt gehabt.

Aus unserer Sicht ist das eine absolut zukunftsfähige Form der Arzt-Patienten-Kommunikation zur medizinischen Erstabklärung. Auch Ärzte profitieren unseres Erachtens davon, weil eben solche Patienten ihnen nicht die Zeit stehlen, die manch andere Patient*innen dringend benötigen. Die Ressourcen im Gesundheitssystem schwinden. Von daher finden wir, dass derartige Lösungen ein enorm großes Potenzial haben.

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PHREND – KI-Software bald Doctor’s best friend?

Therapien möglichst passgenau auf den einzelnen Patienten abzustimmen, ist ein großer Trend. Die personalisierte Gesundheitslösung PHREND ist ein innovativer Ansatz, um viele individuelle Parameter bei der Therapieentscheidung zu berücksichtigen.

„Personalisierte Medizin ist ein Behandlungskonzept, das Patienten schneller zu einer für sie geeigneten Therapie verhelfen und zugleich das Gesundheitswesen effizienter machen kann.“ So ist es auf der Seite vom vfa zu lesen. Im Rahmen der personalisierten Medizin berücksichtigen Ärzte bei ihrer Therapieentscheidung heute auch genetische, molekulare und zelluläre Besonderheiten, sog. „Biomarker“. Das setzt allerdings voraus, dass man diese Biomarker bereits kennt. Das ist bei einigen Krankheiten wie z. B. Lungen- und Darmkrebs oder HIV der Fall. Aber es gibt auch zahlreiche Erkrankungen, für die solche Biomarker nicht existieren. Dennoch versuchen Ärzte immer möglichst viele individuelle Merkmale bei der Auswahl einer Therapie zu berücksichtigen. Dazu zählen u. a. das Alter des Patienten, die körperliche Konstitution, eventuelle Begleitmedikamente sowie die berufliche Situation und vieles mehr. Das ist ein aufwändiger Prozess, an dessen Ende immer die Entscheidung des Arztes steht, in die auch dessen persönliche Erfahrung mit einfließt.

Mit PHREND das perfect match in der indivuellen MS-Therapie finden

Eine neue, KI-basierte Software namens PHREND will diesen Aufwand erheblich reduzieren. PHREND steht für „Prädiktive Gesundheitsversorgung bei neurologischen Störungen mit Daten aus dem Therapiealltag“. Das heißt, dass die Daten, mit denen die Software gefüttert wird, aus realen Arztbesuchen stammen.

Was genau ist PHREND?

Die personalisierte Gesundheitslösung PHREND basiert auf einem „Human Centred Design“-Ansatz. Das Tool verwendet einen KI-gesteuerten Prognosealgorithmus, der sekundenschnell und unter Berücksichtigung der zehn wichtigsten, für MS klinisch relevante Patientenmerkmale individualisierte Prognosen für die Behandlung ermittelt. Dank intensiver Benutzertests ist die Applikation sowohl für Patienten als auch für Ärzte einfach zu bedienen und leicht verständlich.

Wie funktioniert PHREND?

Die erste neurologische Erkrankung, für die Ärzte  PHREND nutzen können, ist die Multiple Sklerose (MS). Kommt ein Patient zum Neurologen, erfasst dieser ohnehin Diagnose und Medikamente. Wenn der Arzt zum deutschen Ärztenetzwerk NTD gehört, kann er alle Informationen in die Applikation eingeben und diese damit trainieren. Antworten auf therapierelevante Fragen wie „Wann war der letzte Krankheitsschub?“, „Hat der Patient eine Spritzenphobie?“ oder „Hat die Patientin einen Kinderwunsch?“ speist er einfach ein. Anhand tausender anonymisierter Patientendaten schlägt die KI-basierte Software dann eine Behandlungsmöglichkeit vor, die am besten zur spezifischen Situation des Patienten passt. Die Therapiehoheit bleibt dabei selbstverständlich immer beim behandelnden Arzt. PHREND dient aber dabei als objektive, datenbasierte Entscheidungshilfe, um die erfolgversprechendste Therapie festzulegen.

Wer hat’s erfunden?

Strategy&, die Strategieberatung der Wirtschaftsprüfung- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) entwickelt. Patienten, Ärzte und führende Universitäten waren eng in die Entwicklung eingebunden.

Mein Fazit

Wir sind sicher, dass PHREND für viele Neurologen interessant ist. Diese innovative Lösung nimmt ihnen enorm viel ab und kann Sicherheit in der Therapieentscheidung geben. Gleichzeitig kann das zur besseren Versorgung der Patienten beitragen. Je früher ein(e) Patient(in) die individuell passende Therapie bekommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese wirkt, gut vertragen und vom Patienten akzeptiert wird. Gerade der letzte Aspekt ist eine Grundvoraussetzung für eine gute Adhärenz, die vor allem bei chronisch progredienten Erkrankungen elementar wichtig ist.

Wünschenswert aus unserer Sicht wäre, dass künftig alle Patienten gleichermaßen die Chance haben, von dieser Lösung zu profitieren. Aktuell ist das nämlich nur bei 50 Praxen möglich, die dem NTD-Netwerk angehören.

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Orpyx SI – intelligente Schuheinlage

Die diabetische Polyneuropathie macht Fußsohlen für Reize unempfindlich. Unbemerkte Druckstellen an der Fußsohle sind bei Menschen mit Diabetes äußerst riskant. Sie begünstigen die Entstehung eines diabetischen Fußgeschwürs. Eine intelligente Schuheinlage namens Orpyx kann hier künftig einen wertvollen Beitrag zur Ulkus-Prävention leisten.

Schon zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Diabetes liegt bei 12% der Betroffenen einen diabetische Polyneuropathie (dPNP) vor! In der Folgezeit steigt die Zahl linear mit der Diabetesdauer bis auf 50 Prozent nach 25 Jahren an.[1] Bei der dPNP werden durch die veränderte Stoffwechsellage die peripheren Nerven angegriffen. In der Folge kommt es oft zum Verlust von Tast-, Vibrations- und Temperatursensibilität. Die Betroffenen spüren einfach nicht mehr, wenn was drückt oder ein Stein im Schuh ist. Regelmäßige Entlastung der Fußsohlen könnte helfen, Fußgeschwüre zu verhindern.

Eine intelligente Innovation namens Orpyx

Orpyx sind Schuheinlagen mit integrierten Sensoren. Sie messen kontinuierlich den Druck auf die Fußsohle, die Temperatur und die Bewegung. Ein Transmitter sendet die Informationen an eine Smartwatch. Ist der Druck über längere Zeit zu groß, reagiert die Uhr mit einem audiovisuellen Alarm. Zeitgleich motiviert sie ihren Träger, die entsprechende Stelle am Fuß gezielt zu entlasten.

Eine randomisierte Studie untersucht, ob diese Innovation Menschen mit einer dPNP vor einem Fußgeschwür bewahren kann. Die Ergebnisse wurden im Lancet Digital Health publiziert.

Bei den Studienteilnehmern handelte es sich um Menschen mit bekannter dPNP. Alle hatten kürzlich schon einmal ein diabetisches (inzwischen abgeheiltes) Fußgeschwür. 58 Teilnehmer trugen die Einlagen mit je acht Sensoren 18 Monate lang in ihren Schuhen. Alle Teilnehmer trugen im Studienzeitraum auch die drahtlos mit dem System verbundene Smartwatch. Diese war allerdings nur bei den 32 Teilnehmern der Interventionsgruppe aktiv. Nur sie erhielten demnach bei längerfristigem Überschreiten des Schwellenwerts von 35 mmHg ein entsprechendes Signal. Und auch nur sie hat die Smartwatch aufgefordert, umherzugehen, sich hinzusetzen und den Fuß zu entlasten oder den Schuh auf Fremdkörper zu untersuchen. Die Messungen erfolgten in der Studie kontinuierlich mit einer Frequenz von 8 Hertz.

Der primäre Endpunkt war ein Rezidiv (das Wiederauftreten) eines Fußgeschwürs.

Das Ergebnis der Studie

Das Tragen der aktiven intelligenten Orpyx Schuheinlagen war mit einer Reduktion des Auftretens von Fußulzera um relative 71 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe verbunden. Wurden die Einlagen länger als viereinhalb Stunden pro Tag getragen, ließ sich die Reduktion auf 86% steigern.

Die Stärke des getesteten Systems Orpyx

Interessant an der Studie war, dass der Alarm – nach Berichten der Teilnehmer – vor allem dann anging, wenn sich die Teilnehmer in einer statischen Position befanden. Bisher war man nämlich davon ausgegangen, dass vor allem ein anhaltend hoher Druck bei normalem Gang ein Risikofaktor für ein diabetisches Fußgeschwür sei. Das System misst aber gar keine isolierten, hohen Drücke. Nur anhaltend leicht erhöhte Drücke lösen den Alarm aus. Und eben solche leicht erhöhten Drücke kommen ja bei ganz alltäglichen Situationen vor: im Sitzen, im Stehen oder beim Autofahren.

Mein Fazit

In Anbetracht der vielen Amputation und auch der damit verbunden Kosten ist so eine Lösung eine absolut sinnvolle Entwicklung. In Anbetracht der rund 6 Millionen Diabetiker allein in Deutschland ist die Zahl der Patienten, die Orpyx bisher unter kontrollierten Bedingungen getestet hat, noch sehr gering.

Wann diese Schuheinlagen verfügbar sein werden, ist uns nicht bekannt. Und natürlich forschen in Anbetracht der Tragweite für das Gesundheitssystem auch andere an einer Lösung. Interessant ist auch das Projekt „iFoot“ des Competence Center eHealth am Fachbereich Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein an. Hier forscht man an einem intelligenten Verband, der mit Sensoren ausgestattet ist, die Daten zu Druck, Temperatur, Feuchtigkeit und pH-Wert am Fuß per App aufs Handy melden.

Wenn dich das Thema diabetische Fußulzera interessiert: Meine Kollegin Elke hat dazu auch einen interessanten Beitrag geschrieben.

[1] https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/folgeerkrankungen/diabetes-und-nerven/index.html

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News von der CES 2020 in Las Vegas

Vom 7. bis 10. Januar fand wieder die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas statt. Digital Health spielt dort eine immer größere Rolle. Als der wahrscheinlich „nerdigste“ Autor hier auf diesem Blog berichte ich heute über – zugegeben völlig subjektiv ausgewählte – Innovationen aus dem Healthcare-Bereich, die dort präsentiert wurden.

„Fernüberwachungsprodukte, Wearables und Diagnoselösungen sind allesamt neue Technologien, die den heutigen Lebensstil prägen. Wenn es darum geht, auf dem neuesten Stand zu bleiben, gibt es keinen Ort wie CES für einen digitalen Gesundheitsdownload. Von Fitbit bis Phillips ist die CES der einzige Ort, an dem das gesamte digitale Gesundheits-Ökosystem an einem Ort zusammenkommt.“, so vollmundig teasert die Website der diesjährigen CES zu diesem Thema.

#1 CES: Ziemlich kleinstes MRT-Gerät

Wer schon mal in einem MRT lag, weiß, was für monströse Geräte das sind, und was für ohrenbetäubende Geräusche diese Ungetüme machen, die man ohne Kopfhörer kaum ertragen kann. Ein neues und vergleichsweise winziges MRT-Gerät hat nun das US-amerikanische Unternehmen Hyperfine vorgestellt. Dank eines minimalen Magnetfeldes können in wenigen Minuten direkt vor Ort Scans vom Gehirn angefertigt werden, die diagnostische Basisfragen beantworten.

Beeindruckend neben der Größe des Geräts ist die Tatsache, dass keinerlei Schutzwände nötig sind und kaum ein Geräusch zu hören ist. Während der Untersuchung soll man die Armbanduhr an-, Piercings drin behalten und das Handy in der Hosentasche lassen können. Und man braucht keinen Kopfhörer. Mit herkömmlicher MRT-Technik ist das nicht möglich. Hyperfine ersetzte den rotierenden Elektromagneten der Standard-MRT-Geräte durch zwei permanente Magneten über- und unterhalb des Kopfes. Die müssen nicht gekühlt werden, und sie erzeugen ein minimales Magnetfeld von nur 64 mTesla. Klinisch übliche MRT-Geräte arbeiten mit im Vergleich dazu mit 1,5 oder 3 Tesla. Natürlich erreicht die Aufnahmequalität dabei nicht annähernd das Niveau moderner Hochleistungsmaschinen. Aber laut Hersteller reicht die Bildqualität für wichtige Fragen zunächst einmal aus. Erkennbar sind wohl Blutungen, erweiterte Liquorräume und auch Tumore. Und das schon nach wenige Minuten Scan-Zeit.

Fun Fact: Hyperfine ist übrigens das Schwesterunternehmen von Butterfly, das kürzlich ein innovatives und ebenfalls recht preisgünstiges mobiles Mini-Ultraschallgerät entwickelt hat. Meine Mit-Bloggerin Elke hatte schon darüber berichtet. Beide Companies sind aus der erfolgreichen Unternehmensschmiede 4Catalyzer hervorgegangen.

Unser Fazit: Wir sind ziemlich begeistert von dem kleinen Ding. Hilfreich ist diese Innovation gewiss für Länder und Konstellationen, in denen kein MRT-Gerät zugänglich oder seine Anschaffung zu teuer ist. Denn mit einem angestrebten Verkaufspreis von unter 100.000 US-Dollar ist das auch eine wirklich attraktive Innovation. Vorstellbar ist der Einsatz aber auch bei uns in Notfallsituationen direkt vor Ort beim Patienten, z. B. wenn der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, aber eine Stroke Unit zu weit weg ist, und eine schnelle, u. U. lebensrettende medizinsche Entscheidung getroffen werden muss.

#2 CES: Handliches Device für bessere Ferndiagnosen

MedWand © MedWand Solutions

Obwohl Fernbehandlungen in Deutschland erlaubt sind, müssen die Patienten nach wie vor in die Arztpraxis kommen, wenn Untersuchungen zur Diagnostik nötig sind. Dafür will das Unternehmen MedWand Solutions Abhilfe schaffen. Es hat ein kleines Gerät namens MedWand entwickelt, das Ferndiagnosen deutlich besser und präziser machen soll. Das etwa Gänseei-große Gerät beherbergt eine ganze Reihe von Sensoren zur Messung von Vitalwerten sowie zur Untersuchung und Analyse unterschiedlicher Körperfunktionen (EKG, Sauerstoffsättigung, Lungenauskultation, Fiebermessung, abdominelle Auskultation, Inspektion von Nase, Rachen und Ohren oder der Haut). Der virtuelle Kontakt zum Arzt erfolgt über eine zum Gerät gehörende App und einen Link mit einer sicheren Verbindung. Der kontaktierte Arzt muss seinerseits über die technische Ausstattung verfügen, um die mit dem MedWand erfassten Daten auszuwerten. Das Device soll in den USA 2020 an den Start gehen. Ob und ggf. wann es auch in anderen Ländern zum Einsatz verfügbar ist, ist aktuell noch nicht bekannt.

Meine Meinung: In ländlichen Gegenden, die besonders vom Ärztemangel betroffen sind, werden bereits Patientenbusse eingesetzt, um die Patienten zu ihren Ärzten zu bringen. Das ist aufwändig und kostspielig. Diese sowie auch ältere, immobile Patienten im urbanen Raum könnten künftig von solchen Geräten profitieren und das Gesundheitssystem entlasten. Allerdings: Die „soziale Komponente“ eines realen Arztbesuchs ist gerade für ältere und von Einsamkeit bedrohte Menschen nicht zu unterschätzen. Wie immer bei Innovationen wird erst der breite Einsatz den wahren Netto-Nutzen zeigen können.

#3 CES: Hybrid Smartwatch erkennt Schlafapnoe und Vorhofflimmern

Schlafapnoe sind zeitweise Atemaussetzer, die dazu führen, dass weniger Sauerstoff in den Blutkreislauf kommt. Eine neue Smartwatch, vom Unternehmen Withings misst mittels SpO2-Sensor, der eine Lichtwelle durch Blutgefäße sendet und absorbiert, während der gesamten Nacht die Sauerstoffsättigung im Blut und erkennt so nächtliche Schlafapnoe-Episoden. Neben der Funktion Sauerstöffsättigung verfügt die Uhr auch über integrierte EKG-Funktion zur Erkennung von Vorhofflimmern.

Wie schon ihr Vorgänger ist auch die Withings ScanWatch ein vollwertiger Aktivitäts- und Workout-Tracker und kann Aktivitäten aufzeichnen, Schritte zählen und den Kalorienverbrauch ermitteln. Die Akkulaufzeit liegt nach Angaben des Herstellers bei bis zu 30 Tagen.

Die ScanWatch wurde von Kardiologen und Schlafexperten entwickelt und ist Withings bislang medizinisch fortschrittlichstes Wearable. Withings ScanWatch wird im zweiten Quartal 2020 verfügbar sein. Die Variante 38mm wird 249 Euro kosten, die größere Version mit 42mm liegt bei 299 Euro. Außerdem kann man sich seine Uhr customizen, denn es soll eine Vielzahl an Farboptionen und austauschbarem Silikon- und Lederarmbänder geben.

Uns gefällt, dass die Uhr auf den ersten Blick wie eine klassische Uhr daher kommt, in die smarte Features eingebaut sind. Nun könnte man denken, wieder ein neues, nices Gadget, was soll’s? Aber Betroffenen bietet die Uhr durchaus einen relevanten gesundheitlichen Nutzen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Sauerstoffuntersättigung des Blutes bei chronischen Lungenerkrankungen oder beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom während der nächtlichen Schlafphasen eng mit dem Auftreten von Vorhofflimmern verbunden ist.[1]

#4 CES: Smarte Windel

Das Unternehmen Pampers hat zusammen mit Logitech und Verily Pampers Lumi, eine App-basierte Windel, entwickelt. Das System besteht aus einem Sensor. Diesen befestigt man vorn an der Windel, der die Bewegungen des Kindes sowie die Feuchtigkeit der Windel misst. Die Daten gibt er an ein gekoppeltes Smartphone in der Nähe weiter. Eine Full-HD-Kamera für die filmische Überwachung des Babys und eine App, auf der alle Daten zusammengeführt werden, gehören ebenfalls zum System. Die Eltern erfahren also, wenn die Windel nass ist, wie lange das Baby geschlafen hat und wie lange es aktiv war. Die Daten werden gespeichert und lassen sich auswerten. Wer will, kann zusätzlich erfassen, wann das Kind gestillt beziehungsweise gefüttert wurde.

Ob die Welt diese Lösung wirklich braucht, sei mal dahin gestellt. Aber das Bespiel „smarte Windel“ zeigt, wie groß das Spielfeld Digital Health inzwischen geworden ist und welche Player sich darauf bewegen.

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heat_it heizt Insektenstichen ein

Mückenstiche nerven total, weil sie fürchterlich jucken. Die Erfindung eines Karlsruher Start-ups will dem Problem bald total smart zu Leibe rücken. Mit konzentrierter Hitze und heat_it, einem kleinen Device fürs Smartphone.

Es gibt einige wissenschaftliche Belege dafür, dass Hitze bei durch Insektenstiche verursachten Juckreiz wirksam ist. Ursprünglich nahm man an, dass Hitze die Eiweiß-Moleküle der Stoffe, die die Insekten beim Stich in die Haut einbringen, zerstört. Mittlerweile geht man davon aus, dass die Ausschüttung des körpereigenen Histamins, das die Schwellung und den Juckreiz verursacht, reduziert wird.

Es gibt bereits Lösungen in Form von elektronischen Stiften auf dem Markt, die mit konzentrierter Wärme arbeiten. Sie sind aber alle relativ groß und benötigen Batterien für den Betrieb.

Die Idee des Start-ups für heat_it

Die Tüftler suchten nach einer Lösung, die möglichst klein ist und ohne Batterien funktioniert. Entwickelt haben sie heat-it. Das ist ein kleines Device in der Größe eines Zuckerwürfels. Es passt also ganz easy an den Schlüsselbund, so dass man es immer dabei haben kann.

Heat_it in der Hand eines der Gründer
heat_it ist gerade mal so groß wie ein Stück Würfelzucker © Kamedi GmbH

Die Anwendung ist kinderleicht

Kinderleichte Anwendung des heat_it © Kamedi GmbH

Zuerst steckt man den heat_it in ein Smartphone und die zugehörige App öffnet sich automatisch.
Dann wählt man in der App aus, welches Insekt einen gestochen hat, ob man ein Kind oder einen Erwachsenen behandeln möchte. Auch die  Empfindlichkeit der Haut an der Stichstelle gibt man an. Die nötige Anwendungsdauer und Behandlungstemperatur wird abhängig vom Insekt, der persönlichen Empfindlichkeit und der Empfindlichkeit der Körperstelle beim heat_it perfekt angepasst.
Nun drückt man auf Start, hältt den heat_it für wenige Sekunden an die betroffene Hautstelle und der nervigen Juckreiz ist ruckzuck weg. Der heat_it nutzt das wissenschaftlich nachgewiesene Wirkprinzip der Hyperthermie. Dabei werden die Insektenstiche rein durch die lokale Erwärmung der Haut behandelt. Weil der heat-it ohne Chemie arbeitet, soll er auch für Schwangere und Kinder geeignet sein.

Wo gibt es den heat_it?

Das Produkt ist aktuell noch nicht erhältlich. Die Entwickler streben eine Zulassung als Medizinprodukt an. Sobald das Device die CE-Zertifizierung erhalten hat, kann es auf den Markt.

Mein Fazit

Kürzlich war ich auf Mallorca, um noch ein wenig den Sommer zu verlängern. Was mir nicht klar war, war die Tatsache, dass es im Herbst dort vor Mücken nur so wimmelt. In der Unterkunft befand sich ein Moskitonetz überm Bett. Im Bad standen jede Menge chemische Repellentien. Das war ein deutlicher Hinweis, den ich aber zunächst nicht wahrgenommen hatte. Am ersten Morgen war ich übersät mit Stichen, die alle ganz schlimm juckten. Hätte ich da heat_it zur Hand gehabt, wäre der restliche Urlaub vielleicht deutlich entspannter verlaufen. Allerdings soll man heat_it ja möglichst rasch nach dem Stich anwenden. Wenn man aber nicht direkt spürt, dass man gestochen wurde, ist das allerdings schwer umsetzbar. Aber sobald die nächste Mückenplage kommt, wollen wir heat_it testen, sofern es dann bereits verfügbar ist. Wir finden die Idee hot und drücken den Jungs auf alle Fälle die Daumen!!

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Mobile Mini-Klimaanlage – ganz schön cool

Tropische Temperaturen während der Sommermonate werden in unseren Breitengraden immer mehr zur Realität. Die jüngste Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad und darüber haben wir zwar hinter uns, aber die nächste kommt leider mit ziemlicher Sicherheit. Weil enorme Hitze für immer mehr Menschen eine kritische gesundheitliche Belastung darstellt, greifen wir das Thema einmal auf und stellen euch die mobile Mini-Klimaanlage, die Sony jüngst etwickelt hat, vor.

Unlängst stand in der Ärzte Zeitung zu lesen, dass ein Hausarzt aus Gummersbach eine regelrechte Hitzevorsorgestrategie für seine Praxis entwickelt hat, um Patienten vor den Folgen hoher Temperaturen wie Hitzeerschöpfung und Hitzekollaps zu schützen. Tatsächlich ist gerade für ältere und / oder chronisch kranke Menschen die Hitze eine ganz besondere Belastung.

Die gängigen Methoden, um Räume zu kühlen, sind neben dem Verdunkeln bekanntlich Ventilatoren und Klimaanlagen. Um den Körper vor Austrocknung zu schützen hilft nur eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Soweit die Standards heute.

Zukünftig könnte eine mobile Mini-Klimaanlage, die am Körper getragen wird und mit deren Hilfe die Temperatur individuell geregelt werden kann, eine im wahrsten Sinne des Wortes „coolere“ Lösung sein. Die japanische Firma Sony ist nämlich gerade dabei, ein derartiges System zu entwickeln.

So funktioniert die mobile Mini-Klimaanlage

Das nur 85 Gramm leichte Gerät wird in der Rückentasche eines speziellen Unterhemds platziert.

Es bläst aber nicht wie herkömmliche Klimaanlagen kalte Luft auf den Körper, sondern beeinflusst durch einen elektrischen Stromfluss den Wärmetransport. Experten sprechen vom sog. Peltier-Effekt. Beim Peltier-Effekt, der nach dem französischen Uhrmacher Peltier benannt ist, handelt es sich um einen thermoelektrischen Effekt, bei dem in einem aus zwei verschiedenen Metallen bestehenden Leiterkreis an den Lötstellen bei Stromfluss entweder Wärme entsteht oder entzogen wird.

Elektronisch steuern lässt sich die Temperatur über eine dazugehörige Smartphone-App. Möglich ist eine Kühlung um bis zu 13° C.

Mittels App lässt sich die Temperatur um 13° C runterfahren ©Pixabay

Mein Fazit

Ein tragbares System, mit dem jeder seine ganz individuelle Wohlfühltemperatur selbst regulieren kann, wäre schon ziemlich „heißer Scheiß“. Derzeit hält der Akku der mobilen Mini-Klimaanlage allerdings wohl nur eineinhalb Stunden durch. Aber Sony entwickelt das Ding ja noch weiter und will dann zunächst mit Hemden in drei Herren-Größen zu Preisen ab umgerechnet 105 Euro an den Markt gehen. Geplant ist, dass das System 2020 zunächst in Japan erscheinen wird, also – wenn alles klappt – genau rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Wenn sich das Gerät durchsetzt, wäre es sicher auch attraktiv für Patienten in Krankenhäusern und für Bewohner von Altenheimen. Wir sind gespannt und verfolgen die weitere Entwicklung.

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NightWatch bewacht Menschen mit Epilepsie

In Deutschland sind etwa eine halbe Million Menschen aufgrund einer Epilepsie in haus- oder fachärztlicher Behandlung.[1] Trotz vielfältiger medikamentöser Behandlungsoptionen haben aber etwa 30% der Patienten Probleme mit epileptischen Anfällen. Vor allem die nächtlichen Anfälle können sehr gefährlich und unter Umständen sogar tödlich sein. Das Unternehmen Livassured vertreibt ein intelligentes System namens NightWatch, das epileptische Anfälle im Schlaf erkennt.

So funktioniert NightWatch

NightWatch zählt zu den sogenannten Wearables. Es ist ein Messsystem mit eingebauten Sensoren, das am Oberarm getragen wird, und das Veränderungen des Herzrhythmus und der Bewegungen im Schlaf erfasst. Intelligente Algorithmen erkennen klinisch dringende Anfälle und übertragen diese Information über ein drahtloses DECT-Signal an die Basisstation, die bis zu 15 Meter vom Patienten entfernt stehen kann.

Einsatzmöglichkeiten von NightWhatch

Im häuslichen Umfeld kann das System daher vor allem Eltern betroffener Kinder entlasten.

Aber auch erwachsenen, allein lebenden Menschen mit einem Anfallsleiden kann es helfen, möglichst eigenständig ohne Begleitung zu wohnen. Dafür gibt es ein spezielles (optionales) GSM-Modul mit dem bis zu 5 Rufnummern von ausgewählten Personen bei klinisch dringenden Anfällen automatisch angerufen werden können. Darüber hinaus ist dieses Modul mit einer Notruftaste ausgestattet, die der Träger für sofortige Hilfe im Bedarfsfall selbst betätigen kann.

Kind schläft mit NightWatch am Arm
©Livassured

Neben der Anwendung zu Hause kann das System auch in der Klinik oder in Heimen gute Dienste leisten. Die Basisstation ist standardmäßig für den Anschluss an alle Pflegerufsysteme vorbereitet, um dringende Anfälle direkt an das Pflegepersonal weiterzuleiten.

Das tragbare Alarmsystem mit Basisstation © Livassured B.V._HealthcareHeidi
Das Wearable mit Basisstation ©Livassured

Wer hat’s erfunden?

NightWatch wurde von den Tele-Epilepsie-Zentren der Niederlande (Kempenhaeghe und SEIN) in Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen sowie dem Uniklinikum Utrecht und der TU/Eindhoven entwickelt.

Vertrieben wird es aktuell von Livassured.

©Livassured

Wie zuverlässig arbeitet NightWhatch?

In den Jahren 2017 und 2018 wurde eine klinische Studie[2] durchgeführt, die folgende Ergebnisse gezeigt hat:

NightWatch registrierte frühzeitig 96% aller tonisch-klonischen Anfälle und 80% aller anderen klinisch dringenden Anfälle.

Eine Gruppe von 34 Patienten mit monatlich mehr als einem nächtlichen, klinisch dringenden Anfall trug im Rahmen der Studie drei Monate lang das NightWatch-Armmodul, dass den Herzrhythmus (Photoplethysmographie) und Bewegungen (3D-Accelerometrie) registrierte. Alle Anfälle wurden mithilfe von Video und Audio klassifiziert.

Über einen Zeitraum von insgesamt 1826 Nächten wurden 809 klinisch dringende Anfälle beobachtet. Zu den klinisch dringenden Anfällen zählen tonisch-klonische Anfälle, tonische Anfälle über 30 Sekunden, hyperkinetische und geclusterte myoklonische Anfälle.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die eine gängige Sensor-Bettmatte verwendete, konnte nachgewiesen werden, dass die Bettmatte von 10 solchen Anfällen lediglich 3 erkannte, während NightWatch 9 von 10 derartiger Anfälle detektierte.

Die involvierten Betreuer gaben im Vergleich zur Kontrollgruppe in entsprechenden Fragebögen an, dass NightWatch einfach im Gebrauch ist, mehr Ruhe und Freiheit bietet und früher reagiert, wenn dringende Hilfe erforderlich ist.

Und sonst?

NightWatch ist einfach in der Handhabung, da das System nicht eingestellt werden muss, sondern unmittelbar selbständig funktioniert.

Nach Angaben von Livassured ist es derzeit das zuverlässigste System auf dem Markt. Somit kann es Betreuungspersonen wie Eltern oder Pflegekräfte erheblich entlasten. Und durch NightWatch wird bereits in einem frühen Stadium angemessene Hilfe möglich.

[1] https://www.epilepsie-vereinigung.de/epilepsie/krankheitsbild/haufigkeit/

[2] Arends J et al. Multimodal nocturnal seizure detection in a residentional setting: a long term prospective trial. Neurology 2018; online

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Mittelohrentzündung mit Smartphone und Papier erkennen

Mittelohrentzündung ist etwas ganz scheußlich Schmerzhaftes. Als Vater von drei Kindern weiß man das. Aber nicht immer geben Kinder auch den Schmerz im Ohr an, sondern klagen über Bauschmerzen oder haben einfach Fieber. Mithilfe einer neuen App soll man künftig ganz easy selbst checken können, ob eine Entzündung im Ohr vorliegt.

Hintergrund zur Mittelohrentzündung

Zu einer Entzündung im Mittelohr kommt es meist durch Bakterien (ca. 60 % der Fälle) oder seltener durch Viren.[1] Die Folge sind Schmerzen, Rötung, Erwärmung und Schwellung der Haut oder Schleimhaut. Die Schwellung der Schleimhaut betrifft bei der Mittelohrentzündung häufig auch den Gang, der Mittelohr und Rachen miteinander verbindet. Schwillt dieser Gang zu, können Flüssigkeit und Schleim nicht mehr abfließen und sammeln sich im Mittelohr an.

Die Idee zur Diagnostik einer Mittelohrentzündung mittels Schallwellen

Jetzt haben Forscher an der Universität Washington eine Smartphone-App entwickelt, mit der man ganz einfach diese Flüssigkeit im Mittelohr hören kann.[2] Dazu benötigt man lediglich etwas Papier sowie ein Smartphone mit einem Mikrofon und einem Lautsprecher. Das Smartphone sendet dann eine Serie von sanften Zwitschertönen durch einen Papiertrichter, den man selbst basteln und am Mikrofon und Lautsprecher anbringen kann. Und je nachdem wie das Gezwitscher ans Smartphone reflektiert wird, kann die App mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 % vorhersagen, ob sich Flüssigkeit im Mittelohr befindet oder nicht.

 

Mein Fazit

Diese App liefert einfach und schnell wie ein Fieberthermometer eine Antwort auf die Frage, ob sich im Mittelohr Flüssigkeit befindet oder nicht. Befindet sich Flüssigkeit im Mittelohr, ist das ein hilfreicher Hinweis für Eltern, dass ein Arztbesuch angeraten ist.

Unser Tipp:

Darüber wie man mit Schallwellen Arthrotische Veränderungen in Gelenken detektieren kann, haben wir kürzlich berichtet: http://www.healthcareheidi.de/2019/05/07/the-sound-of-arthrose/


[1] http://www.patientenleitlinien.de/Mittelohrentzuendung/mittelohrentzuendung.html

[2] https://stm.sciencemag.org/content/11/492/eaav1102?rss=1

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Kata ist endlich da!

Bereits letztes Jahr habe ich über die Entwicklung dieser außergewöhnlichen App des Münchner Startups VisionHealth berichtet. Nun ist es endlich so weit: Die Therapiehilfe Kata ist die erste umfassende, rein digitale Behandlungsunterstützung, die ab sofort Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen begleitet. Das Besondere: KI trainiert Patienten für einen effektiven Gebrauch ihrer inhalativen Medikamente.

Logo Kata App
©VisionHealth GmbH

Hintergrund zur Entwicklung von Kata®

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit 600 Millionen Menschen an chronischen Atemwegserkrankungen, jedes Jahr versterben 3,5 Millionen Menschen an den Folgen. Gründerin und CEO Dr. Sabine Häußermann betont: „All diese Patienten haben mit einem signifikanten Problem zu kämpfen. Der Erfolg ihrer Behandlung hängt maßgeblich von der korrekten Handhabung ihrer Inhalatoren ab. Bis zu 90% der Patienten begehen laut aktuellen Studien allerdings mindestens einen Fehler bei der Anwendung. Deshalb bieten wir jetzt die Lösung, die die Genauigkeit bei der Dosis und das Adhärenz-Management tatsächlich verbessern kann.“

Von Experten entwickelt

Um dies zu erreichen, entwickelt VisionHealth die digitale Therapiebegleitung bereits von Beginn an mit der Unterstützung von Experten, die tagtäglich mit dem Problem zu tun haben: Patienten und Ärzten. „Als ich von VisionHealth und Kata® hörte, wurde ich sofort neugierig.“ Frank Hennemann, Patient mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel und leidenschaftlicher Motorradfahrer, hat sich als Beiratsmitglied bei VisionHealth in die Entwicklung der Therapiehilfe eingebracht. „Seit ich die App dann ausprobiert habe, will ich sie nicht mehr missen. Ich habe im Gegensatz zu früher jetzt eine deutlich bessere Lebensqualität!“

VisionHealth Core Team: Das Kernteam des Münchner Startups VisionHealth: A. Sivris, Dr. S. Häußermann, M. Seyffertitz, P. Kroneberg (v.l.n.r.) ©VisionHealth GmbH

Das Einzigartige an Kata

Die App gibt Rückmeldung zum Inhalationsmanöver der Patienten, ohne dass ein medizinischer Experte vor Ort oder per Ferndiagnose in dieser Situation unterstützen muss. Dies funktioniert allein mit dem Smartphone des Patienten, ohne den Bedarf zusätzlicher Geräte. Dazu bedient sich VisionHealth modernster Technologien und hat einen speziellen Algorithmus entwickelt. Neben KI künstlicher Intelligenz kommen außerdem auch Augmented-Reality-Elemente zum Einsatz.

Was Kata sonst noch bietet:

Neben der automatischen Schulung der Inhalation bietet Kata® folgendes:

  • Erinnerungsfunktion
  • Ermunterung für Therapietreue
  • Informationen zur Krankheit
  • Informationen zu Wetter und Pollenflug.

Zudem bieten Tagebuchfunktion und Kontrolltests einen Überblick über den Verlauf der wichtigsten Krankheitswerte. Patienten erhalten überdies einen persönlichen Support von Experten per E-Mail oder Telefon.

Das Gesundheitstagebuch gibt einen Überblick über den Verlauf der wichtigsten Krankheitswerte ©VisionHealth GmbH

Blick in die Zukunft

Heute funktioniert die Lösung bereits für die gängigste Form des Inhalationssprays, das sogenannte MDI (Metered Dose Inhaler), auch Dosieraerosol genannt.

Die Enthusiasten bei VisionHealth geben sich damit noch lange nicht zufrieden. „Wir werden unsere Technologie für alle Gerätetypen weiterentwickeln, sodass jeder Patient Kata® ungeachtet seines verschriebenen Medikaments verwenden kann. Langfristig werden wir außerdem eine umfassende Plattform zur Unterstützung des Patienten in allen Problemstellungen seiner Therapie zwischen den Arztbesuchen schaffen. Dabei schaffen wir einen Kontaktpunkt von Patienten miteinander und mit ihren Berührungspunkten im Gesundheitssystem. Um den chronisch Erkrankten ihren Alltag zu erleichtern, binden wir unterschiedlichste Partner ein und streben eine Förderung durch Krankenkassen an.“, so Geschäftsführer Philipp Kroneberg .

Außerdem soll Kata langfristig in der Lage sein, sogar schon die Anzeichen von Exazerbationen (Verschlechterungen des Krankheitsbilds) zu erkennen. Das wäre dann ein weiterer Meilenstein, um frühzeitig ins Krankheitsgeschehen eingreifen und im Idealfall Krankenhausaufenthalte verhindern oder wenigstens abmildern zu können.

Mein Fazit

Technisch betrachtet ist die App eine Klasse für sich. Durch modernste Technologien wie KI sorgt sie für eine effektivere inhalative Medikamenteneinnahme. Zudem ermöglicht sie mit verschiedensten Funktionen rund um die Krankheit eine Therapiebegleitung zwischen den Arztbesuchen. Es gibt ja inzwischen einige digitale Therapiebegleiter, aber Kata® bietet schon heute außergewöhnliche Funktionen. KATA ist kostenfrei im Apple App Store und Google Play Store erhältlich ist.

Für Menschen, die auf inhalative Medikamente angewiesen sind, ist die App sicher eine wertvolle Therapiebegleitung. Wir bleiben auf alle Fälle am Ball und sind schon sehr gespannt, wie sich die Lösung weiter entwickeln wird.

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ErgoJack sorgt für gesunde Haltung

„Sich krumm und bucklig arbeiten“ ist eine bekannte Redensart. Meist ist damit gemeint, dass jemand sehr hart und viel arbeitet. Manche Berufe bringen es aber mit sich, dass sie sich langfristig schlecht auf die Körperhaltung auswirken. Das wiederum führt oft zu einem vorzeitigen Verschleiß der Wirbelsäule mit den entsprechenden Beschwerden im Rücken. Um solchen Haltungsschäden aktiv entgegenzuwirken haben Wissenschaftler den intelligenten ErgoJack entwickelt.

Wer oder was ist ErgoJack?

Bei ErgoJack handelt es sich um eine Oberkörper-Orthese, die ihren Träger zu ergonomischen Bewegungen animiert. Eine Orthese ist ein medizinisches Hilfsmittel, das zur Stabilisierung, Entlastung, Ruhigstellung, Führung oder Korrektur von Gliedmaßen oder des Rumpfes eingesetzt wird. Das besondere an ErgoJack ist, dass es sich dabei um eine intelligente softrobotische Orthese handelt, die den Rücken entlastet und Arbeitende animiert, belastende Bewegungsabläufe ergonomisch auszuführen. Aber wie funktioniert das?

So sieht der ErgoJack angezogen aus
© Fraunhofer IPK

So sorgt ErgoJack dafür, dass sein Träger die Haltung bewahrt

Das Besondere an dieser Orthese ist die Echtzeit-Bewegungsanalyse. Sie erkennt nämlich ergonomische und unergonomische Bewegungen. Dafür haben Wissenschaftler vom Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik spezielle Algorithmen entwickelt, die auf Machine Learning und KI basieren. So erkennt ErgoJack, ob die ausgeführten Bewegungen ergonomisch sind oder nicht.

In die Orthese sind außerdem an den Schultern, am Rücken und an den Oberschenkeln Bewegungssensoren eingebaut, die vorgelernte Bewegungsmuster mit der tatsächlich ausgeführten Bewegung abgleichen und in Echtzeit auswerten können. Dieser Vorgang dauert wenige hundert Millisekunden. Über einen Vibrationsalarm erhält der Träger umgehend Feedback, wenn er Haltungen einnimmt oder Bewegungen ausführt, die gesundheitsschädlich sind.

Mein Fazit

Wir haben hier im Blog schon öfter über sog. Exoskelette, also Stützroboter, die außen am Körper angebracht werde, berichtet. Das Innovative an dieser softrobotischen Orthese ist, dass sie eine Echtzeit-Bewegungsanalyse ermöglicht. Mit diesem Wearable-Soft-Robotics-System wollen die Forscher dem Ausfallrisiko von Arbeitskräften in der Industrie entgegenwirken. Aber auch im Gesundheitsbereich gibt es viele Arbeitsbereiche, bei denen Haltungsschäden besonders häufig vorkommen. Menschen in der Alten- oder Krankenpflege müssen schließlich auch täglich schwer heben. Daher findet der ErgoJack sicher noch viele weitere Einsatzgebiete. Wie hilfreich oder hinderlich er allerdings bei der Verrichtung bestimmter Tätigkeiten bspw. in der Pflege ist, muss erst noch erprobt werden.

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