Die Ernährungsapp als neue digitale Adipositas-Therapie?

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Ernährungsapps gibt es wie Sand am Meer. Die einen sind sinnvoller, die anderen weniger. Die Studienlage ist dünn. Eine Ernährungsapp hat es jetzt aber in das DiGA* Verzeichnis des BfArm geschafft und ist damit als „App auf Rezept“ verordnungsfähig: zanadio.

Die Ernährungsapp zanadio unter die Lupe genommen

Blog HealthcareHeidi: Die Ernährungsapp as neue digitale Adipositas-Therapie? Zanadio
©aidhere GmbH

zanadio hat es als erste Ernährungsapp – vorläufig – in das DiGA Verzeichnis des BfArm geschafft. Die App unterstützt bei der Behandlung von starkem Übergewicht und setzt die Wirkprinzipien der etablierten konservativen Adipositas-Therapie digital um. Das Programm ist auf 12 Monate ausgelegt und besteht aus den Bausteinen Ernährung, Bewegung, Verhalten.

Mit der Ernährungsapp zanadio lernen Betroffene neue, gesunde Gewohnheiten in ihren Alltag zu integrieren, damit ihr Gewicht zu reduzieren und – und das ist der entscheidende Punkt  – es dauerhaft zu halten. Damit entspricht zanadio den Therapiezielen der „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas“ der deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG).1

Definition von Übergewicht und Adipositas

Adipositas ist definiert als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Berechnungsgrundlage für die Gewichtsklassifikation ist der Body Mass Index (BMI). Von Adipositas spricht man ab einem BMI von 30. Die Risikofaktoren reichen von familiärer Disposition, niedrigem Sozialstatus, Lebensstil, Stress bis hin zu endokrinen Erkrankungen. Adipositas kann auch eine Folge bestimmter einzunehmender Medikamente wie Antidepressiva sowie Neuroleptika sein.

Übergewicht und Adipositas hat in den OECD2 Ländern das Ausmaß einer Volkskrankheit angenommen.3 Allein in Deutschland sind rund zwei Drittel (67%) der Männer und die Hälfte (53%) der Frauen übergewichtig (BMI ≥ 25 kg/m2).4

Diagnose Code E66.0 – Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr

Die Ernährungsapp zanadio ist geeignet für Patienten*innen mit einem BMI von 30-40, die mindestens 18 Jahre alt sind und bei denen keine Kontraindikationen vorliegen (z.B. bariatrische Operation innerhalb der letzten 3 Jahre). Die Kosten sind voll erstattungsfähig. Als DiGA kann zanadio von Ärzten oder Psychotherapeuten verordnet werden. Die Ernährungsapp ist sowohl für iOS als auch Android Systeme in den jeweiligen Shops kostenfrei verfügbar.

Die App unterstützt die Anbindung weiterer Geräte zur Übertragung von Bewegungs- und Körpergewichtsdaten, wie zum Beispiel Fitbit, Garmin, Polar oder OmronConnect. Jedoch zeigten interne Tests des Herstellers aidhere hohe Messunterschiede, so dass der Hersteller vor Entscheidungen auf Basis dieser Daten warnt.

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©aidhere GmbH, zanadio Adipositastherapie

Mein Fazit

Die Ernährungsapp zanadio setzt auf eine langfristige Verhaltensänderung der Ernährungsgewohnheiten. Ziel ist es, mit neuen und gesunden Gewohnheiten langfristig und dauerhaft Gewicht zu reduzieren. Hier gibt es für mich keine Differenzierung zu langjährig etablierten Programmen wie Weight Watchers.

Am Ende des Tages muss jede*r selbst wissen, welche Erwartung sie*er an eine Ernährungsapp hat und welcher Weg (digital per App oder persönliche Beratung und Begleitung durch einen qualifizierten Ernährungsexperten) besser funktioniert. Es ist kein Geheimnis, dass die Applikationen zwar oft installiert werden, aber nicht aktiv über einen längeren Zeitraum genutzt. Inwieweit Ernährungsapps dem*der Anwender*in tatsächlich zu einer langfristigen Gewichtsreduktion verhelfen, untersuchen nur wenige Studien, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Da darf man nun auf die Daten von zanadio gespannt sein.

Der Kampf gegen die Pfunde – Pillen, Pflaster, Ernährungsapps. Alle versprechen den großen Erfolg. Eine wirkliche, erfolgreiche Ernährungsumstellung mit Gewichtsreduktion ist jedoch eine lange Reise, erfordert Durchhaltevermögen und ein wirkliches Ziel. Aber wie sagte Lao Tze so schön: Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt.

Über Pflaster hat meine Kollegin Julia übrigens bereits 2018 in ihrem Blogbeitrag „Adipositas einfach wegpflastern?“ hier auf HealthcareHeidi berichtet.


* DiGA = Digitale GesundheitsAnwendung https://www.bfarm.de/DE/Medizinprodukte/DVG/_node.html

1 Absatz 5.2, Therapieziele (S. 38) S3 Leitlinie

2 OECD = Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Eine internationale Organisation, deren Ziel eine bessere Politik für ein besseres Leben ist – eine Politik, die Wohlstand, Gerechtigkeit, Chancen und Lebensqualität für alle sichern soll.

3 https://www.oecd.org/berlin/presse/fettleibigkeit-und-uebergewicht-nehmen-in-oecd-laendern-weiter-zu-18052017.htm / https://www.oecd.org/health/obesity-update.htm

4 https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/FactSheets/JoHM_2017_02_Uebergewicht_Adipositas_Erwachsene.pdf?__blob=publicationFile

5 https://zanadio.de/fachkreise/

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Virtual Reality (VR) in der Neurorehabilitation

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Verletzungen und Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems können zu Bewegungs-, Empfindungs- und Wahrnehmungsstörungen führen. Ziel der Neurorehabilitation ist es, neurologische Funktionsstörungen zu verbessern oder ganz zu beheben. Die vom Heidelberger Start-up living brain entwickelte VR-Technologie will Betroffenen mit kognitivem Training in virtueller Realität eine Rückkehr in ein normales, selbstbestimmtes Alltags- und Berufsleben ermöglichen.

Neurorehabilitation: Patienten*innen mit Erkrankung des Nervensystems

„Die Neurorehabilitation gewinnt rasant an Bedeutung, insbesondere die neurologische Frührehabilitation. Der Grund sind therapeutische Fortschritte in der Neurologie sowie die wachsende Anzahl von Patienten.“, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation e.V. (DGNR) auf Ihrer Webseite.

Häufigste Indikationen für eine Neurorehabilitation sind zum Beispiel traumatische Hirnverletzungen (Schädelhirntrauma), Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Hirntumore, Rückenmarkschädigungen, Schlaganfälle, periphere Neuropathien, wie das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), als dessen Ursache man eine Autoimmunreaktion vermutet.1 Auch SARS-CoV-2 reiht sich nach neuesten Erkenntnissen in die Reihe der GBS-auslösenden Erreger ein.2

Nach der Akutphase, bei der es darum geht, die wesentlichen Symptome unter Kontrolle zu bringen, wie beispielsweise eine Hirnblutung zu stoppen und ein Blutgerinnsel aus dem Hirn zu entfernen, bleiben die Betroffenen häufig mit kognitiven Beschwerden bzw. Rest- oder Folgeschäden – wie zum Beispiel Paresen, Spasmen, Gleichgewichtsstörungen, dem Verlust der Fähigkeit zu essen und zu trinken, sich zu be- und entkleiden, zu waschen, zu sprechen, zu verstehen oder zu orientieren – zurück.

Neurologische Ausfälle lindern: die Neurorehabilitation

In der Neurorehabilitation wird darauf hingearbeitet, die o.g. neurologischen Ausfälle bzw. Folgeschäden zu lindern, im Idealfall zu beheben, um so die Selbstständigkeit der Patienten*innen wieder herzustellen, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern und eine Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen.

Das Behandlungsspektrum in der Neurorehabilitation ist so vielfältig wie verschieden. Eine zukunftsweisende Methode ist die vielfach ausgezeichnete Idee der living brain GmbH, die auf virtueller Realität und psychologischer Lernstrategie basiert.

Kognitives Training in virtueller Realität (VR)

Im Gegensatz zu herkömmlichen, eher abstrakten und theoretischen Methoden, müssen Patienten*innen bei der von living brain entwickelten VR-Technologie teora© mind nicht mehr lebensferne Zahlen- und Buchstabenkolonnen lernen und auf Papier notieren oder Kinderbilder beschreiben. Sie setzen „einfach“ eine VR-Brille auf und trainieren mit dieser alltagsnahe Situationen in sicherer, unfallfreier Umgebung. Einkaufen gehen, den Küchenherd bedienen, Kaffee kochen oder Gemüse pflanzen und ernten.

Die auf medizinisch-psychologischer Forschung basierende Trainingssoftware ermöglicht ein ortsunabhängiges, im Schwierigkeitsgrad individuell adaptierbares und abwechslungsreiches kognitives Training. Mittels 3D-Gestaltung werden Alltagsaktivitäten wirklichkeitsgetreu veranschaulicht, was positive Effekte hinsichtlich Motivation und Lerntransfer erzielen kann. Die Patienten*innen können die Übungen in der VR so oft wiederholen, bis sie sich wirklich sicher fühlen. Die Übungen können sitzend oder laufend durchgeführt werden. Ein Recalling-System stellt die stetige Arzt-Patient-Verbindung sicher. Die Anwendung besteht im Gesamtpaket aus VR-Brille und Tablet.

Barbara Stegmann, Gründerin und CEO von living brain, beschreibt die Idee ihres Start-ups sehr schön in einem Interview mit den Kultur- und Kreativpiloten: „Stellt euch vor, ihr steht vor einer Kaffeemaschine und wollt euch einen Kaffee machen. Da denkt ihr nicht darüber nach, wie ihr euch einen Kaffee macht. Menschen mit Handlungsplanung jedoch stehen vor der Kaffeemaschine und wissen, sie möchten sich einen Kaffee machen, aber sie wissen nicht mehr, was sie zuerst machen sollen und wie sie sich einen Kaffee machen können … living brain stellt diese Szenarien in der sicheren virtuellen Realität nach.“

Sonderausgabe 2 von „Die gute Idee“, 15. Juli 2020

Wer lieber einen Podcast hört, dem sei dieser hier empfohlen, in dem Julian Specht, Gründer und CEO des Start-ups, über die Technologie für kognitive Rehabilitation bei neurologischen Erkrankungen spricht ⇒ Visionaere Gesundheit

Mein Fazit

Mit Hilfe virtueller Realität werden spielerisch kognitive Beeinträchtigungen von Menschen mit neurologischen Erkrankungen behandelt. Wo heute noch Stift und Papier das gängige Trainingsmedium sind, geht das Start-up in der Neurorehabilitation neue Wege. Wie häufig ist auch hier eine persönliche Geschichte Anreiz und Auslöser, die Rehabilitation nachhaltig zu verändern.*

Die alltagsnahe Rehabilitation benötigt dringend ortsunabhängige, spielerische Übungen, damit der Alltag trainiert werden kann. Da die Nutzung der VR-Brille unabhängig von Therapieterminen und -räumen, starrem Equipment oder Computern erfolgt, kann ein Training unkompliziert gestartet werden. So können Patienten schon in der Wartezeit auf eine Reha mit dem Training beginnen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Vater, der nach doppelter Schädelfraktur mit den Symptomen Verwirrtheit und Desorientierung, Wahrnehmungsstörungen und emotionalen Störungen in die Neurorehabilitation ging. Er war völlig entsetzt über die „kindischen Bilder“, die ihm vorgelegt wurden. Er sei doch nicht irre, hat er zu mir gesagt, und dementsprechend jegliche Therapie innerlich abgelehnt. Hier hätte eine moderne Technologie wie die Virtual Reality Technologie definitiv geholfen und seine Motivation gefördert. Deshalb: Daumen hoch für diese Entwicklung und Daumen drücken, dass teora® mind bald in die Release Phase übergeht und damit allen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen angeboten werden kann.


Meine Kollegin Carolin hat übrigens schon mehrfach zum Thema VR in der Medizin gebloggt. So zum Beispiel zum Thema Neuroplastizitätstraining in der Therapie oder ANDERS VR ermöglicht virtuelle Ausflüge


1 https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/st%C3%B6rungen-der-hirn-,-r%C3%BCckenmarks-und-nervenfunktion/erkrankungen-der-peripheren-nerven-und-verwandte-erkrankungen/guillain-barr%C3%A9-syndrom-gbs

2 https://dgn.org/presse/pressemitteilungen/sars-cov-2-kann-das-gefuerchtete-guillain-barre-syndrom-ausloesen/

*Julian selbst litt, seitdem er 10 Jahre alt war, an Epilepsie. Mit 20 Jahren entschloss er sich zu einer Operation am Gehirn. Das Risiko für kognitive Einschränkungen war dabei relativ hoch. Im Podcast ab Minute 4:00 erzählt er, wie er damals mit seinen Ärzten zum ersten Mal über die Möglichkeiten der neurologischen Rehabilitation gesprochen hat – mit dem unbefriedigenden Ergebnis, dass es nur veraltete und unzureichende Reha-Möglichkeiten gab. Julian hatte Glück, seine OP glückte und er hatte keine neurologischen Ausfälle. Dennoch ließ ihn die fehlende Möglichkeit der Neuroreha nicht mehr los.

 

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Innovative Sehhilfe für blinde Menschen

Die Sehhilfe für blinde Menschen ist noch Zukunftsmusik; aber bereits heute schon so spannend, dass wir auf unserem Blog HealthcareHeidi auf jeden Fall darüber berichten möchten: Forscher aus Deutschland, der Schweiz, England und Kanada haben eine Vision, die Blinden das Sehen wieder möglich machen soll.

Der Wunsch nach selbstbestimmter Mobilität – Die Sehhilfe als Ersatzteil im Kopf

Der Verlust der Sehfähigkeit ist in unserer zunehmend visuell gesteuerten Welt besonders tragisch. Das Fehlen des Sehsinns geht mit massiven Einschränkungen der Lebensqualität einher. Nach Schätzungen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands leben etwa 150.000 blinde und rund 500.000 sehbehinderte Menschen in Deutschland. Weltweit sind etwa vier Millionen Menschen betroffen.1

Eine Möglichkeit der Therapie sind so genannte kortikale Prothesen. Als Sehhilfe wandeln sie visuelle Szenen in Muster um, die dann – wie der Name bereits andeutet – an den visuellen Kortex, also die Großhirnrinde übertragen werden. Tausende von Elektroden rufen bei diesem Ansatz die Wahrnehmung kreisförmiger, greller Lichtpunkte hervor. Möchte man die Anzahl der Lichtpunkte erhöhen, kommt es häufig zu einer Überlastung des Sehsystems. Das Projekt „I see“ möchte nun mit weniger Elektroden und geringeren Strömen eine deutlich stärkere, strukturierte Wahrnehmung erreichen.

Sehhilfe für blinde Menschen – das Projekt „I see“

Die Neurowissenschaftler bedienen sich einer Miniaturkamera, die visuelle Informationen sammelt, in ein Signalmuster übersetzt und an Implantate im Gehirn überträgt. Die Implantate steuern spezifisch die Hirnareale an, die die visuellen Informationen verarbeiten. Die Sehhilfe passt die Stimulation auf die Informationskodierung im Gehirn an und generiert so ein Muster, das die Nervenzellen verstehen. Moderne Datenanalyse-Methoden erkennen also „die Sprache des Gehirns“ und passen den richtigen Zeitpunkt ab, um den erwünschten Seheindruck zu erzeugen.

Ziel des Projekts ist es, erblindeten Menschen mit Hilfe eines Kamerasystems und entsprechender Hard- und Software visuelle Informationen zugänglich zu machen, die sie in alltäglichen Lebenssituationen nutzen können.

Innovative Sehhilfe für blinde Menschen. Campus Forschung_Podcast_I see
©Radio c.t. e.V.

Das Projekt „I see“ wird vom Europäischen Forschungsnetzwerk “NEURON” durch das BMBF (Deutschland), die SNF (Schweiz) und die FRQS/Québec (Kanada), sowie in Bremen durch die Iris und Harmut Jürgens-Stiftung gefördert.

Mein Fazit

Der visuelle Sinn zählt noch vor dem Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken zu den wichtigsten Sinneseindrücken. Viele Projekte in diesem Bereich werden jedoch leider nicht über das experimentelle Stadium hinaus weiter entwickelt.

Für den Gehörsinn ist der Einsatz von Cochlea-Implantaten bereits medizinischer Standard. Ein kleines Mikrofon nimmt Schallwellen auf, die dann vom äußerlich getragenen Soundprozessor in digital kodierte Signale umgewandelt und an die Sendespule übertragen werden. Über die Sendespule werden die Signale an das unter der Haut liegende Implantat transferiert. Das Implantat wandelt die kodierten Signale in elektrische Impulse um und leitet sie an den Elektrodenträger weiter. Die Elektroden stimulieren die Hörnervenfasern in der Cochlea; im Gehirn entsteht ein Höreindruck.

Wenn solch eine periphere Prothese als Sehhilfe auch für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt werden könnte, wäre dies ein wirklicher medizinischer Fortschritt. Das Augenlicht zu verlieren gehört wohl zu den dramatischsten Einschnitten im Leben eines Menschen. Dran bleiben lohnt!

1 https://www.dbsv.org/zahlen-fakten.html


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Künstliche Intelligenz (KI) auf der Intensivstation

Nachblutungen und akutes Nierenversagen sind lebensbedrohliche Komplikationen nach Operationen am Herzen oder den herznahen Gefäßen. Am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) wurde eine auf künstlicher Intelligenz basierte Software entwickelt, mit deren Hilfe postoperative Komplikationen nach schweren Herzoperationen vorhergesagt werden können – noch bevor ein*e Patient*in eine kritische Lage erreicht.

Frühwarnsystem Künstliche Intelligenz (KI)

Auf modernen herzchirurgischen Intensivstationen überwachen eine Vielzahl von Instrumenten die Körperfunktionen der Patienten*innen. Ebenso die Herz-Kreislaufparameter, wie Herzfrequenz, arterieller Mitteldruck, Druck im rechten Vorhof oder den Lungenkapillaren, das Herzminutenvolumen, die Sauerstoffsättigung oder Temperatur. Dennoch bleibt es auch für erfahrene Kardiologen*innen eine Herausforderung, aus den zahlreichen kontinuierlich und diskontinuierlich gemessenen Parametern frühzeitig Anzeichen für Komplikationen zu erkennen. Je früher diese jedoch erkannt werden, desto größer ist die Chance, Leben zu retten. Die am DHZB entwickelte Software soll hier unterstützen – in dem sie potenziell lebensbedrohliche Zustände erkennt, noch bevor es überhaupt zu ersten Symptomen kommt.

Prinzip Früherkennung auf Basis von Big Data

Trainiert wurde die Software unter Verwendung von anonymisierten Daten von über 50.000 Patienten*innen des Deutschen Herzzentrums Berlin. Seit April 2018 wurde sie auf den DHZB-Intensivstationen im realen Klinikbetrieb getestet und validiert und hat gezeigt: Dank künstlicher Intelligenz kann in kurzer Zeit das Risiko postoperativer Nachblutungen vorhergesagt werden. Denn: Der Algorithmus sucht gezielt unter den zahlreichen Echtzeitdaten, die manchmal in weniger als einer Sekunde erfasst werden, nach Anzeichen drohender Komplikationen; noch weit bevor der Arzt sie erkennt.

Vertrieben wird die KI basierte Software durch die x-cardiac GmbH, die lt. Pressemitteilung vom 1. Juli 2021 zeitgleich mit der Zulassung als Medizinproduktehersteller in der EU, die Zulassung für ihr erstes Medizinprodukt x-c-bleeding zur Vorhersage postoperativer Nachblutungen erhalten hat. Damit ist die Software für den kommerziellen Einsatz im Klinikalltag zugelassen.1

Die Gründung der x-cardiac GmbH erfolgte mit Unterstützung des DHZB sowie des Berlin Institute of Health (BIH) und der Berliner Charité. Entwickelt wurde sie von dem Team um Prof. Dr. med. Meyer, Herzchirurg und Informatiker am DHZB. Die retrospektive Studie zur Validierung des Systems, die mehr als 11.000 Daten aus der Vergangenheit auswertete, wurde in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet Respiratory Medicine veröffentlicht.

©odysso – Wissen im SWR, SWR Fernsehen

Aktuell ist ein weiteres Produkt zur Vorhersage von akutem Nierenversagen in der Entwicklung. Die Bewertung des Systems wurde im Journal npj Digital Medicine der Springer Nature Verlagsgruppe veröffentlicht.

Mein Fazit

Ausgereifte digitale Systeme, die auf Basis von Künstlicher Intelligenz Entscheidungen am sogenannten Point of Care unterstützen und so dabei helfen, Menschenleben zu retten, leisten einen wichtigen Beitrag in der Gesundheitsversorgung. Dass dabei Künstliche Intelligenz eine nicht unerhebliche Rolle spielt, ist wenig verwunderlich. Sie steuert klar den digitalen Umbruch in der medizinischen Versorgung im Allgemeinen und am deutschen Krankenhausmarkt im Speziellen. Arzt*Ärztin und Pflegende wird Künstliche Intelligenz nicht ersetzen. Sie ist aber ein wichtiges Werkzeug für die Diagnostik und wird neue Wege eröffnen. Ebenso wie Ultraschall und MRT neue Wege eröffnet haben.

Egal ob im Klinikalltag oder in der Brustkrebsvorsorge, der Demenzdiagnostik, der Früherkennung und Therapie von Krankheiten wie Parkinson oder chronischen Atemwegserkrankungen. Künstliche Intelligenz hilft nachweislich in großen Datenmengen in relativ kurzer Zeit Zusammenhänge zu erkennen. Und daraus sinnvolle Maßnahmen bzw. Therapien abzuleiten. Weitere lesenswerte Beiträge dazu finden Sie unter dem Stichwort „Künstliche Intelligenz“ auf unserem Blog HealthcareHeidi.

1 https://www.xcardiac.com/news


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Titelbild: ©Külker/DHZB; Das x-cardiac System in Betrieb auf der Intensivstation IPS 1 des DHZB.

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ADHS Therapie bei Kindern: Zocken auf Rezept?

Im Sommer 2020 genehmigte die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) das erste verschreibungspflichtige Videospiel zur Verbesserung der kognitiven Funktion bei Kindern mit ADHS: EndeavourRx.

Das US-Technik-Portal The Verge dämpfte damals die Euphorie der Spielemacher. Die gerne zitierte Studie sei von Ärzten erstellt, die für den Entwickler des Spiels arbeiten1. Die Entwickler Akili Interacitve haben kürzlich nun die vollständigen Ergebnisse der EndeavourRx-Zusatzstudie vorgelegt. Sie zeigen, dass das Videospiel-ähnliche digitale Therapeutikum Vorteile mit oder ohne begleitende Stimulanzien bietet.

EndeavourRx – Zocken gegen ADHS

Mit Höchstgeschwindigkeit fliegt das kleine Raumschiff mit seinen zwei Turbinen durch die Eiswelt. Aus dem Boden ploppen kleine einäugige Wesen, die die Spieler*innen einfangen oder umschiffen müssen; nur um kurze Zeit später in eine Feuerwelt oder eine Unterwasserlandschaft katapultiert zu werden. Die Spieler*innen müssen Hindernissen ausweichen und dabei Ziele einsammeln. Zu lösen sind teilweise überlappende Aufgaben, die sowohl sensorische als auch motorische Anforderungen an Spielende stellen. Das soll die Konzentration fördern.

EndeavourRx fokussiert auf eine direkte Stimulation ganz spezifischer, ADHS relevanter Hirnregionen. Ziel ist, die Hirnfunktion langfristig zu verändern und zu normalisieren. Das Spiel richtet sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und soll gegen die Symptome der ADHS helfen.

Studien belegen Wirksamkeit bei Kindern mit ADHS

Die FDA-Zulassung wurde erteilt, nachdem insgesamt fünf klinische Studien durchgeführt worden waren. Darunter die randomisierte STARS-ADHD Studie mit 348 Teilnehmern. Der STARS-ADHD Studie folgte die STATS-Adjunct Studie. In dieser wurde berücksichtigt, ob die Kinder ADHS-Stimulanzien einnahmen oder nicht. In beiden Studien haben die Kinder das digitale Therapeutikum vier Wochen lang an fünf Tagen in der Woche über 25 Minuten erhalten. Nach einer vierwöchigen Pause erfolgte eine weitere vierwöchige Behandlungsphase.

Im Rahmen beider Studien konnte eine Verbesserung standardisierter kognitiver Indices für ADHS nachgewiesen werden. Die Kinder zeigten nach der ersten Behandlungsperiode eine Verbesserung der ADHS Symptome. Während der vierwöchigen Behandlungspause blieben sie stabil.

In der STATS-Adjunct Studie, mit 206 Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren, sprach die Hälfte der Kinder nach einem Monat Therapie auf die Behandlung an. Mehr als zwei Drittel (68%) zeigte nach der zweiten Behandlungsphase ein klinisches Ansprechen. Die behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse waren mild und umfassten Frustration und Kopfschmerzen. Im Vergleich zu traditionellen Medikamenten erscheinen diese Auswirkungen allerdings gering.2

©Akili, EndeavourRx

Mein Fazit

ADHS betrifft weltweit etwa 5% der Menschen.3 Angesichts der Tatsache, dass viele der mit ADHS diagnostizierten Kinder Medikamente zur Behandlung ihrer Erkrankung erhalten, ist es wichtig, neue nicht-pharmakologische Therapieoptionen zu bewerten. Die Ergebnisse der Studien sind sicher ermutigend; aber, wie die Forscher selbst sagen, weisen die Studien auch Einschränkungen auf. So zum Beispiel die Tatsache, dass es keine verblindete Kontrollgruppe gab. Oder dass die Studien – bei einer chronischen Erkrankung wie ADHS – nur eine Dauer von drei bis vier Monaten hatten. Sicherlich auch ein „Geschmäckle“, wie wir Schwaben sagen, hinterlässt die Tatsache, dass die Forscher teilweise Aktienoptionen von Akili Interactive Labs halten oder dort angestellt sind. Dennoch: EndeavourRx ist ein gutes Beispiel für das wachsende Feld der digitalen Therapie. Bei dem Spiel geht es nicht darum, Ablenkung zu schaffen, sondern die Konzentration zu fördern und so die ADHS Symptome dauerhaft zu lindern. Das ist in jedem Fall ein zukunftsweisender Ansatz.


Gut aufbereitete Informationen rund um das Thema ADHS finden Interessierte auf Takeda-ADHS.de.


1 https://www.theverge.com/2020/6/15/21292267/fda-adhd-video-game-prescription-endeavor-rx-akl-t01-project-evo

2 A novel digital intervention for actively reducing severity of paediatric ADHD (STARS-ADHD): a randomised controlled trial, THE LANCET Volume 2, ISSUE 4, e168-e178, April 01, 2020 https://www.thelancet.com/journals/landig/article/PIIS2589-7500(20)30017-0/fulltext / Effectiveness of a digital therapeutic as adjunct to treatment with medication in pediatric ADHD, npj Digital Medicine volume 4, Article number: 58 (2021) https://www.nature.com/articles/s41746-021-00429-0 / CHILD & ADOLESCENT PSYCHIATRY, Volume 59, ISSUE 10, SUPPLEMENT , S157, October 01, 2020, https://doi.org/10.1016/j.jaac.2020.08.086

3 RKI, Journal of Health Monitoring · 2018 3(3)DOI 10.17886/RKI­GBE­2018­078Robert Koch­Institut, Berlin

https://www.akiliinteractive.com/

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Per App gegen Migräne Attacken

Das kabellose Wearable Nerivio® will mittels Neuromodulation akute Migräne Attacken ohne Einsatz von Medikamenten behandeln. Zur Steuerung des Wearables wird die gleichnamige App benötigt, die in den jeweiligen Android und iOs App Stores heruntergeladen werden kann.

Was ist Migräne?

Kennzeichen einer Migräne sind anfallsweise auftretende pulsierende Schmerzattacken im Kopfbereich, die zusammen mit Symptomen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit auftreten. Meist betrifft eine Migräne Attacke nur eine Kopfseite und vorwiegend den Sitrn-, Augen- und Schläfenbereich. Die Schmerzen verschlimmern sich bei Bewegung. Teilweise werden Migräne Attacken durch eine sogenannte Aura, in der Symptome wie Seh- oder Sprachstörungen oder Schwindelgefühle auftreten, angekündigt.

Was hilft gegen Migräne Attacken?

Um Migräne Attacken rasch zu beenden beziehungsweise zu vermeiden, ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren. In der Regel werden Migräne Attacken mit Medikamenten behandelt. Betroffenen hilft außerdem Ruhe und Dunkelheit. Die Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt außer der medikamentösen Therapie nichtmedikamentöse Verfahren. Dazu gehören außer Entspannungsübungen, Biofeedback-Therapie, moderater Ausdauersport auch Akupunktur.1

Auch vorbeugende Therapien zur Migräne Prophylaxe können helfen, die Attacken respektive die Schwere der Schmerzen zu verringern oder das Ansprechen auf die Akuttherapie zu verbessern. Dazu gehört z.B. die App sinCephalea, die durch personalisierte Ernährung von Migräne befreit. sinCephalea ist als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zur Prophylaxe von Migräneanfällen beim BfArM gelistet und somit auf Rezept erhältlich. Meine Kollegin Julia hat erst kürzlich in diesem Blog darüber berichtet.2

Nerivio® – Neuromodulation zur alternativen Therapie von Migräne Attacken

Per App gegen Migräne, HealthcareHeidi 3Das Prinzip der Schmerzminderung bei der Neuromodulation beruht auf einer Verringerung der Leitung von Schmerzimpulsen. Allen Techniken der Neuromodulation gemeinsam ist, dass die Verringerung der Schmerzimpulsleitung durch die gezielte Anwendung elektrischer Störimpulse hervorgerufen wird. 

Nach diesem Prinzip arbeitet auch Nerivio®, ein drahtloses, nicht-invasives elektronisches Wearable, das bei beginnender Migräne am Oberarm getragen wird.

Im Inneren des Devices stecken winzige Elektroden, welche die Nerven im Oberarm stimulieren. Die durch diese Stimulation peripherer Nerven ausgelöste „Nachricht“ wird an den Hirnstamm gesendet. Dieser hemmt die Schmerzsignale durch die Freisetzung von Neurotransmittern, die – gesteuert durch den Thalamus* – zu einer signifikanten Schmerzlinderung führen und den Migräneanfall beenden können.

Die Intensität und Dauer der Methode lässt sich via Bluetooth über das Smartphone steuern. Eine Behandlungssitzung dauert in der Regel 45 Minuten.

*Der Thalamus…

… ist im Gehirn die Sammelstelle für alle Sinneseindrücke (mit Ausnahme des Geruchssinns), die auf ihrem Weg zur Großhirnrinde hier umgeschaltet werden – also alle Eindrücke des Sehens und Hörens und Fühlens sowie der Temperatur- und Schmerzempfindung. Der Thalamus wird daher auch als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet.

Gesteuert wird das Gerät mit einer zugehörigen App, mit der die Stimulationsintensität angepasst sowie die Behandlungsdauer überwacht und bei Bedarf auch abgebrochen werden kann. Innerhalb der App können Benutzer*innen ihre Migräne mithilfe einer Tagebuchfunktion dokumentieren sowie die Behandlungssitzungen oder Schmerzniveaus und damit verbundene Symptome aufzeichnen und mit dem betreuenden Praxisteam teilen.

Nerivio® wurde in zwei klinischen Studien evaluiert3 und erhielt im Mai 2019 von der US-Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA) die De Novo Zulassung für die klinische Anwendung bei erwachsenen Menschen ohne chronische Migräne.4 Im Januar 2021 erfolgte die erweiterte Zulassung für die akute Behandlung von episodischer oder chronischer Migräne bei Personen ab 12 Jahren.5 Eine entsprechende Studie wurde im Dezember 2021 veröffentlicht.6Per App gegen Migräne, HealthcareHeidi 2

Nerivio® ist zur Akutbehandlung der Migräne zugelassen und verschreibungspflichtig, aber bisher nur in den USA erhältlich. In Europa soll das System zur Migräne Therapie jedoch  im Laufe des Jahres 2021 auf den Markt kommen.

Mein Fazit

Die arzneimittelfreie und nicht-invasive Linderung von Migräne mit oder ohne Aura mittels des Neuromodulationssystems Nerivio® kann durchaus eine nicht-medikamentöse Alternative in der Migräne Therapie sein. Die Studienergebnisse klingen spannend und machen zuversichtlich. Dazu kommt, dass die Neurostimulation ein anerkanntes Verfahren in der Schmerztherapie ist und generell gut untersucht. Leider steht jedoch die Zulassung von Nerivio® in Europa und Deutschland noch aus bzw. wird für 2021 erwartet.


Für mehr Informationen zur Migräne Therapie

Die DMKG hat auf ihrer Internetseite die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Kopfschmerz und zur Migräne zusammengestellt. Neben medikamentösen Behandlungsformen findet sich dort außer den Möglichkeiten nichtmedikamentöser Hilfen auch ein Verzeichnis von DMKG-Kopfschmerz-Experten. https://www.dmkg.de/patienten Für Ärzte*innen und Therapeuten*innen bietet die DMKG curriculare Fortbildungskurse an, die auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft eine fundierte und Praxis-orientierte Weiterbildung auf dem Gebiet der speziellen Pathophysiologie und Diagnostik sowie Therapie von Kopf- und Gesichtsschmerzen ermöglichen. https://www.dmkg.de/mediziner


Weitere Beiträge rund um das Thema Migräne Therapie und Prävention finden Sie auch auf unserem Blog HealthcareHeidi.

Neben Nerivio® gibt es noch weitere System zur Migräne Therapie. Manche, wie das Cefaly® und Vitos®, sind im Freiverkauf erhältlich. Andere, wie das gammaCoreTM nur über ärztliche Verordnung. Die Funktionsweisen sind unterschiedlich. Eine kurze Beschreibung mit Links zu den Herstellern finden sie hier.


Bilder ©Theranica Bio-Electronics Ltd., https://theranica.com/

https://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/030057_LL_Migra%CC%88ne%202018_Erg%C3%A4nzung%202019.pdf

2 https://www.healthcareheidi.de/sincephalea-befreit-von-migraene-durch-personalisierte-ernaehrung/

3 https://n.neurology.org/content/88/13/1250.short / https://headachejournal.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/head.13551

4 https://www.mobihealthnews.com/content/fda-grants-de-novo-clearance-smartphone-controlled-acute-migraine-relief-device

5 https://www.prnewswire.com/news-releases/fda-approves-theranicas-nerivio-for-acute-treatment-of-migraine-in-adolescents-301213967.html

6 https://headachejournal.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/head.14042

 

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Digitales Training gegen Schlafstörungen

Digitale Behandlungsmethoden können helfen, guten Schlaf wieder zu erlernen. Um Schlafstörungen zu begegnen, bieten sich sog. Selfcare oder Medical Apps an. Das Ziel ist bei beiden das gleiche: sie wollen dabei helfen, sowohl langfristig als auch akut besser zu schlafen. Die eine ist eine Paid-Audio (Selfcare) App, die andere eine DiGA, also eine Digitale GesundheitsAnwendung und damit eine vom medizinischen Fachpersonal verordnungs- und erstattungsfähige Medical App. Ich habe mir in diesem Beitrag bewusst beide genauer angeschaut.

somnio, die Medical App zur Behandlung von Schlafstörungen

somnio ist seit Oktober 2020 im BfArM-Verzeichnis als DiGA gelistet#. Die Anwendung kann damit von Ärzten*innen und Psychotherapeuten*innen zur Behandlung von Insomnie (Schlafstörungen) verordnet werden. Patienten*innen erhalten die App auf Rezept, wenn sie an einer nicht-organischen Insomnie leiden. Also an einer langanhaltenden oder in Abständen wiederkehrenden Schlafstörung, die sich durch Ein- und Durchschlafstörungen sowie körperliche oder auch psychische Beschwerden am Tag auszeichnet. Voraussetzung für die App auf Rezept: Arztdiagnose und ein Mindestalter von 18 Jahren. Als Selbstkauf kostet somnio für drei Monate 464 Euro.

Digitales Training gegen Schlafstörungen mit Somnio
somnio, ©mementor DE GmbH

Durch die Therapie begleitet Albert, der digitale Schlafexperte. Albert ist ein intelligenter Algorithmus, der das Schlaftraining spezifisch auf die persönliche Situation des*der Betroffenen anpasst. Er führt durch verschiedene Module des Programms, stellt Fragen zum Schlaf bzw. der Schlafstörung und definiert mit dem*der Betroffenen gemeinsam individuelle Ziele. Das Einbinden von Fitness-Trackern für die Schlafanalyse ist optional möglich.

Die Wirksamkeit der App wurde in einer umfassenden klinischen Studie bestätigt.1

7Schläfer, die Selfcare App zur Behandlung von Schlafstörungen

Digitales Training gegen Schlafstörungen mit 7Schläfer
7Schläfer, ©G+J Innovation GmbH

Konzipiert und umgesetzt wurde 7Schläfer mit dem Schlafforscher Albrecht Vorster. Er ist Kopf und Stimme der App und hat die Inhalte exklusiv auf Basis aktueller Erkenntnisse der Schlafforschung entwickelt. In einem 7-wöchigen Audiokurs teilt Albrecht Wissen, Hintergründe, Tipps und Tricks rund um die Grundlagen des Schlafes bzw. von Schlafstörungen, die richtige Abendroutine, das Wohlfühlbett/-zimmer, die Bedeutung von Träumen, Grübelstopp und Gedankenkarussell, Ernährung u.v.m.. Dazu gibt es praktische Übungen, Meditationen, Körperreisen, Schlafgeschichten. Das eigene Schlafverhalten und Veränderungen der Schlafqualität kann man in einem Schlaftagebuch dokumentieren. Die App ist ausschließlich als Selbstkauf möglich. Es gibt verschieden Preismodelle, unbegrenzt nutzbar kostet sie aktuell einmalig 139,99 Euro.

Mein Fazit

Albert oder Albrecht bzw. Selfcare App oder Medical App? Gruner & Jahr war so freundlich, mich seine Selfcare App 7Schläfer ausführlich testen zu lassen. Dafür möchte ich mich an der Stelle herzlich bedanken. Ich persönlich leide an leichten Schlafstörungen und mir hat die App dahin gehend geholfen, dass ich während der Lektionen verinnerlicht habe, dass aufwachen nachts normal ist und dem Schlaf nicht abträglich. Ich habe gelernt mental damit umzugehen, dem Aufwachen weniger Bedeutung beizumessen und mich einfach zu freuen, im warmen Bett zu liegen. Die Meditationen und Einschlafgeschichten haben mich weit vor ihrem Ende ins Reich der Träume geschickt. Insofern hat mir, mit meinen leichten Schlafstörungen, die App geholfen.

Für mich ein klarer Minuspunkt ist jedoch das Log-Buch. Ich kann keine Notizen machen, was ich am Vorabend getan habe, was am Tag so „los war“, sodass ich eventuell ein System hinter den schlechten Nächten erkennen könnte. Und entsprechend gegensteuern. Auch bekomme ich kein Feedback, was ich persönlich wichtig finde.

Hier ist die Medical App unschlagbar. Durch den Algorithmus und die damit verbundene Möglichkeit der Personalisierung ist sie der Selfcare App definitiv überlegen. Als großen Vorteil bei somnio empfinde ich, dass Albert mit meinen Antworten und meinen Angaben aus dem Schlaftagebuch mein personalisiertes Training erstellt, welches mir persönlich – und nur mir – dabei hilft, meine Schlafziele zu erreichen und meinen Schlafstörungen zu begegnen. Medical Apps wie somnio werden eine große Lücke in der Versorgung Betroffener schließen und sind sicher eine echte Alternative zu Medikamenten. Das können Selfcare Apps bei einer tatsächlichen Erkrankung im Sinne einer Insomnie nach meiner Einschätzung nicht leisten.

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Appendix

In einer im Springer-Verlag Berlin Heidelberg publizierten Studie zur „Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung“ heißt es zusammenfassend: Die Prävalenz eines Insomniesyndroms in der deutschen Erwachsenenbevölkerung ist mit knapp 6% hoch und – nicht zuletzt aufgrund der hohen gesundheitsökonomischen und volkswirtschaftlichen Folgekosten von Schlafstörungen – als gesundheitspolitisch bedeutsam zu bezeichnen.Ergebnisse einer kanadischen Studie belegten, dass die indirekten Kosten durch Krankheitsfehltage, Leistungsabfall und Produktivitätsverlust um das drei- bis fünffache höher sind, als die Kosten für die Behandlung und Medikation.4


# Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

1 https://www.cambridge.org/core/journals/behavioural-and-cognitive-psychotherapy/article/randomized-controlled-trial-to-test-the-efficacy-of-an-unguided-online-intervention-with-automated-feedback-for-the-treatment-of-insomnia/2A676F7D05F20CCE9B356882C2C98DC1

2 https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/insomnie/hintergrund

3 https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1502/280M9cgqeFQY.pdf?sequence=1&isAllowed=y

4 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19189779/

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Ein Pflaster zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs?

Keine Utopie. Wissenschaft. Forscher der Purdue University, Indiana, USA, haben ein Pflaster entwickelt, das eine schonende Hautkrebstherapie des schwarzen Hautkrebs (medizinisch „malignes Melanom“) ermöglichen soll.

Der schwarze Hautkrebs

Der schwarze Hautkrebs ist die bösartigste Form des Hautkrebses. Es ist für 90% der Todesfälle durch Hauttumoren verantwortlich, da die Krebszellen schon sehr früh über die Lymphbahnen und Blutgefäße streuen. Metastasen in anderen Regionen des Körpers können daher früh gebildet werden. Weltweit ist der schwarze Hautkrebs die Krebserkrankung mit der stärksten Zuwachsrate.

Mögliche Therapien

Die Operation ist die Therapie der ersten Wahl. Je nach Tumorstadium können bzw. müssen adjuvante (begleitende) Therapien, wie Strahlentherapie, Arzneimittel, immunonkologische Therapien oder eine Chemotherapie folgen. Alle Therapien sind häufig, aufgrund der Toxizität und der Nebenwirkungen wiederkehrender Behandlungen, belastend.

Tragbares Pflaster als Behandlungsoption bei schwarzem Hautkrebs?

Wenn man den Forschern der Purdue University Glauben schenken darf, kann das Hautkrebspflaster Betroffenen eine schmerzlose, minimal invasive und wenig belastende Behandlung ermöglichen. Verwendet werden extrem kleine, langlebige Silizium-Nanonadeln mit geschärften eckigen Spitzen, die – lt. den Forschern um Hyungjun Kim – schmerzfrei in die Haut injiziert werden. Trägermodul ist ein dünner, flexibler und wasserlöslicher medizinischer Film, der während des Einführens der Nadeln konform mit der Oberfläche der Haut verbunden werden kann und sich innerhalb von einer Minute vollständig auflöst.

Resorbierbares Pflaster mit Nanonadeln zur Therapie bei schwarzem Hautkrebs
Bioresorbierbares Hautpflaster, Purdue University

Die auf dem Film befindlichen Nanonadeln sind mit dem Wirkstoff beladen, der über Monate in das Gewebe abgegeben wird. So können Chemotherapeutika nachhaltig, mit nur minimalen Nebenwirkungen, an der Melanomstelle abgegeben werden. Die Silizium-Nanonadeln sind biokompatibel und in Gewebeflüssigkeit löslich und können damit vollständig im Körper resorbiert werden.

Das Forscherteam sucht aktuell nach Partnern für die Herstellung und Vermarktung der Pflaster. Die Forschungsarbeit wird vom Air Force Office of Scientific Research (AFOSR: FA2386-18-1-40171) unterstützt.

Mein Fazit

In den letzten Jahren hat die Zahl der Hautkrebs-Neuerkrankungen drastisch zugenommen. Moderne, nebenwirkungsarme Therapien, die nicht den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen, wären willkommen. Leider stehen wir jedoch auch mit dieser Methode noch am Anfang. Die weitere Entwicklung zu beobachten, lohnt meines Erachtens auf jeden Fall.

Allgemeine Informationen zum schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) finden Interessierte zum Beispiel auf der Webseite der Deutschen Krebshilfe oder auf der Seite krebs.de des Unternehmens Bristol Myers Squibb

Weitere spannende Beiträge zum Thema Smarte Hautkrebsfrüherkennung oder Teledermatologie finden Interessierte in diesem Blog.


Quellen:

Purdue University, West Lafayette, Indiana, USA; Research Foundation News

Hyungjun Kim et al., Bioresorbable, Miniaturized Porous Silicon Needles on a Flexible Water-Soluble Backing for Unobtrusive, Sustained Delivery of Chemotherapy, ACS Nano 2020, 14, 6, 7227–7236

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 22, Robert Koch-Institut

 

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Kentix SmartXcan – Fieberscreening zur COVID-19 Prävention?

Fiebermessung ist die wirksamste und pragmatischste Methode, um das Risiko einer Verbreitung von Virenerkrankungen, wie COVID-19 (Corona), dauerhaft wirksam zu reduzieren. Sagen die einen. Bei früheren Ausbrüchen wie SARS (2003) und der pandemischen Influenza A (H1N1) (2009) hat sich der Einsatz von Screening-Verfahren nicht als wirksam erwiesen, um Fälle zu erkennen. Sagen die anderen.

COVID-19: Systeme zur Fieberdetektion

Zur Fieberdetektion werden Infrarot-Thermometer, Wärmebildkameras und Durchgangsdetektoren genutzt. Der Vorteil dieser Geräte ist die berührungslose Temperaturbestimmung. Der Nachteil: unterschiedliche Messabstände, Emissionen der Haut und zu große Streuungen machen die Messung ungenau. Dazu kommt, dass Messungen innerhalb oder außerhalb geschlossener Räume ebenfalls zu fehlerhaften Ergebnissen führen können.

Eine in Österreich durchgeführte Studie belegte zum Beispiel, dass beim Wechsel von kalter in warme Umgebung sich die äußere Körpertemperatur erst nach 60 Minuten normalisiert. Heißt: bei niedrigen Außentemperaturen würde die Körpertemperatur durch ein Screening mittels Infrarotmessung deutlich falsch eingeschätzt werden.1

Haimovich et al. verglichen außerdem die Ergebnisse der Infrarotmessung im Bereich der Temporalarterie (Schläfenarterie) mit dem Goldstandard, der rektalen Temperaturmessung. Dabei ergab sich, dass durch die Infrarotmessung nur einer von drei Patienten mit Fieber erkannt wird.2

Kentix SmartXcan – Voll automatisiert, manipulationsgeschützt und exakt?

Kentix_SmartXcan_Fieberscreening_Corona_COVID-19_HealthcareHeidi
©Kentix GmbH

Im Unterschied zu den oben genannten Systemen misst der SmartXcan die Körpertemperatur im Bereich des inneren Augenwinkels am inneren Auge. Die hier herrschende Temperatur kommt der menschlichen Körpertemperatur am nächsten.

Klassische Wärmebild-Handgeräte oder Wärmebild-Kameras haben außerdem das Risiko einer möglichen Streuung durch den undefinierten Messabstand. Die Geräte fokussieren nicht auf eine Person, Bedienfehler sind möglich. Nicht so beim SmartXcan.

Laut CSO Jan Sanders ist die exakte Temperaturmessung bei Viruserkrankungen wie COVID-19 mit dem Kentix SmartXcan möglich, da der SmartXcan im Gegensatz zu anderen Technologien folgende entscheidende Punkte berücksichtigt:

  1. Die Messung erfolgt durch 1.024 Sensoren KI-gestützt ausschließlich im Bereich des inneren Augenwinkels in der Nähe des Tränenkanals. Hier herrscht die stabilste Temperatur.
  2. Ein Annäherungssensor stellt sicher, dass ein kurzer Abstand zum Gesicht konstant eingehalten wird.
  3. Jede Person wird grundsätzlich einzeln überprüft. Die Position des Gesichts zum Messgerät muss dabei gerade sein, das Gesicht unbedeckt.
  4. Brillen können das Ergebnis verfälschen und müssen zur Messung abgenommen werden.

Die Messung erfolgt kontaktlos und ist, laut Sanders, schnell und intuitiv durchzuführen. Sie ist voll automatisiert, (Fach-)Personal ist nicht erforderlich.

Für den automatischen Fieberscanner SmartXcan wurde Kentix im Rahmen des 27. Wirtschaftstag der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück e.V. am 04.12.2020 mit dem Unternehmenspreis 2020 ausgezeichnet.3

Mein Fazit

Das kleine Hightech-Gerät misst die Körpertemperatur unter Einhaltung von strikten Vorgaben für Abstand und Ausrichtung des Kopfes immer im Bereich des inneren Augenwinkels. Unabhängige Tests des Portals IPVM4, die nach eigenen Angaben weltweit führende, unabhängige Behörde für Videoüberwachung, hat eine Messgenauigkeit des SmatXcan von 0,3 °C bestätigt. Da die Messung kontaktlos erfolgt, muss nichts desinfiziert werden. Das StarterSet ist ab 895€ zzgl. MwSt. erhältlich, DSGVO-Konformität sei gegeben.

Soweit so gut. Aber was bitte, passiert mit Kindern, die sich am Eingang zur Schule messen und bei denen Fieber angezeigt wird? Was passiert mit Erwachsenen, die sich vor dem Eingang zum Supermarkt messen und bei denen Fieber angezeigt wird? Chance versus „Hexenjagd“?

Sicher gibt es schlaue Lösungen verantwortlich damit umzugehen und ich denke, es wäre eine Chance, Schulen und Kindergärten wieder zu öffnen und die Hot-Spots Alten-und Pflegeheime für die Bewohner sicherer zu machen. Auch an Flughäfen kann SmartXcan sinnvoll sein. Immer vorausgesetzt, es wird verantwortungsvoll damit umgegangen.

Für die breite Masse funktioniert das System meines Erachtens aus Gründen des Persönlichkeitsrechts5 nicht.

 

1 Dzien C, Halder W, Winner H et al. Covid-19 screening: are forehead temperature measurements during cold outdoor temperatures really helpful? Wien Klin Wochenschr 2020 Oct 23;1-51 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7582437/

2 Performance of Temporal Artery Temperature Measurement in Ruling Out Fever: Implications for COVID-19 Screening https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7491363/

3 https://kentix.com/de/blog/kentix-erhaelt-unternehmerpreis-2020/, https://www.regionalinitiative.de/archiv/unternehmerpreis/#c195

4 https://ipvm.com/about

5 Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (APR) umfasst unter anderem den Schutz der persönlichen Ehre. Neben dieser Form des Ehrenschutzes erfährt die persönliche Ehre eines jeden ferner einen zivil- und strafrechtlichen Schutz. Der Rechteinhaber genießt dabei Schutz vor Verleumdung, übler Nachrede und Beleidigung. https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeitsrecht_(Deutschland)

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Mit Audio Intelligence Krankheiten und Virusinfektion wie COVID-19 erkennen

Seit Jahren erforschen Wissenschaftler weltweit die Analyse von Atmung und Sprache durch Algorithmen. Im März 2019 habe ich bereits über die Früherkennung und Therapie von Parkinson Symptomen mittels Audio Intelligence1 berichtet. In der Corona-Pandemie könnte diese Technologie eine noch größere Bedeutung bekommen. Denn mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) – oder Audio Intelligence – könnte das Risiko einer Infektion mit dem COVID-19-Virus frühzeitig erkannt werden.

Audio Intelligence by audEERING

Bei Audio Intelligence geht es nicht um das was, sondern um das wie etwas gesprochen wird. Das System entschlüsselt Sprachsignale und gewinnt daraus Erkenntnisse über den Zustand, in dem sich der Sprechende gerade befindet.

Das Unternehmen audEERING2, Spin-off der Technischen Universität München, hat sich seit 2012 auf die maschinelle Wahrnehmung von Informationen, basierend auf der menschlichen Sprache, spezialisiert. Das Unternehmen ist Innovationstreiber im Bereich der KI-basierten Audioanalyse. Mit maschinellen Verfahren, auch Deep Learning Ansätzen, werden Audiosignale hinsichtlich signifikanter Merkmale untersucht.

Im Bereich von Automotive oder Gaming Anwendungen und auch in Call Centern und in der Marktforschung wird die Technologie bereits erfolgreich eingesetzt. Nun sollen mit sogenannten Biomarkern aus der Stimme auch Krankheiten, wie Virusinfektionen wie COVID-19, Depressionen oder Parkinson, besser und zuverlässiger erkannt werden können. Damit können insbesondere in der Diagnose Ärzte*innen und Therapeuten*innen gezielt unterstützt werden.

Am Husten COVID-19-Symptome erkennen?

Glaubt man audEERING, dann kann KI bzw. Audio Intelligence genau das leisten. Aus der Stimme und bestimmten Geräuschen wie Husten, Niesen Mit Audio Intelligence Krankheiten und Virusinfektion wie COVID-19 erkennen_HealthcareHeidi_Blog_01oder Lungenrasseln kann audEERING mit hoher Wahrscheinlichkeit ableiten, ob eine Veränderung im Bereich der Atemwege und somit eine COVID-19-Erkrankung vorliegt. So könnte man, bei einer positiven Meldung der App, Betroffene frühzeitig isolieren und zeitnah mit einem anschließenden PCR-Test endgültige Gewissheit schaffen. Betreuende Ärzte*innen erhalten genaue Informationen über den Verlauf der Krankheit bei ihren Patienten*innen. Damit können sie eine Verschlechterung des Zustandes bzw. schwere Fälle frühzeitig erkennen.

Der zugrundeliegende Sound- Erkenner ist zum einen auf tausende von Daten aus öffentlichen Quellen und Datenbanken trainiert. Die COVID-19-Daten zum anderen stammen von Patienten*innen aus Wuhan. Beide Modelle werden kombiniert, was eine verbesserte Erkennungsleistung und Validierung der sogenannte Voice-Biomarker ermöglicht. Diese helfen bei der Erkennung von Infektionen und dem Verlauf der COVID-19 Krankheit.

Mein Fazit

Künstliche Intelligenz gegen Covid-19? An der Stimme Krankheiten zu erkennen ist grundsätzlich ein interessanter Ansatz. Künstliche Intelligenz hilft nachweislich in großen Datenmengen in relativ kurzer Zeit Zusammenhänge zu erkennen. Und daraus sinnvolle Maßnahmen bzw. Therapien abzuleiten. Warum also nicht bei COVID-19?

Mit Audio Intelligence Krankheiten und Virusinfektion wie COVID-19 erkennen_HealthcareHeidi_Blog_02Im Forschungsfeld der Stimmanalyse hat audEERING eine App entwickelt, die an der Sprachaufnahme einer Person und ihrer Art zu husten, niesen oder einzelne Vokale zu halten erkennen will, ob die Person mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht. Natürlich gibt es viele Unbekannte in der Gleichung und die Kritiker haben, sicher auch zu Recht, Vorbehalte. KI kann uns aber helfen, in relativ kurzer Zeit mehr über eine Krankheit zu lernen.. Über eine Krankheit, über die noch so wenig bekannt ist.

Aus diesem Grund möchte ich jedem ans Herz legen, die Erforschung von COVID-19 über die Stimmartikulation zu unterstützen. Um die Genauigkeit der Anwendung weiter zu steigern benötigt audEERING noch weitere Datenspenden. Interessierte können sich Datenschutzkonform unter diesem Link registrieren und ihre Daten und Stimme spenden. Die Datenspende jedes Einzelnen kann dazu beitragen, Leben zu retten. Ich habe es getan: zwei Minuten in nicht akuten Fällen 2-3x wöchentlich für unser aller Zukunft.

 

1 https://www.healthcareheidi.de/2019/03/12/frueherkennung-und-therapie-von-parkinson-symptomen-mit-emotional-und-audio-intelligence/

2 https://www.audeering.com/

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