SNAQ – Eine App zur Nährwertanalyse per Foto zur richtigen Insulinanpassung bei Diabetes mellitus

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Was ist auf meinem Teller? Welche Nährwerte hat meine Mahlzeit? Kalorien, Kohlenhydrate, Proteine, Fett? Das Schätzen der Kohlenhydrate einer Mahlzeit ist wichtig für die Dosierung der richtigen Insulineinheit, kann aber mitunter schwierig sein. SNAQ heißt die smarte Lösung, die, wenn es nach Aurelian Briner geht, bald den Alltag von Menschen mit Diabetes einfacher machen soll.

KH, BE, KE, IE?

Die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT), auch Basis-Bolus-Therapie genannt, besteht aus einem Basalinsulin, das den mahlzeitenunabhängigen Insulingrundbedarf deckt, sowie aus einem mahlzeitenabhängigen, schnell wirksamen Bolusinsulin, das in Abhängigkeit von der Mahlzeit und dem Blutzuckerwert vor der Mahlzeit zusätzlich appliziert wird. Die ICT ist die Standardtherapie bei Typ-1 Diabetes und setzt sich auch bei Typ-2 Diabetes zunehmend durch.

Klarer Vorteil: die Anpassungsfähigkeit, denn der Insulinbedarf wird den Gegebenheiten des Alltags angepasst. Nachteil: neben häufigerer Blutzuckerkontrolle das Ding mit KH, BE, KE, IE.

Wie SNAQ helfen will, den Insulinbedarf zu berechnen

Die Insulineinheiten (IE), die zum Essen gespritzt werden müssen sind, neben anderen Faktoren, abhängig von den Kohlenhydraten (KH), die gegessen werden. Diese berechnen sich auf Basis von Broteinheiten (BE) bzw. Kohlenhydrateinheiten (KE)*, die der Patient schätzen muss.

Der sichere Umgang mit den BE bzw. KE und KH muss vom Patienten erlernt werden. Neben der Diabetesschulung, die zwingend erforderlich ist, empfiehlt sich besonders am Anfang ein Abwiegen des Essens. Aber was tun, wenn man gerade mit Freunden im Restaurant sitzt und keine Waage zur Hand hat? Oder einfach unsicher ist und eine zweite Meinung möchte? Hier kommt SNAQ ins Spiel.

SNAQ ist eine App, die – nach abfotografieren – automatisch Lebensmittel auf dem Teller erkennt, das Gewicht berechnet, Nährwerte analysiert und – in Zukunft – die zu spritzende Insulindosis berechnet. Mit dem Smartphone macht man also ein Foto von der Mahlzeit und die App macht aus dem Foto eine Nährwertanalyse. Wie das genau funktioniert, erklärt Aurelian Briner, einer der Gründer des gleichnamigen Schweizer Start-Up:

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Aurelian Briner. SNAQ

Erste Studien bestätigen die Genauigkeit

In ersten präklinischen Studien der Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin & Metabolismus (UDEM) am Inselspital Bern#, erreichte SNAQ eine Fehlerquote von nur 15 Prozent. Schätzen Experten oder Patienten mit bloßem Auge die Kohlenhydrate, liegen sie meist mehr daneben.

Die LifeSytle-Version von SNAQ ist – aktuell leider nur für iOS-Geräte – bereits verfügbar. Für die medizinische Version wird die Zulassung als Medizinprodukt frühestens 2021 erwartet. Dann kann die App auch die benötigte Insulindosis berechnen und Insulin- und Glukose-Daten aus vernetzten Geräten wie Pens und Insulinpumpen miteinbeziehen. So sehen Patienten zum Beispiel sofort, wie sich vergleichbare Mahlzeiten in der Vergangenheit auf ihr Glukoselevel ausgewirkt haben.

Mein Fazit

SNAQ wurde im Januar 2020 zurecht Gewinner des bytes4diabetes-Awards, einer Initiative der Berlin-Chemie AG in Zusammenarbeit mit führenden Diabetes-Experten, um den Digitalisierungsprozess in der Diabetologie weiter voranzutreiben.

LifeStyle-Apps gibt es heute bereits zahlreiche. So kann man zum Beispiel mit der App „Was ich esse“ des BZfE festhalten, was und wie viel man den Tag über gegessen und getrunken hat. Den wirklich großen Unterschied macht SNAQ jedoch im Bereich Nährwertanalyse zur richtigen Insulindosierung bei Diabetes mellitus. Also als medizinische App. Dazu sind jedoch weitere Studien für die Einreichung der Zulassung als Medizinprodukt erforderlich, wofür aktuell starke Partner gesucht werden. Betroffene wissen wie lästig es ist, ständig BEs zu recherchieren und zusammenzurechnen. SNAQ könnte den Alltag vieler Menschen mit Diabetes also wirklich erleichtern.

* 1 BE = 12g Kohlenhydrate, 1 KE = 10g Kohlenhydrate. Im allgemeinem wird der kleine Unterschied von 2g vernachlässigt und man lernt entweder mit BE zur rechnen oder mit KE.

# https://www.dcberne.com/en/


Für alle die es mit BE, KE, IE und der ICT genauer wissen möchten, empfehle ich das Internetportal Diabetes News. Auch diabetesDE und DiabSite bieten umfassende Informationen zum Thema. 

Weitere spannende Beiträge zu Projekten, Entwicklung und digitalen Gadgets rund um das Thema Diabetes finden Interessierte unter diesem Link in unserem Blog.

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Percept™ PC Neurostimulator zur tiefen Hirnstimulation bei Morbus Parkinson

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Im Januar 2020 hat Medtronic plc die CE-Kennzeichnung für ihren Percept PC Neurostimulator bekannt gegeben. Dieser ist aktuell das einzige System für die Tiefe Hirnstimulation (THS) mit BrainSense™-Technologie, das unter anderen zur Behandlung von Morbus Parkinson in der Europäischen Union zugelassen ist. Ärzte können nun eine durch Daten fundierte, personalisierte Therapie bereitstellen, durch die eine gezielte, optimierte Behandlung des Patienten möglich ist.

Morbus Parkinson

Bei Morbus Parkinson handelt sich um eine langsam fortschreitende, degenerative neurologische Erkrankung des Bewegungsapparates. Sie tritt gewöhnlich ab einem Alter von 60 Jahren auf und bedeutet für Betroffene den fortschreitenden Verlust der motorischen Kontrolle. Morbus Parkinson ist nicht heilbar, die Therapie konzentriert sich auf die Linderung der Symptome.

Die Tiefe Hirnstimulation (THS)

Percept™ PC Neurostimulator-HealthcareHeidi-01Die Tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgischer Eingriff, der für die Behandlung bestimmter neurologischer Erkrankungen, wie zum Beispiel der Parkinson Krankheit, angewendet wird. Die Behandlung wird grundsätzlich in Kombination mit einer medikamentösen Therapie eingesetzt. 

Im Falle von Morbus Parkinson erweitert die THS Therapie die Kontrolle zur Behandlung der Bewegungssymptome. Implantate werden im Brustraum unter die Haut gesetzt und über Elektroden mit dem Gehirn verbunden. Sie senden elektrische Signale an den Gehirnbereich, der die Bewegung kontrolliert.

Die BrainSense-Technologie des Percept PC

Die Tiefe Hirnstimulation hat sich zur Verbesserung der motorischen Funktion bei Parkinson Patienten im Vergleich zur alleinigen Standardmedikation etabliert. Mit den bisher verfügbaren Systemen müssen Ärzte jedoch therapeutische Entscheidungen treffen, die hauptsächlich auf klinischen Bewertungen und auf den Angaben des Patienten beruhen.

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Patientenbroschüre Percept™ PC Neurostimulator

Mit der neuen BrainSense-Technologie, die im Percept PC Neurostimulator zum Einsatz kommt, können die Gehirnsignale von Patienten nun rund um die Uhr erfasst und aufgezeichnet werden. Auch außerhalb der Klinik im Patientenalltag. Diese kontinuierlich dokumentierten Gehirnströme werden dann mit vom Patienten selbst aufgezeichneten Ereignissen, wie Symptomen oder Nebenwirkungen von Medikamenten, vom Arzt in Zusammenhang gebracht – was eine optimierte, gezielte und personalisierte Behandlung ermöglicht.

Bestandteile des Percept PC Neurostimulator sind neben dem Implantat selbst ein Arztprogrammiergerät sowie ein intuitiv zu bedienendes Patientengerät zur Verwaltung der vom Arzt vorprogrammierten Therapieoptionen und zum einfachen Erfassen der Ereignisse.

Mein Fazit

Derzeit gibt es für Morbus Parkinson keine Heilung. Die verwendeten Medikamente können die Symptome über einen gewissen Zeitraum ganz gut kontrollieren, verlieren ihre Wirksamkeit aber mit der Zeit. Im Vergleich zur reinen Standardmedikation hat die Tiefe Hirnstimulation einen nachweislich positiven Effekt. Durch die neue BrainSense-Technologie, die beim Percept PC Neurostimulator zum Einsatz kommt, wird nun eine zielgerichtetere Behandlung ermöglicht.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender, Vorteil ist meines Erachtens, dass bei diesem System die Patienten aktiv mit einbezogen werden. Was insbesondere der Gefahr entgegenwirken kann, dass sich der Patient nur noch aus der Krankheit heraus definiert und sich immer mehr aus seinem sozialen Umfeld zurückzieht.


Ein weiterer Ansatz zum Thema, allerdings noch nicht marktreif1, ist Emotional und Audio-Intelligence. In meinem Beitrag aus 2019 hatte ich geschrieben: „Aktuell gibt es keine Methode für behandelnde Ärzte, den Erfolg der Behandlung eines Parkinson-Patienten kontinuierlich und objektiv nachzuverfolgen.“ – was durch die BrainSense-Technologie gelöst wäre. Spannend bleibt Emotional und Audio Intelligence jedoch für die Früherkennung. Laut Deutsche Parkinson Vereinigung machen sich erste Einschränkungen der Beweglichkeit etwa dann bemerkbar, wenn 60% bis 70% der relevanten Hirnzellen in ihrer Funktion bereits gestört sind2. Ein frühes Eingreifen könnte also den feinen Unterschied machen.

https://www.medtronic.com/de-de/patienten/produkte-therapien/morbus-parkinsonbehandlungsoptionen/percept-pc-neurostimulator.html

https://www.med.uni-muenchen.de/aktuell/parkinson_elektro_stim/index.html

1 https://www.audeering.com/wp-content/uploads/2019/06/Emteq_CS_digital_EN.pdf

2 https://www.parkinson-vereinigung.de/die-krankheit/entstehung-der-krankheit.html

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Intelligenter Verband zur Versorgung des diabetischen Fußsyndroms?

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Das diabetische Fußsyndrom stellt eine der am meisten gefürchteten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus dar. Nervenschädigungen, Durchblutungsstörungen des Fußes und bakterielle Infektionen sind die drei wesentlichen Faktoren, die zum diabetischen Fußsyndrom führen können. Ifoot ist ein intelligenter Verband, der zur Verbesserung der Versorgung im Bereich des diabetischen Fußsyndroms beitragen will.

Projekt ifoot und das diabetische Fußsyndrom

Das diabetische Fußsyndrom ist nicht heilbar. Nach einer erstmaligen Erkrankung besteht es lebenslang mit aktiven und inaktiven Phasen. Laut dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 20201 führt das diabetische Fußsyndrom zu über 40.000 nicht traumatisch bedingten Amputationen bei Menschen mit Diabetes, wobei die Hälfte der Amputationen durch eine konsequente Versorgung vermieden oder in ihrem Ausmaß begrenzt werden könnte. 

Und genau hier setzt das Projekt ifoot der Hochschule Niederrhein an: die konsequente Versorgung des diabetischen Fußes durch eine neue Art der Versorgungsdokumentation, eine verbesserte Behandlung durch den Einsatz von Sensorik und die Möglichkeit einer intersektoralen kommunikativen Vernetzung durch die Implementierung einer Cloud-basierten Softwarelösung.

Die ifoot eHealth-Lösung

Ein großes Problem des diabetischen Fußsyndroms ist das nicht Wahrnehmen möglicher Verletzungen oder Druckstellen am Fuß aufgrund des mit der Erkrankung einhergehenden, verminderten bis gar nicht mehr vorhandenem Schmerzempfinden.

Diabeteisches Fußsyndrom_Ifoot_HealthcareHeidi01
©ifoot

Mit Hilfe eines „intelligenten“ Verbandes, der – mit Sensoren ausgestattet – die Daten zu Druck, Temperatur, Feuchtigkeit und pH-Wert dem Patienten, Arzt sowie allen am Heilungsprozess Beteiligten per App aufs Handy meldet, sollen eine schnellere und effektivere Behandlung sowie eine schnellere Abheilung der Wunde(n) und weniger Amputationen erreicht werden. Wird beispielsweise der Fuß zu stark belastet, tritt Sekret aus oder steigt die Temperatur im Fuß gibt die App dem Patienten klare Warnhinweise und informiert den Arzt über eine Cloud-Software, sodass er den Patienten frühzeitig in seine Praxis bitten kann.

Ziel ist es, durch die optimierte medizinisch-pflegerische Versorgung den Heilungsverlauf frühzeitig zu verbessern, idealerweise zu verkürzen und eine Optimierung des Outcomes – weniger Amputationen und eine höhere Abheilungsrate – zu erreichen. Nicht zuletzt soll durch ifoot auch die Kooperation und Kommunikation zwischen Ärzten, anderen therapeutischen Fachgruppen, Betreuenden, Pflegenden sowie dem Patienten selbst gefördert und verbessert werden.

ifoot wird mit Mitteln des Landes NRW und der EU im Rahmen des OP EFRE NRW 2014-2020 gefördert und wurde 2020 für den bytes4diabetes-Award der Berlin-Chemie AG nominiert.

Mein Fazit

Die Behandlung eines aktiven diabetischen Fußsyndroms ist langwierig und teuer. Bundesweit lagen die Kosten bereits 2016 bei ca. 2,5 Mrd. Euro pro Jahr2.  Komplikationen, die bei der Behandlung auftreten, sind der hauptsächliche Grund für die Einweisung in ein Krankenhaus sowie für Amputationen an den unteren Extremitäten.

Da Amputationen vor allem in höherem Lebensalter auftreten, kann man durch den demografischen Wandel und der damit einhergehenden steigenden Anzahl älterer Patienten mit diabetischem Fußsyndrom wohl auch von steigenden Zahlen bei Amputationen der unteren Extremitäten und damit steigenden Kosten ausgehen.

Sicher stehen digitale Projekte wie ifoot im Spannungsfeld der DSGVO. Womit sich gewisse Hürden auftun. Sie werden aber die Versorgung von Menschen mit Diabetes in den kommenden Jahren radikal im positiven Sinn verändern. Decision-Support-Systeme, Closed-Loop-Systeme, Health Apps und eben intelligente Kommunikationslösungen wie ifoot. Deshalb: Daumen hoch für dieses Projekt. Möge es schnell zum Erfolg kommen und die Lebensqualität Betroffener deutlich verbessern.

Projekt-Flyer iFoot


Gute Ansätze gibt es in diesem Bereich übrigens einige. 2018 berichteten wir zum Beispiel über das US-Unternehmen Podimetrics, das eine Schaumstoff-Matte mit 2.000 Sensoren zur Temperatur-Früherkennung entwickelt hat. Das System ist aktuell jedoch nur für ausgewählte Patienten in den USA erhältlich. Und erst kürzlich berichtete mein Kollege Julian über die intelligente Schuheinlage Orpyx, die kontinuierlich den Druck auf die Fußsohle, die Temperatur und die Bewegung mittels integrierter Sensoren misst. Wann die Einlage verfügbar sein wird, ist nicht bekannt.

Interessant sind diese beiden Ansätze auf jeden Fall.

Fußulzera: Fußmatte entdeckt Rezidive?

Intelligente Schuheinlage Orpyx SI


1 https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/Gesundheitspolitik/Gesundheitsbericht_2020.pdf

2 https://www.monitor-versorgungsforschung.de/Abstracts/kurzfassungen-2016/mvf-02-16/Diab-Fuss

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Bionik und die fühlende Beinprothese

Die Bionik beschäftigt sich mit dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist Leonardo da Vincis Idee, den Vogelflug auf Flugmaschinen zu übertragen. Im Fall der fühlenden Beinprothese werden in Anlehnung an die Natur sensorische Nerven im Körper mittels dem sensorischen Feedbacksystem Suralis angesprochen.

Die Idee der fühlenden Beinprothese

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©Saphenus-System Beinprothese, Foto Andreas Mühlenberend

Viele Menschen mit Amputationen leiden unter sogenannten Phantomschmerzen, da das Gehirn vergeblich versucht, Informationen vom nicht mehr vorhandenen Fuß abzurufen. Die durch das österreichische Start-up Saphenus entwickelte Sensor-Technik ermöglicht es, dass sensorische Nervenenden am Amputationsstumpf das Leck an Informationen im Gehirn wieder füllen können, was zu einer Reduktion der Phantomschmerzen führt.

Die in die Sohle der fühlenden Beinprothese integrierten Sensoren erkennen die Abrollbewegung beim Gehen, geben diese Information in den Prothesenschaft, von wo sie durch Aktoren auf die sensorischen Nervenenden am Amputationsstumpf übertragen werden. Diese Simulation der nicht mehr vorhanden Fußsohle am Amputationsstumpf führt dann dazu, dass das Gehirn beim Gehen wieder mit Informationen versorgt wird, sodass der Prothesenträger seinen Fuß vermeintlich spürt.

TSR – Targeted Sensory Reinnervation

Bei der gezielten sensorischen Reinnervation (TSR) werden nicht mehr genutzte Nervenenden an den Stumpf zurückgeführt bzw. transplantiert und mit anderen Nervenenden „zusammengeschlossen“. In Verbindung mit der bionischen Beinprothese ist die TSR insofern sehr interessant, als dass durch die Nutzung des bestehenden Nervenkonstruktes und die Rückführung dessen an den Stumpf, der Betroffene Gefühle an einem nicht mehr vorhandenen Bein wiedererlangt und häufig auch von einer Schmerzfreiheit bereits nach der Operation berichtet.

Suralis und die fühlende Beinprothese

Suralis, das sensorische Feedbacksystem, das in die Prothese integriert wird, hat vor kurzem die Zulassung als Medizinprodukt erhalten. Es kann bei jeder bestehenden Prothese unabhängig von der technischen Ausführung und unabhängig vom Hersteller verwendet werden.

Im Rahmen eines Erstgespräches mit dem auf TSR spezialisierten, rekonstruktiven Chirurgen und dem Orthopädietechniker, der die Prothese versorgt hat, wird geklärt, um welchen Schmerz es sich konkret hat (Phantom- oder Neuromschmerz). Handelt es sich um einen Phantomschmerz wird mit weiteren Untersuchungen getestet, inwieweit der sensorische Nerv ansprechbar ist. Macht eine Behandlung Sinn, erfolgt die Operation. Die Kosten für die Operation selbst werden i.d.R. von den Krankenkassen getragen, sodass zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur die Kosten für das sensorische Feedbacksystem Suralis für nicht AUVA-Versicherte (Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, Österreich) durch den Betroffenen zu tragen sind (ca. 8.000€).

Laut Mag. Rainer Schultheis, Saphenus Medical, wurden bisher ein knappes Dutzend Patienten im Rahmen von ersten Studien versorgt. Gemeinsam mit der AUVA soll das weitere Vorgehen wissenschaftlich begleitet werden. Eine umfassende, multizentrische Studie ist geplant, um die Wirksamkeit zu bestätigen und weiteres evidenzbasiertes Wissen zu schaffen. Gespräche mit Krankenkassen in Deutschland, Österreich und Italien finden bereits statt. Sapehnus erhielt im 1. Quartal 2020 die Förderung durch das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ und ist Mitglied der Gemeinwohlökonomie², einem Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohl-fördernden Werten aufgebaut ist.

Mein Fazit

Genial! Eine Amputation ist ein drastischer Einschnitt in das Leben der Betroffenen. Neben Sorgen, Ängsten und Sehnsüchten leiden viele Menschen mit Amputationen unter starken Phantomschmerzen. Bis dato hat sich zur nachhaltigen Behandlung keine Therapie durchgesetzt. Die Menschen leben mit den chronischen Schmerzen, die häufig nur durch schwere Schmerzmittel wie Opiate oder Morphin eine vorübergehende Linderung erhalten. Mit der Erfindung der fühlenden Prothese könnte vielen Betroffenen geholfen werden. Dazu kommt, dass durch das authentische Fühlen die unterschiedliche Beschaffenheit des Bodens wiedererkannt wird, was positiv auf die Gangstabilität und das Gangbild einzahlt.

In einem persönlichen Gespräch erzählte mir Mag. Rainer Schultheis, dass der erste Patient, bei welchem eine bionische Prothese versorgt wurde, heute – rein vom Fühlen – nicht mehr unterscheiden kann, welcher Fuß gesund ist und welcher nicht. Für Rainer Schultheis ist die prothetische Versorgung weltweit eine Herzensangelegenheit. Natürlich ist das Projekt Suralis auf Gewinn ausgerichtet. Es soll aber auch einen Beitrag leisten für die Unterstützung der prothetischen Versorgung in der Dritten Welt.


Weiterführende Informationen finden Betroffene und Interessierte auf der Homepage des Unternehmen saphenus.com.

1 https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/phantomschmerzen

² https://www.ecogood.org

 

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Teledermatologie – digitale Diagnose mit AppDoc

Hautkrankheiten sind vielfältig. Melanome, Neurodermitis, Mundrose, Schuppenflechte, Fuß- und Nagelpilz, Feigwarzen … Gründe, einen Dermatologen aufsuchen zu wollen, gibt es viele. Das Problem des Fachärztemangels kennen wir alle. Die Wartezimmer sind überfüllt, die Wartezeit auf einen Termin mitunter monatelang.

Eine App für die digitale Diagnose von Hautkrankheiten soll nun Abhilfe schaffen. Geht nicht? Doch, geht, findet die Landesärztekammer Baden-Württemberg, die AppDoc genehmigt hat. AppDoc ist damit die erste teledermatologische Smartphone-Anwendung, bei der Hautärzte ohne persönlichen Kontakt zum Patienten eine Diagnose stellen dürfen.

Wie funktioniert´s?

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©Online Hautarzt – AppDoc

Benötigt werden drei Aufnahmen der betroffenen Hautstelle mit dem Smartphone oder der Digitalkamera. Diese werden über die App, oder auch Online bei Online Hautarzt – AppDoc, hoch geladen. Danach folgt eine kurze Anamnese zum Beschwerdebild. Dazu gehören zum Beispiel Symptome wie Juckreiz, Rötung, Schmerzen, Muttermal, Schwellung und andere. Auf die Angabe der betroffenen Region folgt die Frage, seit wann die Beschwerden bekannt sind und ob es bereits eine Behandlung gab. Zum Schluss noch ein paar persönliche Daten. Sobald der Fall eingereicht wurde, erhält man eine Fallnummer, sodass der Fallstatus durch den Patienten jederzeit über die App oder online abgerufen werden kann.

Die digitale Ersteinschätzung eines Dermatologen soll laut AppDoc innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Eine regelmäßige Evaluation der App erfolgt durch die Universitäts-Hautklinik Essen.

Über AppDoc

AppDoc hat nach eigenen Angaben zum Ziel, die Verfügbarkeit von dermatologischer Diagnostik zu verbessern und dabei eine möglichst hohe Versorgungsqualität sicher zu stellen. Eine Studie zeigt, dass

ca. 80% der Diagnosen mit der Diagnose bei einem persönlichen Arztbesuch übereinstimmen.1

Entwickelt wurde AppDoc von Mitarbeitern der Hautklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Hautklinik  Essen. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD) hat in Kooperation mit der Professor Paul Gerson Unna Akademie2 AppDoc mit dem Innovationspreis Dermatologie ausgezeichnet.

Mein Fazit

AppDoc verpflichtet sich zu höchster Beratungsqualität, stellt aber auch klar, dass eine App kein adäquater Ersatz für einen Arztbesuch ist. Auch kann die App keine Medikamente verschreiben. Da ist der Gang zum Arzt unumgänglich. Dennoch: der – kostenpflichtige3 – Service kann eine Lücke zwischen „Dr. Google“ und einem persönlichen Arztbesuch schließen. Auch bietet die Anwendung eine Möglichkeit, das Problem des Fachärztemangels und der zum Teil monatelangen Wartezeit auf einen Termin zu lösen. Auch für Menschen in entlegenen Gebieten oder mit eingeschränkter Mobilität mag sie im ersten Schritt helfen, ehe der weite Weg in die nächste Facharztpraxis angetreten wird.

Kritisch zu betrachten ist jedoch: Die Qualität des Ergebnisses hängt von der Qualität der gelieferten Bilder und Informationen ab. Vielen Menschen fällt es außerdem leichter, über die Symptome zu sprechen, anstatt eine Auswahl im Multiple Choice verfahren zu treffen. Auch in den Angaben kann also eine Fehlerquelle stecken. Und, last but not least: Was passiert, wenn die Diagnose lautet „Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Dermatologen“. Bekomme ich den dann schneller? Oder bin ich nur nervöser?


Meine Kollegin Nicole berichtete 2018 übrigens bereits über die App SkinVision. Bei dieser Art App ent­schei­det ein Algorithmus darüber, ob es sich um eine verdächtige Läsion handelt, die eine ärztliche Überprüfung erfordert, oder nicht. Eine aktuell publizierte Studie dazu sagt: Apps, denen ein Algorithmus hinterlegt ist, können Hautkrebs kaum erkennen4. Da geht AppDoc doch einen klaren Schritt weiter.

1 https://online-hautarzt.net/forschung/

2Die Professor Paul Gerson Unna Akademie ist das unabhängige Fort- und Weiterbildungsinstitut rund um das Thema Haut.

3 24,95€ / Konsultation

4 ärtzeblatt.de

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Bluttest für die Hosentasche – Ein Medizinlabor zum Mitnehmen

„Unser Labor ist nicht größer als eine Streichholzschachtel“. Das Berliner Start-Up midge medical will die sofortige Blutuntersuchung mittels eines mobilen Bluttest Miniaturlabors möglich machen.

Blutentnahme, Aufbereitung der Probe und Teststreifen sind in ein Device integriert. Ein Klick auf den Knopf aktiviert zunächst die Mikro-Lanzette. Diese punktiert die Haut, um so wenige Tropfen Blut zu gewinnen, die das Miniaturlabor dann aufnimmt. Im Miniaturlabor wird die Blutprobe sofort aufbereitet und auf einen Teststreifen aufgebracht. Das Ergebnis lässt sich im Anschluss per Smartphone-App auslesen und zur Diagnosestellung durch medizinisches Fachpersonal verwenden.

Antikörper basiertes Bluttest System

Das Verfahren basiert auf der Lateral Flow-Technologie, auch Lateral Flow Assay (LFA) genannt. Lateral Flow-Tests vereinen ein antikörperbasiertes Testsystem auf einem einzigen Teststreifen. Sie ermöglichen es, diverse Analyten innerhalb von nur wenigen Minuten nachzuweisen (Antigen-Antikörper-Reaktion). Neben den schnellen Ergebnissen und der einfachen Handhabung liegen die Vorteile in den niedrigen Kosten und der hohen Validität.

Aktuell wird das Miniaturlabor von midge medical für die CRP-Wert Bestimmung eingesetzt. Der CRP-Wert unterscheidet bakterielle von viralen Infektionen. Das Ergebnis kann den Mediziner bei seiner Entscheidung für oder gegen eine Antibiotika-Gabe unterstützen – ohne Zeitverlust.

Perspektivisch soll das Miniaturlabor auch für die Testung von Lungenembolien, Thrombosen, Herzinfarkt oder Infektionskrankheiten wie Malaria, HIV und Ebola zum Einsatz kommen.

Ausblick

Einen Prototypen gibt es bereits. Im nächsten Schritt soll die Serienfertigung und Zulassung folgen.

Im Rahmen der MEDICA App COMPETITION, gefördert durch die Bayer G4A und Roche, wurde midge medical 2019 mit dem dritten Preis für innovative, App-basierte medizinische Lösungen ausgezeichnet1.

Außerdem ist das Berliner Start-up für den 1A-Award nominiert. Der 1A-Award wurde durch das Unternehmen 1A Pharma in Kooperation mit der Medical Tribune und der Deutschen Apotheker Zeitung ins Leben gerufen. Er zeichnet innovative Projekte zur konkreten Verbesserung in der medizinischen Versorgung aus.

Mein Fazit

Im Vergleich zu herkömmlichen Bluttests ist das Mini-All-In-One-System flexibel einsetzbar. Beim Patienten zu Hause, in der Arztpraxis, in der Apotheke. Es ist einfach in der Anwendung und macht praktisch alles alleine. Als steriles Einwegprodukt ist es ohne weitere Lesegeräte nutzbar und liefert – mittels App – schnell das digitale Ergebnis. Damit spart die mobile Lösung durchaus wertvolle Zeit, eine Therapie kann sofort beginnen bzw. ein unnötiger Antibiotikaeinsatz verhindert werden.

Auch die Prüfung von Verdachtsdiagnosen und gängiger Blutparameter für Patienten ist reizvoll. Und erspart unter Umständen die weite Anreise zum nächsten Arzt, wenn mittels Telekommunikation die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient überbrückt werden kann.

Im Hinblick auf Infektionskrankheiten kann insbesondere in Entwicklungsländern der Zugang zu lebensrettenden Diagnosestellungen – und damit einer gesicherten Therapie – ermöglicht werden. Ähnlich dem tragbaren Ultraschall-Scanner, der in Verbindung mit einem Smartphone medizinische Bildgebung in Entwicklungsländer bringt2.

In fünf Jahren wollen die Gründer in jedem zehnten Medizinschrank Deutschlands stehen3. Ist noch ein weiter Weg und es bleibt zu hoffen, dass weitere Investoren mutig genug sind, Wagniskapital für die Forschung, Entwicklung und baldige Serienfertigung zur Verfügung zu stellen.

1 https://www.medica.de/de/Foren_Konferenzen/Foren/MEDICA_CONNECTED_HEALTHCARE_FORUM/MEDICA_App_COMPETITION

2 http://www.healthcareheidi.de/2019/07/09/unendlich-mobil-ultraschall-zum-mitnehmen/

3 https://gruender.wiwo.de/midge-medical-wir-haben-den-bluttest-fuer-jedermann/

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Mika – wertvoller digitaler Helfer für Krebs-Patienten

Beschwerden dokumentieren, den Therapieverlauf festhalten, Tipps bekommen. Mika will das Leben mit der Diagnose Krebs leichter machen. Die App richtet sich gleichermaßen an Patienten und Angehörige.

Diagnose Krebs

Eine Krebserkrankung und ihre Behandlungen stellen eine hohe psychische wie auch physische Belastung dar. Für Patienten und Angehörige. Die Diagnose Krebs wird häufig als ein tiefer Einschnitt in das Leben wahrgenommen. Sie verändert zunächst alles. Der Alltag muss rund um Untersuchungen und Behandlungen neu organisiert werden. Neben körperlichen Beschwerden kämpfen Betroffene auch mit enormen Ängsten. „Warum gerade ich?“, ist eine typische Frage.

Wie unterstützt die Mika-App?

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Mika – wertvoller digitaler Helfer für Krebs-Patienten

Mika ist Mein interaktiver Krebs Assistent. Mika begleitet Betroffene mit einem eigens entwickelten Unterstützungsprogramm, das personalisiert auf die Situation des Patienten angepasst wird.

Über die Mika-App führen Krebspatienten ihr digitales Tagebuch. Therapieverlauf, Gesundheitszustand, Nebenwirkungen… . Mit Hilfe der App kann sich der Patient so besser auf seinen nächsten Arzttermin vorbereiten.

Ergänzt wird die App um Informationen zum persönlichen Krankheitsbild, zur Diagnose, zu Therapien bis hin zu Tipps für eine bessere Bewältigung des Alltags, Ernährungsratschlägen und Entspannungsübungen. So schlägt die App z. B. gezielt Gerichte vor, die bei Verdauungsbeschwerden helfen können.

Mika bietet bereits für 22 Krankheitsbilder konkrete Hilfestellung. Die App wurde in Zusammenarbeit mit der Charité Universitätsmedizin Berlin, dem Universitätsklinikum Leipzig und dem NCT Heidelberg entwickelt. Motivierende Berichte ehemaliger Patienten runden das Angebot ab.

„Mika soll Patienten helfen, mit den Herausforderungen zu leben, die die Krankheit mit sich bringt: Wir können keine Chemo ersetzen, aber für Patienten da sein.“, so die Mika-Gründer Jan Simon Raue und Gandolf Finke.1

Der Patient im Mittelpunkt

Der Patient rückt in den Mittelpunkt und wird mittels digitaler Technologie aktiv in den Behandlungsprozess eingebunden. Mehr als 1.000 Menschen nutzen die App bereits. Für Patienten ist sie Stand heute kostenfrei. Durch Beschlussfassung des Digitale-Versorgungs-Gesetzes (DVG) Anfang Juli, sollen Ärzte Gesundheits-Apps künftig außerdem wie Arzneimittel als Kassenleistung verschreiben können. Das Gesetz soll 2020 in Kraft treten.

Mein Fazit

Daumen hoch. Die Diagnose Krebs trifft Menschen plötzlich und völlig unerwartet. Angst, Wut, Resignation, vor allem aber Hilflosigkeit bestimmen das Denken, Fühlen und Handeln. Auch während der Therapie ist diese Berg- und Talfahrt der Gefühle noch lange nicht zu Ende. Die Ungewissheit, ob und wie lange man auf die Behandlung anspricht, bleibt. Die Nebenwirkungen kommen. In dieser Zeit ist meines Erachtens jede Form der Unterstützung, die einen durch das veränderte Leben begleitet, hilfreich. Manchmal vielleicht sogar besser in Form einer App als in Form eines hilflosen Menschen.


Digitale Gesundheitslösungen wie Mika haben in klinischen Studien ihren Einfluss auf Therapieergebnisse nachweisen können und werden ihn weiter nachweisen. Damit sind sie als wichtiger Bestandteil in der Patientenversorgung akzeptiert. Mit Hilfe von Gesundheitsdaten entwickeln Start-Ups bundesweit digitale Helfer für Patienten. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über die App Kaia2, die helfen will, chronische Rückenschmerzen zu lindern. Oder Kata, für Patienten mit pneumologischen Krankheiten.

1 Gründerszene

2 Kaia dein Begleiter / Kaia – ein Update

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Blutzucker Diagnostik – Man nehme ein Tattoo und eine App

Spannend, was die Wissenschaftler um Ali Yetisen der Technischen Universität München entwickelt haben: Tattoos, die eigentlich diagnostische Sensoren sind. Denn: ein Farbwechsel der Tätowierung zeigt Veränderungen des Blutzuckers, Leberproteins oder pH-Wertes an.

Ein Blutzucker Tattoo als schmückendes Warnzeichen?

Die Tätowierung erfolgt mit spezieller Indikatorlösung statt mit herkömmlicher Tätowiertinte. Diese Lösung beinhaltet Enzyme, die zum Beispiel auf Veränderungen des Blutzuckerwertes Blutzucker Diagnostik_HealthcareHeidi_02reagieren, indem sich ihre Farbe verändert. So wechselt das Blutzucker Tattoo seine Farbe beispielsweise von gelb nach dunkelgrün, wenn der Glukosewert steigt. Die mit der Smartphone-Kamera aufgenommenen Farbveränderungen verwandelt eine eigens entwickelte App dann in entsprechende Zahlenwerte.

Der Vorteil bei dieser Methode: Der Glukosewert wird über das Gewebe gemessen. Beim Tätowieren gelangt die Tätowierfarbe bekanntlich direkt in die Dermis, die unter anderem Nerven und Blutgefäße enthält. D. h. die Werte sollten zeitnah den Blutzuckerwert widerspiegeln. Nicht, wie z. B. bei Tränenflüssigkeit, mit einer Verzögerung von bis zu einer Stunde.

Getestet wurden die Tattoos bisher an Schweinehaut. Diese unterscheidet sich von Menschenhaut nur geringfügig in Struktur, Behaarung und Häufigkeit der Poren. Die Ergebnisse wurden im Sommer dieses Jahres im Fachmagazin Angewandte Chemie publiziert.Ob Tattoos tatsächlich zu nützlichen diagnostischen Kunstwerken werden können, müssen weitere Studien jedoch noch zeigen.

Mein Fazit

Tattoos für diagnostische und nicht für kosmetische Zwecke zu verwenden ist ein interessanter Ansatz. Aber es bleibt eben ein Tattoo, das ich vielleicht mit 40 Jahren nicht mehr haben möchte. Denn ich muss es ja auch an prominenter Stelle platzieren, damit ich es beobachten und ggf. schnell ein Bild machen und reagieren kann.

Pflaster, die die Glukosekonzentration mittels Sensoren über die Haut messen können. Digitale Kontaktlinsen, die den Blutzuckerwert über die Tränen des Trägers analysieren.1 Jetzt ein Tattoo. Fakt ist: Es gibt immer wieder Ansätze, den Blutzuckerwert unblutig – und damit schmerzfrei – zu messen. Einen Durchbruch gab es trotzdem noch nicht, da zu viele Fragen offen bleiben. Auch hier.

Zum Thema Tattoos und Langzeitdiagnostik empfehlen wir Ihnen auch unseren Blog-Beitrag „Tattoo-Elektroden zur medizinischen Langzeitdiagnostik“.


1 Kontaktlinse misst Blutzucker

2 Dermal Tattoo Biosensors for Colorimetric Metabolite Detection, Dr. Ali K. Yetisen et al., Angew. Chemie 2019, 131, 10616-10623

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Herzpflaster nach Herzinfarkt?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die führende Todesursache in Deutschland. Sie sind mit erheblichen Krankheitsfolgen verbunden und verursachen hohe Kosten. Männer sind häufiger von Herzinfarkt, Koronarer Herzerkrankung und Schlaganfall betroffen als Frauen (Quelle: RKI, Berlin).

Das Herz erholt sich nach einem Herzinfarkt nicht mehr voll umfänglich

Dank der guten Notfallversorgung überlebt die Mehrheit der Betroffenen einen Herzinfarkt. Jedoch: ganz erholen tut sich das Herz von diesem Ereignis nicht. Durch den Verschluss eines Herzkranzgefäßes kommt es zur Schädigung des nicht mehr durchbluteten Herzmuskelgewebes. Verletztes Gewebe bleibt grundsätzlich zurück und kann zu mehr oder minder schweren Folgeerkrankungen, wie Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelschwäche, führen. Je nach Umfang des geschädigten Gewebes kann die Herzwand reißen.

Herzpflaster soll die Lösung sein

Ein innovatives Herzpflaster aus künstlich gewonnenem Gewebe kann, so die Forscher des DZHK (Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.) die Lösung sein und die Herzfunktion nach einem Infarkt langfristig verbessern.

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Um den Herzmuskel zu reparieren, überbrücken die Forscher das beschädigte Gewebe mit sogenannten Herzpflastern. Sie werden aus kontraktionsfähigen Herzmuskelzellen zu einem spontan schlagenden Herzmuskelflicken im Labor vorgezüchtet. Diese, auch als „Engineered heart tissue“ (EHT) bezeichneten Gewebe, werden in einem chirurgischen Eingriff auf die Oberfläche des Herzens aufgebracht, wachsen dort an und bilden neues Herzgewebe.

Studie mit schwer kranken Herzpatienten für 2020 geplant

Das Aufbringen von Herzpflastern wurde bereits erfolgreich an Tieren getestet. Es ist, laut Professor Dr. med. Thomas Eschenhagen, Vorstandsvorsitzender des DZHK und Institutsdirektor am Zentrum für experimentelle Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, zwar aufwendiger als die Zellinjektion, hat aber den Vorteil, dass keine Zellen abgeschwemmt werden und  keine Herzrhythmusstörungen auftreten. Ein weiterer  Vorteil ist, so Eschenhagen, dass sich die Kontraktionskraft des neuen Gewebes bereits vor der Implantation überprüfen lässt.

Erste Herzpflaster sollen bereits 2020 an Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz getestet werden.

Mein Fazit

Sicher bleiben noch einige Fragen offen, die in Studien geklärt werden müssen. So etwa die nach dem Langzeitverlauf eines derartigen Eingriffs oder inwieweit das Risiko besteht, dass das implantierte Gewebe abgestoßen wird. Statistisch gesehen sterben heute innerhalb von zwei Jahren nach einem Herzinfarkt 5-10% der Betroffenen (BDI). Ein Pflaster, das die Herzfunktion nach einem Infarkt langfristig verbessern kann, wäre also mehr als genial. Ein möglichst früher Start der Studien ist nur zu begrüßen.


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Internisten im Netz

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Blind Date: Taktile Brustkrebs Früherkennung

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 70.000 Mal im Jahr wird die Diagnose Mammakarzinom gestellt, mehr als 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, besonders ab dem 40./50. Lebensjahr. Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Brustkrebserkrankungen heilbar.1

Die Zahl der Sterbefälle sinkt seit Jahren, trotz steigender Anzahl Neuerkrankungen. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft ist die Heilungsrate in den letzten 10 Jahren durch eine verbesserte Früherkennung, neue Therapiekonzepte und die interdisziplinäre Betreuung gestiegen.1

Die taktile Brustkrebs Vorsorge

Die Früherkennung ist der Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg der Behandlung und damit für die Überlebenschance. Hier setzt die taktile Brustkrebs Vorsorge an, die ausschließlich in gynäkologischen Praxen bzw. Kliniken stattfindet. Die Medizinisch-Taktile Untersucherin ertastet detailliert, was von der Homogenität des normalen Brustgewebes abweicht. Alles wird genau dokumentiert, bei Auffälligkeiten an den Arzt/die Ärztin weiter geleitet.

Die Initiative „discovering hands“

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Brustkrebs Vorsorge: Taktile Brustuntersuchung
©discovering hands

Die taktile Brustkrebs Vorsorge ist ein Projekt der Initiative discovering hands, die durch den Duisburger Frauenarzt Dr. med. Frank Hoffmann ins Leben gerufen wurde. Sie nutzt den überlegenen Tastsinn blinder bzw. sehbehinderter Frauen.

In einer neunmonatigen Ausbildungsphase werden die Frauen zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen (MTUs) ausgebildet. Zytologie, Histologie, Anatomie, Physiologie, Pathologie … . An die Theoriephase schließt sich ein Praktikum in gynäkologischen Kliniken und Praxen an.

Eine geschulte MTU kann Knoten von 6 bis 8 Millimeter Durchmesser finden! Zum Vergleich: Bei der Selbstuntersuchung können Frauen einen Knoten mit einem Durchmesser von ca. 2,5 Zentimeter ertasten, der Arzt i. d. R. 1 bis 2 Zentimeter.

Die Kosten sind überschaubar und werden insbesondere von den Betriebskrankenkassen übernommen. Unterstützt wird das Projekt unter anderen von Pink Ribbon Deutschland. Es wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, so z. B. durch die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, einer Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft.

Die Effektivität der Methode wurde durch die Frauenklinik der Universität Erlangen erstmalig untersucht und die Ergebnisse kürzlich im Fachmagazin „BreastCare“ veröffentlicht.2

Mein Fazit

Krebsfrüherkennungsangebote sind in Deutschland nicht optimal. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Das Mammografie-Screening wird erst für Frauen ab 50 Jahren angeboten, eine präventive Mammografie ist vorher nicht vorgesehen. Die Brusttastuntersuchung wird von jedem Gynäkologen unterschiedlich durchgeführt. Gefühlt unter Zeitdruck.

Ich selbst habe aufgrund meiner familiären Situation eine hohe Wahrnehmung für das Thema und habe die Taktilographie selbst ausprobiert. Die MTU hat sie gewissenhaft durchgeführt, hat sich Zeit genommen und jeden Zentimeter der Brust sorgfältig abgetastet. Für mich persönlich ist es ein sehr beruhigendes Gefühl, dass sich jemand wirklich Zeit genommen hat, in Ruhe die Untersuchung durchzuführen. Ich verstehe, dass der Gynäkolge/die Gynäkologin diese Zeit nicht hat. Ich verstehe allerdings nicht, warum nicht mehr Praxen dieses Angebot ihren Patientinnen ermöglichen.

Die Untersuchung kostet 50€. Nicht viel Geld für mehr Chance auf Heilung durch frühes Erkennen. Discovering Hands Praxisfinder


Weitere Beiträge zur Frühdiagnostik:

Der intelligente BH

Muttermal-Tattoo zur Brustkrebsfrüherkennung

1 Deutsche Krebsgesellschaft

2 Diagnostic Accuracy of Breast Medical Tactile Examiners (MTEs): A Prospective Pilot Study

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