ADHS Therapie bei Kindern: Zocken auf Rezept?

Im Sommer 2020 genehmigte die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) das erste verschreibungspflichtige Videospiel zur Verbesserung der kognitiven Funktion bei Kindern mit ADHS: EndeavourRx.

Das US-Technik-Portal The Verge dämpfte damals die Euphorie der Spielemacher. Die gerne zitierte Studie sei von Ärzten erstellt, die für den Entwickler des Spiels arbeiten1. Die Entwickler Akili Interacitve haben kürzlich nun die vollständigen Ergebnisse der EndeavourRx-Zusatzstudie vorgelegt. Sie zeigen, dass das Videospiel-ähnliche digitale Therapeutikum Vorteile mit oder ohne begleitende Stimulanzien bietet.

EndeavourRx – Zocken gegen ADHS

Mit Höchstgeschwindigkeit fliegt das kleine Raumschiff mit seinen zwei Turbinen durch die Eiswelt. Aus dem Boden ploppen kleine einäugige Wesen, die die Spieler*innen einfangen oder umschiffen müssen; nur um kurze Zeit später in eine Feuerwelt oder eine Unterwasserlandschaft katapultiert zu werden. Die Spieler*innen müssen Hindernissen ausweichen und dabei Ziele einsammeln. Zu lösen sind teilweise überlappende Aufgaben, die sowohl sensorische als auch motorische Anforderungen an Spielende stellen. Das soll die Konzentration fördern.

EndeavourRx fokussiert auf eine direkte Stimulation ganz spezifischer, ADHS relevanter Hirnregionen. Ziel ist, die Hirnfunktion langfristig zu verändern und zu normalisieren. Das Spiel richtet sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und soll gegen die Symptome der ADHS helfen.

Studien belegen Wirksamkeit bei Kindern mit ADHS

Die FDA-Zulassung wurde erteilt, nachdem insgesamt fünf klinische Studien durchgeführt worden waren. Darunter die randomisierte STARS-ADHD Studie mit 348 Teilnehmern. Der STARS-ADHD Studie folgte die STATS-Adjunct Studie. In dieser wurde berücksichtigt, ob die Kinder ADHS-Stimulanzien einnahmen oder nicht. In beiden Studien haben die Kinder das digitale Therapeutikum vier Wochen lang an fünf Tagen in der Woche über 25 Minuten erhalten. Nach einer vierwöchigen Pause erfolgte eine weitere vierwöchige Behandlungsphase.

Im Rahmen beider Studien konnte eine Verbesserung standardisierter kognitiver Indices für ADHS nachgewiesen werden. Die Kinder zeigten nach der ersten Behandlungsperiode eine Verbesserung der ADHS Symptome. Während der vierwöchigen Behandlungspause blieben sie stabil.

In der STATS-Adjunct Studie, mit 206 Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren, sprach die Hälfte der Kinder nach einem Monat Therapie auf die Behandlung an. Mehr als zwei Drittel (68%) zeigte nach der zweiten Behandlungsphase ein klinisches Ansprechen. Die behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse waren mild und umfassten Frustration und Kopfschmerzen. Im Vergleich zu traditionellen Medikamenten erscheinen diese Auswirkungen allerdings gering.2

©Akili, EndeavourRx

Mein Fazit

ADHS betrifft weltweit etwa 5% der Menschen.3 Angesichts der Tatsache, dass viele der mit ADHS diagnostizierten Kinder Medikamente zur Behandlung ihrer Erkrankung erhalten, ist es wichtig, neue nicht-pharmakologische Therapieoptionen zu bewerten. Die Ergebnisse der Studien sind sicher ermutigend; aber, wie die Forscher selbst sagen, weisen die Studien auch Einschränkungen auf. So zum Beispiel die Tatsache, dass es keine verblindete Kontrollgruppe gab. Oder dass die Studien – bei einer chronischen Erkrankung wie ADHS – nur eine Dauer von drei bis vier Monaten hatten. Sicherlich auch ein „Geschmäckle“, wie wir Schwaben sagen, hinterlässt die Tatsache, dass die Forscher teilweise Aktienoptionen von Akili Interactive Labs halten oder dort angestellt sind. Dennoch: EndeavourRx ist ein gutes Beispiel für das wachsende Feld der digitalen Therapie. Bei dem Spiel geht es nicht darum, Ablenkung zu schaffen, sondern die Konzentration zu fördern und so die ADHS Symptome dauerhaft zu lindern. Das ist in jedem Fall ein zukunftsweisender Ansatz.


Gut aufbereitete Informationen rund um das Thema ADHS finden Interessierte auf Takeda-ADHS.de.


1 https://www.theverge.com/2020/6/15/21292267/fda-adhd-video-game-prescription-endeavor-rx-akl-t01-project-evo

2 A novel digital intervention for actively reducing severity of paediatric ADHD (STARS-ADHD): a randomised controlled trial, THE LANCET Volume 2, ISSUE 4, e168-e178, April 01, 2020 https://www.thelancet.com/journals/landig/article/PIIS2589-7500(20)30017-0/fulltext / Effectiveness of a digital therapeutic as adjunct to treatment with medication in pediatric ADHD, npj Digital Medicine volume 4, Article number: 58 (2021) https://www.nature.com/articles/s41746-021-00429-0 / CHILD & ADOLESCENT PSYCHIATRY, Volume 59, ISSUE 10, SUPPLEMENT , S157, October 01, 2020, https://doi.org/10.1016/j.jaac.2020.08.086

3 RKI, Journal of Health Monitoring · 2018 3(3)DOI 10.17886/RKI­GBE­2018­078Robert Koch­Institut, Berlin

https://www.akiliinteractive.com/

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Per App gegen Migräne Attacken

Das kabellose Wearable Nerivio® will mittels Neuromodulation akute Migräne Attacken ohne Einsatz von Medikamenten behandeln. Zur Steuerung des Wearables wird die gleichnamige App benötigt, die in den jeweiligen Android und iOs App Stores heruntergeladen werden kann.

Was ist Migräne?

Kennzeichen einer Migräne sind anfallsweise auftretende pulsierende Schmerzattacken im Kopfbereich, die zusammen mit Symptomen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit auftreten. Meist betrifft eine Migräne Attacke nur eine Kopfseite und vorwiegend den Sitrn-, Augen- und Schläfenbereich. Die Schmerzen verschlimmern sich bei Bewegung. Teilweise werden Migräne Attacken durch eine sogenannte Aura, in der Symptome wie Seh- oder Sprachstörungen oder Schwindelgefühle auftreten, angekündigt.

Was hilft gegen Migräne Attacken?

Um Migräne Attacken rasch zu beenden beziehungsweise zu vermeiden, ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren. In der Regel werden Migräne Attacken mit Medikamenten behandelt. Betroffenen hilft außerdem Ruhe und Dunkelheit. Die Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt außer der medikamentösen Therapie nichtmedikamentöse Verfahren. Dazu gehören außer Entspannungsübungen, Biofeedback-Therapie, moderater Ausdauersport auch Akupunktur.1

Auch vorbeugende Therapien zur Migräne Prophylaxe können helfen, die Attacken respektive die Schwere der Schmerzen zu verringern oder das Ansprechen auf die Akuttherapie zu verbessern. Dazu gehört z.B. die App sinCephalea, die durch personalisierte Ernährung von Migräne befreit. sinCephalea ist als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zur Prophylaxe von Migräneanfällen beim BfArM gelistet und somit auf Rezept erhältlich. Meine Kollegin Julia hat erst kürzlich in diesem Blog darüber berichtet.2

Nerivio® – Neuromodulation zur alternativen Therapie von Migräne Attacken

Per App gegen Migräne, HealthcareHeidi 3Das Prinzip der Schmerzminderung bei der Neuromodulation beruht auf einer Verringerung der Leitung von Schmerzimpulsen. Allen Techniken der Neuromodulation gemeinsam ist, dass die Verringerung der Schmerzimpulsleitung durch die gezielte Anwendung elektrischer Störimpulse hervorgerufen wird. 

Nach diesem Prinzip arbeitet auch Nerivio®, ein drahtloses, nicht-invasives elektronisches Wearable, das bei beginnender Migräne am Oberarm getragen wird.

Im Inneren des Devices stecken winzige Elektroden, welche die Nerven im Oberarm stimulieren. Die durch diese Stimulation peripherer Nerven ausgelöste „Nachricht“ wird an den Hirnstamm gesendet. Dieser hemmt die Schmerzsignale durch die Freisetzung von Neurotransmittern, die – gesteuert durch den Thalamus* – zu einer signifikanten Schmerzlinderung führen und den Migräneanfall beenden können.

Die Intensität und Dauer der Methode lässt sich via Bluetooth über das Smartphone steuern. Eine Behandlungssitzung dauert in der Regel 45 Minuten.

*Der Thalamus…

… ist im Gehirn die Sammelstelle für alle Sinneseindrücke (mit Ausnahme des Geruchssinns), die auf ihrem Weg zur Großhirnrinde hier umgeschaltet werden – also alle Eindrücke des Sehens und Hörens und Fühlens sowie der Temperatur- und Schmerzempfindung. Der Thalamus wird daher auch als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet.

Gesteuert wird das Gerät mit einer zugehörigen App, mit der die Stimulationsintensität angepasst sowie die Behandlungsdauer überwacht und bei Bedarf auch abgebrochen werden kann. Innerhalb der App können Benutzer*innen ihre Migräne mithilfe einer Tagebuchfunktion dokumentieren sowie die Behandlungssitzungen oder Schmerzniveaus und damit verbundene Symptome aufzeichnen und mit dem betreuenden Praxisteam teilen.

Nerivio® wurde in zwei klinischen Studien evaluiert3 und erhielt im Mai 2019 von der US-Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA) die De Novo Zulassung für die klinische Anwendung bei erwachsenen Menschen ohne chronische Migräne.4 Im Januar 2021 erfolgte die erweiterte Zulassung für die akute Behandlung von episodischer oder chronischer Migräne bei Personen ab 12 Jahren.5 Eine entsprechende Studie wurde im Dezember 2021 veröffentlicht.6Per App gegen Migräne, HealthcareHeidi 2

Nerivio® ist zur Akutbehandlung der Migräne zugelassen und verschreibungspflichtig, aber bisher nur in den USA erhältlich. In Europa soll das System zur Migräne Therapie jedoch  im Laufe des Jahres 2021 auf den Markt kommen.

Mein Fazit

Die arzneimittelfreie und nicht-invasive Linderung von Migräne mit oder ohne Aura mittels des Neuromodulationssystems Nerivio® kann durchaus eine nicht-medikamentöse Alternative in der Migräne Therapie sein. Die Studienergebnisse klingen spannend und machen zuversichtlich. Dazu kommt, dass die Neurostimulation ein anerkanntes Verfahren in der Schmerztherapie ist und generell gut untersucht. Leider steht jedoch die Zulassung von Nerivio® in Europa und Deutschland noch aus bzw. wird für 2021 erwartet.


Für mehr Informationen zur Migräne Therapie

Die DMKG hat auf ihrer Internetseite die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Kopfschmerz und zur Migräne zusammengestellt. Neben medikamentösen Behandlungsformen findet sich dort außer den Möglichkeiten nichtmedikamentöser Hilfen auch ein Verzeichnis von DMKG-Kopfschmerz-Experten. https://www.dmkg.de/patienten Für Ärzte*innen und Therapeuten*innen bietet die DMKG curriculare Fortbildungskurse an, die auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft eine fundierte und Praxis-orientierte Weiterbildung auf dem Gebiet der speziellen Pathophysiologie und Diagnostik sowie Therapie von Kopf- und Gesichtsschmerzen ermöglichen. https://www.dmkg.de/mediziner


Weitere Beiträge rund um das Thema Migräne Therapie und Prävention finden Sie auch auf unserem Blog HealthcareHeidi.

Neben Nerivio® gibt es noch weitere System zur Migräne Therapie. Manche, wie das Cefaly® und Vitos®, sind im Freiverkauf erhältlich. Andere, wie das gammaCoreTM nur über ärztliche Verordnung. Die Funktionsweisen sind unterschiedlich. Eine kurze Beschreibung mit Links zu den Herstellern finden sie hier.


Bilder ©Theranica Bio-Electronics Ltd., https://theranica.com/

https://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/030057_LL_Migra%CC%88ne%202018_Erg%C3%A4nzung%202019.pdf

2 https://www.healthcareheidi.de/sincephalea-befreit-von-migraene-durch-personalisierte-ernaehrung/

3 https://n.neurology.org/content/88/13/1250.short / https://headachejournal.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/head.13551

4 https://www.mobihealthnews.com/content/fda-grants-de-novo-clearance-smartphone-controlled-acute-migraine-relief-device

5 https://www.prnewswire.com/news-releases/fda-approves-theranicas-nerivio-for-acute-treatment-of-migraine-in-adolescents-301213967.html

6 https://headachejournal.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/head.14042

 

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Digitales Training gegen Schlafstörungen

Digitale Behandlungsmethoden können helfen, guten Schlaf wieder zu erlernen. Um Schlafstörungen zu begegnen, bieten sich sog. Selfcare oder Medical Apps an. Das Ziel ist bei beiden das gleiche: sie wollen dabei helfen, sowohl langfristig als auch akut besser zu schlafen. Die eine ist eine Paid-Audio (Selfcare) App, die andere eine DiGA, also eine Digitale GesundheitsAnwendung und damit eine vom medizinischen Fachpersonal verordnungs- und erstattungsfähige Medical App. Ich habe mir in diesem Beitrag bewusst beide genauer angeschaut.

somnio, die Medical App zur Behandlung von Schlafstörungen

somnio ist seit Oktober 2020 im BfArM-Verzeichnis als DiGA gelistet#. Die Anwendung kann damit von Ärzten*innen und Psychotherapeuten*innen zur Behandlung von Insomnie (Schlafstörungen) verordnet werden. Patienten*innen erhalten die App auf Rezept, wenn sie an einer nicht-organischen Insomnie leiden. Also an einer langanhaltenden oder in Abständen wiederkehrenden Schlafstörung, die sich durch Ein- und Durchschlafstörungen sowie körperliche oder auch psychische Beschwerden am Tag auszeichnet. Voraussetzung für die App auf Rezept: Arztdiagnose und ein Mindestalter von 18 Jahren. Als Selbstkauf kostet somnio für drei Monate 464 Euro.

Digitales Training gegen Schlafstörungen mit Somnio
somnio, ©mementor DE GmbH

Durch die Therapie begleitet Albert, der digitale Schlafexperte. Albert ist ein intelligenter Algorithmus, der das Schlaftraining spezifisch auf die persönliche Situation des*der Betroffenen anpasst. Er führt durch verschiedene Module des Programms, stellt Fragen zum Schlaf bzw. der Schlafstörung und definiert mit dem*der Betroffenen gemeinsam individuelle Ziele. Das Einbinden von Fitness-Trackern für die Schlafanalyse ist optional möglich.

Die Wirksamkeit der App wurde in einer umfassenden klinischen Studie bestätigt.1

7Schläfer, die Selfcare App zur Behandlung von Schlafstörungen

Digitales Training gegen Schlafstörungen mit 7Schläfer
7Schläfer, ©G+J Innovation GmbH

Konzipiert und umgesetzt wurde 7Schläfer mit dem Schlafforscher Albrecht Vorster. Er ist Kopf und Stimme der App und hat die Inhalte exklusiv auf Basis aktueller Erkenntnisse der Schlafforschung entwickelt. In einem 7-wöchigen Audiokurs teilt Albrecht Wissen, Hintergründe, Tipps und Tricks rund um die Grundlagen des Schlafes bzw. von Schlafstörungen, die richtige Abendroutine, das Wohlfühlbett/-zimmer, die Bedeutung von Träumen, Grübelstopp und Gedankenkarussell, Ernährung u.v.m.. Dazu gibt es praktische Übungen, Meditationen, Körperreisen, Schlafgeschichten. Das eigene Schlafverhalten und Veränderungen der Schlafqualität kann man in einem Schlaftagebuch dokumentieren. Die App ist ausschließlich als Selbstkauf möglich. Es gibt verschieden Preismodelle, unbegrenzt nutzbar kostet sie aktuell einmalig 139,99 Euro.

Mein Fazit

Albert oder Albrecht bzw. Selfcare App oder Medical App? Gruner & Jahr war so freundlich, mich seine Selfcare App 7Schläfer ausführlich testen zu lassen. Dafür möchte ich mich an der Stelle herzlich bedanken. Ich persönlich leide an leichten Schlafstörungen und mir hat die App dahin gehend geholfen, dass ich während der Lektionen verinnerlicht habe, dass aufwachen nachts normal ist und dem Schlaf nicht abträglich. Ich habe gelernt mental damit umzugehen, dem Aufwachen weniger Bedeutung beizumessen und mich einfach zu freuen, im warmen Bett zu liegen. Die Meditationen und Einschlafgeschichten haben mich weit vor ihrem Ende ins Reich der Träume geschickt. Insofern hat mir, mit meinen leichten Schlafstörungen, die App geholfen.

Für mich ein klarer Minuspunkt ist jedoch das Log-Buch. Ich kann keine Notizen machen, was ich am Vorabend getan habe, was am Tag so „los war“, sodass ich eventuell ein System hinter den schlechten Nächten erkennen könnte. Und entsprechend gegensteuern. Auch bekomme ich kein Feedback, was ich persönlich wichtig finde.

Hier ist die Medical App unschlagbar. Durch den Algorithmus und die damit verbundene Möglichkeit der Personalisierung ist sie der Selfcare App definitiv überlegen. Als großen Vorteil bei somnio empfinde ich, dass Albert mit meinen Antworten und meinen Angaben aus dem Schlaftagebuch mein personalisiertes Training erstellt, welches mir persönlich – und nur mir – dabei hilft, meine Schlafziele zu erreichen und meinen Schlafstörungen zu begegnen. Medical Apps wie somnio werden eine große Lücke in der Versorgung Betroffener schließen und sind sicher eine echte Alternative zu Medikamenten. Das können Selfcare Apps bei einer tatsächlichen Erkrankung im Sinne einer Insomnie nach meiner Einschätzung nicht leisten.

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Appendix

In einer im Springer-Verlag Berlin Heidelberg publizierten Studie zur „Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung“ heißt es zusammenfassend: Die Prävalenz eines Insomniesyndroms in der deutschen Erwachsenenbevölkerung ist mit knapp 6% hoch und – nicht zuletzt aufgrund der hohen gesundheitsökonomischen und volkswirtschaftlichen Folgekosten von Schlafstörungen – als gesundheitspolitisch bedeutsam zu bezeichnen.Ergebnisse einer kanadischen Studie belegten, dass die indirekten Kosten durch Krankheitsfehltage, Leistungsabfall und Produktivitätsverlust um das drei- bis fünffache höher sind, als die Kosten für die Behandlung und Medikation.4


# Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

1 https://www.cambridge.org/core/journals/behavioural-and-cognitive-psychotherapy/article/randomized-controlled-trial-to-test-the-efficacy-of-an-unguided-online-intervention-with-automated-feedback-for-the-treatment-of-insomnia/2A676F7D05F20CCE9B356882C2C98DC1

2 https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/insomnie/hintergrund

3 https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1502/280M9cgqeFQY.pdf?sequence=1&isAllowed=y

4 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19189779/

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Ein Pflaster zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs?

Keine Utopie. Wissenschaft. Forscher der Purdue University, Indiana, USA, haben ein Pflaster entwickelt, das eine schonende Hautkrebstherapie des schwarzen Hautkrebs (medizinisch „malignes Melanom“) ermöglichen soll.

Der schwarze Hautkrebs

Der schwarze Hautkrebs ist die bösartigste Form des Hautkrebses. Es ist für 90% der Todesfälle durch Hauttumoren verantwortlich, da die Krebszellen schon sehr früh über die Lymphbahnen und Blutgefäße streuen. Metastasen in anderen Regionen des Körpers können daher früh gebildet werden. Weltweit ist der schwarze Hautkrebs die Krebserkrankung mit der stärksten Zuwachsrate.

Mögliche Therapien

Die Operation ist die Therapie der ersten Wahl. Je nach Tumorstadium können bzw. müssen adjuvante (begleitende) Therapien, wie Strahlentherapie, Arzneimittel, immunonkologische Therapien oder eine Chemotherapie folgen. Alle Therapien sind häufig, aufgrund der Toxizität und der Nebenwirkungen wiederkehrender Behandlungen, belastend.

Tragbares Pflaster als Behandlungsoption bei schwarzem Hautkrebs?

Wenn man den Forschern der Purdue University Glauben schenken darf, kann das Hautkrebspflaster Betroffenen eine schmerzlose, minimal invasive und wenig belastende Behandlung ermöglichen. Verwendet werden extrem kleine, langlebige Silizium-Nanonadeln mit geschärften eckigen Spitzen, die – lt. den Forschern um Hyungjun Kim – schmerzfrei in die Haut injiziert werden. Trägermodul ist ein dünner, flexibler und wasserlöslicher medizinischer Film, der während des Einführens der Nadeln konform mit der Oberfläche der Haut verbunden werden kann und sich innerhalb von einer Minute vollständig auflöst.

Resorbierbares Pflaster mit Nanonadeln zur Therapie bei schwarzem Hautkrebs
Bioresorbierbares Hautpflaster, Purdue University

Die auf dem Film befindlichen Nanonadeln sind mit dem Wirkstoff beladen, der über Monate in das Gewebe abgegeben wird. So können Chemotherapeutika nachhaltig, mit nur minimalen Nebenwirkungen, an der Melanomstelle abgegeben werden. Die Silizium-Nanonadeln sind biokompatibel und in Gewebeflüssigkeit löslich und können damit vollständig im Körper resorbiert werden.

Das Forscherteam sucht aktuell nach Partnern für die Herstellung und Vermarktung der Pflaster. Die Forschungsarbeit wird vom Air Force Office of Scientific Research (AFOSR: FA2386-18-1-40171) unterstützt.

Mein Fazit

In den letzten Jahren hat die Zahl der Hautkrebs-Neuerkrankungen drastisch zugenommen. Moderne, nebenwirkungsarme Therapien, die nicht den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen, wären willkommen. Leider stehen wir jedoch auch mit dieser Methode noch am Anfang. Die weitere Entwicklung zu beobachten, lohnt meines Erachtens auf jeden Fall.

Allgemeine Informationen zum schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) finden Interessierte zum Beispiel auf der Webseite der Deutschen Krebshilfe oder auf der Seite krebs.de des Unternehmens Bristol Myers Squibb

Weitere spannende Beiträge zum Thema Smarte Hautkrebsfrüherkennung oder Teledermatologie finden Interessierte in diesem Blog.


Quellen:

Purdue University, West Lafayette, Indiana, USA; Research Foundation News

Hyungjun Kim et al., Bioresorbable, Miniaturized Porous Silicon Needles on a Flexible Water-Soluble Backing for Unobtrusive, Sustained Delivery of Chemotherapy, ACS Nano 2020, 14, 6, 7227–7236

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 22, Robert Koch-Institut

 

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Kentix SmartXcan – Fieberscreening zur COVID-19 Prävention?

Fiebermessung ist die wirksamste und pragmatischste Methode, um das Risiko einer Verbreitung von Virenerkrankungen, wie COVID-19 (Corona), dauerhaft wirksam zu reduzieren. Sagen die einen. Bei früheren Ausbrüchen wie SARS (2003) und der pandemischen Influenza A (H1N1) (2009) hat sich der Einsatz von Screening-Verfahren nicht als wirksam erwiesen, um Fälle zu erkennen. Sagen die anderen.

COVID-19: Systeme zur Fieberdetektion

Zur Fieberdetektion werden Infrarot-Thermometer, Wärmebildkameras und Durchgangsdetektoren genutzt. Der Vorteil dieser Geräte ist die berührungslose Temperaturbestimmung. Der Nachteil: unterschiedliche Messabstände, Emissionen der Haut und zu große Streuungen machen die Messung ungenau. Dazu kommt, dass Messungen innerhalb oder außerhalb geschlossener Räume ebenfalls zu fehlerhaften Ergebnissen führen können.

Eine in Österreich durchgeführte Studie belegte zum Beispiel, dass beim Wechsel von kalter in warme Umgebung sich die äußere Körpertemperatur erst nach 60 Minuten normalisiert. Heißt: bei niedrigen Außentemperaturen würde die Körpertemperatur durch ein Screening mittels Infrarotmessung deutlich falsch eingeschätzt werden.1

Haimovich et al. verglichen außerdem die Ergebnisse der Infrarotmessung im Bereich der Temporalarterie (Schläfenarterie) mit dem Goldstandard, der rektalen Temperaturmessung. Dabei ergab sich, dass durch die Infrarotmessung nur einer von drei Patienten mit Fieber erkannt wird.2

Kentix SmartXcan – Voll automatisiert, manipulationsgeschützt und exakt?

Kentix_SmartXcan_Fieberscreening_Corona_COVID-19_HealthcareHeidi
©Kentix GmbH

Im Unterschied zu den oben genannten Systemen misst der SmartXcan die Körpertemperatur im Bereich des inneren Augenwinkels am inneren Auge. Die hier herrschende Temperatur kommt der menschlichen Körpertemperatur am nächsten.

Klassische Wärmebild-Handgeräte oder Wärmebild-Kameras haben außerdem das Risiko einer möglichen Streuung durch den undefinierten Messabstand. Die Geräte fokussieren nicht auf eine Person, Bedienfehler sind möglich. Nicht so beim SmartXcan.

Laut CSO Jan Sanders ist die exakte Temperaturmessung bei Viruserkrankungen wie COVID-19 mit dem Kentix SmartXcan möglich, da der SmartXcan im Gegensatz zu anderen Technologien folgende entscheidende Punkte berücksichtigt:

  1. Die Messung erfolgt durch 1.024 Sensoren KI-gestützt ausschließlich im Bereich des inneren Augenwinkels in der Nähe des Tränenkanals. Hier herrscht die stabilste Temperatur.
  2. Ein Annäherungssensor stellt sicher, dass ein kurzer Abstand zum Gesicht konstant eingehalten wird.
  3. Jede Person wird grundsätzlich einzeln überprüft. Die Position des Gesichts zum Messgerät muss dabei gerade sein, das Gesicht unbedeckt.
  4. Brillen können das Ergebnis verfälschen und müssen zur Messung abgenommen werden.

Die Messung erfolgt kontaktlos und ist, laut Sanders, schnell und intuitiv durchzuführen. Sie ist voll automatisiert, (Fach-)Personal ist nicht erforderlich.

Für den automatischen Fieberscanner SmartXcan wurde Kentix im Rahmen des 27. Wirtschaftstag der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück e.V. am 04.12.2020 mit dem Unternehmenspreis 2020 ausgezeichnet.3

Mein Fazit

Das kleine Hightech-Gerät misst die Körpertemperatur unter Einhaltung von strikten Vorgaben für Abstand und Ausrichtung des Kopfes immer im Bereich des inneren Augenwinkels. Unabhängige Tests des Portals IPVM4, die nach eigenen Angaben weltweit führende, unabhängige Behörde für Videoüberwachung, hat eine Messgenauigkeit des SmatXcan von 0,3 °C bestätigt. Da die Messung kontaktlos erfolgt, muss nichts desinfiziert werden. Das StarterSet ist ab 895€ zzgl. MwSt. erhältlich, DSGVO-Konformität sei gegeben.

Soweit so gut. Aber was bitte, passiert mit Kindern, die sich am Eingang zur Schule messen und bei denen Fieber angezeigt wird? Was passiert mit Erwachsenen, die sich vor dem Eingang zum Supermarkt messen und bei denen Fieber angezeigt wird? Chance versus „Hexenjagd“?

Sicher gibt es schlaue Lösungen verantwortlich damit umzugehen und ich denke, es wäre eine Chance, Schulen und Kindergärten wieder zu öffnen und die Hot-Spots Alten-und Pflegeheime für die Bewohner sicherer zu machen. Auch an Flughäfen kann SmartXcan sinnvoll sein. Immer vorausgesetzt, es wird verantwortungsvoll damit umgegangen.

Für die breite Masse funktioniert das System meines Erachtens aus Gründen des Persönlichkeitsrechts5 nicht.

 

1 Dzien C, Halder W, Winner H et al. Covid-19 screening: are forehead temperature measurements during cold outdoor temperatures really helpful? Wien Klin Wochenschr 2020 Oct 23;1-51 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7582437/

2 Performance of Temporal Artery Temperature Measurement in Ruling Out Fever: Implications for COVID-19 Screening https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7491363/

3 https://kentix.com/de/blog/kentix-erhaelt-unternehmerpreis-2020/, https://www.regionalinitiative.de/archiv/unternehmerpreis/#c195

4 https://ipvm.com/about

5 Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (APR) umfasst unter anderem den Schutz der persönlichen Ehre. Neben dieser Form des Ehrenschutzes erfährt die persönliche Ehre eines jeden ferner einen zivil- und strafrechtlichen Schutz. Der Rechteinhaber genießt dabei Schutz vor Verleumdung, übler Nachrede und Beleidigung. https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeitsrecht_(Deutschland)

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Mit Audio Intelligence Krankheiten und Virusinfektion wie COVID-19 erkennen

Seit Jahren erforschen Wissenschaftler weltweit die Analyse von Atmung und Sprache durch Algorithmen. Im März 2019 habe ich bereits über die Früherkennung und Therapie von Parkinson Symptomen mittels Audio Intelligence1 berichtet. In der Corona-Pandemie könnte diese Technologie eine noch größere Bedeutung bekommen. Denn mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) – oder Audio Intelligence – könnte das Risiko einer Infektion mit dem COVID-19-Virus frühzeitig erkannt werden.

Audio Intelligence by audEERING

Bei Audio Intelligence geht es nicht um das was, sondern um das wie etwas gesprochen wird. Das System entschlüsselt Sprachsignale und gewinnt daraus Erkenntnisse über den Zustand, in dem sich der Sprechende gerade befindet.

Das Unternehmen audEERING2, Spin-off der Technischen Universität München, hat sich seit 2012 auf die maschinelle Wahrnehmung von Informationen, basierend auf der menschlichen Sprache, spezialisiert. Das Unternehmen ist Innovationstreiber im Bereich der KI-basierten Audioanalyse. Mit maschinellen Verfahren, auch Deep Learning Ansätzen, werden Audiosignale hinsichtlich signifikanter Merkmale untersucht.

Im Bereich von Automotive oder Gaming Anwendungen und auch in Call Centern und in der Marktforschung wird die Technologie bereits erfolgreich eingesetzt. Nun sollen mit sogenannten Biomarkern aus der Stimme auch Krankheiten, wie Virusinfektionen wie COVID-19, Depressionen oder Parkinson, besser und zuverlässiger erkannt werden können. Damit können insbesondere in der Diagnose Ärzte*innen und Therapeuten*innen gezielt unterstützt werden.

Am Husten COVID-19-Symptome erkennen?

Glaubt man audEERING, dann kann KI bzw. Audio Intelligence genau das leisten. Aus der Stimme und bestimmten Geräuschen wie Husten, Niesen Mit Audio Intelligence Krankheiten und Virusinfektion wie COVID-19 erkennen_HealthcareHeidi_Blog_01oder Lungenrasseln kann audEERING mit hoher Wahrscheinlichkeit ableiten, ob eine Veränderung im Bereich der Atemwege und somit eine COVID-19-Erkrankung vorliegt. So könnte man, bei einer positiven Meldung der App, Betroffene frühzeitig isolieren und zeitnah mit einem anschließenden PCR-Test endgültige Gewissheit schaffen. Betreuende Ärzte*innen erhalten genaue Informationen über den Verlauf der Krankheit bei ihren Patienten*innen. Damit können sie eine Verschlechterung des Zustandes bzw. schwere Fälle frühzeitig erkennen.

Der zugrundeliegende Sound- Erkenner ist zum einen auf tausende von Daten aus öffentlichen Quellen und Datenbanken trainiert. Die COVID-19-Daten zum anderen stammen von Patienten*innen aus Wuhan. Beide Modelle werden kombiniert, was eine verbesserte Erkennungsleistung und Validierung der sogenannte Voice-Biomarker ermöglicht. Diese helfen bei der Erkennung von Infektionen und dem Verlauf der COVID-19 Krankheit.

Mein Fazit

Künstliche Intelligenz gegen Covid-19? An der Stimme Krankheiten zu erkennen ist grundsätzlich ein interessanter Ansatz. Künstliche Intelligenz hilft nachweislich in großen Datenmengen in relativ kurzer Zeit Zusammenhänge zu erkennen. Und daraus sinnvolle Maßnahmen bzw. Therapien abzuleiten. Warum also nicht bei COVID-19?

Mit Audio Intelligence Krankheiten und Virusinfektion wie COVID-19 erkennen_HealthcareHeidi_Blog_02Im Forschungsfeld der Stimmanalyse hat audEERING eine App entwickelt, die an der Sprachaufnahme einer Person und ihrer Art zu husten, niesen oder einzelne Vokale zu halten erkennen will, ob die Person mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht. Natürlich gibt es viele Unbekannte in der Gleichung und die Kritiker haben, sicher auch zu Recht, Vorbehalte. KI kann uns aber helfen, in relativ kurzer Zeit mehr über eine Krankheit zu lernen.. Über eine Krankheit, über die noch so wenig bekannt ist.

Aus diesem Grund möchte ich jedem ans Herz legen, die Erforschung von COVID-19 über die Stimmartikulation zu unterstützen. Um die Genauigkeit der Anwendung weiter zu steigern benötigt audEERING noch weitere Datenspenden. Interessierte können sich Datenschutzkonform unter diesem Link registrieren und ihre Daten und Stimme spenden. Die Datenspende jedes Einzelnen kann dazu beitragen, Leben zu retten. Ich habe es getan: zwei Minuten in nicht akuten Fällen 2-3x wöchentlich für unser aller Zukunft.

 

1 https://www.healthcareheidi.de/2019/03/12/frueherkennung-und-therapie-von-parkinson-symptomen-mit-emotional-und-audio-intelligence/

2 https://www.audeering.com/

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HypoBuddy – mein persönlicher Hypoglykämie Begleiter bei Diabetes mellitus

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Im Oktober 2020 gab das Pharmaunternehmen Lilly die Entwicklung der App HypoBuddy bekannt. HypoBuddy wurde gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM)1 entwickelt und will Menschen mit Diabetes bei schweren Unterzuckerungen (Hypoglykämien) unterstützen.

Das Besondere an der App: im Fall einer Hypo können Betroffene, die sich nicht mehr selbst durch das Zuführen zuckerhaltiger Lebensmittel helfen können, mit der SOS-Funktion der App einen akustischen Alarm auslösen und so ihr Umfeld auf ihre Situation aufmerksam machen.

Die Hypoglykämie

Diabetes mellitus kann zu akuten und chronischen Komplikationen im Körper führen. Zu den akuten Komplikationen gehört die mit Abstand am häufigsten auftretende Unterzuckerung (Hypoglykämie), die im schlimmsten Fall tödlich enden kann oder massive Folgeschäden nach sich ziehen kann.

Eine Hypoglykämie entsteht, wenn der Körper mehr Glukose verbraucht, als ihm zur Verfügung steht. Die Konzentration der Glukose im Blut sinkt bei einer Hypoglykämie (kurz Hypo) auf Werte unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l).

Bei gesunden Menschen ist eine Hypoglykämie unangenehm, jedoch nicht lebensbedrohlich. Anders bei Menschen mit Diabetes.

Hypoglykämien sind nicht nur einfach ätzend

Menschen mit Diabetes mellitus sind sie immer auch schädlich. Folge können z. B. Demenz, Schlaganfall, Blutdruckkrisen, Herzrhythmusstörungen oder sogar plötzlicher Herzstillstand sein. Deshalb ist ein frühzeitiges Erkennen einer sich anbahnenden Hypo und eine frühzeitige Hilfe – ggf. durch Dritte – so wichtig. Und hier kommt HypoBuddy ins Spiel.

HypoBuddy – der persönliche Hypoglykämie Begleiter

HypoBuddy – mein persönlicher Hypoglykämie Begleiter bei Diabetes_HealthcareHeidi_03HypoBuddy informiert Betroffene und Interessierte rund um das Thema Unterzuckerung, übersetzt die wichtigsten Fragen in eine fremde Sprache – was bei Auslandsreisen durchaus hilfreich sein kann – und bietet mit der SOS-Funktion akustische Unterstützung im Notfall. So kann bei einer drohenden Unterzuckerung ein akustischer Alarm ausgelöst werden, der Dritte auf die Unterzuckerung der*des Betroffenen aufmerksam macht. Dieser SOS-Alarm ist auch auf dem Sperrbildschirm des Smartphones zu sehen.

Durch den Alarm des HypoBuddy können (unwissende) Dritte aufgeklärt werden und selbst helfen oder Hilfe rufen. Neben dem – wirklich lauten – Alarm gibt die App auch gesprochene Anweisungen – im Wechsel in deutscher und englischer Sprache – und ermöglicht es Helfenden, direkt die Notfallkarte aufzurufen.

Die HypoBuddy Notfallkarte enthält persönliche Informationen des*der Betroffenen, damit Dritte im Ernstfall schnell und richtig handeln können. Angegeben werden können zum Beispiel ein Notfallkontakt, der*die behandelnde Arzt*Ärztin und die Diabetesform sowie Notfallmedikamente.

Mein Fazit

HypoBuddy – mein persönlicher Hypoglykämie Begleiter bei Diabetes_HealthcareHeidi_02Klingt sehr interessant für Hypos am Tag. Sofern Betroffene an irgendeinem Punkt die sich anbahnende Hypo wahrnehmen und noch reagieren können.

Die App ist noch jung und wird stetig weiterentwickelt. Ausprobieren und sich selbst ein Bild machen lohnt meines Erachtens. Die Hypowahrnehmung trainieren können und sollten Betroffene mit Hilfe spezieller Schulungsprogramme. Diese trainieren gezielt Menschen mit Diabetes, die ihre Unterzuckerungen nicht, schlecht oder erst zu spät wahrnehmen oder häufig schwere Unterzuckerungen haben. Solche Schulungen kann, wird und soll HypoBuddy nicht ersetzen.

HypoBuddy ist kostenfrei für Apple- und Android-Geräte im jeweiligen Appstore erhältlich. App StoreGoogle Play 

1 https://www.fidam.de/ueber-uns


Auf www.healthcareheidi.de berichten wir regelmäßig über neue Therapien, Wearables und eben Apps, die das Leben von Menschen mit Diabetes erleichtern wollen. Einfach den Newsletter abonnieren und regelmäßig informiert bleiben.

 

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Kaltplasma: Durchbruch in der Wundheilung bei Fußulzera

*Werbung – unbezahlt – wegen Namensnennung / Verlinkung*

In der Zahnmedizin ist Kaltplasma bereits Alltag. Hier wird es genutzt, um vor dem Einsetzen von Implantaten Keime abzutöten oder um Parodontitis zu behandeln. Jetzt ist Kaltplasma auch in der Dermatologie im praktischen Klinikalltag angekommen. Zum Beispiel bei der Behandlung chronischer Wunden, wie den diabetischen Fußulzera.

Faszination Kaltplasma in der Wundheilung

Plasma ist ein Gas, das Strom transportiert. Von Natur aus ist es heiß und befindet sich zum Beispiel in der Sonne und in Blitzen. Forscher haben es bereits in den 90er Jahren geschafft, kaltes Plasma (Kaltplasma) herzustellen. Zunächst getestet an chirurgischen Instrumenten stellte man bald fest, Kaltplasma kann noch mehr, als nur Geräte sterilisieren:

  • Kaltplasma attackiert in Wunden Bakterien, Viren und Pilze. Täglich eine Minute Behandlung mit Kaltplasma reduziert die Keimbelastung der Wunde um 99%. Es wirkt also antimikrobiell.1
  • Kaltplasma erhöht die Sauerstoffversorgung des Gewebes und regt so die Mikrozirkulation an, d.h. die Gefäße werden um etwa 30% stärker durchblutet.2
  • Kaltplasma regt das Zellwachstum an.

Kaltplasma lässt diabetische Ulzera schneller heilen

Chronische Wunden zählen zu den großen Herausforderungen in der Behandlung von Menschen mit Diabetes. Nach langem Leidensweg folgt häufig eine Amputation der betroffenen Gliedmaße. Die Therapie gestaltet sich teuer und langwierig.

Kaltplasma_Durchbruch in der Wundheilung bei Fußulcera_HealthcareHeidi_02
©Foto: neoplas med GmbH, Plasma-Pen kINPen® MED

Eine prospektive, randomisierte, Placebo-kontrollierte, einfachblinde Studie, durchgeführt am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen sowie am Klinikum Karlsburg in Mecklenburg-Vorpommern konnte nun nachweisen, dass der Heilungsprozess diabetischer Fußulzera bei einer Behandlung mit Kaltplasma signifikant beschleunigt werden kann. Bei guter Patientenverträglichkeit.3

An der Studie beteiligt waren außerdem Forscher des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP) Greifswald, die gemeinsam mit der Universitätsmedizin Greifswald seit geraumer Zeit daran forschen, wie kranke Menschen von einer Kaltplasmatherapie profitieren können. Sie entwickelten den Plasma-Pen4 und erproben Pflaster, durch die Kaltplasma strömt. Sie testen verschiedene Zusammensetzungen des Gases und beobachten seine Eigenschaften. Auf diese Weise haben die Wissenschaftler des INP gemeinsam mit der Universitätsmedizin Greifswald die positiven Effekte des Kaltplasmas auch für die Krebstherapie entdeckt. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung eines Plasmaendoskops, mit dem Ärzte im Innern des menschlichen Körpers arbeiten können.

Das INP gehört weltweit zu den führenden Forschungsinstituten im Bereich physikalischer Plasmen. Nachfolgend eine interessante Berichterstattung des NDR.

©Plasma-Pen: Wirksame Therapie gegen chronische Wunden, NDR Visite 2020

Mein Fazit

Kaltplasma aktiviert nachweislich die Heilung chronischer Wunden, hat einen breiten antimikrobellen Effekt – auch gegen resistente Keime -, erhöht die Mikrozirkulation und verbessert die Sauerstoffversorgung. Ein großer Nutzen für die Behandlung chronischer Wunden. Eine schnellere Wundheilung führt, rein gesundheitsökonomisch betrachtet, zu einer Reduktion der Behandlungskosten. Die Behandlung chronischer Wunden kostet das Gesundheitssystem rund 10.000 Euro pro Jahr und Patient. Zahlreiche Amputationen könnten vermieden werden. Von der Behandlung psychischer Belastungen durch Schmerz gar nicht gesprochen. Rein gesundheitsökonomisch betrachtet stelle ich mir da also schon die Frage, warum die Kassen die Kosten für die Behandlung* immer noch nicht übernehmen!

P.S. Die Erkenntnis, dass Kaltplasma auch Krebszellen zum Absterben bringen kann und gesunde Zellen zum Wachstum anregt, ist für mich darüber hinaus ein echter Durchbruch für die Krebsforschung.


Über die Möglichkeiten des Kaltplasmas in der Therapie chronischer Wunden berichtete ich auf unserem Blog HealthcareHeidi übrigens auch bereits im Oktober 2018 sowie im Dezember 2017.


1 Leibnitz-Institut für Plasmaforschung Greifswald e.V. / https://www.inp-greifswald.de/

2 Prof. Dr. Steffen Emmert, Universitätsmedizin Rostock / https://www.med.uni-rostock.de/

3 https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2768340

4 Der kINPen® MED, ist der erste CE-zertifizierte Atmosphärendruck-Plasmajet, der als Medizinprodukt zur Behandlung von Wunden und erregerbedingten Erkrankungen der Haut zugelassen ist. Vertrieben wird er über das Unternehmen neoplas med, eine Ausgründung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e. V. (INP), Greifswald.

*ab 10€ pro Sitzung je nach Größe der Wunde und Dauer der Einzelbehandlung

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Closed Loop System zur Therapie des Typ-1 Diabetes: Diabeloop will die Automatische Insulin Dosierung (AID) auch für die Bolusrate steuern

Automatisierte Insulinabgabe dank künstlicher Intelligenz (KI) – Diabeloop will nach eigenen Angaben die Behandlung des Typ-1 Diabetes automatisieren und personalisieren und geht mit seinem Closed Loop System DBLG1 einen Schritt weiter, als es die erste Generation der Hybrid AIDs tut: zusätzlich zur Basalrate soll das DBLG1 auch die Bolusrate selbstständig steuern.1

AID – Automatische Insulin Dosierung

AID Systeme sind eine Kombination aus kontinuierlichem Glukosemonitoring (CGM), kontinuierlicher Insulinzufuhr über eine Insulinpumpe (CSII) und einem intelligenten Algorithmus, der auf Basis der gemessenen Glukosewerte die erforderliche Insulinmenge berechnet, die dann automatisch über die Pumpe abgegeben wird.

Gestartet mit dem einfachsten Ansatz – die Insulinpumpe stoppt, wenn die Glukosewerte unter einen bestimmten Wert fallen – konnten neuere AID Systeme bald die Basalinsulinabgabe automatisch anpassen. Je nachdem, ob der Glukosespiegel steigt oder sinkt. Mit dem MiniMedTM 670G-System hat Medtronic plc bereits im Juni 2017 das weltweit erste Hybrid Closed Loop System, das eine individuelle und automatisierte Abgabe von Basalinsulin ermöglicht, in den US-amerikanischen Markt eingeführt.

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©Diabeloop, Diagram DBLG1 AID-System

Das DBLG1 des französischen Unternehmens Diabeloop geht nun einen Schritt weiter und kann auch automatisch Korrektur-Boli abgeben, wenn die gemessenen Glukosewerte als zu hoch an die Insulinpumpe gemeldet werden.

Der nächste Schritt – aber noch Zukunftsmusik – ist ein System, das Mahlzeiten erkennen kann und automatisch die richtigen Mahlzeiten-Boli abgibt, so dass ein hoher Glukosewert von Anfang an verhindert werden kann. Auch daran arbeitet Diabeloop.

Closed Loop: Die Funktionsweise des DBLG1

Das DBLG1 basiert auf einem selbstlernenden Algorithmus, der über Bluetooth-Technologie mit einem kontinuierlichen Glukosemonitor und einer Insulinpumpe verbunden ist. Der Diabeloop-Algorithmus misst in Echtzeit die Glukosewerte des Patienten, überträgt und berechnet – unter Berücksichtigung der Anamnese, Physiologie und der Dateneingaben, z. B. zu Mahlzeiten und körperlicher Aktivität – automatisch die Insulindosis.

Die Daten einer 12-wöchigen offenen, randomisierten Multicenter-Studie zeigen, dass sich die Patienten, die mit dem DBLG1 Closed Loop System behandelt wurden, fast 2,5 Stunden täglich mehr im Zielglukosebereich befanden als die Kontrollgruppe, die mit einem konventionellen Open Loop System behandelt wurde.2 Weitere Studien sollen noch in diesem Jahr folgen.

Diabeloop steht mit dem DBLG1 in Deutschland kurz vor Markteinführung. Gespräche mit Krankenkassen und dem G-BA laufen. Die CE-Kennzeichnung liegt bereits seit 11/2018 vor.

Mein Fazit

Typ-1-Diabetes ist ein „Vollzeitjob“. Aufgrund einer Autoimmunerkrankung kann die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren. Betroffene müssen es sich lebenslang zuführen. Der Bedarf ändert sich mehrfach am Tag und auch in der Nacht – abhängig von Ernährung, körperlicher Aktivität, Gesundheitszustand, Stress und vielen anderen Einflüssen.

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©Diabeloop

Seit vielen Jahren arbeiten Forscher daran, das Management der Krankheit zu automatisieren und eine Art künstliche Bauchspeicheldrüse zu schaffen. Moderne AID Systeme können durch maschinelles Lernen den Betroffenen therapeutische Entscheidungen abnehmen, die ihren Alltag mit Typ-1 Diabetes bestimmen. Ein Closed Loop System wie das MiniMedTM 670G-System fehlt in Deutschland, so dass viele Patienten*innen zu „Do it yourself“-Lösungen greifen. Diese sogenannten „Looper“ bauen sich ihre eigenen Closed Loop Systeme aus auf dem Markt befindlichen CGM-Systemen, Insulinpumpen sowie mittels einer im Internet frei verfügbaren Software mit entsprechenden Steuerungsalgorithmen.

Ein System wie das DBLG1 wäre eine echte Bereicherung für ein selbstbestimmtes, autonomes Diabetes-Management, würde die Betroffenen deutlich länger im Zielglukosebereich halten und damit kurzfristige wie langfristige Diabetes bedingte Risiken minimieren. Ein echtes mehr an Lebensqualität.

Wer tiefer einsteigen will, dem sei diese Präsentation von Dr. Christian Krey, Diabeloop, empfohlen:

Diabeloop_AIDSystem_Diabetes_Insulindosierung_HealthcareHeidi

Einen kurzweiligen Film über den Alltag einer „Looperin“ finden Interessierte übrigens unter diesem Link: Lisa Schütte, mein Alltag als Looperin.


Apps zur Nährwertanalyse, neue Therapien bei Typ-2 Diabetes, innovative Ansätze der Blutzuckerkontrolle, moderne Behandlung von Folgeerkrankungen – auf HealthcareHeidi blogge ich regelmäßig rund um das Thema Diabetes. Folgen Sie einfach diesem Link https://www.healthcareheidi.de/


1 Basalinsulin deckt den Grundbedarf an Insulin, um Tag und Nacht stabile Blutzuckerwerte aufrechtzuerhalten. Bolus-Insuline werden zusätzlich verabreicht, um einen erhöhten Blutzucker zu korrigieren oder den Blutzuckeranstieg der nächsten Mahlzeit aufzufangen.

2 http://abstract.sfdiabete.org/congress/medias/2019/backoffice/59216/abstract/abstract.pdf


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Diabetes mellitus – hedia und die richtige Insulindosierung

Kann eine App bei der richtigen Insulindosierung helfen? Dr. rer. nat. Andreas Fiebig, Partner von hedia für den deutschen Markt, ist davon überzeugt. Die von dem dänischen Startup Hedia ApS entwickelte App analysiert mittels der hinterlegten Künstlichen Intelligenz (KI) und auf Basis der eingegebenen Daten nahtlos individuelle Muster und Gewohnheiten des Nutzers. Darüber hinaus werden weitere Parameter wie Bewegungsaktivität, Insulinsensitivität, der durchschnittliche Blutzuckerwert und die Bolus-Korrektur berücksichtigt. Eine Lebensmitteldatenbank unterstützt bei der Kohlenhydratberechnung. Soviel vorweg.

Diagnose: Diabetes mellitus

Diabetes mellitus – kurz: Diabetes – wurde von den Vereinten Nationen als erste, nicht durch eine Infektion ausgelöste Erkrankung, zu einer globalen Bedrohung für die Menschheit erklärt. Es ist die häufigste chronische Erkrankung in Deutschland.1, 2

Alles ganz easy?

„Der Alltag mit Diabetes unterscheidet sich in nichts vom Alltag ohne Diabetes. Menschen mit Diabetes können heutzutage alles machen, was auch Menschen ohne Diabetes machen können.“

Alles ganz easy also? Ganz so einfach ist das dann doch nicht. Menschen mit Diabetes treffen am Tag viele kleine und große Entscheidungen. Sei es zum Thema Ernährung, dem richtigen Lebensstil oder dem Status des Blutzuckerspiegels und der – daraus resultierenden – erforderlichen Insulindosis. Auch Themen wie Reisen, Stress und Bewegung müssen berücksichtigt und Entscheidungen dazu getroffen werden. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

An den Diabetes denkt man also jeden Tag, in vielen Situationen. Die kleineren und größeren täglichen Herausforderungen zu meistern, ist nicht immer einfach. Und hier kommt die App hedia ins Spiel.

hedia – mein Diabetes Assistent

Für ein gutes und gesundes Leben mit Diabetes sind ein stabiler Blutzucker und ein stabiler HbA1c-Wert essenziell. Insbesondere, um Diabetes-assoziierte Begleit- und Folgeerkrankungen zu vermindern, idealerweise zu vermeiden.Hedia_Insulindosierung_HealthcareHeidi_01

Wie eingangs bereits erwähnt, analysiert hedia individuelle Muster und Gewohnheiten und gibt auf Basis dessen eine genaue Insulinempfehlung. Die in der App hinterlegte Lebensmitteldatenbank verfügt zurzeit über 1.500 Lebensmittel und unterstützt bei der – nicht immer ganz einfachen – Kohlenhydratberechnung.

Damit es auch tatsächlich funktioniert, müssen vom Nutzer nach Installation der App ein paar grundlegende persönliche Informationen angegeben werden. Dazu gehören die Messeinheit (mmol/l oder mg/dl), das persönliche Insulin:Kohlenhydrat-Verhältnis, der Insulinsenitivitätsfaktor und die Genauigkeit des verwendeten Insulinpens bzw. ob eine Pumpe verwendet wird.

Und dann ist es, laut hedia, im Grunde ganz einfach, in wenigen Schritten die empfohlene Insulindosis zu ermitteln:

  1. Die gemessenen Blutzuckerwerte drahtlos via NFC (Near Field Communication) oder Bluetooth an die App übertragen.
  2. In der Lebensmitteldatenbank auswählen, was man essen möchte.
  3. Die körperliche Aktivität ergänzen.
  4. Die empfohlene Insulindosierung erhalten. Fertig.

Laut Hersteller soll die langfristige Nutzung von hedia einerseits eine Verbesserung des HbA1c-Wertes und eine verbesserte Lebensqualität für Menschen mit Diabetes mit Insulineinnahme bewirken. Darüber hinaus soll eine Verringerung der verwendeten Blutzuckerteststreifen durch die hinterlegten, intelligenten Algorithmen nach mehreren Monaten Nutzung erreicht werden.

Das Projekt wurde durch das European Union’s Horizon 2020 research and innovation programme3 unterstützt, wurde 2018 als bestes Health Tech Startup der Nordic Startup Awards4 ausgezeichnet und schaffte es 2020 auf die Shortlist des bytes4diabetes Award5, der innovative digitale Lösungen, die helfen, die Versorgung von Menschen mit Diabetes zu verbessern, auszeichnet.

Mein Fazit

hedia möchte Menschen unter Insulintherapie einen Assistenten an die Hand geben, der durch die tägliche Dateneingabe leitet, sowie im Alltag begleitet. Der innovative Ansatz liegt dabei in der hinterlegten Künstlichen Intelligenz, die durch den täglich wachsenden Datenpool fortlaufend optimiert wird. Grundsätzlich eine gute Idee.

Was mir auch gut gefällt ist die Idee der Unabhängigkeit von einem bestimmten Anbieter von Blutzuckermessgeräten. Dadurch können die Nutzer ihr favorisiertes Blutzuckermessgerät weiterhin nutzen. Der Haken dabei ist, dass hedia aktuell nur die folgenden Systeme unterstützt: GlucoMen Areo / Areo2k (A. Menarini Diagnostics) und CONTOUR® NEXT ONE (Ascensia Diabetes Care). Damit fehlen für mich Anbieter wie Roche Diagnostics oder Abbott Diabetes Care. Dazu kommen die – immer häufiger verordneten – FGM- und CGM-Systeme, die den Blutzucker kontinuierlich messen und überwachen. Aber vielleicht sind die ja schon alle in der Entwicklung.

Laut Hersteller ist aktuell ein Barcode-Scanner, der mit der Lebensmitteldatenbank verknüpft sein wird, in Entwicklung. Auch die geplante Anbindung von Aktivitätstrackern via Bluetooth wäre meines Erachtens ein echtes Plus für die App.

„Unterm Strich“: ein gutes Projekt mit noch einigen Hausaufgaben.

Zur Webseite von hedia


Weitere spannende Beiträge zu Projekten, Entwicklung und digitalen Gadgets rund um das Thema Diabetes finden Interessierte unter diesem Link in unserem Blog.

1 https://www.medica.de/de/News/Archiv/Neues_Forschungsprojekt_Interaktive_Hilfe_f%C3%BCr_Diabetiker

2 https://www.dzd-ev.de/diabetes/index.html

3 https://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/en

4 https://nordicstartupawards.com/national-winners-2018

5 https://www.bytes4diabetes.de/


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