phellow – folgen lohnt sich!

*Werbung – unbezahlt – wegen Namensnennung / Verlinkung*


Wir haben hier schon über einige Apps berichtet, mit denen Patienten Daten zu ihrer Gesundheit erheben und diese mit ihrem Arzt teilen können. Heute stellen wir die App Phellow des Start-ups phellow seven vor, die genau in die entgegengesetzte Richtung funktioniert. Aber mal der Reihe nach.

Hintergrund zu phellow

Nach einer Organtransplantation müssen Patienten immer immunsuppressive Medikamente bekommen. Sie sollen das körpereigene Immunsystem unterdrücken, damit der Organismus das Organ, das der Körper als fremd wahrnimmt, nicht gleich wieder abstößt. Diese Medikamente sind also überlebenswichtig.

Leider haben sie die Besonderheit, dass sie nur über eine sehr geringe therapeutische Breite verfügen. Das bedeutet, dass Immunsuppression immer eine Gratwanderung zwischen Abstoßung (bei Unterdosierung) und gefährlichen Nebenwirkungen (bei Überdosierung) darstellt. Aus diesem Grund müssen die Konzentrationen des immunsuppressiven Medikaments im Blut regelmäßig alle zwei bis drei Wochen kontrolliert werden. Anhand der Laborwerte muss der behandelnde Arzt die Immunsuppressiva immer wieder anpassen. Das ist gar nicht so einfach, weil die idealen Konzentrationen für jeden Patienten absolut individuell sind. Sie sind u. a. abhängig vom Spenderorgan, eventueller  Begleitmedikamente und der Dauer nach Transplantation.

Für diese schwerkranken Patienten ist der Aufwand für dieses regelmäßige Drugmonitoring eine enorme Belastung: Zuerst müssen sie zur Blutentnahme. Dann müssen sie ihre Werte wieder erfragen. Das ist alles oft mit erheblichen Wartezeiten verbunden. Diesen Prozess hat das Start-up phellow seven mit seiner App Phellow nach einer Herztransplantation erheblich vereinfacht.

Screenshot der phellow App Starseite
© phellow seven GmbH

Wie alles begann

2017 entwickelte die Abteilung für Medizinische Informationssysteme (MIS) der Uniklinik Heidelberg die App phellow. Eigentlich war es nur ein kleines Projekt in der Herztransplantationsambulanz der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie. Ein Jahr später erfolgte die Unternehmensausgründung von phellow seven. Ein Start-up aus sechs Gründern, die ein interdisziplinäres Team aus Betriebswirten, Ärzten und Medizininformatikern bilden.

Wie funktioniniert phellow?

Nach einer Herztransplantation tragen Kliniken die App phellow aktiv an ihre Patienten heran. Über die App können die Patienten dann alle wichtigen Informationen auf ihrem Smartphone einsehen. Die App bündelt also alle relevanten Untersuchungsbefunde. Diese können direkt aus der App heraus per E-Mail verschickt werden.

Das Besondere an der mobilen Anwendung: Sie ist in das Kliniksystem integriert. Die Daten werden also nicht in einer Cloud gespeichert, sondern auf dem Klinikserver hinterlegt.

  • © phellow seven GmbH, Krankheitshistorie mit allen Befunden
  • © phellow seven GmbH, Medikationsplan
  • © phellow seven GmbH, Sonografiebefund zum Versand per E-Mail

„Patientenzentriert, standardbasiert, datenschutzkonform und sicher konzipiert.“, verspricht phello seven auf der Website. 

Ein weiterer Vorteil: Die Patienten schicken ihr Blut zur Überprüfung des Medikamentenspiegels direkt per Post an die Uniklinik Heidelberg. Sie müssen dafür lediglich zu ihrem Hausarzt. Kurze Zeit später finden sie die Laborwerte, deren Bewertung und die Medikamentenempfehlung des Arztes in ihrer phellow-App. Eine große Erleichterung vor allem für Menschen, die eine längere Anfahrt zum Transplantationszentrum haben.

Mein Fazit

Aus einem kleinen Piloten wurde im wahrsten Sinne des Wortes ein Herzensprojekt.

Die App macht einerseits das Leben von Menschen mit einer Herztransplantion ein Stückchen leichter. Zum anderen erleichtert sie die Kommunikation zwischen Klinik und Patient erheblich.

phellow seven ist ein Name, den man sich merken sollte. Als nächsten Schritt will das Start-up nämlich weitere vom Patienten generierte Daten, wie Aktivitäts- Herzfrequenz- und Blutzuckerdaten, in die Anwendung integrieren und auf Patientenwunsch den Behandlern zugänglich machen.

Der Beitrag phellow – folgen lohnt sich! erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Vivatmo me – erstes FeNO-Messgerät für zuhause

Wer unter Asthma leidet oder ein an Asthma erkranktes Kind hat, weiß, wie belastend die Unsicherheit ist, dass man nie genau sagen kann, was man sich alles zutrauen kann. Das schränkt die Planung von beruflichen wie privaten Aktivitäten mitunter erheblich ein. Vivatmo me, eine Innovation von BOSCH, könnte das jetzt ändern, und Betroffenen mehr Sicherheit und Kontrolle im Umgang mit ihrem Asthma geben.


Asthma gibt es in unterschiedlichen Formen und Schweregraden. Was viele nicht wissen: Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege. Vivatmo me ist das weltweit erste Messgerät, mit dem man jetzt selbst messen kann, wie stark die „Asthma-Lunge“ entzündet ist. Binnen weniger Sekunden misst es die Menge eines bestimmten Entzündungsmarkers in der Ausatemluft, den sogenannten FeNO-Wert.

Was hat es mit diesem FeNo-Wert auf sich?

Asthma liegt eine spezielle Entzündung der Schleimhaut in den Bronchien zugrunde. Hier befindet sich eine bestimmte Art von Entzündungszellen, die so genannten eosinophilen Granulozyten. Diese bilden das Gas Stickstoffmonoxid (NO), das mit der Ausatemluft ins Freie gelangt. Um das in den unteren Atemwegen entstandene NO in der Ausatemluft nachweisbar zu machen, muss die Ausatemluft „fraktioniert“, d. h. unterteilt werden. Gemessen wird dann das fraktionierte exhalierte (ausgeatmeten) NO – kurz FeNO.

Was sagt der FeNO-Wert aus?

Es besteht ein erwiesener Zusammenhang zwischen dem FeNo-Wert, also der NO-Konzentration in der Ausatemluft, und dem Ausmaß der Entzündung in den Atemwegen: Je höher der NO-Gehalt, desto stärker die Entzündung. Misst man FeNO regelmäßig, kann man den Verlauf der Atemwegsentzündung kontrollieren.

Was genau kann Vivatmo me?

Zunächst einmal ermöglicht das Device, dass Menschen mit Asthma ihren FeNo-Wert innerhalb weniger Sekunden selbst zuhause messen können. So bekommen sie eine verlässliche Aussage über den Grad ihrer Atemwegsentzündung. Mithilfe einer Ampelanzeige kann der Messwert direkt interpretiert werden. Das unterstützt Asthmatiker*innen dabei, ihre Tagesform besser einzuschätzen und den Alltag entsprechend zu planen.

Die Werte für die Ampelanzeige können nach Absprache mit dem Arzt individuell auf den Nutzer abgestimmt werden.
© Bosch Healthcare Solutions GmbH 2020

Vivatmo me ist der ideale Begleiter für Menschen mit Asthma, die Ihren Alltag nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten wollen, die Ihre Therapie sowie Ihren Gesundheitszustand im Blick haben und diesen auch aktiv mitgestalten wollen, so Thomas Berroth, Marketing & Kommunikation bei Bosch Healthcare Solutions GmbH.


Die Bedienung des Vivatmo me ist kinderleicht und absolut nicht belastend, wie man in diesem Video sehen kann:

Die Vivatmo app

Vivatmo me ist aber weit mehr als nur ein innovatives FeNO-Messgerät für den Hausgebrauch. Das Konzept dahinter verbindet Ärzte und Patienten zu einem Team auf dem gemeinsamen Weg zur optimalen Asthma-Therapie. Das verbindende Element dabei ist die Vivatmo app. Die App dient als digitales Asthma-Tagebuch. Die mit dem Vivatmo me erfassten FeNO-Messwerte können dabei ganz einfach per Bluetooth an die Vivatmo app übertragen und gespeichert werden. Außerdem kann man  mit der App auch die Medikamenteneinnahme, die Peak-Flow-Werte sowie das persönliche Befinden dokumentieren. Zudem ist eine regionale Pollenvorhersage integriert.

Und schließlich kann man die monatliche Übersicht der gemessenen FeNO-Werte seinem Arzt zeigen, so dass er bei Bedarf, die Asthma-Therapie ganz individuell optimieren kann. Studien haben gezeigt, dass akute Asthmaepisoden nachweislich verringert werden können, wenn die Behandlung des Asthmas über eine regelmäßige FeNO-Messung gesteuert wird.1 Sollte sich der Entzündungsverlauf verschlechtern, erkennt man dies durch erhöhte FeNO-Werte, und der Arzt kann frühzeitig therapeutisch gegensteuern.2,3

Die App kann sowohl im App Store von Apple als auch im Google Play Store heruntergeladen werden.

Mein Fazit

Der FeNO-Wert gewinnt nicht nur diagnostisch sondern vor allem auch im Bereich der individuellen Therapiesteuerung und -optimierung immer mehr an Bedeutung. Ein regelmäßiges FeNO-Monitoring ist dafür unerlässlich. Dieses in die Hand der Patienten zu legen, ist aus unserer Sicht absolut sinnvoll. Zum einen entlastet die FeNO-Selbstmessung die Arztpraxen. Andererseits fördert sie das Empowerment und unterstützt Patienten darin, mit ihrer chronischen Erkrankung selbstbestimmt und aktiv zu leben. Die Entscheidung darüber, welche Medikamente in welcher Dosierung aufgrund der Messwerte genommen werden sollen, sollte allerdings unbedingt in der Hand des Arztes bleiben.

Wir haben Vivamto me ausprobiert und können bestätigen, dass er wirklich super easy im Gebrauch ist. Wünschenswert aus Anwendersicht ist, dass es eine Möglichkeit gibt, die Messwerte digital an den behandelnden Arzt bspw. via E-Mail zu übermitteln.


1 Petsky et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016;9:CD011440

2 Essat et al. Eur Respir J 2016;47:751-68

3 Bodini A et al. Chest 2017;132:1520-25

Der Beitrag Vivatmo me – erstes FeNO-Messgerät für zuhause erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Vara – zugelassenes KI-Tool zur Brustkrebsvorsorge

Die Begutachtung von Mammografie-Bildern im Rahmen des Brustkrebs-Screenings erfolgt derzeit nach dem Vier-Augen-Prinzip. Das kostet Ärzte viel Zeit und ist teuer. Vara, die erste KI-basierte Software, die in Deutschland gerade die Zulassung bekommen hat, will diesen Aufwand erheblich reduzieren.

Das Mammografie-Screening ist ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs, das sich bundesweit an über zehn Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren richtet. Die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Im Jahr 2017 nahmen fast 2,8 Millionen Frauen an dem Mammografie-Screening-Programm teil. Von 1000 Frauen erhalten 970 einen unauffälligen Befund, wie die Kooperationsgemeinschaft Mammografie herausgefunden hat.[1] Diesen enormen Befundungsaufwand zu reduzieren war der Anlass für die Entwicklung von Vara.

Was ist Vara genau?

Das Start-up Merantix Healthcare hat eine auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software entwickelt, mit der Radiologen in der Brustkrebsfrüherkennung künftig Bildmaterial hundertprozentig gesundes Gewebes schneller von potenziell mit Krebs befallenem Gewebe unterscheiden können. Vereinfacht gesagt: Vara soll Mammografie-Bilder digital auswerten und unauffällige Aufnahmen aussor­tieren. Die Entwickler haben ihr Programm dafür trainiert. Und zwar auf einem der weltweit größten Brustkrebs-Datensätze mit mehr als zwei Millionen Aufnahmen. Diese wurden mittels Gewebeproben und Annotationen medizinischer Experten abgesichert.

Was zeichnet Vara besonders aus?

Vara ist nicht nur i r g e n d e i n Medizinprodukt. Die Softwaren soll schließlich nicht zwischen „Schnupfen“ und „kein Schnupfen“ unterscheiden, es geht um Krebs! Es handelt sich bei Vara um ein Hochrisiko-Medizinprodukt der Klasse 2b. Die Methodenbewertung ist damit Sache des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses G-BA. Da dreht man also schon am ganz großen Rad der Zulassung.

Mein Fazit

Gerade in der Radiologie werden die Datenmengen, die Ärzte zu bewältigen haben, immer mehr. Die Zahl der Fachkräfte, die diese Bilder analysieren und befunden können, sinkt aber. Wenn Vara alle unauffälligen Befunde zuverlässig aussortiert, könnte das Radiologen künftig erheblich entlasten. So können die sich voll und ganz auf das Erkennen von Krebserkrankungen konzentrieren. In Anbetracht schwindender Ressourcen und gleichzeitg stetig stiegender Kosten im Gesundheitswesen eine sehr begrüßenswerte Entwicklung. Wird Vara schon bald Eingang in die Regelversorgung finden? Laut unseren Recherchen ist das Unternehmen bereits mit Krankenkassen im Gespräch. Wir bleiben gespannt.

Brustkrebsfrüherkennung ist aber nicht nur an HighTech und KI gekoppelt, wie dieser spannende Beitrag beweist.

[1] https://www.mammo-programm.de/mammographie-in-zahlen/

Der Beitrag Vara – zugelassenes KI-Tool zur Brustkrebsvorsorge erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

medicstream: „SendByDoc“ Streamingangebot

Die Zeit, Patienten in der Arztpraxis ausführlich über ihre Diagnose zu informieren, ist immer zu kurz. Kaum hat der Patient die Praxis verlassen, hat er die Hälfte der knappen Informationen auch schon wieder vergessen. Das Start-up medicstream hat dafür eine innovative Lösung entwickelt: Ein Streamingangebot, das Ärzte mit passgenauen Videoinformationen bei der Aufklärung ihrer Patienten unterstützt.

Hintergrund

In Deutschland dauert ein durchschnittliches Arztgespräch nur ca. 7 Minuten.[1]

© statista

In dieser Zeit müssen Ärzte

  • den Patienten zu seinen Symptomen befragen,
  • diese richtig interpretieren,
  • ihn untersuchen,
  • eine Diagnose stellen,
  • die Behandlung festlegen und
  • das alles am Ende dem Patienten auch noch möglichst verständlich erklären.

Das ist verdammt viel für nur 7 Minuten!
Auf diesem Dilemma beruht die Idee des Gründerteams von medicstream:

Die Idee

Eine eigens entwickelte Plattform bietet Ärzten eine ganze Reihe an Videoclips an, die sie ihren Patienten als „SendByDoc“-Service zur vertiefenden Information zur Verfügung stellen können. Damit die Informationen auch auf den individuellen Bedarf des Patienten abgestimmt sind, kann der behandelnde Arzt aus einer vielfältigen Auswahl hochwertiger, laienverständlicher medizinischer Erklärvideos eine Auswahl treffen. Diese Playlist verschickt er dann ganz einfach per E-Mail an seinen Patienten. Fertig ist das Infozept, mit dem der Arzt seinen Patienten zusätzliche Informationen „verordnen“ kann.

© medicstream GmbH. So sehen die Playlists aus, aus denen der Arzt die Clips für seinen Patienten individuell zusammenstellen kann.

Das Infozept mit grundlegenden Informationen rund um seine Erkrankung in Form von Videos findet der Patient in seinem elektronischen Postfach. Diese Clips kann er dann sofort zeit- und ortsunabhängig auf fast jedem internetfähigen Endgerät anschauen. So kann er die Inhalte des Arztgespräches wiederholen bzw. vertiefen und ergänzen. Und das alles, ohne sich irgendwo registrieren und einloggen zu müssen. Es werden daher zu keinem Zeitpunkt persönliche Daten beim Dienstanbieter gespeichert.

Screenshot des personalisierten Infozepts, das der Patient per E-Mail bekommt.

Aktuell gibt es ca. 70 Clips rund um Herz-Kreislauf-Themen. Es ist geplant, das Angebot auf weitere Erkrankungen auszuweiten.

Die versendeten E-Mails können noch mit individuellen Angaben wie Fotos von der Praxis, Logo etc. versehen werden. Das macht den „SendByDoc“-Service persönlich. Und der Patient kann sicher sein, dass es sich hierbei um hochwertige und vertrauenswürdige Informationen handelt, die sein Arzt sorgfältig für ihn zusammengestellt hat.

Für Patienten ist dieser Service kostenlos. Für Ärzte, die diesen Service anbieten möchten, gibt es je nach Praxis-/Klinikgröße verschiedene Abo-Modelle.

Mein Fazit

Wir haben den neuen Service natürlich getestet und waren von der Usability begeistert! Das Einrichten des Accounts geht super easy, der Service ist schon innerhalb weniger Minuten nutzbar. Hat man sich einen Überblick über das Angebot verschafft, hat man auch schnell die passende Playlist für seinen Patienten zusammengestellt. Dann muss man diese nur noch per Mail verschicken. Vorausgesetzt, der Patient hat seine Einwilligung dazu gegeben. Falls nicht, so kann man ihm das „Infozept“ auch ganz einfach als PDF ausdrucken. Darauf findet er dann die Links zu seinen Video-Informationen als URL sowie als QR-Code.

Videoclips und Erklärfilme als Format der Informationsvermittlung sind im Gesundheitsbereich natürlich keine neue Erfindung. Neu an dieser Lösung ist aber, diese auf einer Streaming-Plattform zu bündeln. Von hier aus kann der Arzt seinen Patienten – immer als Ergänzung zum persönlichen Gespräch – individuell geschnürte Info-Pakete zukommen lassen. Das gibt es bis dato noch nicht.

Die Plattform ist natürlich noch ausbaufähig. Ihr Wert für Ärzte und Patienten hängt auch davon ab, wie viele weitere Indikationen künftig noch hinzukommen.

Medicstream ist seit Kurzem auf dem Markt. „SendByDoc“ wurde bereits in einem Pilotversuch in einem Ärztenetz getestet. Demnächst soll noch eine Testphase mit Kliniken folgen.

Wir sind auf alle Fälle sehr gespannt und bleiben dran.

[1] Irving G et al. International variations in primary care physician consultation time: a systematic review of 67 countrie. BMJ Open 2017;7:e017902. doi:10.1136/bmjopen-2017-017902

Der Beitrag medicstream: „SendByDoc“ Streamingangebot erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Minimic macht Malaria-Mikroskopie intelligent

Weltweit sterben jährlich ca. 600.000 Menschen an Malaria, etwa drei Viertel von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.[1] Eine schnelle und zuverlässige Diagnose ist daher entscheidend. Mit herkömmlichen Methoden ist das nur mit Einschränkungen möglich. Das Minimic, eine Erfindung aus‘m Ländle, könnte das ändern.

Das herkömmliche Auszählen von Zellen, die von einem Malaria-Erreger befallen sind, in einem ausgestrichenen, angefärbten Tropfen Blut unterm Mikroskop ist mühsam und sehr zeitaufwändig. Zwar gibt es seit einigen Jahren Schnelltests auf Malaria. Diese geben aber nur Auskunft darüber, ob ein Mensch Erreger im Blut hat, nicht aber wie viele es sind. Aber genau das ist eine ganz entscheidende Information mit u. U. erheblichen Konsequenzen für die Betroffenen. Denn nicht jeder, der Malaria-Parasiten in sich trägt, erkrankt auch zwingend an Malaria. Das führt dazu, dass andere Ursachen für hohes Fieber bei positivem Schnelltest außer Acht gelassen werden. Die Konsequenzen können fatal sein, wenn so bspw. eine bakterielle Infektion unbehandelt bleibt.

Minimic ist schnell und schlau dank künstlicher Intelligenz

Das Stuttgarter Unternehmen Intuity Media Lab GmbH hat sich daher gefragt, warum ein Mikroskop nicht gleich das aufwändige Zählen und Auswerten mitübernehmen kann. Ergebnis der Überlegungen ist nun ein vollautomatisches, intelligentes trainierbares Mikroskop, das den Namen Minimic trägt.

Person sitz am Laptom und betrachtet die Ergebnisse von Mimimic, einem kleinen kompakten und intelligenten trainierbaren Mikroskop zur Malaria-Diagnostik
© Intuity Media Lab GmbH

„Bei unserer Entwicklung Minimic handelt sich um ein kompaktes, vergleichsweise günstiges Lichtmikroskop, das nicht nur winzige Objekte vergrößert, sondern auch erkennt und zählt”, beschreibt Markus Turber, Geschäftsführer von Intuity Media Lab, das Gerät.

© Intuity Media Lab GmbH

Die Bildanalyse erfolgt mittels einer integrierten KI, die führende Malaria-Experten trainieren und über eine Cloud teilen. Durch das kontinuierliche Training der Software erreicht Minimic inzwischen eine vergleichbare Trefferquote wie Spezialisten, die mit Hochleistungslinsen arbeiten.

„So lernt unser Minimic, die unterschiedlichsten Proben zu erkennen und auszuwerten und wird dadurch selbst zum Experten“, erläutert Dr. Henning Falk, Biologe bei Intuity.

Wo herkömmliche Mikroskope den Nutzer mit der Interpretation von mikroskopischen Proben alleine lassen, liefert das Minimic die Analyse gleich mit. Das spart Zeit und garantiert zuverlässige Ergebnisse auch bei unerfahrenen Anwendern.

Fazit:

In Größe und Form erinnert mich das Minimic ja ein bisschen an diese kleinen Kapsel-Kaffeemaschinen. Mit einem herkömmliche Mikroskop hat es jedenfalls rein optisch nicht viel gemein. Okulare, die ein Mikroskop so typisch machen, und die normalerweise für die  direkte Betrachtung der Blutprobe notwendig sind, braucht das Minimic nicht. Hardware und Optik sind für die digitale Bildaufnahme, nicht für die direkte Betrachtung optimiert. Es werden günstige Komponenten in Verbindung mit einer intelligenten Steuerung verbaut.

„Minimic hat beste Voraussetzungen, um auch für Ärzteteams in den ärmsten Regionen der Erde erschwinglich zu sein.“, meint unsere Ärztin Heidi, die selbst im südlichen Afrika in einer sehr entlegenen Region an einem Krankenhaus gerabeitet hat.

Also von uns gibt es dafür beide Daumen hoch und wir wünschen Minimic viel Erfolg!

[1] https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Malaria.html zuletzt aufgerufen am 30.07.2019

Der Beitrag Minimic macht Malaria-Mikroskopie intelligent erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Betterguards – „Zauberstab“ schützt Gelenke

Es geht blitzschnell, dass man umknickt und ruckzuck ist der Knöchel dick. Im schlimmsten Fall zerreißt man sich dabei sogar die Bänder am Sprunggelenk. Das Start-up Betterguards hat ein System entwickelt, das Gelenke schützen soll.

Die Idee hinter Betterguards

Das Problem beim Umknicken ist ja, dass der Muskel viel zu langsam reagiert, um eine entsprechende Gegenkraft zu entwickeln und so das Gelenk zu stabilisieren. Gesucht wurde also eine Lösung, die diese zeitliche Lücke überbrückt.

„Ich habe mir beim Sport mehrfach schlimme Bänderverletzungen zugezogen, die meinen Traum, Profisportler zu werden, zunichtegemacht haben. Deshalb wollte ich etwas gegen Gelenkverletzungen erfinden und vielen Menschen dieses Leid ersparen. So entstand meine Mission, Gelenkverletzungen in die Geschichtsbücher zu verbannen.“, so Vinzenz Bichler, Hauptgründer von Betterguards.

Das Betterguards Gründer-Team (v.l.n.r.): Timo Stumper, Vinzenz Bichler und Max Müseler © Thomas Koehler/ photothek.net

Die Idee zur Lösung lieferte das Wissen um den Effekt, dass flüssiger Kunststoff schnell hart wird, wenn man ihn rasch, also mit entsprechendem Druck in eine Form presst. Im Fachjargon heißt das Scherverdickung. Und eben diesen, an und für sich unerwünschten Effekt, hat man sich bei Betterguards zunutze gemacht.

Die Herausforderungen an das System:

  1. Es soll dadurch die Bewegung nicht eingeschränkt werden.
  2. Es darf nicht frühzeitig blockieren.
  3. Und es muss vor allem – anders als ein Airbag – immer wieder neu reagieren können.

Die Lösung ist so einfach wie genial und sie hat mit Zauberei natürlich nichts zu tun.

Wie funktioniert Betterguards genau?

Ein kleiner Stab, der mit einer speziellen, schnell härtende Flüssigkeit gefüllt ist, wird zwischen zwei Fixpunkten im Schuh eingebaut. Knickt man mit dem Fuß um, wird der dabei entstehende Druck über den Stab auf die in ihm befindliche Flüssigkeit übertragen, die daraufhin in weniger als 20 Millisekunden hart wird. So schnell kann der Körper selbst nicht reagieren. Aufgrund der blitzschnell einsetzenden stabilisierenden Schutzfunktion wird ein kritisches Überstrecken des Gelenks – und eine daraus resultierende Gelenkverletzung – bestmöglich verhindert. Und das besondere daran: Anschließend ist das System wieder frei beweglich und sofort weiter einsetzbar.

Wo kann das Betterguards System überall eingebaut werden?

Neben Schuhen gibt es auch die Möglichkeit das Betterguards System in Handschuhe zu integrieren. So soll es das Handgelenk vor Überstrecken und Aufprallverletzungen schützen. Das System kann aber grundsätzlich auch in Bandagen, Orthesen, und sogar in Socken integriert werden, wie man auf der Website erfährt.

Aktuell ist zwar noch kein Produkt mit dieser Technologie auf dem Markt. Aber das Unternehmen Juzo ist bereits Partner und wird Ende des Jahres eine Sprunggelenkbandage mit integriertem Betterguards System auf den Markt bringen.

Fazit und Ausblick

Auch wenn die Idee ursprünglich aus dem sportlichen Bereich kam, so ist sehr gut vorstellbar, dass von Betterguards auch ältere, sturzgefährdete Menschen profitieren können. Deshalb haben wir explizit bei Betterguards danach gefragt.

Und tatsächlich gibt es für die Sturzprävention auch schon verschiedenen Ideen für die Zukunft wie zum Beispiel der Einsatz in Rückenorthesen oder die Möglichkeit, die Technologie bzw. die Funktion in Textil einzuweben. Immer mit demselben Ziel: Bewegungsfreiheit bei normalen Bewegungen und Schutz bei kritischen, schnellen Bewegungen. Eben wie ein Sicherheitsgurt im Auto.

In Seniorenheimen befinden sich ja bereits verschiedenste Systeme als Trochanter-Schutz im Einsatz. Meist handelt es sich dabei um spezielle Hosen mit eingebauten Protektoren. Es gibt auch schon eine Art Hüft-Airbag, über den wir an anderer Stelle bereits berichtet haben. Aber das Betterguards System erscheint mir als die derzeit smarteste Lösung. Daher drücken wir den Gründern die Daumen, dass sie bald entsprechende Partner finden.

Der Beitrag Betterguards – „Zauberstab“ schützt Gelenke erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

The sound of Arthrose

Arthose (engl.: ostheoarthritis), also die Abnutzung eines Gelenks, kommt häufig bei älteren Menschen vor. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern schränkt auch die Beweglichkeit zunehmend ein, wenn beispielsweise das Hüft- oder Kniegelenk betroffen sind. Nicht selten steht den Betroffenen am Ende der Einsatz eines künstlichen Gelenks bevor. Arthrose ist nämlich grundsätzlich nicht heilbar. Aber es ist möglich, den Verlauf einer arthrotischen Entwicklung durch geeignete Maßnahmen zu verlangsamen oder aufzuhalten. Dafür ist aber eine frühzeitige Intervention und somit auch eine Diagnose in einem frühen Stadium erforderlich. Eine Studie hat  nun untersucht, ob hier die Schallemissionsanalyse helfen könnte. 

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob die Schallemissionsanalyse (SEA) unter klinischen Bedingungen ein geeingetes Verfahren zur Erkennung von Arthrose am Knie ist. Mit anderen Worten: Die Forscher wollten wissen, ob man mit der Schallemission herausfinden kann, wie kranker Knorpel im Vergleich zu gesundem klingt.

Aber was ist eigentlich diese Schallemissionsanalyse?

Schallemissionsanalyse und ihre Rolle in der medizinischen Diagnostik?

©Pixabay

Auf Wikipedia erfahre ich: „Die Schallemissionsprüfung (englisch Acoustic Emission Testing) auch Schallemissionsanalyse, ist ein Prüfverfahren, das oft als zerstörungsfreies Prüfverfahren bezeichnet wird. Bei diesen Verfahren wird ausgenutzt, dass plötzliche Veränderungen im Gefüge eines Werkstoffs, die durch chemische oder thermische Vorgänge oder unter mechanischer Belastung ausgelöst werden, zur Emission von Schall führen.“

Oha, mit Medizin hat das also primär mal nichts zu tun.

Aber „Veränderungen im Gefüge“ sind ja auch das Resulat einer altersbedingten Knorpeldegeneration, wenn man so will. Und genau das war die Überlegung der Wissenschaftler, die Methode der Schallemissionsanalyse auch zur Diagnostik der Kniegelenksarthrose einzusetzen.

Was genau hat die Arthrose Studie untersucht?

Untersucht wurden 29 Menschen, bei denen aufgrund einer Problematik am Knie eine Magnetresonanztomografie durchgeführt wurde. Bei diesen Testpersonen wurde das Aufnahmegerät angeschlossen, um die Geräusche aufzuzeichnen, die auftraten, während die Patienten eine Kniebeuge machten. Festgehalten wurde auch die Gradzahl der Bewegung, bei der die typischen „Schadensgeräusche“ auftraten, um Hinweise auf den Ort der Knorpelschäden zu bekommen. Am Ende haben sie dann die Resultate der Schalldiagnostik mit den Befunden der zuvor angefertigten (ihnen nicht bekannten) MRT-Aufnahmen verglichen: Die Übereinstimmung betrug 95 Prozent! Das ist nicht schlecht.

In weiteren Studien wollen die Forscher nun noch überprüfen, wie sensibel die Schallemissionsanalyse ist und ob mit der Methode bereits kleine Veränderungen am Knorpel entdeckt werden können, die über das bildgebende Verfahren nicht erkennbar sind.

Mein Fazit

Auch wenn man im Spaß vielleicht mal sagt, „Bei dir knirscht es aber schon ordentlich im Gebälk“, so sind arthrosebedingte Veränderungen am Knorpel in der Regel für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Mittels der Schallemissionsanalyse werden die Geräusche „sichtbar“. Dieses Prüfverfahren stellt somit eine interessante Möglichkeit dar, Veränderungen im alternden Knorpelgewebe schon frühzeitig aufzudecken. Bei einer frühzeitig erkannten Arthrose können Ärzte künftig dann vielleicht doch auch eine Heilung angestreben. Jedenfalls diskutieren Wissenschaftler über eine potenzielle Regenerationsfähigkeit von Knorpelgewebe unter gewissen Bedingungen.

Der Beitrag The sound of Arthrose erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Second Chance kann Leben retten

Atemdepression als Folge einer Opiatüberdosierung kann lebensgefährlich sein. Second Chance ist eine App, die Todesfälle verhindern soll.

Hintergrund

Unter dem Oberbegriff „Opioide“ werden sowohl Opiate als auch halb- oder vollsynthetisch hergestellte Substanzen mit morphinähnlicher Wirkung zusammengefasst.

Opioide haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Bereits wenige Stunden nach dem letzten Konsum kommt es bei Abhängigen zu Entzugserscheinungen. Eine aktuelle Studie schätzt die Zahl der Opioidabhängigen in Deutschland auf etwa 166.000, davon ca. 42.000 Frauen und ca. 124.000 Männer. Überdosierungen sind ein häufiges Problem im Zusammenhang mit dem Konsum von Opioiden. Etwa zwei Drittel der tödlichen Überdosierungen lassen sich auf opioidhaltige Substanzen zurückführen. Dabei könnten die meisten Todesfälle durch die Gabe von Naloxon (ein Wirkstoff, der die Opiatwirkung aufheben kann) oder eine Beatmung verhindert werden. Das setzt allerdings voraus, dass eine Überdosierung auch erkannt wird. Das Problem ist, dass die Drogenkonsumenten bei der Überdosierung in der Regel allein oder von Menschen umgeben sind, die keine Erste Hilfe leisten können.[1]

Second Chance als Lösung

In den USA sterben jeden Tag 115 Menschen an einer Opiatüberdosierung. Das hat US-Ingenieure dazu veranlasst eine App zu entwickeln, die eine Atemdepression bei Opiat­anwendern erkennt und automatisch einen Notruf sendet.

Wie funktioniert Second Chance?

Die App muss vor dem Drogenkonsum gestartet werden. Die Software nutzt dann den Lautsprecher und das Mikrophon des Smartphone. Die App kann dann über ein ganz spezielles Radar (ein sog. Dauerstrichradar / „frequency modulated continuous wave radar“) auch minimale Veränderungen einer Distanz, wie sie bei Atembewegungen auftritt, messen. Daraus errechnet die App die Atemfrequenz. Bei Unterschreitung einer bestimmten Grenze sendet sie eine Nachricht an eine definierte Person.

Wie gut ist Second Chance?

In einer Studie, an der 194 Drogenkonsumenten teilnahmen, wurde die App in einem Drogenkonsumraum getestet. Dabei stellten die Konsumenten ein handelsübliches Smartphone vor sich auf den Tisch, während sie ihre Drogen (Heroin, Fentanyl oder Morphin/Hydromorphon) injizierten. Die Konsumenten trugen dabei Impedanzmonitore, die die Bewegungen des Brustkorbs aufzeichneten.

Die Ergebnisse:

Bei etwa der Hälfte der Teilnehmer registrierte der Impedanzmonitor eine klinisch relevante Atemdepression (7 oder weniger Atemzüge pro Minute) oder eine Apnoe (Atemstillstand für 10 Sekunden oder länger), einige wenige Drogenkonsumenten benötigten medizinische Hilfe.

Die Second Chance erkannte Apnoe-Ereignisse mit einer Sensitivität von 96 % und einer Spezifität von 98 %. Atemdepression identifizierte sie mit einer Sensitivität von 87 % und einer Spezifität von 89 %.

Fazit zu Second Chance

Die App könnte tatsächlich Leben bei einer Opiod-Überdosierung retten. Wie ihr Einsatz außerhalb eines Drogenkonsumraum in einem „Real-life-Setting“ funktioniert ist noch offen. Hierfür sind weitere Untersuchungen notwendig. Die Entwickler arbeiten auch schon an einer Weiterentwicklung der App, bei der die App zunächst die Drogenkonsumenten direkt alarmiert. Reagieren diese nicht, weil sie bewusstlos sind, erfolgt ein autoamtischer Notruf. Auch eine Zulassung bei der FDA streben die Forscher an.

[1] Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, Oktober 2018

Der Beitrag Second Chance kann Leben retten erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Sleepio – ein digitales Schlafhelferlein

Ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir, sagt man so landläufig. Wohl dem, der immer gut in den Schlaf findet, gut durchschläft und dann morgens bestens erholt aus den Federn springt. Leider ist ein guter und erholsamer Schlaf längst nicht jedem vergönnt. Die Online-Schlafhilfe Sleepio verspricht Abhilfe.

Die Prävalenz von Schlafstörungen in der deutschen Erwachsenenbevölkerung wird mit knapp 6% als hoch und als gesundheitspolitisch bedeutsam angesehen.[1] Schlafstörungen sind mit einem erhöhten Risiko für eine Vielzahl psychischer und somatischer Gesundheitsstörungen verbunden. So haben Insomnie-Patienten eine deutlich erhöhte Mortalität gegenüber „Normal“-Schläfern. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass zu wenig Schlaf offenbar eine altersunabhängige Dosis-Wirkungs-Beziehung zu Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck sowie zum metabolischen Syndrom aufweist.[2]

Als nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten haben sich unter anderem psychoedukative Maßnahmen wie die Vermittlung „schlafhygienischer“ Regeln und die Umbewertung dysfunktionaler schlafbezogener Gedanken die Konfrontation mit den auslösenden schlafbehindernden Situationen sowie das Erlernen von Entspannungstechniken bewährt.

Eine neue Option stellt Sleepio, eine voll automatisierte und algorithmenbasierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Insomnie-Behandlung dar.

So funktioniert Sleepio

Zuerst wird mittels eines Online-Tests der persönliche Schlaf-Score ermittelt.

Dann werden Patienten von einem Avatar, „The Prof“ genannt, durch sechs virtuelle Sitzungen mit einer Dauer von rund 20 Minuten geleitet. Anhand von mehreren Fragen reagiert das KVT-basierte Programm individuell auf die Bedürfnisse und Probleme der Patienten und kann ihnen so Wege aus der Schlaflosigkeit weisen.

Die Patienten sollen ein Schlaftagebuch führen und ihre Fortschritte darin dokumentieren. Unterstützung bekommen sie auf Wunsch von anderen, bereits fortgeschrittenen Teilnehmern.

Wie gut wirkt Sleepio?

Sleepio wurde inzwischen in mehreren klinischen Studien getestet.

In einer ersten placebokontrollierten Studie erwies sich die Online-KVT als signifikant wirksamer: 76% der Studienteilnehmer erreichten damit einen gesunden Schlaf.[3]

In einer aktuellen Studie wurde nun an 1711 Teilnehmern untersucht, ob das Programm auch Auswirkungen auf die funktionelle Gesundheit, das psychische Wohlbefinden und die schlafbezogene Lebensqualität hat.[4]

Die Teilnehmer wurden dafür von einem webbasierten Tool randomisiert auf zwei Gruppen verteilt:

  • Die einen durften sich eine Broschüre zur richtigen Schlafhygiene herunterladen (Kontrollgruppe). Ihnen wurde nach einem halben Jahr Sleepio angeboten.
  • Die anderen bekamen von Anfang an einen Onlinezugang für Sleepio, den sie zwölf Wochen lang nutzen konnten.

Das Ergebnis der Studie:

Der globale Gesundheitszustand hatte sich nach Angaben der Patienten nicht wesentlich verändert.

Verbessert hat sich das psychische Wohlbefinden: Der WEMWBS-Wert stieg mit der Online-KVT von 43,1 auf 48,6 Punkte, mit der Broschüre nur auf 45,3 Punkte. Die Effektstärke war mit 0,38 aber doch eher gering.

Erhebliche Unterschiede zeigten sich bei den Insomnie-bedingten Beeinträchtigungen. So sank der GSII-Wert in der KVT-Gruppe innerhalb eines halben Jahres von 88 auf 43 Punkte, mit der Broschüre nur auf 63 Punkte.

Depressionen, Ängste, Müdigkeit und kognitive Probleme waren nach einem halben Jahr mit der Online-KVT geringfügig schwächer ausgeprägt als mit der Broschüre. Die Fatigue reduzierte sich deutlich stärker.

Mein Fazit

Grundsätzlich können Online-Verhaltenstherapien sicher eine ganz gute Option für Menschen sein, die die sich sonst keiner zeitintensiven persönlichen Psychotherapie unterziehen würden.

Sleepio hat in der jüngsten Studie gezeigt, dass das Programm den Schlaf deutlich verbessern kann. Der Effekt darüber hinaus auf das psychische und körperliche Wohlbefinden hingegen hält sich allerdings in Grenzen. Ob sich die Teilnahme an Sleepio nun am Ende rechnet, muss jeder Teilnehmer für sich selbst entscheiden.

 

[1] Schlack R et al. Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) Bundesgesundheitsbl 2013;56:740–748

[2] Grandner M et al. Problems associated with short sleep: bridging the gap between laboratory and epidemiological studies. Sleep Med Rev 2010;14:239–247.

[3] Espie et al. (2012) SLEEP;35(6).

[4] Colin A. et al. Effect of Digital Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia on Health, Psychological Well-being, and Sleep-Related Quality of Life JAMA Psychiatry. Published online September 25

Der Beitrag Sleepio – ein digitales Schlafhelferlein erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

moio – das intelligente Pflegepflaster

Wer einen an Demenz erkrankten Menschen betreut, weiß, dass es ab einem gewissen Schweregrad der Demenz praktisch unmöglich ist, den Betroffenen unbeaufsichtigt zu lassen. Eine extreme Herausforderung und Verantwortung für Pflegende. Das intelligente Pflegepflaster moio kann hier zukünftig eine enorm wertvolle Unterstützung sein.

Was ist moio.care?

moio.care ist ein absolut innovatives TeleCare-System. Es besteht aus einem speziellen Pflaster, das am Rücken eines pflegebedürftigen Menschen angebracht wird und mit einem Sensormodul ausgestattet ist. Dieses kann Bewegungsdaten einer Person erfassen und per Software auswerten. Bei Bedarf überträgt der Sensor die Daten per Mobilfunk an eine App.

Sensorpflaster moio.care © MOIO GmbH
Smartphone Screenshot der App moio
Screenshot der App © MOIO GmbH

Was kann moio?

Ganz allgemein gesagt, informiert moio Pflegende immer dann, wenn ein konkreter Handlungsbedarf besteht. Die Funktionen im Einzelnen:

  1. Menschen mit Demenz haben oft einen ausgeprägten Bewegungsdrang und entwickeln im Laufe der Zeit auch so genannte Weglauftendenzen. Die Geofencing-Funktion gibt Alarm, wenn definierte Zonen verlassen werden. Das ermöglicht vor allem desorientierten Menschen mehr Bewegungsfreiheit, ohne dass sie ständig jemand beaufsichtigen muss. Auch einen aktive Ortung ist indoor wie outdoor möglich.
  2. Ein Beschleunigungs- und Lagesensor erkennt zuverlässig Stürze. Diese Sturzerkennung kann auch erkennen, wenn sturzgefährdete Personen z. B. nachts mal raus zur Toilette müssen. Das ermöglicht eine zeitnahe Hilfestellung und kann so die Anzahl von Stürzen deutlich verringern.
  3. Das Pflegepflaster beobachtet auch die Zeit seit der letzten Lageänderung. Sobald ein definiertes Intervall bewegungslos verstrichen ist, informiert das System die Pflegenden. Sie müssen somit zur Dekubitusprävention nur bedarfsgerechte Umlagerungen vornehmen. Unnötige Störungen des Pflegebedürftigen werden damit vermieden.
  4. Da das Pflaster natürlich nur funktioniert, wenn es auch tatsächlich getragen wird, verfügt es über eine Tragekontrolle. Diese überprüft ständig, ob es auch tatsächlich am Körper getragen wird. Sollte es ungewollt abgenommen werden oder verloren gehen, werden die Betreuenden darüber sofort informiert.
  5. Das Pflaster kann auch auswerten, wann und wie viel sich der Träger bewegt hat. Das daraus erstellte Aktivitätsprofil gibt bspw. Aufschluss über den Tag-Nacht-Rhythmus oder den Energiebedarf. Letzteres ist vor allem auch wichtig, um Mangelernährung vorzubeugen.

Die Entwicklung des intelligenten Pflasters wurde übrigens von der Diakonie Neuendettelsau und somit aus der Sicht eines Pflegedienstleisters initiiert. Das macht dieses Produkt ganz besonders wertvoll, weil so die tatsächlichen Bedürfnisse pflegender wie gepflegter Menschen direkt in die Entwicklung eingeflossen sind.

Wer noch genauer wissen will, was moio alles kann, erfährt in diesem Video alles Wissenswerte darüber.

Wer steckt hinter der Idee?

Jürgen Besser hat die MOIO GmbH, die im mittelfränkischen Fürth ansässig ist, 2017 gegründet. Davor war er Mitarbeiter am Forschungsinstitut IDC der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth. Er betreute seit dieser Zeit Projekte im Themenbereich ´Technische Assistenzsysteme für Menschen im Alter´. Der Fokus seiner Arbeit lag hierbei stets auf der Nutzereinbindung und der Erstellung von Geschäftsmodellen. Dann leitete er noch die SimA (Selbständig im Alter)-Geschäftsstelle der Diakonie Neuendettelsau.

Wer kann moio nutzen und was kostet das?

Aktuell befindet sich moio.care noch in verschiedenen Pflegeeinrichtungen in der in der Erprobungsphase. Aber ab 2019 ist das intelligente Pflegepflaster als moio.care HOME für den häuslichen Bereich und als moio.care PRO für die professionelle Pflege verfügbar. Ab dem Marktstart wird dann auch die moio.care-App für iOS- & Android-Smartphones/-Tablets verfügbar sein.

moio.care Home für den häuslichen Bereich kostet 59,95 EUR pro Monat zzgl. einer einmaligen Einrichtungsgebühr in Höhe von 25,00 EUR. Für das moio.care Pro System gibt es derzeit noch keine abschließende Preisgestaltung.

Mein Fazit

moio.care ist eine absolut innovative Lösung, die die Lebensqualität pflegender wie gepflegter Menschen erheblich verbessern kann. Den Pflegenden ermöglicht sie vor allem mehr Freiraum, weil sie nicht permanent und unmittelbar in räumlicher Nähe zum Pflegebedürftigen sein müssen. Das ist eine ganz erhebliche Entlastung! Andererseits ermöglicht das Pflegepflaster den Pflegebedürftigen mehr Mobilität und Privatsphäre, weil sie nicht ständig umsorgt werden müssen.

Eine Frage, die sich vielleicht jemand stellen mag, ist die, ob der Einsatz derartiger Technologien die Würde des pflegebedürftigen Menschen verletzt. Aber auch dem durchaus kontrovers diskutierbaren Thema Ethik stellt sich die Moio GmbH in vorbildlicher Art und Weise. Wir sind jedenfalls begeistert und wünschen moio.care viel Erfolg!!


Das Thema Demenz ist aus unserer Sicht gesellschaftlich ein höchst relevantes. Dafür sind innovative Lösungen dringend notwendig. Und uns aus diesem Grund haben wir uns auch schon öfter damit beschäftigt. In diesem Beitrag geht es beispielsweise um eine spezielle Methode, die pflegende Angehörige von Demenzkranken vor Burnout schützen kann.

Der Beitrag moio – das intelligente Pflegepflaster erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.