Selbstmanagement bei Parkinson mit Flytta

*Werbung – unbezahlt – wegen Namensnennung / Verlinkung*

Die motorischen Veränderungen bei der Parkinson-Krankheit wie das typische Händezittern (Tremor) und die Langsamkeit von Bewegungsabläufen (Bradykinese) sind unübersehbar. Betroffene Menschen leiden aber auch an nicht-motorischen Beschwerden wie Depression, Sprachstörungen, Ängsten und gestörtem Nachtschlaf, die weniger offensichtlich sind und daher häufig vernachlässigt werden. MedEngine widmet sich mit seiner Lösung Flytta auch dieser nicht-motorischen Symptomatik und will damit das Selbstmanagement bei Parkinson fördern.


Parkinson ist bis heute leider nicht heilbar. Um mit der Krankheit so gut wie möglich zu leben, ist es wichtig, sie ganzheitlich zu betrachten. Die isolierte Beobachtung der motorischen Symptome lässt nämlich wichtige Aspekte wie Ernährung, Stimmung, Bewegung oder Schlaf außer Acht. Diese haben einen beträchtlichen Einfluss auf die Lebensqualität. Und: Sie sind teilweise auch positiv beeinflussbar. Vorausgesetzt man berücksichtigt sie!

©2021 MedEngine GmbH

In der Realität ist es so, dass die Patienten*innen mit Parkinson nur im Schnitt zweimal pro Jahr Kontakt mit ihrem*ihrer Arzt*Ärztin haben. Während der Konsultation geht es primär darum, den neurologischen Status zu überprüfen und bei Bedarf die Medikation anzupassen. In der Kürze der Zeit ist es quasi unmöglich, dass sich der*die Behandler*innen ein vollständiges Bild von allen Facetten der Erkrankung machen. Aber was passiert in der langen Zeit zwischen den Arztbesuchen? Diese Lücke in der Patientenversorgung will das Start-up MedEngine mit Flytta schließen.

Hintergrund zu Flytta

Von Dr. Philipp Brunnbauer, dem Co-Founder & CEO von MedEngine erfahre ich im Interview, dass er sich bereits während seines Medical Engineering Studiums in London mit degenerativen neurologischen Erkrankungen beschäftigt hat. Sein erstes „Projekt“ widmete sich bereits einem Hauptproblem, mit dem Parkinson-Erkrankte zu kämpfen haben: dem Intentionstremor. Dabei handelt es sich um ein Zittern der Gliedmaßen bei einer zielgerichteten Bewegung. Er lässt sich am leichtesten an den Händen beim Ergreifen eines Gegenstandes beobachten. Das erschwert alltägliche Vorgänge wie z. B. das Trinken aus einer Tasse enorm. Als Lösung hat Dr. Brunnbauer mit seinen Studienkollegen eine Tasse entwickelt, die technisch so ausgestattet war, dass sie dem Zittern entgegenwirkte und so ein Verschütten des Tasseninhalts verhinderte.

Was bietet das Selbstmanagement bei Parkinson mit Flytta?

Flytta ist ein System, das aus zwei Komponenten besteht:

  1. Die Flytta Watch überwacht passiv die motorischen Symptome. Dabei handelt es sich um eine Armbanduhr im schlichten Bauhaus-Stil, in die Bewegungssensoren eingebaut sind. Sie erfassen die motorischen Symptome wie Tremor und Bradykinese kontinuierlich über den Tag hinweg. Diese Daten werden dann via Bluetooth über das Smartphone an das zugehörige Analysesystem gesendet. Und das alles ohne eine Smartwatch, deren Bedienung nicht zuletzt aufgrund der motorischen Einschränkungen für die Nutzer*innen problematisch wäre.
  2. Die Flytta App erfasst aktiv die nicht-motorischen Symptome und hilft mit einem Tagebuch bei der Verwaltung von Medikamentenplänen, Trainingsstunden und weiteren Aktivitäten des täglichen Lebens. Die App speichert rund um die Uhr Informationen über diese „unsichtbaren“ Symptome und kombiniert sie mit den motorischen Symptomen, die die Uhr aufzeichnet. So liefert das System ein vollständigeres Bild der Erkrankung.

Durch das Tragen der Uhr und das Erfassen von Informationen in der App sammeln die Nutzer*innen Informationen über viele Faktoren, die ihre Parkinson-Erkrankung beeinflussen. Die WebApp bietet zudem ein Dashboard, auf dem alle eingegebenen Informationen zu sehen sind. Dies hilft dabei, Trends und Muster von Verhaltensweisen zu erkennen, die den individuellen Zustand beeinflussen. Das ist eine wichtige Grundlage für das Selbstmanagement bei Parkinson. Aus diesen Informationen können auch Berichte erstellt werden, die man auf Wunsch mit seinem*seiner Arzt*Ärztin teilen kann.

Kann man Flytta schon nutzen?

Eine deutsche Version der App kann man sich schon jetzt im App Store sowie bei Google Play herunterladen. Derzeit befindet sich Flytta aber noch im Beta-Stadium. Der Launch des kompletten Produkts ist für Ende des Jahres 2021 geplant. Eine Zertifizierung als Medizinprodukt Klasse I hat Flytta bereits. Eine Zertifizierung der Klssse IIa oder IIb wird angestrebt. Auch die Aufnahme ins DiGA-Verzeichnis wird von MedEngine angedacht, so dass die Kosten für die Lösung dann von den Krankenkassen übernommen werden könnten. Wer nicht das komplette System inklusive Uhr nutzen will, kann sich auch nur die App herunterladen und deren Funktionen als einfaches Parkinson-Manager-Tool kostenfrei nutzen.

Mein

Die Kontakte zum*zur Facharzt*Fachärztin sind eindeutig viel zu selten und zu kurz, um einer so komplexen Erkrankung wie dem Morbus Parkinson vollumfänglich gerecht zu werden. Hier besteht eine Versorgungslücke, die auch Systeme wie Flytta vermutlich nicht komplett schließen können. Aber Flytta ermöglicht eine lückenlose Dokumentation der Symtome zwischen den Arztbesuchen. Richtig interessant wird es, wenn Flytta die Zertifzierung als Medizinprodukt Klasse IIa oder IIb bekommt, denn dann könnten zusätzlich zum Monitoring auch individuelle Empfehlungen für ein effektiveres Selbstmanagement ausgesprochen werden. Wie Flytta dann tatsächlich das Leben von Patienten*innen erleichtern kann, werden Studien zeigen. Wir sind gespannt und bleiben dran.

Lese-Tipp: 

Über das ultra-spannendes Thema „Emotional und Audio Intelligence in der Früherkennung und Therapie von Parkinson Symptomen“ hat meine Kollegin Elke hier berichtet.

 

Der Beitrag Selbstmanagement bei Parkinson mit Flytta erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Neuroplastizitätstraining wird durch VR spielerisch

Wenn Menschen aufgrund einer Schädigung im Gehirn ihre Gliedmaßen nicht mehr richtig einsetzen können, schränkt das die Lebensqualität massiv ein. Das Start-up mit dem, wie ich finde, genialen Namen CUREosity nutzt VR-Brillen, die Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen beim Neuroplastizitätstraining in der Therapie unterstützen sollen. Wie genau, darüber berichten wir heute.


Zentralnervöse Schädigungen – Ursachen & Folgen

Zum zentralen Nervensystem (ZNS) zählt man Gehirn und Rückenmark. Verschiedene Krankheiten können das ZNS angreifen. Dazu gehören die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose wie auch Alzheimer und Parkinson. Aber auch ein Schlaganfall kann das Gehirn schädigen. Daraus können ganz unterschiedliche Störungen resultieren, je nachdem, welcher Teil des Gehirns von der Schädigung betroffen ist. Am bekanntesten sind sicherlich Lähmungen. Aber es kann auch zu Sprach- und Sehstörungen sowie zu Muskelverkrampfungen (Spastiken) kommen. Wenn Spastik oder Lähmung die obere Extremität betrifft, dann können die betroffenen Menschen ganz alltägliche Dinge wie Zähneputzen oder ein Glas zum Mund führen, nicht mehr selbständig verrichten. Das sind massive Einschränkungen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Zusätzlich ist oft bei ZNS-Erkrankungen auch oder wie beim Alzheimer sogar primär die Kognition beeinträchtigt.

Stichwort „Neuroplastizitätstraining“

Früher ging man davon aus, dass Schädigungen im zentralen Nervensystem im Gegensatz zum peripheren Nervensystem irreversibel sind. Das stimmt so kategorisch glücklicherweise nicht. Unser Gehirn verfügt nämlich über die Fähigkeit sich selbst zu regenerieren und neu zu strukturieren. Man nennt das Neuroplastizität oder auch Gehirnplastizität. Diese Fähigkeit des Nervensystems ermöglicht es dem Gehirn, sich nach einer Störung oder Verletzung wieder zu erholen. Durch ein hochfrequentes Neuroplastizitätstraining können sich neue Wege im Gehirn bahnen. Dadurch wird es möglich, dass gewisse Funktionen wiederkehren.

Wie funktioniert nun die Technologie von CUREosity?

Hierbei handelt es sich um die Kombination einer VR-Brille mit einer speziellen Software, die zur Unterstützung der Therapie neurologischer Beeinträchtigungen eingesetzt wird. Mit diesem System können Patient*innen beispielsweise virtuell Bälle fangen, eine Figur mit nur einer Kopfbewegung durch eine Bahn steuern, digitale Blumen pflücken oder ihre Aufmerksamkeit trainieren.

©CUREOSITY GmbH

„Patienten sollen spielerisch lernen, sich besser zu bewegen oder besser zu begreifen“, sagt Marco Faulhammer, einer von drei Gründern der CUREosity GmbH. „Indem sie virtuell eine Bewegung immer und immer wieder ausführen, erlernt das Gehirn verloren gegangene Fähigkeiten neu.“

 

Die Übertragung der Daten erfolgt kabellos. Der Therapeut hat Zugriff auf die Daten in Echtzeit. So kann er den Fortschritt in der Therapie genau verfolgen und diese auch entsprechend anpassen, sogar ohne dass dafür seine physische Anwesenheit erforderlich ist. Das System ist modular aufgebaut, so dass – immer orientiert am individuellen Fortschritt des Patienten – genau das richtige Maß an Forderung und Förderung angeboten werden kann.

Das hat zwei entscheidende Vorteile:

  1. Zeitersparnis für Therapeuten
  2. Dauerhafte Motivation der Patienten

Im Gespräch mit Herrn Faulhammer erfahre ich noch, dass CUREosity mobile, wie das Produkt heißen wird, auch Gruppentherapie-tauglich ist. Das verdeutlicht in Anbetracht des bestehenden Therapeutenmangels den großen Nutzen einer solchen Lösung zusätzlich.

Das Gerät kann grundsätzlich auch remote, d. h. im häusliche Umfeld des Patienten, genutzt werden. Denn außer der VR-Brille ist dann nur noch WLAN notwendig. Im ersten Schritt ist allerdings geplant, dass CUREosity mobile in der Klinik und dort am besten im Rahmen der Frührehabilitation eingesetzt wird.

Mein Fazit

Die so genannten Serious Games machen aktuell innerhalb der Games noch einen geringen Teil aus, aber es wird ihnen ein enormes Wachstum prophezeit. Meiner Meinung nach völlig zu Recht. Denn wer spielerisch trainiert oder lernt, macht das mit viel mehr Freude und größerer Motivation. Mehr Spaß bei der Therapie erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten ihre Übungen über einen längeren Zeitraum regelmäßig ausführen. Ansonsten gewinnt erfahrungsgemäß doch nach einer gewissen Zeit der berühmte „innere Schweinehund“…

Um die „Seriosität“ dieser Lösung zu untermauern, sind die VR-Brillen zum Neuroplastizitätstraining seit 2018 in der Meerbuscher St.-Mauritius-Therapieklinik im Einsatz. Wie groß der medizinische Nutzen tatsächlich ist, wird gerade in einer aktuell noch laufenden Studie untersucht. Wenn alles rund läuft, wird die Technologie von CUREosity Anfang des kommenden Jahres auf den Markt kommen. Dabei strebt CUREosity eine Zulassung als Medizinprodukt der Klasse 1 an. Wir bleiben gespannt.

Übrigens habe ich hier schon öfter über den Einsatz von VR in der Medizin berichtet, so zum Beispiel hier.

Der Beitrag Neuroplastizitätstraining wird durch VR spielerisch erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Röntgen-Software zur COVID-19-Diagnose

Die Computertomographie (CT) der Lunge ist ein Verfahren, das bei Verdacht auf einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion zum Einsatz kommt. Aber nicht überall auf der Welt gibt es die Möglichkeit, mal eben schnell ein CT zu fahren. Das gute alte Röntgen ist in vielen Teil der Erde das einzige verfügbare bildgebende Verfahren. Allerdings sind die Geräte in Entwicklungsländern oft veraltet und liefern nur eine schlechte Bildqualität. Das war die Motivation einer Studentin, eine spezielle Röntgen-Software zu entwickeln, um die Bilder dennoch diagnostisch nutzbar zu machen.

Hintergrund

Das konventionelle Röntgenbild des Thorax weist nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) bei 50–60 % der COVID-19-Erkrankten Veränderungen auf, die CT-Untersuchung der Lunge in circa 85 % der Fälle. Die CT sollte einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt zufolge aber nicht zum Screening oder gar als Erstlinientest zur Diagnose von COVID-19 verwendet werden. Die wichtigsten Aufgaben der CT im Rahmen der COVID-19-Pandemie sind die Diagnose von pneumonieassoziierten Komplikationen sowie die Bewertung des initialen Krankheitsausmaßes und die Verlaufsbeurteilung unterstützend zur klinischen Einschätzung in schweren Fällen, heißt es in dem Beitrag weiter.

Nun gibt es aber Gegenden, in denen es ohnehin nur Röntgengeräte zur Bildgebung gibt. Hier könnte vielleicht künftig eine speziell entwickelte Software, die Röntgen-Aufnahmen automatisch analysiert, helfen.

„Mir ist es besonders wichtig mit meiner Arbeit etwas zu tun, was Menschen in ärmeren Ländern in dieser schwierigen Zeit von Nutzen sein kann.“

Lena Kopp, Studentin der Elektrotechnik am Campus Künzelsau der Hochschule Heilbronn , Reinhold-Würth-Hochschule.

Wie funktioniert diese Röntgen-Software?

Zur automatisierten Auswertung werden die konventionell produzierten Röntgen-Aufnahmen in einen Standard-PC eingelesen und mit einer speziellen mathematischen Operation der Kontrast erhöht. Das ist ein Vorteil bei qualitativ schlechten Aufnahmen, die beim Einsatz älterer Röntgenanlagen entstehen.

Die Software erstellt neben einem Falschfarbenbild, das die Auswertung vereinfachen kann, ein Binärbild, auf welchem sich bereits die Umrisse der Lunge, sowie Spuren von geschädigtem Gewebe erkennen lassen.

Ein Falschfarbenbild der Lunge, das die Auswertung vereinfachen kann. ©Hochschule Heilbronn

Durch einen weiteren Algorithmus werden die im Binärbild vorhandenen Kanten und Grenzen der einzelnen Bereiche ermittelt. Die Software kann durch weitere Berechnungen Flächen- und Symmetriebetrachtungen vollziehen und angeblich anhand dieser mit großer Wahrscheinlichkeit zwischen bakterieller- oder viraler Lungenentzündungen unterscheiden.

Wie kann die Röntgen-Software die Infektionsursache unterscheiden?

Eine Covid-19-Erkrankung zeigt meist milchglasartige Veränderungen in beiden Lungenflügeln. Liegt eine bakterielle Lungenentzündung vor, ist mehrheitlich nur ein Flügel der Lunge verändert. Eine gleichmäßige Ausbreitung über alle Bereiche der Lunge kann dabei also ein – wohlgemerkt unspezifischer – Hinweis auf eine Covid-19-Infektion sein.

Nun könnte man annehmen, dass diese Unterscheidung auf dem Röntgenbild doch für das geschulte Auge eines Arztes nicht so schwer sein kann. Dazu meint die Studentin:

„Da oft kein CT-Equipment zur Verfügung steht, konventionelles Röntgen jedoch inzwischen weit verbreitet ist, ist es aus meiner Sicht besonders sinnvoll die vorhandenen Möglichkeiten optimal zu nutzen und zur Unterstützung der Ärzte Röntgenbilder automatisiert auswerten zu können.“

Lena Kopp, Studentin der Elektrotechnik am Campus Künzelsau der Hochschule Heilbronn, Reinhold-Würth-Hochschule

Mein Fazit

Der primäre Test für die Diagnose von SARS-CoV-2 ist die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) aus dem Rachenraum oder gegebenenfalls der tiefen Atemwege nach Vorgabe des RKIs. Einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt zufolge sind die wichtigsten Aufgaben der CT im Rahmen der COVID-19-Pandemie die Diagnose von pneumonieassoziierten Komplikationen sowie die Bewertung des initialen Krankheitsausmaßes und die Verlaufsbeurteilung unterstützend zur klinischen Einschätzung in schweren Fällen.

Bei der hier vorgestellten Software handelt es sich um das Ergebnis einer Studienarbeit. Hier soll also keinesfalls der Eindruck erweckt werden, dass bildgebende Verfahren wie Röntgen oder CT zur Erstdiagnose einer COVID-19-Erkrankung herangezogen werden sollen! In Ländern, in denen aber dann, wenn eine CT angezeigt wäre, diese Technik überhaupt nicht zur Verfügung steht, könnte die Röntgen-Software möglicherweise eine Unterstützung sein. Aber bevor sie zum Einsatz kommt, sind natürlich erst einmal klinische Studien erforderlich. Ob das geplant ist, und ob das Projekt überhaupt fortgesetzt wird, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis. Wir bleiben gespannt.

 

Der Beitrag Röntgen-Software zur COVID-19-Diagnose erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

phellow – folgen lohnt sich!

*Werbung – unbezahlt – wegen Namensnennung / Verlinkung*


Wir haben hier schon über einige Apps berichtet, mit denen Patienten Daten zu ihrer Gesundheit erheben und diese mit ihrem Arzt teilen können. Heute stellen wir die App Phellow des Start-ups phellow seven vor, die genau in die entgegengesetzte Richtung funktioniert. Aber mal der Reihe nach.

Hintergrund zu phellow

Nach einer Organtransplantation müssen Patienten immer immunsuppressive Medikamente bekommen. Sie sollen das körpereigene Immunsystem unterdrücken, damit der Organismus das Organ, das der Körper als fremd wahrnimmt, nicht gleich wieder abstößt. Diese Medikamente sind also überlebenswichtig.

Leider haben sie die Besonderheit, dass sie nur über eine sehr geringe therapeutische Breite verfügen. Das bedeutet, dass Immunsuppression immer eine Gratwanderung zwischen Abstoßung (bei Unterdosierung) und gefährlichen Nebenwirkungen (bei Überdosierung) darstellt. Aus diesem Grund müssen die Konzentrationen des immunsuppressiven Medikaments im Blut regelmäßig alle zwei bis drei Wochen kontrolliert werden. Anhand der Laborwerte muss der behandelnde Arzt die Immunsuppressiva immer wieder anpassen. Das ist gar nicht so einfach, weil die idealen Konzentrationen für jeden Patienten absolut individuell sind. Sie sind u. a. abhängig vom Spenderorgan, eventueller  Begleitmedikamente und der Dauer nach Transplantation.

Für diese schwerkranken Patienten ist der Aufwand für dieses regelmäßige Drugmonitoring eine enorme Belastung: Zuerst müssen sie zur Blutentnahme. Dann müssen sie ihre Werte wieder erfragen. Das ist alles oft mit erheblichen Wartezeiten verbunden. Diesen Prozess hat das Start-up phellow seven mit seiner App Phellow nach einer Herztransplantation erheblich vereinfacht.

Screenshot der phellow App Starseite
© phellow seven GmbH

Wie alles begann

2017 entwickelte die Abteilung für Medizinische Informationssysteme (MIS) der Uniklinik Heidelberg die App phellow. Eigentlich war es nur ein kleines Projekt in der Herztransplantationsambulanz der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie. Ein Jahr später erfolgte die Unternehmensausgründung von phellow seven. Ein Start-up aus sechs Gründern, die ein interdisziplinäres Team aus Betriebswirten, Ärzten und Medizininformatikern bilden.

Wie funktioniniert phellow?

Nach einer Herztransplantation tragen Kliniken die App phellow aktiv an ihre Patienten heran. Über die App können die Patienten dann alle wichtigen Informationen auf ihrem Smartphone einsehen. Die App bündelt also alle relevanten Untersuchungsbefunde. Diese können direkt aus der App heraus per E-Mail verschickt werden.

Das Besondere an der mobilen Anwendung: Sie ist in das Kliniksystem integriert. Die Daten werden also nicht in einer Cloud gespeichert, sondern auf dem Klinikserver hinterlegt.

  • © phellow seven GmbH, Krankheitshistorie mit allen Befunden
  • © phellow seven GmbH, Medikationsplan
  • © phellow seven GmbH, Sonografiebefund zum Versand per E-Mail

„Patientenzentriert, standardbasiert, datenschutzkonform und sicher konzipiert.“, verspricht phello seven auf der Website. 

Ein weiterer Vorteil: Die Patienten schicken ihr Blut zur Überprüfung des Medikamentenspiegels direkt per Post an die Uniklinik Heidelberg. Sie müssen dafür lediglich zu ihrem Hausarzt. Kurze Zeit später finden sie die Laborwerte, deren Bewertung und die Medikamentenempfehlung des Arztes in ihrer phellow-App. Eine große Erleichterung vor allem für Menschen, die eine längere Anfahrt zum Transplantationszentrum haben.

Mein Fazit

Aus einem kleinen Piloten wurde im wahrsten Sinne des Wortes ein Herzensprojekt.

Die App macht einerseits das Leben von Menschen mit einer Herztransplantion ein Stückchen leichter. Zum anderen erleichtert sie die Kommunikation zwischen Klinik und Patient erheblich.

phellow seven ist ein Name, den man sich merken sollte. Als nächsten Schritt will das Start-up nämlich weitere vom Patienten generierte Daten, wie Aktivitäts- Herzfrequenz- und Blutzuckerdaten, in die Anwendung integrieren und auf Patientenwunsch den Behandlern zugänglich machen.

Der Beitrag phellow – folgen lohnt sich! erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Vivatmo me – erstes FeNO-Messgerät für zuhause

Wer unter Asthma leidet oder ein an Asthma erkranktes Kind hat, weiß, wie belastend die Unsicherheit ist, dass man nie genau sagen kann, was man sich alles zutrauen kann. Das schränkt die Planung von beruflichen wie privaten Aktivitäten mitunter erheblich ein. Vivatmo me, eine Innovation von BOSCH, könnte das jetzt ändern, und Betroffenen mehr Sicherheit und Kontrolle im Umgang mit ihrem Asthma geben.


Asthma gibt es in unterschiedlichen Formen und Schweregraden. Was viele nicht wissen: Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege. Vivatmo me ist das weltweit erste Messgerät, mit dem man jetzt selbst messen kann, wie stark die „Asthma-Lunge“ entzündet ist. Binnen weniger Sekunden misst es die Menge eines bestimmten Entzündungsmarkers in der Ausatemluft, den sogenannten FeNO-Wert.

Was hat es mit diesem FeNo-Wert auf sich?

Asthma liegt eine spezielle Entzündung der Schleimhaut in den Bronchien zugrunde. Hier befindet sich eine bestimmte Art von Entzündungszellen, die so genannten eosinophilen Granulozyten. Diese bilden das Gas Stickstoffmonoxid (NO), das mit der Ausatemluft ins Freie gelangt. Um das in den unteren Atemwegen entstandene NO in der Ausatemluft nachweisbar zu machen, muss die Ausatemluft „fraktioniert“, d. h. unterteilt werden. Gemessen wird dann das fraktionierte exhalierte (ausgeatmeten) NO – kurz FeNO.

Was sagt der FeNO-Wert aus?

Es besteht ein erwiesener Zusammenhang zwischen dem FeNo-Wert, also der NO-Konzentration in der Ausatemluft, und dem Ausmaß der Entzündung in den Atemwegen: Je höher der NO-Gehalt, desto stärker die Entzündung. Misst man FeNO regelmäßig, kann man den Verlauf der Atemwegsentzündung kontrollieren.

Was genau kann Vivatmo me?

Zunächst einmal ermöglicht das Device, dass Menschen mit Asthma ihren FeNo-Wert innerhalb weniger Sekunden selbst zuhause messen können. So bekommen sie eine verlässliche Aussage über den Grad ihrer Atemwegsentzündung. Mithilfe einer Ampelanzeige kann der Messwert direkt interpretiert werden. Das unterstützt Asthmatiker*innen dabei, ihre Tagesform besser einzuschätzen und den Alltag entsprechend zu planen.

Die Werte für die Ampelanzeige können nach Absprache mit dem Arzt individuell auf den Nutzer abgestimmt werden.
© Bosch Healthcare Solutions GmbH 2020

Vivatmo me ist der ideale Begleiter für Menschen mit Asthma, die Ihren Alltag nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten wollen, die Ihre Therapie sowie Ihren Gesundheitszustand im Blick haben und diesen auch aktiv mitgestalten wollen, so Thomas Berroth, Marketing & Kommunikation bei Bosch Healthcare Solutions GmbH.


Die Bedienung des Vivatmo me ist kinderleicht und absolut nicht belastend, wie man in diesem Video sehen kann:

Die Vivatmo app

Vivatmo me ist aber weit mehr als nur ein innovatives FeNO-Messgerät für den Hausgebrauch. Das Konzept dahinter verbindet Ärzte und Patienten zu einem Team auf dem gemeinsamen Weg zur optimalen Asthma-Therapie. Das verbindende Element dabei ist die Vivatmo app. Die App dient als digitales Asthma-Tagebuch. Die mit dem Vivatmo me erfassten FeNO-Messwerte können dabei ganz einfach per Bluetooth an die Vivatmo app übertragen und gespeichert werden. Außerdem kann man  mit der App auch die Medikamenteneinnahme, die Peak-Flow-Werte sowie das persönliche Befinden dokumentieren. Zudem ist eine regionale Pollenvorhersage integriert.

Und schließlich kann man die monatliche Übersicht der gemessenen FeNO-Werte seinem Arzt zeigen, so dass er bei Bedarf, die Asthma-Therapie ganz individuell optimieren kann. Studien haben gezeigt, dass akute Asthmaepisoden nachweislich verringert werden können, wenn die Behandlung des Asthmas über eine regelmäßige FeNO-Messung gesteuert wird.1 Sollte sich der Entzündungsverlauf verschlechtern, erkennt man dies durch erhöhte FeNO-Werte, und der Arzt kann frühzeitig therapeutisch gegensteuern.2,3

Die App kann sowohl im App Store von Apple als auch im Google Play Store heruntergeladen werden.

Mein Fazit

Der FeNO-Wert gewinnt nicht nur diagnostisch sondern vor allem auch im Bereich der individuellen Therapiesteuerung und -optimierung immer mehr an Bedeutung. Ein regelmäßiges FeNO-Monitoring ist dafür unerlässlich. Dieses in die Hand der Patienten zu legen, ist aus unserer Sicht absolut sinnvoll. Zum einen entlastet die FeNO-Selbstmessung die Arztpraxen. Andererseits fördert sie das Empowerment und unterstützt Patienten darin, mit ihrer chronischen Erkrankung selbstbestimmt und aktiv zu leben. Die Entscheidung darüber, welche Medikamente in welcher Dosierung aufgrund der Messwerte genommen werden sollen, sollte allerdings unbedingt in der Hand des Arztes bleiben.

Wir haben Vivamto me ausprobiert und können bestätigen, dass er wirklich super easy im Gebrauch ist. Wünschenswert aus Anwendersicht ist, dass es eine Möglichkeit gibt, die Messwerte digital an den behandelnden Arzt bspw. via E-Mail zu übermitteln.


1 Petsky et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016;9:CD011440

2 Essat et al. Eur Respir J 2016;47:751-68

3 Bodini A et al. Chest 2017;132:1520-25

Der Beitrag Vivatmo me – erstes FeNO-Messgerät für zuhause erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Vara – zugelassenes KI-Tool zur Brustkrebsvorsorge

Die Begutachtung von Mammografie-Bildern im Rahmen des Brustkrebs-Screenings erfolgt derzeit nach dem Vier-Augen-Prinzip. Das kostet Ärzte viel Zeit und ist teuer. Vara, die erste KI-basierte Software, die in Deutschland gerade die Zulassung bekommen hat, will diesen Aufwand erheblich reduzieren.

Das Mammografie-Screening ist ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs, das sich bundesweit an über zehn Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren richtet. Die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Im Jahr 2017 nahmen fast 2,8 Millionen Frauen an dem Mammografie-Screening-Programm teil. Von 1000 Frauen erhalten 970 einen unauffälligen Befund, wie die Kooperationsgemeinschaft Mammografie herausgefunden hat.[1] Diesen enormen Befundungsaufwand zu reduzieren war der Anlass für die Entwicklung von Vara.

Was ist Vara genau?

Das Start-up Merantix Healthcare hat eine auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software entwickelt, mit der Radiologen in der Brustkrebsfrüherkennung künftig Bildmaterial hundertprozentig gesundes Gewebes schneller von potenziell mit Krebs befallenem Gewebe unterscheiden können. Vereinfacht gesagt: Vara soll Mammografie-Bilder digital auswerten und unauffällige Aufnahmen aussor­tieren. Die Entwickler haben ihr Programm dafür trainiert. Und zwar auf einem der weltweit größten Brustkrebs-Datensätze mit mehr als zwei Millionen Aufnahmen. Diese wurden mittels Gewebeproben und Annotationen medizinischer Experten abgesichert.

Was zeichnet Vara besonders aus?

Vara ist nicht nur i r g e n d e i n Medizinprodukt. Die Softwaren soll schließlich nicht zwischen „Schnupfen“ und „kein Schnupfen“ unterscheiden, es geht um Krebs! Es handelt sich bei Vara um ein Hochrisiko-Medizinprodukt der Klasse 2b. Die Methodenbewertung ist damit Sache des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses G-BA. Da dreht man also schon am ganz großen Rad der Zulassung.

Mein Fazit

Gerade in der Radiologie werden die Datenmengen, die Ärzte zu bewältigen haben, immer mehr. Die Zahl der Fachkräfte, die diese Bilder analysieren und befunden können, sinkt aber. Wenn Vara alle unauffälligen Befunde zuverlässig aussortiert, könnte das Radiologen künftig erheblich entlasten. So können die sich voll und ganz auf das Erkennen von Krebserkrankungen konzentrieren. In Anbetracht schwindender Ressourcen und gleichzeitg stetig stiegender Kosten im Gesundheitswesen eine sehr begrüßenswerte Entwicklung. Wird Vara schon bald Eingang in die Regelversorgung finden? Laut unseren Recherchen ist das Unternehmen bereits mit Krankenkassen im Gespräch. Wir bleiben gespannt.

Brustkrebsfrüherkennung ist aber nicht nur an HighTech und KI gekoppelt, wie dieser spannende Beitrag beweist.

[1] https://www.mammo-programm.de/mammographie-in-zahlen/

Der Beitrag Vara – zugelassenes KI-Tool zur Brustkrebsvorsorge erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

medicstream: „SendByDoc“ Streamingangebot

Die Zeit, Patienten in der Arztpraxis ausführlich über ihre Diagnose zu informieren, ist immer zu kurz. Kaum hat der Patient die Praxis verlassen, hat er die Hälfte der knappen Informationen auch schon wieder vergessen. Das Start-up medicstream hat dafür eine innovative Lösung entwickelt: Ein Streamingangebot, das Ärzte mit passgenauen Videoinformationen bei der Aufklärung ihrer Patienten unterstützt.

Hintergrund

In Deutschland dauert ein durchschnittliches Arztgespräch nur ca. 7 Minuten.[1]

© statista

In dieser Zeit müssen Ärzte

  • den Patienten zu seinen Symptomen befragen,
  • diese richtig interpretieren,
  • ihn untersuchen,
  • eine Diagnose stellen,
  • die Behandlung festlegen und
  • das alles am Ende dem Patienten auch noch möglichst verständlich erklären.

Das ist verdammt viel für nur 7 Minuten!
Auf diesem Dilemma beruht die Idee des Gründerteams von medicstream:

Die Idee

Eine eigens entwickelte Plattform bietet Ärzten eine ganze Reihe an Videoclips an, die sie ihren Patienten als „SendByDoc“-Service zur vertiefenden Information zur Verfügung stellen können. Damit die Informationen auch auf den individuellen Bedarf des Patienten abgestimmt sind, kann der behandelnde Arzt aus einer vielfältigen Auswahl hochwertiger, laienverständlicher medizinischer Erklärvideos eine Auswahl treffen. Diese Playlist verschickt er dann ganz einfach per E-Mail an seinen Patienten. Fertig ist das Infozept, mit dem der Arzt seinen Patienten zusätzliche Informationen „verordnen“ kann.

© medicstream GmbH. So sehen die Playlists aus, aus denen der Arzt die Clips für seinen Patienten individuell zusammenstellen kann.

Das Infozept mit grundlegenden Informationen rund um seine Erkrankung in Form von Videos findet der Patient in seinem elektronischen Postfach. Diese Clips kann er dann sofort zeit- und ortsunabhängig auf fast jedem internetfähigen Endgerät anschauen. So kann er die Inhalte des Arztgespräches wiederholen bzw. vertiefen und ergänzen. Und das alles, ohne sich irgendwo registrieren und einloggen zu müssen. Es werden daher zu keinem Zeitpunkt persönliche Daten beim Dienstanbieter gespeichert.

Screenshot des personalisierten Infozepts, das der Patient per E-Mail bekommt.

Aktuell gibt es ca. 70 Clips rund um Herz-Kreislauf-Themen. Es ist geplant, das Angebot auf weitere Erkrankungen auszuweiten.

Die versendeten E-Mails können noch mit individuellen Angaben wie Fotos von der Praxis, Logo etc. versehen werden. Das macht den „SendByDoc“-Service persönlich. Und der Patient kann sicher sein, dass es sich hierbei um hochwertige und vertrauenswürdige Informationen handelt, die sein Arzt sorgfältig für ihn zusammengestellt hat.

Für Patienten ist dieser Service kostenlos. Für Ärzte, die diesen Service anbieten möchten, gibt es je nach Praxis-/Klinikgröße verschiedene Abo-Modelle.

Mein Fazit

Wir haben den neuen Service natürlich getestet und waren von der Usability begeistert! Das Einrichten des Accounts geht super easy, der Service ist schon innerhalb weniger Minuten nutzbar. Hat man sich einen Überblick über das Angebot verschafft, hat man auch schnell die passende Playlist für seinen Patienten zusammengestellt. Dann muss man diese nur noch per Mail verschicken. Vorausgesetzt, der Patient hat seine Einwilligung dazu gegeben. Falls nicht, so kann man ihm das „Infozept“ auch ganz einfach als PDF ausdrucken. Darauf findet er dann die Links zu seinen Video-Informationen als URL sowie als QR-Code.

Videoclips und Erklärfilme als Format der Informationsvermittlung sind im Gesundheitsbereich natürlich keine neue Erfindung. Neu an dieser Lösung ist aber, diese auf einer Streaming-Plattform zu bündeln. Von hier aus kann der Arzt seinen Patienten – immer als Ergänzung zum persönlichen Gespräch – individuell geschnürte Info-Pakete zukommen lassen. Das gibt es bis dato noch nicht.

Die Plattform ist natürlich noch ausbaufähig. Ihr Wert für Ärzte und Patienten hängt auch davon ab, wie viele weitere Indikationen künftig noch hinzukommen.

Medicstream ist seit Kurzem auf dem Markt. „SendByDoc“ wurde bereits in einem Pilotversuch in einem Ärztenetz getestet. Demnächst soll noch eine Testphase mit Kliniken folgen.

Wir sind auf alle Fälle sehr gespannt und bleiben dran.

[1] Irving G et al. International variations in primary care physician consultation time: a systematic review of 67 countrie. BMJ Open 2017;7:e017902. doi:10.1136/bmjopen-2017-017902

Der Beitrag medicstream: „SendByDoc“ Streamingangebot erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Minimic macht Malaria-Mikroskopie intelligent

Weltweit sterben jährlich ca. 600.000 Menschen an Malaria, etwa drei Viertel von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.[1] Eine schnelle und zuverlässige Diagnose ist daher entscheidend. Mit herkömmlichen Methoden ist das nur mit Einschränkungen möglich. Das Minimic, eine Erfindung aus‘m Ländle, könnte das ändern.

Das herkömmliche Auszählen von Zellen, die von einem Malaria-Erreger befallen sind, in einem ausgestrichenen, angefärbten Tropfen Blut unterm Mikroskop ist mühsam und sehr zeitaufwändig. Zwar gibt es seit einigen Jahren Schnelltests auf Malaria. Diese geben aber nur Auskunft darüber, ob ein Mensch Erreger im Blut hat, nicht aber wie viele es sind. Aber genau das ist eine ganz entscheidende Information mit u. U. erheblichen Konsequenzen für die Betroffenen. Denn nicht jeder, der Malaria-Parasiten in sich trägt, erkrankt auch zwingend an Malaria. Das führt dazu, dass andere Ursachen für hohes Fieber bei positivem Schnelltest außer Acht gelassen werden. Die Konsequenzen können fatal sein, wenn so bspw. eine bakterielle Infektion unbehandelt bleibt.

Minimic ist schnell und schlau dank künstlicher Intelligenz

Das Stuttgarter Unternehmen Intuity Media Lab GmbH hat sich daher gefragt, warum ein Mikroskop nicht gleich das aufwändige Zählen und Auswerten mitübernehmen kann. Ergebnis der Überlegungen ist nun ein vollautomatisches, intelligentes trainierbares Mikroskop, das den Namen Minimic trägt.

Person sitz am Laptom und betrachtet die Ergebnisse von Mimimic, einem kleinen kompakten und intelligenten trainierbaren Mikroskop zur Malaria-Diagnostik
© Intuity Media Lab GmbH

„Bei unserer Entwicklung Minimic handelt sich um ein kompaktes, vergleichsweise günstiges Lichtmikroskop, das nicht nur winzige Objekte vergrößert, sondern auch erkennt und zählt”, beschreibt Markus Turber, Geschäftsführer von Intuity Media Lab, das Gerät.

© Intuity Media Lab GmbH

Die Bildanalyse erfolgt mittels einer integrierten KI, die führende Malaria-Experten trainieren und über eine Cloud teilen. Durch das kontinuierliche Training der Software erreicht Minimic inzwischen eine vergleichbare Trefferquote wie Spezialisten, die mit Hochleistungslinsen arbeiten.

„So lernt unser Minimic, die unterschiedlichsten Proben zu erkennen und auszuwerten und wird dadurch selbst zum Experten“, erläutert Dr. Henning Falk, Biologe bei Intuity.

Wo herkömmliche Mikroskope den Nutzer mit der Interpretation von mikroskopischen Proben alleine lassen, liefert das Minimic die Analyse gleich mit. Das spart Zeit und garantiert zuverlässige Ergebnisse auch bei unerfahrenen Anwendern.

Fazit:

In Größe und Form erinnert mich das Minimic ja ein bisschen an diese kleinen Kapsel-Kaffeemaschinen. Mit einem herkömmliche Mikroskop hat es jedenfalls rein optisch nicht viel gemein. Okulare, die ein Mikroskop so typisch machen, und die normalerweise für die  direkte Betrachtung der Blutprobe notwendig sind, braucht das Minimic nicht. Hardware und Optik sind für die digitale Bildaufnahme, nicht für die direkte Betrachtung optimiert. Es werden günstige Komponenten in Verbindung mit einer intelligenten Steuerung verbaut.

„Minimic hat beste Voraussetzungen, um auch für Ärzteteams in den ärmsten Regionen der Erde erschwinglich zu sein.“, meint unsere Ärztin Heidi, die selbst im südlichen Afrika in einer sehr entlegenen Region an einem Krankenhaus gerabeitet hat.

Also von uns gibt es dafür beide Daumen hoch und wir wünschen Minimic viel Erfolg!

[1] https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Malaria.html zuletzt aufgerufen am 30.07.2019

Der Beitrag Minimic macht Malaria-Mikroskopie intelligent erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

Betterguards – „Zauberstab“ schützt Gelenke

Es geht blitzschnell, dass man umknickt und ruckzuck ist der Knöchel dick. Im schlimmsten Fall zerreißt man sich dabei sogar die Bänder am Sprunggelenk. Das Start-up Betterguards hat ein System entwickelt, das Gelenke schützen soll.

Die Idee hinter Betterguards

Das Problem beim Umknicken ist ja, dass der Muskel viel zu langsam reagiert, um eine entsprechende Gegenkraft zu entwickeln und so das Gelenk zu stabilisieren. Gesucht wurde also eine Lösung, die diese zeitliche Lücke überbrückt.

„Ich habe mir beim Sport mehrfach schlimme Bänderverletzungen zugezogen, die meinen Traum, Profisportler zu werden, zunichtegemacht haben. Deshalb wollte ich etwas gegen Gelenkverletzungen erfinden und vielen Menschen dieses Leid ersparen. So entstand meine Mission, Gelenkverletzungen in die Geschichtsbücher zu verbannen.“, so Vinzenz Bichler, Hauptgründer von Betterguards.

Das Betterguards Gründer-Team (v.l.n.r.): Timo Stumper, Vinzenz Bichler und Max Müseler © Thomas Koehler/ photothek.net

Die Idee zur Lösung lieferte das Wissen um den Effekt, dass flüssiger Kunststoff schnell hart wird, wenn man ihn rasch, also mit entsprechendem Druck in eine Form presst. Im Fachjargon heißt das Scherverdickung. Und eben diesen, an und für sich unerwünschten Effekt, hat man sich bei Betterguards zunutze gemacht.

Die Herausforderungen an das System:

  1. Es soll dadurch die Bewegung nicht eingeschränkt werden.
  2. Es darf nicht frühzeitig blockieren.
  3. Und es muss vor allem – anders als ein Airbag – immer wieder neu reagieren können.

Die Lösung ist so einfach wie genial und sie hat mit Zauberei natürlich nichts zu tun.

Wie funktioniert Betterguards genau?

Ein kleiner Stab, der mit einer speziellen, schnell härtende Flüssigkeit gefüllt ist, wird zwischen zwei Fixpunkten im Schuh eingebaut. Knickt man mit dem Fuß um, wird der dabei entstehende Druck über den Stab auf die in ihm befindliche Flüssigkeit übertragen, die daraufhin in weniger als 20 Millisekunden hart wird. So schnell kann der Körper selbst nicht reagieren. Aufgrund der blitzschnell einsetzenden stabilisierenden Schutzfunktion wird ein kritisches Überstrecken des Gelenks – und eine daraus resultierende Gelenkverletzung – bestmöglich verhindert. Und das besondere daran: Anschließend ist das System wieder frei beweglich und sofort weiter einsetzbar.

Wo kann das Betterguards System überall eingebaut werden?

Neben Schuhen gibt es auch die Möglichkeit das Betterguards System in Handschuhe zu integrieren. So soll es das Handgelenk vor Überstrecken und Aufprallverletzungen schützen. Das System kann aber grundsätzlich auch in Bandagen, Orthesen, und sogar in Socken integriert werden, wie man auf der Website erfährt.

Aktuell ist zwar noch kein Produkt mit dieser Technologie auf dem Markt. Aber das Unternehmen Juzo ist bereits Partner und wird Ende des Jahres eine Sprunggelenkbandage mit integriertem Betterguards System auf den Markt bringen.

Fazit und Ausblick

Auch wenn die Idee ursprünglich aus dem sportlichen Bereich kam, so ist sehr gut vorstellbar, dass von Betterguards auch ältere, sturzgefährdete Menschen profitieren können. Deshalb haben wir explizit bei Betterguards danach gefragt.

Und tatsächlich gibt es für die Sturzprävention auch schon verschiedenen Ideen für die Zukunft wie zum Beispiel der Einsatz in Rückenorthesen oder die Möglichkeit, die Technologie bzw. die Funktion in Textil einzuweben. Immer mit demselben Ziel: Bewegungsfreiheit bei normalen Bewegungen und Schutz bei kritischen, schnellen Bewegungen. Eben wie ein Sicherheitsgurt im Auto.

In Seniorenheimen befinden sich ja bereits verschiedenste Systeme als Trochanter-Schutz im Einsatz. Meist handelt es sich dabei um spezielle Hosen mit eingebauten Protektoren. Es gibt auch schon eine Art Hüft-Airbag, über den wir an anderer Stelle bereits berichtet haben. Aber das Betterguards System erscheint mir als die derzeit smarteste Lösung. Daher drücken wir den Gründern die Daumen, dass sie bald entsprechende Partner finden.

Der Beitrag Betterguards – „Zauberstab“ schützt Gelenke erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.

The sound of Arthrose

Arthose (engl.: ostheoarthritis), also die Abnutzung eines Gelenks, kommt häufig bei älteren Menschen vor. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern schränkt auch die Beweglichkeit zunehmend ein, wenn beispielsweise das Hüft- oder Kniegelenk betroffen sind. Nicht selten steht den Betroffenen am Ende der Einsatz eines künstlichen Gelenks bevor. Arthrose ist nämlich grundsätzlich nicht heilbar. Aber es ist möglich, den Verlauf einer arthrotischen Entwicklung durch geeignete Maßnahmen zu verlangsamen oder aufzuhalten. Dafür ist aber eine frühzeitige Intervention und somit auch eine Diagnose in einem frühen Stadium erforderlich. Eine Studie hat  nun untersucht, ob hier die Schallemissionsanalyse helfen könnte. 

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob die Schallemissionsanalyse (SEA) unter klinischen Bedingungen ein geeingetes Verfahren zur Erkennung von Arthrose am Knie ist. Mit anderen Worten: Die Forscher wollten wissen, ob man mit der Schallemission herausfinden kann, wie kranker Knorpel im Vergleich zu gesundem klingt.

Aber was ist eigentlich diese Schallemissionsanalyse?

Schallemissionsanalyse und ihre Rolle in der medizinischen Diagnostik?

©Pixabay

Auf Wikipedia erfahre ich: „Die Schallemissionsprüfung (englisch Acoustic Emission Testing) auch Schallemissionsanalyse, ist ein Prüfverfahren, das oft als zerstörungsfreies Prüfverfahren bezeichnet wird. Bei diesen Verfahren wird ausgenutzt, dass plötzliche Veränderungen im Gefüge eines Werkstoffs, die durch chemische oder thermische Vorgänge oder unter mechanischer Belastung ausgelöst werden, zur Emission von Schall führen.“

Oha, mit Medizin hat das also primär mal nichts zu tun.

Aber „Veränderungen im Gefüge“ sind ja auch das Resulat einer altersbedingten Knorpeldegeneration, wenn man so will. Und genau das war die Überlegung der Wissenschaftler, die Methode der Schallemissionsanalyse auch zur Diagnostik der Kniegelenksarthrose einzusetzen.

Was genau hat die Arthrose Studie untersucht?

Untersucht wurden 29 Menschen, bei denen aufgrund einer Problematik am Knie eine Magnetresonanztomografie durchgeführt wurde. Bei diesen Testpersonen wurde das Aufnahmegerät angeschlossen, um die Geräusche aufzuzeichnen, die auftraten, während die Patienten eine Kniebeuge machten. Festgehalten wurde auch die Gradzahl der Bewegung, bei der die typischen „Schadensgeräusche“ auftraten, um Hinweise auf den Ort der Knorpelschäden zu bekommen. Am Ende haben sie dann die Resultate der Schalldiagnostik mit den Befunden der zuvor angefertigten (ihnen nicht bekannten) MRT-Aufnahmen verglichen: Die Übereinstimmung betrug 95 Prozent! Das ist nicht schlecht.

In weiteren Studien wollen die Forscher nun noch überprüfen, wie sensibel die Schallemissionsanalyse ist und ob mit der Methode bereits kleine Veränderungen am Knorpel entdeckt werden können, die über das bildgebende Verfahren nicht erkennbar sind.

Mein Fazit

Auch wenn man im Spaß vielleicht mal sagt, „Bei dir knirscht es aber schon ordentlich im Gebälk“, so sind arthrosebedingte Veränderungen am Knorpel in der Regel für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Mittels der Schallemissionsanalyse werden die Geräusche „sichtbar“. Dieses Prüfverfahren stellt somit eine interessante Möglichkeit dar, Veränderungen im alternden Knorpelgewebe schon frühzeitig aufzudecken. Bei einer frühzeitig erkannten Arthrose können Ärzte künftig dann vielleicht doch auch eine Heilung angestreben. Jedenfalls diskutieren Wissenschaftler über eine potenzielle Regenerationsfähigkeit von Knorpelgewebe unter gewissen Bedingungen.

Der Beitrag The sound of Arthrose erschien zuerst auf Healthcare-Heidi.